Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Chili – scharfes aus dem Kräutergarten

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Chili – die scharfen Kräuter aus der ganzen Welt

Scharfes Essen, insbesondere das Kochen mit Chilis schiebe ich gern in die mexikanische oder mittelamerikanische Region. Liegt ja auf der Hand. Schließlich wurde hier das legendäre Chili con Carne erfunden.

Oder?

Beides Unfug! Ein bisschen zumindest. Deswegen erstmal …

sogar russische Chilis gibt es: Chili 'Sputnik'

sogar russische Chilis gibt es:
Chili ‚Sputnik‘

Aufklärung in Sachen Chili:

Die Geschichte.
Tatsächlich sind die scharfen Schoten in Mittel- und Südamerika zu Hause. Vor Kolumbus waren die Pflanzen auch nur in Amerika bekannt. Und zwar nicht nur als Gewürz, sondern auch als Heilmittel. Der Entdecker im Dienst der spanischen Krone war auf der Suche nach Indien, dem sagenhaften Land teurer Gewürze – unter anderem dem Pfeffer. Und er entdeckt bei den eingeborenen „Indianern“ scharfe rote Schoten die „Axi“ heißen, allerdings nicht den schwarzen Pfeffer. Kolumbus befindet schon damals: „Axi“ sei gesünder als der schwarze Pfeffer – auf welcher Grundlage diese Entscheidung beruht ist nicht überliefert.
… the rest of the story: die scharfen Schoten kommen nach Europa, werden für gut befunden und entlang der Atlantikküsten in Amerika und Afrika angebaut. Von dort bringen sie Sklavenhändler wieder zurück nach Amerika, aber auch in andere Erdteile. In erster Linie in heiße und warme Regionen, wo sie schnell in den lokalen Küchen Verbreitung finden.

Was stimmt denn jetzt?

Fakt 1: echte Amerikaner, denn – vor 1492 kannte niemand außerhalb der neuen Welt die scharfen Schoten. Weder in Thailand, China, auf Malaysia, Madagaskar noch in Ungarn. All die heute vermeintlich „scharfen Länder“ wurden erst später „bekehrt“.
Ähnlich sieht es mit dem Mythos von Chili con Carne aus. Auf Wikipedia wird schön erklärt, warum der Bohneneintopf keine mexikanische Erfindung ist und warum sich die Südstaaten-Amerikaner darüber in die Wolle kriegen, wer es erfunden hat.

Fakt 2: kein Mexikaner, denn – Chili con Carne kommt nur angeblich aus Mexiko, in Wahrheit steiten sich Cowboys und Army darum, das amerikanische Bohnengericht ausgetüftelt zu haben. Wo der wirkliche Ursprung in den USA ist, das lässt sich nicht genau feststellen. Dafür hab ich eine ziemlich coole Sammlung mit Rezepten auf Pepperworld entdeckt.

Und ein letztes Thema: Was ist richtig: Chillie oder Chilli, oder vielleicht sogar Chilly?

Fakt 3: so wirds geschrieben – Chili (Singular), Chilie (Plural), Chili (der Tex-Mex Bohneneintopf), chile (spanisch für Chili).
Noch weitere Fagen?
Der Duden hilft!

Chili in ItalienMini Chili in Trient

Vor kurzem im Urlaub eine Chili-Entdeckung. In Trient, Italien, vor den Türen des „Muse“ (dem ziemlich sehenswerten naturwissenschaftlichen Museum) unweit des Gardasees – habe ich eine kleine Chili-Plantage entdeckt. Eben dort wächst zwischen den großen Kollegen auch diese hübsche Pflanze mit lila Mini-Früchten. Und dazu gab es gleich noch einige Erläuterungen, die mich Bildungsbürger wieder etwas schlauer machen. So hab ich gelernt, dass die vielen Tausend Sorten, die heute für Erwärmung der Mägen der ganzen Welt sorgen, allesamt auf ganze fünf Arten zurückgehen. Ganz gleich ob ‚Scotch Bonnet‘, meine klassischen Kino-‚Jalapeño‘ oder ‚Tabasco‘ aus der kleinen Flasche, die Ursprünge sind die selben. Gezüchtet wird an Chili schon richtig lange, die ältesten Funde werden angeblich auf 5000 bis 8000 Jahre geschätzt – für eine Kulturpflanze ein mehr als biblisches Alter!

Mit vielen neuen Informationen bin ich durch Südtirol wieder nach Thüringen gefahren – und das nächste Blog-Thema war klar.

An der Stelle kam Kräuterwochen-Idee von Julia von Julietravels gerade recht. Sie hat mich sanft geschubst, einen passenden Artikel zu veröffentlichen.

Kräutergärtner auf dem WegMeine Chili-Quelle

Mit der Idee im Kopf habe ich meiner Lieblingsquelle für Scharfes gleich darauf einen Besuch abgestattet: die Kräutergärtnerei Valeriana. Ungemein praktisch, dass ich dafür nur einmal quer über die Straße gehen muss – und schon schwelge ich gewissermaßen in meinem Hot-Pot.

Hier kann ich aus dem Vollen schöpfen: bei 25 Chili-Sorten hab ich mehr Auswahl, als ich ad hoc essen kann. Ach ja – und Chili ist ja nicht immer nur einfach hot: auf den Etiketten finde ich ganz verschiedene Geschmacksrichtungen: mild, rauchig, aromatisch, aprikosig, mit Schokoladennote, säuerlich, fruchtig – und klar: scharf!

Cool down the heat!

Weil: ist manchmal nötig wenn zu scharf!

Vor einigen Jahren habe ich einen Chili-Härtetest gemacht. Gemeinsam mit einem Freund wollten wir unsere Verträglichkeitsgrenze ausloten. Wir mögen es scharf. Beide.
In meinem Kühlschrank stehen mindestens 4 verschiedene Flaschen Hot Chili Sauce. Tabasco kam zu der Zeit nicht ins Haus – weil „was für Mädchen“. Auch einen ansehnlichen Vorrat verschiedener getrockneter Chilis aus Mittelamerika ist jederzeit im Gewürzfach griffbereit. Aus heutiger Sicht völlig banal – hatten wir zwei handelsübliche rote Schoten in der Küche lokalisiert – nicht mal mit einem Namen versehen. So saßen wir am Tisch – vorsorglich mit Weißbrot und leicht angefeuchten Handtüchern präpariert. Wohl wissend – es könnte scharf sein.

Und dann: ZU GLEICH!
Ein herzhafter Biss von der Spitze der Schote, kauen und schlucken.
So lautete unsere Regel.

Milder kühlender Geschmack im Wasser - Agastache

Milder kühlender Geschmack im Wasser – Agastache

Was kam haute uns aus den Socken. Verdammt hot!
Der Kreislauf drehte hoch.
Es war soooo scharf. Gedanken brannten, nicht zu denken.
Ich weiß, ich habe mich krampfhaft am Tisch festgehalten, weil ich Sorge hatte, ich fall vom Hocker. Und ich hatte tatsächlich ein kurzes Blackout. Wie nennt man das: Sekundentod? Und blanke Angst. Ich hab Bilder vom Schweißtuch Christi vor Augen gehabt – makaber – zugegeben, aber ich hatte für kurze Zeit Panik, das nicht zu überleben.

Hab ich aber. So: etwas Weißbrot, ein kaltes Handtuch in den Nacken, atmen – und dann mussten wir beide lauthals lachen. Und versuchten allerlei, um die Hitze wieder auf ein Normalmaß zu bringen.
Einige Caipi halfen gut.

Der Kräuter-Kühler: Agastache aus Mexiko

Eine schöne – und gärtnerisch angemessene Kühl-Lösung haben wir dann endlich beim Cactusbrunch gefunden. Die Idee stammt von meinem Freund und Koch Bastian Foerg. Mit ihm war ich bei Valeriana shoppen. Mineralwasser mit Zitronen-Agastache auch Mexiko.
Erfrischend an heißen Tagen, beruhigt bei Revolution im Magen und schmeckt leise.
Geht aber auch in heiß – als Tee. Und sie sieht schön aus, die Buntnessel – auch Bienen mögen sie sehr. Letzteres allein ist mir ein guter Grund für die Pflanze.

Hmmm. Das gäbe einen schönen Einstieg für ein Bienen-Blüten-Beet in der Gärtnerei…

 


Nun gesammelte Rezepte:

Jetzt gab es viel Wissen über die scharfen Chilis – Zeit fürs genießen!
Ich habe die schönsten Rezepte hier zusammengetragen – weil ich selbst mal wieder probieren will. Im Moment schreibe ich von unterwegs – das Kochen muss noch warten.

Der scharfe Klassiker: Chili con Carne

Eine alte Tradition – bodenständig und kein bisschen mexikanisch.
Begonnen hat das mit meinem Freund Ralph. Wir haben regelmäßig gekocht – den Seelentröster für Männer. Aus Hackfleisch, Bohnen, Tomaten, Cumin, Schokolade, Schwarzbier, natürlich ausreichend Knoblauch – und je nach Stimmung mehr oder weniger Chili! – hmmm. Sollte ich auch mal wieder…
Die besten Rezepte für Chili con Carne habe ich auf Pepperworld gefunden – und gleich noch eine Latte Hintergrundwissen.

Spieße – Scharfes vom Grill

Bratwurst-Bacon-Jalapeño-Spieße – könnte ein Thüringer ohne Bratwurst leben? Nein, natürlich nicht. Aber er darf seine Bratwurst nach allen Regeln der Kunst pimpen.

auch dazu hier das Rezept bei Pepperworld

Fresh Mexican

… für danach – ein knalliger Cocktail aus meiner Lieblingsbar, dem Hemingway in Erfurt – hilft auch beim „runterkommen“

3 cl Bols Yogurt
2 cl Tequila blanco
2 cl Kaluha
und das ganze würzen – nach Christopher Kolumbus mit Chili und Pfeffer!

Links im Text: Die Quellen sind für die Nachvollziehbarkeit verlinkt. Ich erhalte kein Geld für die Erwähnung von Webseiten – von den Valeriana-Kräutern bin ich einfach begeistert.

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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