Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Samstag, 9. November 2019
von Ulrich Haage
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Erfurt. Deutschland. Heute vor 30 Jahren

Erfurt. Deutschland. Heute vor 30 Jahren

… beginnt die Mauer zu bröckeln. Eine Mauer die einen ängstlichen Staat schützt, seine Bürger zu verlieren. So umreißt es unser damaliger Probst Heino Falcke.

Probst Heino Falcke im Gespräch

Heute und damals

Heute sitze ich im Erfurter Theater, einem Ort, den es damals noch nicht gab.
Vor etwas mehr als 30 Jahren hab ich als Schüler hier im polytechnischen Unterricht Drehrollen für Postcontainer zusammengebaut.

Heute wurde ich am Eingang mit Handschlag von unserem Oberbürgermeister begrüßt – das hat er mit allen Erfurtern so gemacht.
Ich schätze ihn sehr.
Ebenso wie seinen Vorgänger Manfred Ruge. Nicht nur für ihr Tun für unser Erfurt.

Jetzt sitze ich inmitten vieler bedeutender Erfurter. Nicht wenige standen damals auf den Podesten, Bühnen oder Kanzeln – damals im Sommer und Herbst 1989.
Damals war ich Schüler, Gärtnerlehrling – einer der vielen tausend vor den Podesten, Bühnen, auf der Kirchenbank und auf dem Domplatz. Und ich war einer der hierbleiben wollte. In meiner Heimat.
Heimat ist per se nichts politisches, Heimat ist ein Gefühl, eine Mischung aus Menschen, Leben, Aufgabe, Umgebung, Sicherheit, Verantwortung.
Während OB Bausewein erzählt, wie er den Mauerfall fast verpennt hätte, wird mir bewusst: Politik ist ein Schnittpunkt von Meinungen – und das hat wiederum mit Heimat zu tun. Mit den Menschen um mich herum – und deren Meinungen.

Misstrauen

Mir fällt auf: um mich, links, rechts und vor mir sitzen Menschen, die an manchen Stellen nicht applaudieren, wenn der OB aufruft, die Demokratie zu verteidigen und vor Plakatsprüchen warnt, die die friedliche Revolution für die AfD beanspruchen wollen.
Zugegeben: ich bin misstrauisch, lese in diesem Verhalten eine Gesinnung – aber liege ich damit richtig? Vielleicht waren sie auch einfach nur müde vom vielen Klatschen.

Misstrauen sind die neuen Mauern, die uns heute bedrohen – und wir bauen sie selbst auf. Zuerst in unseren Köpfen und Herzen – und wenn wir nicht aufpassen, werden sie auch andere Formen draußen annehmen.

Unsere Aufgabe ist es, den Dissenz auszuhalten. Das sagte die 17jährige Gesprächspartnerin von Probst Falcke auf der Bühne kurz vor der festlichen Aufführung der Ode an die Freude.

Eine Aufgabe die mir nicht leicht fällt. Ein Urteil zu fällen, eine Meinung zu haben ist leichter.
Aber um leicht geht es gerade nicht.

30 Jahre nach der friedlichen Revolution.

 

Mittwoch, 30. Oktober 2019
von Ulrich Haage
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Vanille Gefrorenes – oder kurz Vanille Eis – ein historisches Rezept

Vanille Eis? noch ein Rezept? Gibt es nicht schon genügend?

Im Grunde völlig richtig – Rezepte für Vanille Eis gibt es wie Sand am Meer – und trotzdem: dieses hier hat noch gefehlt. Schnörkelos, schnell – und schlicht.

Das Rezept stammt aus meinem geliebten Kochbuch von Lina Morgenstern.
Darin habe ich als Kind mit Wonne die altdeutsche Druckschrift gelernt – und nebenbei noch alte Rezepte studiert.
Doch beginnen wir mit der Vorrede und lauschen den schönen alten Erläuterungen:

Das Gefrorene 

(auch Speiseeis oder kurzweg Eis genannt).
 
Wie entsteht Gefrorenes? Durch Frieren. Aber wie erreicht man es, daß etwas friert, ohne daß uns die Natur selbst mit genügend niedriger Temperatur zu Hilfe kommt? 
Eis lässt sich einfach mit einem Hammer und einem Nagel zerkleinernDas erreicht man dadurch, daß man die zu frierende Masse in eine Mischung von Roheis und Salz recht dick und fest einpackt. Das Salz bringt das Eis zum Schmelzen, und durch diesen Schmelzprozeß entsteht eine so starke Abkühlung der das Eis unmittelbar umgebenden Luft daß deren Temperatur unter null Grad, unter den Gefrierpunkt sinkt und dadurch frostartig auf die nähere Umgebung wirkt. Je inniger wir nun das Eis mit dem Satze mischen können, um so stärker tritt die Kältewirkung auf, und je näher wir die Mischung von Eis und Salz an die zu frierende Masse heranbringen können, um so schneller und kräftiger wirkt sie. Deshalb ist es nötig daß wir das verwendete Roheis zerkleinern. 

Eis zerkleinern

Das macht, wenn wir dazu keine besonderen Einrichtungen haben, Schwierigkeiten. Schlagen wir mit dem Hammer oder einem Beile auf das Eis, so zersplittert ein kleiner Teil desselben in Atome, und das übrige fliegt in der ganzen Küche herum. Auch laufen wir dabei Gefahr, den ganzen Tisch zu zertrümmern und uns wegen des entstehenden Lärms den Zorn der Hausbewohner zuzuziehen. Wir können das aber vermeiden, wenn wir das Eisstück auf ein Scheuertuch legen und nun, wie es unsere Abbildung zeigt, mit einem kräftigen Nagel und einem einfachen Hammer bearbeiten. Hierbei wird es uns sehr bald gelingen, das ganze Eisstück in gleichmäßige Stückchen gewünschter Größe zu teilen. 
Nun geben wir eine drei Finger hohe Schicht solcher Eisstückchen in einen Eimer, bestreuen sie gut mit billigem rohen Salz, sogenanntem Viehsalz, stellen die Gefrierbüchse oder die gefüllte und wohlverschlossene Eisform darauf und geben eine handhohe Schicht Eisstückchen ringsherum. Wir bestreuen auch diese mit Salz und stoßen nun das Eis mit einem passenden Stück Holz, dem Hammerkopf oder auch einem dicken Rührlöffelstiel recht fest zusammen. Dann kommt wieder Eis und Salz darüber, und so füllen wir den Eimer, bis die Gefrierbüchse bis auf einen handbreiten Rand gut eingepackt ist. Gefüllte Eisformen sollen ebenfalls mit solchem Salzeis bedeckt sein, damit die Kälte auch von oben wirken kann.

Was passiert mit dem Wasser?

Durch den Schmelzprozeß entsteht reichliches Schmelzwasser. Wir müssen darum jede Eisform ganz sorgfältig schließen. Der gut passende Deckel allein genügt nicht. Wir legen deshalb zunächst ein Blatt festes, weißes Papier auf die gefüllte Form und pressen den Deckel gleichmäßig darauf. Dann schneiden wir das hervorstehende Papier mit scharfem Messer ab und streichen die Ränder der Form und des Deckels vorsichtshalber noch mit weichem Fett gut zu. Wenn wir auf diese Weise verfahren werden wir nie versalzenes Eis haben und haben nicht nötig, zeitweise das Schmelzwasser abzugießen oder – wenn sich ein Auslaß am Boden des Eimers befindet – abzulassen.
 

Eismaschine und Eisformen.

Eine Reihe von Gefrorenen stellen wir, wie wir später aus den einzelnen Rezepten ersehen werden, direkt in der Form her. Dazu gehört insbesondere das sogenannte Halbgefrorene, auch „Demiglace“ genannt. Für diese Eisspeisen benutzen wir mit Vorliebe die sogenannten Kegelformen (Abb. 460 und 462). Nun gibt es aber auch zahlreiche Eisspeisen, bei denen das äußerlich sichtbar Gefrorene noch eine Füllung enthält. Diese „Bomben“ frieren wir am besten in halbkugeligen Formen (Abb. 461), weil sie dem Gaste bessere Gelegenheit geben, sich sowohl von der Hülle als von der Füllung zu nehmen.
Alle übrigen Speiseeise stellen wir in der sehr aus der Mode gekommenen Gefrierbüchse oder praktischer und vorteilhafter in der Gefriermaschine her. Diese Maschine (Abb. 463) ist übrigens nichts anderes als eine verbesserte Eisbüchse. Die einfache Eisbüchse müssen wir, nachdem wir sie in Salzeis eingepackt haben, dauernd mittels des am festschließenden Deckel angebrachten Griffes vor- und rückwärts drehen, wir müssen sie von Zeit zu Zeit öffnen und mit einem Spachtel das an der Wandung sich ansetzende Gefrorene loslösen, und wir müssen schließlich das ganze Gefrorene zu einer gleichmäßigem geschmeidigen Masse durcharbeiten. Diese anstrengende und zeitraubende Arbeit nimmt uns die moderne Eismaschine zum größten Teil ab. Wir haben nur nötig, den Eimer mit Eis und Salz vollzupacken, die zu frierende Masse in die Büchse zu füllen, den Deckel aufzulegen und die Kurbel zu drehen und erhalten so in viel kürzerer Zeit das schönste Gefrorene.

Die verschiedenen Arten des Gefrorenen und ihre Herstellung.

Man unterscheidet vier Hauptgruppen von Gefrorenem:
  • das Sahnengefrorene, auch Cremeeis genannt
  • das Fruchtgefrorene, auch Wassereis genannt
  • das Plombiere
  • das Halbgefrorene, vielfach als Demiglace bekannt

Daneben gibt es Eisbomben, die aus zwei verschiedenen Gefrorenen zusammengesetzt werden, Eispuddings und Eiskuchen. Wenn es auch nicht gerade nötig ist, diese Gruppen genau auseinanderzuhalten, so soll eine gute Köchin doch das Charakteristische einer jeden Gruppe kennen, weshalb wir den einzelnen Rezepten zunächst einige aufklärende Worte vorausschicken.

Das Sahnengefrorene, Cremeeis.

Vanilleschoten zum EisCharakteristisch für seine Herstellung ist, daß dazu stets zunächst von rohen Eigelben und Sahne oder Milch eine dünnflüssige Creme auf dem Feuer abgerührt wird, die aber wie jede solche Creme nicht kochen darf, damit das Ei nicht gerinnt. Diese Creme wird in die in gestoßenes Eis mit Salz eingesetzte Eismaschine gegossen und unter ständigem Drehen der Maschine gefroren. Man kann das Gefrorene nun sofort anrichten, wenn es fest genug gefroren ist, indem man es auf einer tiefen Schüssel häuft und mit einem Tischmesser glattstreicht.

Man kann ihm aber auch eine besondere Form geben, indem man es in Eisformen einfüllt, diese mit einem dazwischengelegten Papier und dem Deckel fest,verschließt und so nochmals einige Zeit in eine Mischung von Roheis und Salz eingräbt. Nur muß man sich jetzt vor zu scharfem Einsetzen hüten, damit das Gefrorene nicht zu hart wird. Denn dadurch verliert es stark an Geschmack und auch an der der Zunge wohlgefälligen Geschmeidigkeit.

Das bekannteste Cremeeis ist:

Vanillegefrorenes, Vanille Eis.

Man rührt von 350 g Zucker, 15 Eigelb, einer Stange Vanille und einem Liter Sahne oder guter Milch eine Creme ab, die man in der Maschine friert.

Man kann bei diesem Eis übrigens ganz gut 3-4 Eigelb sparen.

 

Quelle: 

Kochbuch – Lina Morgenstern

Illustriertes Kochbuch von Lina Morgenstern

Samstag, 26. Oktober 2019
von Ulrich Haage
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Auf Reisen mit Mister Trump

Stecken bleiben

Er guckt aus dem Fenster, grüßt zu uns rüber, winkt kurz und dann beschleunigt die kleine Maschine und die völlig verschlammten Räder heben von der nassen Urwaldpiste ab. Wenig später ist sie und auch das Motorengeräusch vom Nebel verschluckt. Die Böen peitschen die dunklen Gewitterwolken über die Bäume.

„Blöder Hund!“ fluche ich in mich hinein. Jetzt sitzen wir hier fest.
Irgendwo im Nirgendwo. Irgendwo im patschnassen Wald von Costa Rica. Es war gestern schon abzusehen, die letzte anstrengende Etappe bis zum Flughafen, das wird verdammt eng.

Da hinten steht auf der Piste noch ein weiterer Flieger, eine kleine Boeing, klein – aber eigentlich viel zu groß für diesen winzigen Flughafen auf der Insel. Startbereit, die Turbinen fiepen schon.
Auf der Gangway ein Mann. Blond. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Amerikaner, Mister Trump.
Ich staune.
Er nimmt uns kurzerhand in seinem Flieger mit, zurück nach Europa. 

Erst als wir unterwegs sind wundere ich mich. Alles so anders, sehr merkwürdig! 
Die Sicherheitsleute – so entspannt. Und Mister Trump – ganz anders als mein Bild bisher? Nahbar. Wir unterhalten uns kurz, bevor er in seiner Kabine verschwindet.

In Italien Zwischenstop, Mr. Trump hat in Mailand einen geschäftlichen Termin. Dann fliegt er extra für uns einen Umweg nach Deutschland. Wir landen in Bad Hersfeld gleich neben den Gleisen. Zum Abschied schüttelt er uns die Hand. Auch hier kurz stutzen: ein fester, ehrlicher Händedruck.

Erst nachdem wir unser Gepäck mit Hilfe der Sicherheitsmänner auf den Bahnsteig gebracht haben kommen mir Zweifel.

Wie bitte? Der Präsident? Bad Hersfeld?

Es war alles ein Traum – so widersprüchlich und zugleich zutiefst überzeugend – stelle ich benommen im Aufwachen fest. Es dauert, bis meine Erlebnisse mit dem Stempel „nur ein Traum“ aus der Realität verscheucht werden.

Doch die Vorstellung gefällt mir, ich könnte mich so sehr in meiner Meinung über einen Menschen getäuscht haben. Jetzt bohrt die Frage in mir.

Woher kommt’s?

Dafür hab ich eine Weile wach gelegen. Dann dämmerte es mir:
Gestern Abend las ich einen langen Artikel über Bernd Höcke, den Chef der AfD.

Morgen gehen wir in Thüringen zur Wahl. Blau ist für mich keine Alternative.

Ich glaube an das gute im Menschen. Ob das ein Traum bleibt?

Vielleicht nicht bei Mr. Trump oder Herrn Höcke. Aber vielleicht anderswo.

Ich glaube weiter daran.

#demokratie

Mittwoch, 16. Oktober 2019
von admin
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Polaskia chichipe – alles andere als Standard

Polaskia chichipe – etwas anders als gewöhnlich

Es gibt Kakteen, die sind weniger bekannt als andere. Die Polaskia zählt zu den eher weniger bekannten. Und sie ist ein bisschen wie eine Katze.

Mag es gern wärmer, so wie es in Oaxaca und Puebla in Mexiko eben ist. Dabei kommt sie aber auch mit niedrigen Temperaturen bis -4° C aus.

Bei uns ist sie beliebt, weil sie im Unterschied zu Carnegiea gigantea bereits in haushaltstauglicher Größe beginnt, sich zu verzweigen – sozusagen der Hands-Up-Kaktus für die Wohnung.

Nützlich – diese Polaskia chichipeChichituna - die Frucht von Polaskia chichipe auf Pinterest

In der Heimat gibt es andere, handfeste Gründe für die Beliebtheit. So mögen die Einheimischen die Polaskia wegen ihrer essbaren purpurroten Früchte, die sie chichituna nennen. (spannend für mich: ich finde bis auf diese Abbildung bei Pinteres keine Fotos von diesen Kaktusfrüchten) An manchen Orten gibt es regelrechte „Obstplantagen“ in denen die bis zu 2,5 cm großen Polaskia-Früchte geerntet werden.

Und noch ein weiterer praktischer Nutzen ist bekannt: wie alle Säulenkakteen haben auch Polaskia im Inneren ein stabiles hölzernes Stützgerüst, um die bis zu 5 Meter hoch werdende Pflanze auch sicher tragen zu können. So stabil, dass früher daraus Zäune und Möbel gebaut wurden. Darüber berichtet sogar ein Zeitungsartikel aus den 20er Jahren in unserem Archiv.

Die häufigste Nutzung der Einheimischen war indes auf die Verwendung als Brennholz reduziert.

So etwas könnte heute zum Problem werden – denn Kaktusholz steht inzwischen unter Schutz, auf ähnlichem Level wie Ariocarpus oder Elefant.

Deswegen sind selbst die „Regenmacher“ entweder aus anderem Holz geschnitzt, oder sie sind echt und teuer. Wenigstens in der Theorie müssten sie sogar mit einer Mini-CITES Bescheinigung versehen sein. In der Praxis ist das aber nicht so. 

Und so klingt solch ein Rainmaker oder Regenholz:

 

Polaskia chichipe - eine Jungpflanze mit der typischen kreidigen ZeichnungTypisch für die Jungpflanzen ist der leicht kreidige Farbverlauf in Richtung Austrieb und die noch feinen, manchmal sogar gestreiften Dornen.

Mit zunehmendem Alter werden daraus scharfe Waffen – die bei innigem Kontakt schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen können.

Mit zunehmendem Alter hat diese Pflanze auch neue Namen bekommen – und zwar eine ganz stattliche Sammlung:

  • „Chichibe“,
  • „Chichituna“,
  • Cereus chichipe,
  • Lemaireocereus chichipe,
  • Myrtillocactus chichipe,
  • Cereus mixtecensis,
  • Lemaireocereus mixtecensis,
  • Chichipia oder
  • Heliabravoa.

Wie Sie die kleine Schönheit rufen, können Sie sich aussuchen. 

Hier gibt es Polaskia bei Kakteen-Haage.

 

© Ulrich Haage – erstmals erschienen gekürzt als Titelstory im Kakteen-Haage Katalog 2019 Herbst / Winter

Montag, 7. Oktober 2019
von Ulrich Haage
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Heilsbringer Kakteen?

Alles Auskenner!

Immer wenn es heiß ist in unserem Land, kennt sich jeder plötzlich mit Kakteen aus.
Im September wurde mir mal wieder gesagt: „deine Kakteen sind doch die Gewinner beim Klimawandel – die brauchen kein Wasser und kommen gut mit Hitze zurecht“. 

„Nein!“ habe ich geantwortet – und war schon wieder geladen, „Auch unsere Kakteen leiden unter der Änderung des Klimas, wir haben in diesem Jahr erstmals massive Schäden durch Sonnenbrand feststellen müssen. Sonnenbrand an Kakteen! Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen!“

Große Augen und betretenes Schweigen waren die Antwort.
Was mich daran ärgert – und an der Aussage: „Wir müssen einfach Bäume aus wärmeren Regionen bei uns pflanzen – dann ist doch alles wieder gut.“ – es ist nur das Herumbasteln an den Symptomen, bloß um nichts an den Ursachen ändern zu müssen.

Alles gut?

Wirklich? – Pustekuchen!
Ich sehe es am Beispiel unserer Stadt Erfurt: es ist ein Ringen, ein Wettlauf.
Es ist ein Trugschluss, dass die Natur sich selbst rettet – zumindest nicht, solange wir Menschen im System mitspielen.
Wir müssen dafür sorgen, dass die Natur in der Stadt überleben kann. Bäume pflegen, sie gießen und auch bei der Auswahl aufpassen.
Bei uns in Erfurt haben viele Stadtbäume im vergangenen Jahr zusätzliche Wassertanks auf die Wurzeln bekommen, die schützen und sorgen für Feuchtigkeit.
Viele Erfurter werden selbst aktiv und übernehmen Baumpatenschaften, sie pflegen den Straßenbaum vor ihrer Haustür.
Das ist, was wir brauchen: Menschen die verstehen und handeln.
Und weil heute der 7. Oktober 2019 ist:
die Frau, der ich auf der Treppe im Garten- und Friedhofsamt entgegen kam und die gerade ihre Baumpatenschaftsurkunde mit einem Lächeln in die Tasche schob; ich würde mich nicht wundern, wenn diese Frau auch heute vor 30 Jahren schon einmal zu denen gehört hat, die verstanden und gehandelt haben und mit bei den ersten Montagsdemos gewesen ist. Nicht um zu krakeelen, sondern um Teil einer Veränderung zu sein.

Und jetzt?

Und genau das ist, was mich sauer macht bei dem Gedanken, Kakteen könnten doch die Lösung für die Klimaveränderung bringen: es zeigt unsere Mentalität der vergangen Jahrzehnte: „wir schrauben ein bisschen hier, verbessern dort ein wenig – und schon ist wieder alles gut“.

Nein – ist es nicht! Wir müssen die Ursache verändern!
Kakteen können uns auch nicht die abgebrannten Amazonas-Wälder wiederbringen!
Ich pflanze Bäume. Haben die Haages schon länger gemacht. Das Arboretum auf dem Grünen Campus vor der Fachhochschule, die Krämpfer Gärten in der Leipziger Straße ist heute eine kleine Referenzsammlung und einer meiner Lieblingsorte in Erfurt. Früher wurden hier im Garten die Gäste der Gärtnerei Haage & Schmidt empfangen.

Was können wir machen?

Mein Urgroßvater, später auch mein Großvater haben hier auf der Cactusfarm auch eine kleine Baumsammlung angelegt – der ich bis heute immer wieder etwas Neues hinzufüge. Und es ist schön zu sehen, was in 100 Jahren wachsen kann.
… aber das ist eine ganz eigene Geschichte für später …

Mir ist völlig bewusst – nicht jeder hat die Möglichkeit, beliebig irgendwo Bäume zu pflanzen – und selbst wenn es jeder täte, es rettet die Situation nicht – wir leben schlicht zu sehr über unsere Verhältnisse. Es geht um den ersten Schritt, umdenken, etwas tun – denn jeder von uns hat die Möglichkeit, etwas in seinem Leben zu ändern.

PS: Die Frage oben wurde mir übrigens nicht an irgendeinem Stammtisch gestellt, sondern im Podium einer recht illuster besetzten Runde eines Ministeriums unseres Landes.

PPS: Ich bin ja sonst eher so ein ruhiger – aber das musste mal raus!
HA!

Donnerstag, 26. September 2019
von Ulrich Haage
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Echinopsis eyriesii – Völlig verdreht

Völlig verdreht – diese Echinopsis eyriesii!

Es ist gut, Zweifeln nachzugehen. Herr S. hatte Zweifel und rief bei uns an, denn seine Echinopsis eyriesii, die er frisch aus dem Kakteen-Haage-Paket geholt hatte, zeigte spiralförmig verdrehte Rippen.

„Das kann doch nicht sein! Haben Sie schon mal eine Echinopsis eyriesii mit spiralförmigen Wuchs gesehen?“

Um ehrlich zu sein – ich hab mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Herr S. schon. Und dann hat er recherchiert.

Er stellt fest: „das muß eine Echinopisis turbinata sein.“ Aber auf unserem Etikett steht Echinopsis eyriesii.

Und jetzt – was stimmt denn nun?

Nun: beides ist korrekt.
Wie geht sowas?

Die früher eigenständige Art Echinopisis turbinata wird heute eben zu E. eyriesii gestellt.
Bei der Prüfung unseres Aussaatbuches stellen wir dann auch fest: ursprünglich wurden die Pflanzen als als Echinopsis turbinata ausgesäht.

Je länger wir die Sache unter die Lupe nehmen wird deutlich: die ganze Geschichte ist noch weitaus mehr verwickelt.
Da spielt Echinopsis oxygona noch eine Rolle – und mit den Namen ist das bekanntermaßen auch so eine Sache …

zu dem allen in Kürze mehr an dieser Stelle.

© Ulrich Haage – erstmals erschienen im Kakteen-Haage Katalog 2019 Herbst / Winter

Und hier gibt es Echinopsis eyriesii bei Kakteen-Haage.

Sonntag, 26. Mai 2019
von Ulrich Haage
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David Richard Hunt verstorben

David Richard Hunt, der englische Botaniker und Kakteenforscher ist am 19. Mai 2019 verstorben.

David Richard Hunt, english botanist and cactus scientist died on May 19, 2019.

Erst heute erreichte mich die Bestätigung aus seinem nahen Kollegenkreis.

Der Kakteenforscher

David Hunt ist vielen Kakteenfreunden bekannt durch seine taxonomischen Arbeiten – und sein großes Werk: „The New Cactus Lexicon„. Nie sind die Thesen von Wissenschaftlern unumstritten, haben sie doch häufig eine spezielle und sehr intensive Sicht auf die Dinge, die wir „normalen Menschen“ nur selten teilen können. Umso mehr hat mich ein Satz von ihm verblüfft, als ich mich mit ihm in der Kirche des thüringischen Waltershausen traf, wo er seine Frau auf ihrer Tournee begleitete. Wir unterhielten uns über Kontroversen in der Kakteen-Taxonomie und er sagte: „botanische Namen sind nichts weiter als eine persönliche Meinung der Person die den Namen verwendet – das gilt selbstverständlich auch für mich“.
Ganz sicher gab es eine streitbare Seite des Forschers David Hunt, wenn es um den wissenschaftlichen Diskurs ging, ich selbst habe diese aber nicht kennengelernt. Aus welchen Gründen auch immer, mir ist jedesmal der Mensch begegnet, der die Bescheidenheit seiner Worte oben gelebt hat.

Eine sehr persönliche Rückschau

Als ich David im Sommer 1991 in London kennen lernte, war mir kaum bewusst, wer mich in die Royal Botanic Gardens, Kew eingeladen hatte. Ich durfte in meiner kurzen Studienzeit dort mit ihm zeitweise arbeiten. In seinem kleinen Büro türmten sich Bücher und für einen Botaniker waren die wenigen Pflanzen, die ich bei ihm sah, entschieden zu tot – Präparate aus dem Herbarium. Heute weiß ich, wie viel ich von der Welt der Kakteen noch lernen durfte – auch bei David Hunt. Der arbeitete damals an der CITES Cactaceae Checklist, das Buch, das mein damaliges Wissen über Kakteennamen gründlich auf den Kopf stellte.
Daneben stellte er mich während meiner Zeit in London vielen bedeutenden Menschen aus der Kakteen-Szene vor. Meist wurde mir erst später bewusst, wessen Wege ich damals schon kreuzen durfte. So ist mir ein festliches Abendessen im Hause Taylor / Zappi noch in sehr eindrucksvoller Erinnerung. Stutzig wurde ich später, als mir viele Namen aus meiner Londoner Zeit wieder über den Weg liefen.

Mehr als nur Kaktus: ein Mensch mit vielen Interessen

Sooft ich David Hunt traf, immer beeindruckten mich seine vielfältigen Interessen, die Kakteen waren für ihn stets nur eine davon. So verdanke ich ihm eine Einladung zu einem wunderbaren Orgelkonzert in der damals noch frisch wiedererbauten Dresdner Frauenkirche.

Heute bin ich dankbar und auch ein wenig stolz darauf, auf so viele schöne Erinnerungen mit David Hunt zurückblicken zu dürfen. Er hat mich in den Anfängen meiner Kaktusgärtner-Laufbahn begleitet. Und es war mir jedes Mal eine Freude, wenn ich mit ihm gemeinsam über den Tellerrand hinausschauen konnte. Es gab immer etwas zu entdecken. Wer kann schon von sich behaupten, einen Menschen zu kennen, der in einer kleinen Kirche lebt, damit er ausreichend Platz für seine private Orgelsammlung hat.

Möge David R. Hunt uns in schöner Erinnerung bleiben.

So wie bei diesem Spontanbesuch im September 2015 bei Kakteen-Haage. 

David Hunt * 25. September 1938, † 19. Mai 2019

… oder wie er sich einmal selbst augenzwinkernd nannte: „The left hand of science“.

Sonntag, 14. April 2019
von Ulrich Haage
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Mammillaria bombycina – eine der schönsten

Einfach seidig!
Die „seidenhaarige, oder seidenartig bedornte“. So hat es sich Postsekretär Leopold Quehl aus Halle an der Saale in der Erstbeschreibung in der MfK 1910 notiert. Zuvor hatte Herr Frantz de Laet aus Contich, Belgien die Art als erster importiert, oder „hereingeholt“, wie man sich damals ausdrückte.
Quehl hatte ein gutes Auge, nicht allzu viele Namen haben so lange Bestand (es gab zwischendurch u. a. noch Neomammillaria, Chilita oder Ebnerella).
Ich hab hier aber eher ein Faible für die Trivialnamen:
  • seidiger Warzenkaktus, oder schöner:
  • silken pincushion cactus, am schönsten aber:
  • Bomullsvårtkaktus – das ist schwedisch
Ganz gleich, welchen Namen man mag, der Bestand in der Natur in Jalisco, Mexico wird aktuell als „gefährdet“ eingestuft. Der Schutzstatus „gefährdet“ entspricht dem roten Mittelfeld – ebenso wie das Helmkopf Gecko oder Collins Ingwer – beides allerdings Lebewesen, die mir noch nicht wissentlich über den Weg gelaufen sind.
Im Gegensatz zu Mammillaria bombycina.
Die wächst außer in unseren Gewächshäusern häufiger in Jalisco, in Wäldern und felsigen Gebieten in einer definierten Höhe zwischen 2340 und 2500 Metern. So stehts zumindest in der ICUN Red List. Bei solch präzisen Angaben mache ich mir dann manchmal Gedanken: wie können die das so genau wissen? Denn auf der anderen Seite ist klar, die Größe der Population und deren Ausbreitung bedarf noch genauerer Untersuchung. Dabei gibt es genügend Experten, die San Luis Potosi wie ihre Westentasche kennen und damit sicher noch andere Standorte.
Wikipedia nennt immerhin auch den Nachbarbundesstaat Aguascalientes.
Unterhaltsam finde ich: das Wissen um die Typlocation ging nach der Entdeckung für fast 8 Jahrzehnte verloren. Erst vor knapp 30 Jahren wurde der Standort wieder gefunden. In der Zwischenzeit haben sich die Pflanzen in Europa dennoch sehr fleißig vermehrt und viele Pflanzenfreunde mit ihren hell- oder dunkelrosa Blüten glücklich gemacht.
Nur von Gardinen sollte M. bombycina ferngehalten werden. Da wird sie sonst einfach zu anhänglich. ?
(erstmals erschienen im Kakteen-Haage Katalog 2019 – Titelstory)

Samstag, 2. Februar 2019
von Ulrich Haage
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Gerd Weiß – einer der großen Kakteenzüchter unserer Zeit

Im Oktober 2018 ist der bekannte Züchter und Kakteensammler Gerd Weiß verstorben.
Der überraschende Tod von Gerd Weiß ist traurig und ein echter Verlust – für seine Familie und Freunde, aber auch für die Hybridenlandschaft.
Er selbst bezeichnete seine Sammlung „Rügenkaktus“ liebevoll als die nördlichste Kakteensammlung Deutschlands. Bekannt wurde er durch seine Chamaecereus-Hybriden.

Gerd Weiß - Kakteenzüchter auf Rügen
Gerd Weiß, Kakteenzüchter

Ende letzten Jahres hat sich Frau Weiß an uns gewandt und nach Unterstützung beim Erhalt der Pflanzen gefragt. Wir sind froh, kurzfristig einen erheblichen Teil der Sammlung vor dem Kälteeinbruch auf der Insel Rügen abholen zu können. Wir haben Frau Weiß versprochen, die Züchtungen ihres Mannes zu erhalten und in seinem Sinne zu sichten und verfügbar zu machen.

Wir werden im Laufe des Jahres die ersten Bilder zeigen können, im Moment sind die meisten Pflanzen aber noch klein. Derzeit warten wir noch auf die Aufzeichnungen und Zuchtunterlagen von Gerd Weiß, mit deren Hilfe wir die Pflanzen auch zuordnen und bewerten können.

Gerd Weiß als Züchter und Kakteensammler


Gerd Weiß ist ein sehr akurater und kritischer Züchter gewesen. Das erkennen wir an der Akribie mit der er sich mit seinen Kakteen beschäftigt hat. Jede Pflanze steht in einer für sie angepassten Erdmischung, die Sammlung sehr sauber und strukturiert, die Etiketten winzig klein um das Bild nicht zu stören und doch ausführlich mit filigraner Handschrift gefüllt.

Gewissenhaft hat er alle seine Zuchtlinien dokumentiert und Aufzeichnungen über alle Kreuzungen notiert. Deutlich waren die Ziele seiner Züchtungsarbeit definiert und ebenso konsequent wurden die Pflanzen ausgesondert, die nicht dem Ziel entsprachen. Besonders diese harten Entscheidungen sind für Pflanzenfreunde schwer zu treffen und doch ist es diese Konsequenz, die einen guten Züchter ausmacht.

Auch wenn ich Gerd Weiß nicht persönlich getroffen habe – sein liebevoller Umgang mit seinen Pflanzen spricht für mich eine deutliche Sprache – und ich bin mir sicher: er hat an seinen Pflanzen sehr viel Freude gehabt – und das wünsche ich allen anderen die seine Züchtungen schätzen, auch.

Möge Gerd Weiß uns durch die schönen Blüten lange in Erinnerung bleiben.

Mittwoch, 15. August 2018
von Ulrich Haage
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Chili – scharfes aus dem Kräutergarten

Chili – die scharfen Kräuter aus der ganzen Welt

Scharfes Essen, insbesondere das Kochen mit Chilis schiebe ich gern in die mexikanische oder mittelamerikanische Region. Liegt ja auf der Hand. Schließlich wurde hier das legendäre Chili con Carne erfunden.

Oder?

Beides Unfug! Ein bisschen zumindest. Deswegen erstmal …

sogar russische Chilis gibt es: Chili 'Sputnik'

sogar russische Chilis gibt es:
Chili ‚Sputnik‘

Aufklärung in Sachen Chili:

Die Geschichte.
Tatsächlich sind die scharfen Schoten in Mittel- und Südamerika zu Hause. Vor Kolumbus waren die Pflanzen auch nur in Amerika bekannt. Und zwar nicht nur als Gewürz, sondern auch als Heilmittel. Der Entdecker im Dienst der spanischen Krone war auf der Suche nach Indien, dem sagenhaften Land teurer Gewürze – unter anderem dem Pfeffer. Und er entdeckt bei den eingeborenen „Indianern“ scharfe rote Schoten die „Axi“ heißen, allerdings nicht den schwarzen Pfeffer. Kolumbus befindet schon damals: „Axi“ sei gesünder als der schwarze Pfeffer – auf welcher Grundlage diese Entscheidung beruht ist nicht überliefert.
… the rest of the story: die scharfen Schoten kommen nach Europa, werden für gut befunden und entlang der Atlantikküsten in Amerika und Afrika angebaut. Von dort bringen sie Sklavenhändler wieder zurück nach Amerika, aber auch in andere Erdteile. In erster Linie in heiße und warme Regionen, wo sie schnell in den lokalen Küchen Verbreitung finden.

Was stimmt denn jetzt?

Fakt 1: echte Amerikaner, denn – vor 1492 kannte niemand außerhalb der neuen Welt die scharfen Schoten. Weder in Thailand, China, auf Malaysia, Madagaskar noch in Ungarn. All die heute vermeintlich „scharfen Länder“ wurden erst später „bekehrt“.
Ähnlich sieht es mit dem Mythos von Chili con Carne aus. Auf Wikipedia wird schön erklärt, warum der Bohneneintopf keine mexikanische Erfindung ist und warum sich die Südstaaten-Amerikaner darüber in die Wolle kriegen, wer es erfunden hat.

Fakt 2: kein Mexikaner, denn – Chili con Carne kommt nur angeblich aus Mexiko, in Wahrheit steiten sich Cowboys und Army darum, das amerikanische Bohnengericht ausgetüftelt zu haben. Wo der wirkliche Ursprung in den USA ist, das lässt sich nicht genau feststellen. Dafür hab ich eine ziemlich coole Sammlung mit Rezepten auf Pepperworld entdeckt.

Und ein letztes Thema: Was ist richtig: Chillie oder Chilli, oder vielleicht sogar Chilly?

Fakt 3: so wirds geschrieben – Chili (Singular), Chilie (Plural), Chili (der Tex-Mex Bohneneintopf), chile (spanisch für Chili).
Noch weitere Fagen?
Der Duden hilft!

Chili in ItalienMini Chili in Trient

Vor kurzem im Urlaub eine Chili-Entdeckung. In Trient, Italien, vor den Türen des „Muse“ (dem ziemlich sehenswerten naturwissenschaftlichen Museum) unweit des Gardasees – habe ich eine kleine Chili-Plantage entdeckt. Eben dort wächst zwischen den großen Kollegen auch diese hübsche Pflanze mit lila Mini-Früchten. Und dazu gab es gleich noch einige Erläuterungen, die mich Bildungsbürger wieder etwas schlauer machen. So hab ich gelernt, dass die vielen Tausend Sorten, die heute für Erwärmung der Mägen der ganzen Welt sorgen, allesamt auf ganze fünf Arten zurückgehen. Ganz gleich ob ‚Scotch Bonnet‘, meine klassischen Kino-‚Jalapeño‘ oder ‚Tabasco‘ aus der kleinen Flasche, die Ursprünge sind die selben. Gezüchtet wird an Chili schon richtig lange, die ältesten Funde werden angeblich auf 5000 bis 8000 Jahre geschätzt – für eine Kulturpflanze ein mehr als biblisches Alter!

Mit vielen neuen Informationen bin ich durch Südtirol wieder nach Thüringen gefahren – und das nächste Blog-Thema war klar.

An der Stelle kam Kräuterwochen-Idee von Julia von Julietravels gerade recht. Sie hat mich sanft geschubst, einen passenden Artikel zu veröffentlichen.

Kräutergärtner auf dem WegMeine Chili-Quelle

Mit der Idee im Kopf habe ich meiner Lieblingsquelle für Scharfes gleich darauf einen Besuch abgestattet: die Kräutergärtnerei Valeriana. Ungemein praktisch, dass ich dafür nur einmal quer über die Straße gehen muss – und schon schwelge ich gewissermaßen in meinem Hot-Pot.

Hier kann ich aus dem Vollen schöpfen: bei 25 Chili-Sorten hab ich mehr Auswahl, als ich ad hoc essen kann. Ach ja – und Chili ist ja nicht immer nur einfach hot: auf den Etiketten finde ich ganz verschiedene Geschmacksrichtungen: mild, rauchig, aromatisch, aprikosig, mit Schokoladennote, säuerlich, fruchtig – und klar: scharf!

Cool down the heat!

Weil: ist manchmal nötig wenn zu scharf!

Vor einigen Jahren habe ich einen Chili-Härtetest gemacht. Gemeinsam mit einem Freund wollten wir unsere Verträglichkeitsgrenze ausloten. Wir mögen es scharf. Beide.
In meinem Kühlschrank stehen mindestens 4 verschiedene Flaschen Hot Chili Sauce. Tabasco kam zu der Zeit nicht ins Haus – weil „was für Mädchen“. Auch einen ansehnlichen Vorrat verschiedener getrockneter Chilis aus Mittelamerika ist jederzeit im Gewürzfach griffbereit. Aus heutiger Sicht völlig banal – hatten wir zwei handelsübliche rote Schoten in der Küche lokalisiert – nicht mal mit einem Namen versehen. So saßen wir am Tisch – vorsorglich mit Weißbrot und leicht angefeuchten Handtüchern präpariert. Wohl wissend – es könnte scharf sein.

Und dann: ZU GLEICH!
Ein herzhafter Biss von der Spitze der Schote, kauen und schlucken.
So lautete unsere Regel.

Milder kühlender Geschmack im Wasser - Agastache

Milder kühlender Geschmack im Wasser – Agastache

Was kam haute uns aus den Socken. Verdammt hot!
Der Kreislauf drehte hoch.
Es war soooo scharf. Gedanken brannten, nicht zu denken.
Ich weiß, ich habe mich krampfhaft am Tisch festgehalten, weil ich Sorge hatte, ich fall vom Hocker. Und ich hatte tatsächlich ein kurzes Blackout. Wie nennt man das: Sekundentod? Und blanke Angst. Ich hab Bilder vom Schweißtuch Christi vor Augen gehabt – makaber – zugegeben, aber ich hatte für kurze Zeit Panik, das nicht zu überleben.

Hab ich aber. So: etwas Weißbrot, ein kaltes Handtuch in den Nacken, atmen – und dann mussten wir beide lauthals lachen. Und versuchten allerlei, um die Hitze wieder auf ein Normalmaß zu bringen.
Einige Caipi halfen gut.

Der Kräuter-Kühler: Agastache aus Mexiko

Eine schöne – und gärtnerisch angemessene Kühl-Lösung haben wir dann endlich beim Cactusbrunch gefunden. Die Idee stammt von meinem Freund und Koch Bastian Foerg. Mit ihm war ich bei Valeriana shoppen. Mineralwasser mit Zitronen-Agastache auch Mexiko.
Erfrischend an heißen Tagen, beruhigt bei Revolution im Magen und schmeckt leise.
Geht aber auch in heiß – als Tee. Und sie sieht schön aus, die Buntnessel – auch Bienen mögen sie sehr. Letzteres allein ist mir ein guter Grund für die Pflanze.

Hmmm. Das gäbe einen schönen Einstieg für ein Bienen-Blüten-Beet in der Gärtnerei…

 


Nun gesammelte Rezepte:

Jetzt gab es viel Wissen über die scharfen Chilis – Zeit fürs genießen!
Ich habe die schönsten Rezepte hier zusammengetragen – weil ich selbst mal wieder probieren will. Im Moment schreibe ich von unterwegs – das Kochen muss noch warten.

Der scharfe Klassiker: Chili con Carne

Eine alte Tradition – bodenständig und kein bisschen mexikanisch.
Begonnen hat das mit meinem Freund Ralph. Wir haben regelmäßig gekocht – den Seelentröster für Männer. Aus Hackfleisch, Bohnen, Tomaten, Cumin, Schokolade, Schwarzbier, natürlich ausreichend Knoblauch – und je nach Stimmung mehr oder weniger Chili! – hmmm. Sollte ich auch mal wieder…
Die besten Rezepte für Chili con Carne habe ich auf Pepperworld gefunden – und gleich noch eine Latte Hintergrundwissen.

Spieße – Scharfes vom Grill

Bratwurst-Bacon-Jalapeño-Spieße – könnte ein Thüringer ohne Bratwurst leben? Nein, natürlich nicht. Aber er darf seine Bratwurst nach allen Regeln der Kunst pimpen.

auch dazu hier das Rezept bei Pepperworld

Fresh Mexican

… für danach – ein knalliger Cocktail aus meiner Lieblingsbar, dem Hemingway in Erfurt – hilft auch beim „runterkommen“

3 cl Bols Yogurt
2 cl Tequila blanco
2 cl Kaluha
und das ganze würzen – nach Christopher Kolumbus mit Chili und Pfeffer!

Links im Text: Die Quellen sind für die Nachvollziehbarkeit verlinkt. Ich erhalte kein Geld für die Erwähnung von Webseiten – von den Valeriana-Kräutern bin ich einfach begeistert.

Freitag, 18. Mai 2018
von Ulrich Haage
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KaktusWalk – ein spitzer Instawalk in Erfurt

Im Mai 2018 gab es bei Kakteen-Haage den ersten KaktusWalk – ein InstaWalk mit Kakteen, – vermutlich gab es etwas vergleichbares noch nicht zuvor. Das Echo hat jedenfalls alle meine Vorstellungen in den Schatten gestellt. 

KaktusWalk bei Kakteen-Haage

Über 50 Besucher waren kreuz und quer in der Gärtnerei unterwegs und haben fotografiert und gefilmt was das Zeug hielt.
FunFact am Rande: weniger als 5 % der Teilnehmer haben bisher etwas mit Kakteen am Hut gehabt.
Ganz nebenbei: für 50 Leute grillen war ein Novum für mich 🙂

Ganz sicher ist: so viel Spaß für alle – das schreit einfach nach einer Wiederholung. Im nächsten Jahr auf ein neues! Da laden wir wieder ein.

Hier gibt es einen ganzen Sack voller zauberhafter Impressionen – ich selbst habe keine Fotos gemacht – deswegen herzlichen Dank an Nicole und Christoph für die Bilder.

Ein dickes Danke für Idee und Organisation an Jessika und Julia von den Erfurtbloggern – es war mir ein inneres Blümchenpflücken!

Und was ist eigentlich ein Instawalk?

Aus der frühen Zeit von instagram stammt die schöne Erklärung: ein Instawalk ist ein Spaziergang auf dem man Bilder macht.
Nett! Und so ungefähr war es auch bei uns.

Kurze Begrüßung, ein paar Informationen und Hinweise und dann rein ins Gewächshaus. Stories erzählen und auf eigene Faust erkunden. Fotografieren, Perspektiven entdecken, die noch keiner zuvor gesehen hat. So läuft ein Instawalk.
Auch wenn Kakteen allgegenwärtig sind – sind sie doch nicht das einzige was abgelichtet wurde.
Davon erzählen die Fotos.

Noch mehr Bilder gibt es hier:

Sabrina Nürnberger – mediadee

MDR – Mitteldeutscher Rundfunk

 

 

 

Sonntag, 22. April 2018
von Ulrich Haage
21 Kommentare

Tag der offenen Tür 2018 bei Kakteen-Haage

Seit 1992 ist der Tag der offenen Tür die wichtigste Veranstaltung bei Kakteen-Haage. Am zweiten Samstag im Mai treffen sich in Erfurt unzählige Kakteenfreunde.

In diesem Jahr ist es Samstag, 12. Mai 2018 bei Kakteen-Haage in Erfurt.

Programm

  • Verkauf auf über 1500 m² von 8.00 bis 18.00 Uhr
  • Beratung und Tipps von unseren erfahrenen Mitarbeitern
  • Führungen durch die uralten Mutterpflanzenbestände
  • Entdecken Sie 333 Jahre Gärtnergeschichte der Familie Haage in Erfurt
  • Fachvortrag:
    • 13 Uhr Rudolf Hessing: „30 Jahre Epicactus-Züchtungen – und immer wieder frisch“
  • lernen: fachsimpeln und austauschen mit Fachleuten und anderen Kakteenfreunden
  • mit dabei: die leckere Kaktusbratwurst, und andere Thüringer Spezialitäten vom Grill
  • Kaffee und frischer selbst gebackener Kuchen

Drumherum

  • Bonsaifreunde kommen bei unseren Nachbarn Bonsai-Do und ihren sehenswerten Bäumchen voll auf ihre Kosten
  • Kräutergärtnerei Valeriana – bei unseren unsere Nachbarn gegenüber entdecken Sie viele seltene Kräuter

 


Der Tag der offenen Tür bei Kakteen-Haage

… alle Jahre wieder wird er mit wachsendem Erfolg zelebriert.
Natürlich geht es auch darum, sich in den Beständen einige Schnäppchen zu sichern, oder dem „Profi“ mal mit einem Problem auf den Zahn zu fühlen.

Genauso bedeutsam ist die Möglichkeit, mit anderen Kakteenfreunden zusammenzusitzen und Erfahrungen auszutauschen und das über regionale Grenzen hinaus.

Führungen

Immer wieder beliebt ist der Blick hinter die Kulissen – den so ein Tag der offenen Tür ja schliesslich ausmacht.

Hier kann man erleben, wie so eine Kakteengärtnerei arbeitet: wo kommen die Pflanzen her und wer hat da seine Hände im Spiel. Streifen sie durch die Sämlingsbestände, machen Sie Fotos von den Mutterpflanzen, oder finden Sie heraus, wie wir 800 Kakteen in einer Stunde topfen.

Ganz besonders: um 12 Uhr gibt es eine Führung durch die Kakteen speziell für Kinder.

Herzlich willkommen am zweiten Samstag im Mai bei Kakteen-Haage in Erfurt!

(Hinweis: einige Kommentare beziehen sich auf den Tag der offenen Tür aus den vergangenen Jahren)