CactusPodcast 025 – Kakteenpflege – Kakteenaussaat und Tipps von Ulrich Haage

Kakteenaussaat – Episode 025

So bekommst du schnell und günstig seltene Pflanzen für deine Sammlung

Heute bin ich im Gewächshaus bei unserer Kakteenaussaat gewesen, mit dem Mikrofon. Genauer: ich war in unserem Aussaathaus. Dort habe ich nach unseren Sämlingen, geschaut – und erzähle, wie wir bei Kakteen-Haage unsere Ausaat machen. Und wenn diese Episode ganz schön lang geworden ist – die Aussaat dauert nicht so lange.
Falls du dir nochmal die ganz simplen Grundlagen der Aussaat anhören möchtest: vor einem Jahr gab es die erste Episode (007) – die „Bond-Episode“ in den CactusBasics zum Thema Aussaat. Diese Episode beantwortet übrigens einem ganzen Fragenkatalog aus den letzten Tagen an unserer Cactus-Hotline – ich hab es nur nicht geschafft, alle die Namen zu notieren – das wird also heute eine ganze „Frag den Kaktusgärtner“ Episode. 
 
Wie du durch Aussaat schnell und sehr preisgünstig an seltene Pflanzen kommst – das klären wir heute auch hier.

Aussaathaus – brauche ich sowas auch?

Bevor wir in die Details gehen – wo kann ich überhaupt aussähen? Muß ich dazu auch ein Aussaatgewächshaus haben?
Die Antwort ist einfach und ganz klar: Nein!
[… aber psst: es ist ziemlich cool eins zu haben!]

Genau genommen braucht es nur sehr wenig, damit eine Aussaat gut gelingen kann. 
 

Kakteenpflege - Kakteenaussaat und Tipps von Ulrich Haage

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteenpflege

Was brauchst du für die Aussaat von Kakteen oder anderen Sukkulenten?

  • Saatgut
  • Erde
  • Aussaatgefäß, z. B. eine Schale, oder kleine Töpfchen
  • Etiketten + Stift
  • Abdeckmaterial – z. B. Quarzkies, Abdeckvlies
Werkzeuge und Hilfsmittel

Hilfreich ist eine Schaufel in der passenden Breite zum Aussaatgefäß, sie macht die Arbeit erheblich leichter.
Etwas zum andrücken der Erde, zum Beispiel ein glattes Brettchen oder eine Streichholzschachtel.
Zum anfeuchten der Erde eine Schale mit Wasser. Alternativ hilft eine Ballbrause, oder eine Gewächshausgießkanne mit ganz feiner Brause.
Wer seine Aussaat mit einem Beizmittel schützen möchte – der braucht auch das – optional.

Standort für die Sämlinge

Damit alles glattläuft: erst alles für die Aussaat vorbereiten und bereitstellen. Dazu gehört auch die Frage: wo sollen die Aussaatgefäße danach stehen? Der Standort sollte hell und frei von Zugluft sein. Die Temperatur liegt im Idealfall konstant um die 22-24° C.

Alles am Start? Dann kann’s mit der Kakteenaussaat losgehen!

CactusPodcast Aussaat
 

Und jetzt: Kakteenaussaat der Reihe nach!

Wie angekündigt – das geht ganz einfach:
  1. Aussaatgefäß mit Aussaaterde füllen. Wir verwenden Aussaaterde für Kakteen, oder einfach unsere Kakteenerde 01. Da die Sämlinge nur eine begrenzte Zeit in der Erde wachsen genügt sogar eine Substratdicke von 2 bis 3 cm
  2. Erde mit einem Brettchen leicht andrücken
  3. Aussähen – dazu das offene Samentütchen zwischen Daumen und Mittelfinger waagerecht über das Aussaatgefäß halten. Mit dem Zeigefinger leicht auf das Tütchen klopfen damit der Samen langsam und möglichst einzeln herauskullern kann. Die Samenkörner sollen möglichst gleichmäßig auf der Oberfläche im Gefäß verteilt sein. Wenn mal ein paar mehr Körnchen zusammen „abgesprungen“ sind, dann ist das kein Beinbruch – nur „Haufenbildung“ solltest du vermeiden. Sehr große Samen (bei manchen anderen Sukkulenten), oder Samen mit speziellen Anforderungen kannst du auch mit den Fingern, oder sogar mit einer Pinzette direkt stecken. So wollen Samen von Pachypodium beispielsweise mit der Rundung nach unten in die Erde gesteckt werden. Und: Vorsicht mit der Pinzette: Samenkörner haben oft eine harte Schale, sind aber mit wenig Kraft schnell zerdrückt. Jetzt werden die Samenkörnchen noch einmal ganz leicht angedrückt, damit sie guten Kontakt zur Erde haben
  4. Das Aussaatgefäß dünn mit Quarzkies abstreuen. Dünn bedeutet: nur ein bis zwei Korn stark. Der Quarzkies hat eine ganze Reihe Vorteile: er lässt das Licht durch, schirmt zu viel davon ab, die Feuchtigkeit wird im Boden gehalten, zu viel Wasser kann aber problemlos verdunsten, wenn es versehentlich zu heiß wird, kann die Luft hier problemlos zirkulieren, unter Glas oder Vlies bildet sich in der direkten Sonne binnen weniger Minuten ein Hitzestau und die kleine Sämlinge verbrennen.
    Alternativen zur Abdeckung mit Quarzkies: Abdeckvlies oder passend geschnittene Glasscheiben (veralgen leicht, Verletzungsgefahr, Überhitzungsgefahr)
  5. Etiketten beschriften
    Das steht auf unserem Etikett:
    – Aussaatnummer (der Verweis auf das Aussaatbuch, bei uns eine Datenbank, hier können wir alle Informationen nachschlagen)
    – Name (Gattung und Art)
    – Feldnummer und Standort – soweit angegeben halten wir die Informationen zur Heimat der Sämlinge fest
    – Herkunft und Menge der ausgesäten Samen
  6. Aussaatschale in der Wasserwanne für ca. 30 Minuten mit Wasser vollsaugen lassen, danach abtropfen lassen und an den endgültigen Standort stellen

CactusPodcast

Die Reihenfolge der einzelnen Schritte bei der Kakteenaussaat lässt sich an manchen Stellen ändern. So könnte ich die Etiketten auch vor der Aussaat stecken.
Auch bei uns hat jeder Mitarbeiter seinen persönlichen Ablauf entwickelt. Probier einfach mal aus, welche Reihenfolge für dich am besten funktioniert. Wir schreiben alle unsere Etiketten, bevor die Aussaat beginnt. Manchmal haben wir die Saatschalen schon getaucht und säen auf die feuchte Erde – das ist nicht in Stein gemeißelt.

Da war noch was mit günstigen seltenen Pflanzen für deine Sammlung …

Stimmt – und auch dass ist kein Zauberwerk. Ein paar Körnchen Saatgut kosten meist nur ein Bruchteil einer Jungpflanze. Und gerade bei den anderen Sukkulenten kannst du binnen kurzer Zeit eine schöne Pflanze heranwachsen sehen. Klar – bei den meisten Kakteen braucht das ein wenig mehr Zeit. Das Saatgutsortiment hat sich in den letzten Jahren sehr verändert – heute gibt es oft auch Samen von echten Raritäten zu kaufen. Und wachsen – das machen unsere Pflanzen ja weitgehend ganz alleine. Wir müssen nur hin und wieder nachsehen.
Auf die Weise bekommst du ganz Fix neue Pflanzen in deine Sammlung. Und wenn die Aussaat gut läuft – dann kannst du ja überlegen, überzählige Pflanzen mit anderen zu tauschen. 

Ich drück dir beide Daumen!

Und jetzt:

Viel Erfolg bei der Aussaat!

Einfach mal machen! Probier es mal aus! Es ist eine Mordsfreude, wenn du zum ersten Mal deine winzigen Sämlinge aus der Erde kommen siehst!

Hast du noch Fragen zur Kakteenaussaat?

Oder zu anderen Themen?
Wie immer per Mail an Studio@CactusPodcast.de oder in der FB Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ oder Kommentare hier im cactusblog.de
 
Und jetzt freu ich mich auf dein Feedback.
 
Was kommt als nächstes?
 
Der Cactuspodcast kommt wieder in der Episode 026.
Das Thema werde ich noch rechtzeitig entscheiden.
Bis dahin bleibt gesund und glücklich.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

Shownotes:

Du willst mehr wissen / haben / hören?

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr zum Thema Aussaat im CactusPodcast

weitere Interviews im CactusPodcast:

 
 
Den CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast:
jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 

CactusPodcast 024 – Der Kakteen-Haage Katalog

Der Kakteen-Haage-Katalog – Episode 024

Warum gibts eigentlich noch ein Kakteenkatalog? – Sein Ursprung und wie er entsteht

Er ist über 190 Jahre alt, existiert vermutlich ungefähr so lange wie unser ältester Kaktus und vielleicht ist er sogar die am meisten verbreitete Kakteenveröffentlichung der Welt – aber darüber muss ich nochmal nachdenken.
 
Die Kakteen-Haage Kataloge – die Geschichte
der Anfang ist nachweisbar aus dem Jahr 1824, als Friedrich Adolph Haage sein erstes Preisverzeichnis veröffentlicht. Aus dieser bescheidenen Liste entwickeln sich im Laufe der Jahrhunderte umfangreiche Kataloge, aus denen noch heute unter anderem Erstbeschreibungen zitiert werden – und auch sonst ist es ganz spannend, in den historischen Werken zu blättern.
Unsere Geschichtsschreibung zeichnet ein ziemlich lückenloses Bild von Katalogen aus dem vergangenen Jahrhundert. Lediglich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs bin ich unsicher, ob die damals üblichen 2 bis 3 Kataloge im Jahr erschienen sind. Papier war rationiert und am Ende wurden die Kakteen als „unarisch“ (un-arisch, also nicht dem deutschen Geist entsprechend) eingestuft und wurden verboten. 
Deswegen hätte es mich echt gebissen, wenn wir in Jahr 2020 keinen Katalog veröffentlicht hätten, wo doch die Ahnen in denkbar schlimmeren Zeiten daran festgehalten haben.
 
Das Thema Katalog ist natürlich auch in einem anderen Zusammenhang ein bisschen brisant:
In meinem Katalogregal liegt die offiziell letzte Ausgabe des Otto-Katalogs aus dem Jahr 2019, und auch der Ikea-Katalog ist im vergangenen Jahr in die Geschichte eingegangen. Dass es den nicht mehr geben wird, das hat nicht nur mich erschüttert.
Und ich habe mich gefragt: ist unser Papierkatalog eigentlich noch zeitgemäß? Ist es Zeit, dem allgemeinen Trend zu folgen und zu sagen: „Wir sind online, das muss genügen.“
Etwas in mir hat sich dabei sofort und deutlich gewehrt. 

Kataloggeschichten - Ulrich Haage und der Kakteen-Haage Katalog

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kataloggeschichten

Ist ein gedruckter Katalog im digitalen Zeitalter überhaupt noch zeitgemäß?

Ich weiß, unser Katalog ist ein Anachronismus – in verschiedener Hinsicht.
Viele Kakteenleute sind schon seit langem im digitalen Zeitalter angekommen. Häufig schon länger als andere.
Als wir in den 1990ern unsere erste Webseite gestartet haben, da war das ziemlich exotisch und wir waren auch ziemlich alleine. Die Digitalisierung passierte aber ausgerechnet in der Kakteenwelt schneller als in anderen Bereichen – so mein ganz persönlicher Eindruck. Vermutlich, weil es die internationale und überregionale Kommunikation zu unserem Fachgebiet deutlich erleichtert hat. Das habe ich lange Jahre beobachtet – im Vergleich zum „normalen“ Gartenbau, aber auch zu anderen Branchen in denen Online & Co jetzt als neue Sau durchs Dorf getrieben wird.
 

Katalog auf Papier? Braucht es das noch?

Seit einigen Jahren bekommen wir nach dem Katalogversand nette Mails oder Anrufe:
„Danke, dass ihr mir euren neuen Katalog geschickt habt – aber ich bestelle sowieso über den Shop, da brauche ich keinen gedruckten Katalog mehr.“
 
Zu Anfang war ich unsicher, ob das jetzt eine Trendwende ist und auch in der Familie haben wir diese Frage heiß diskutiert.
Inzwischen habe ich gelernt: Es gibt immer noch sehr viele Kakteenfreunde und Kunden die zu den älteren Semestern zählen. Die schicken uns Briefe oder Faxe, oder rufen bei uns an und haben keine E-Mail. (Ja, sowas gibt’s noch.)
Und es gibt die Menschen, die die Buchstaben lieber auf Papier lesen, statt auf dem Bildschirm, oder im Reader. Ich zähle mich übrigens auch dazu – ich mag es, wenn das umblättern echte Geräusche macht.
Und deswegen – unter anderem – drucken wir unseren Katalog weiter auf Papier und schicken ihn in die ganze Welt – so wie das meine Vorfahren auch schon gemacht haben.
Und wir machen ihn selbst…
 
CactusPodcast - Der Kakteen-Haage Katalog
 

Katalog selbst machen?

Kataloge werden meist von Agenturen gemacht. Die kennen sich damit aus, sind spezialisiert und wissen, was der Kunde und der Auftraggeber lesen wollen.
Wir ticken da ein bisschen anders. Wenn wir davon erzählen, dass unser Katalog komplett selbst gemacht ist, ernten wir regelmäßig ungläubige Blicke. 
Klar, unser Katalog ist nicht aus der Hand eines Profi-Katalog-Machers – und das sieht man ihm an.
Manches, was zum Handwerkszeug eines Katalog-Profis gehört machen wir nicht. Das eine, weil wir es (noch) nicht besser können, anderes, weil wir es nicht wollen…
Katalog selbst machen ist übrigens gar nicht so ungewöhnlich. Eine Reihe von sehr guten Katalogen tragen zumindest deutlich die Handschrift ihrer Unternehmer. Ich denke da zum Beispiel an meinen Kräuterkollegen Daniel Rühlemann oder das urspüngliche „Merkheft“ von Zweitausdendeins. In beiden Fällen sind Menschen am Werk, die sich in ihrer Materie bestens auskennen und wunderbar Geschichten erzählen können. Sowas mag ich.
Ich habe mich heute gerade durch die Rezensionen der besten Kataloge des Jahres 2020 gelesen. Was und wie unter anderem Martin Groß-Albenhausen unter die Lupe nimmt. Sich über Details und Gestaltung der Blattwerke von „Grüner Erde“, „Freetree“, „Gerstaecker“, „Atelier Goldener Schnitt“ (50 Jahre), „ebrosia“ (20 Jahre) auslässt. Gutes lobt und das andere ankreidet. Das finde ich immer wieder spannend und lehrreich. Für unseren nächsten Katalog hab ich dabei schon wieder drei neue Ideen gesammelt. Die Vorbereitung für den läuft schon wieder. 
Konkret bedeutet das aber nicht nur Ideen sammeln, sondern ganz praktische handfeste Kaktusgärtnerarbeit: 

Vorbereitung

  • den Samen reinigen, trocknen den wir den ganzen Sommer über geerntet haben und in Tütchen zählen
  • auf Samensendungen aus der ganzen Welt warten (am Freitag habe ich wieder ein Paket von Mesa Garden aus dem Zoll befreit, das vor vier Monaten in Belen abgeschickt wurde)
  • Pflanzen vermehren und einkaufen
    • pikieren
    • umtopfen
    • Stecklinge schneiden
    • gießen
    • die Pflanzen, die wir nicht selbst machen können, die kaufen wir bei Gärtnerkollegen ein
      • Echinocereus oder Gymnos mit besonders ausgeprägter Bedornung aus Kalifornien
      • Baobab aus dem Senegal – die immer ratz fatz weg sind
      • Adenium Hybriden aus Thailand
      • abgefahrene Astrophytum aus Japan
    • und dann muss das ganze Angebot für den Verkauf vorbereitet werden und genau dorthin geräumt werden, wo es hingehört, dazu müssen wir jedes Jahr viele hunderttausend Etiketten drucken
  • Bücher einkaufen
    • besonders spannend waren zuletzt die Bestellungen aus England und Südafrika nach Deutschland zu bekommen – die Hälfte unserer Bücher – darunter auch die signierten Gymnocalycium-Bücher von Graham Charles haben einige Tage im Stau vor dem Kanaltunnel verbracht, was war ich froh, dass wir zu der Zeit gerade keine Pflanzen auf dem Weg ins Königreich hatten – der Brexit hat auch bei uns einige Spuren hinterlassen – darunter sehr viele verunsicherte britische Kakteenfreunde
  • Erde mischen und abfüllen
    • im Moment ist der Bedarf an Erde immens, wie viele Tonnen der Meister unserer Erden Heiko Beck im letzten Jahr bewegt hat, das kann ich nur erahnen
    • außerdem schrauben wir auch noch an neuen Rezepten – darüber kann ich aber noch nichts Genaueres verraten
  • Zubehör einkaufen
    • ich denke jetzt zuerst mal an ungewöhnliches: Schnaps. Wenn bei uns der LKW auf den Hof rollt und eine Palette Tequila, Rum und andere geistigen Sachen entladen werden, dann rollen unsere Nachbarn schonmal fragend mit den Augen
    • auch das Zubehör wird zunehmend international
    • zum Beispiel unsere kleinen Gewächshauslüfter, die die Pilzsporen über den Winter in Schach halten, die kommen von einem kleinen Hersteller aus China
    • manchmal gibt es auch da Zitterpartien bis zur letzten Minute – oder auch darüber hinaus, zum Beispiel das ganz neu entwickelte Biplantol für Kakteen und Sukkulente: das war für den dritten Advent geplant, dann gab es Verzögerungen bei der Anmeldung beim Bundesamt für Reaktorsicherheit. Jetzt rechne ich damit, dass die erste Lieferung spätestens Mitte Februar ankommt.
    • oder wenn es Engpässe gibt – ich denke an die Erde, die im letzten Frühjahr das Schicksal mit Toilettenpapier geteilt hat, oder wenn das Bi 58n wieder mal nicht geliefert werden kann – solches Herzklopfen erleben wir immer wieder mal.

Alles da?

Wenn dann endlich alles da – und vorbereitet ist – oder zumindest auf dem Weg, dann kümmern wir uns um Feldnummern, Standortangaben, feilen noch etwas an den Beschreibungen.
Und dann muss ich noch die ganzen Geschichten schreiben. Notizen dazu sammle ich das ganze Jahr über, dann heißt es recherchieren, Informationen zusammentragen, prüfen…
Die letzten Tage haben meist einige Nachtschichten an Bord – und mehr als einmal musste ich mit der Druckvorstufe (die sorgen dafür, dass der Katalog gedruckt werden kann) meine Deadline um ein paar Stunden verschieben.
Meist setze ich mich dann ins Auto und fahre meinen Daten hinterher in die Druckerei und wenn ich angekommen bin gibt’s einen Kaffee und dann kann ich zuschauen, wie die riesigen Rollenoffsetmaschinen ersten Makulaturexemplare ausspucken. Die Profis stehen an großen Tischen und messen Farbdichte und Strichstärken und drücken an gefühlt Millionen Knöpfen herum und irgendwann ist alles richtig und dann geht’s los. Das ist für mich immer ganz erhebend.
Eine Viertelstunde später ist der Zauber vorbei, 20.000 Kataloge sind fertig gedruckt.
Und ich falle glücklich ins Bett.
 

CactusPodcast

Was der Katalog für uns bedeutet 

Der Katalog ist für mich nicht nur eine Auflistung dessen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt in unseren Gewächshäusern steht. Er ist auch ein wichtiges Sprachrohr und ein Zeitzeugnis, Geschichtsbuch. 
(Index Seminum)
Klar steht da nur die Spitze des Eisbergs drin. So etwa wie im Lebenslauf, ein bisschen mehr vielleicht. 
Lebenslauf – als Kind hat mir meine Cousine erzählt, sie muss gerade ihren Lebenslauf aufschreiben. Ich habe wochenlang danach nicht schlafen können, weil ich immerzu vergessen habe, was es am letzten Donnerstag im Kindergarten zum Mittag gab und ich mich nicht mehr genau erinnern konnte, was ich mit dem Kiefernast bei der Wanderung am vorletzten Sonntag gemacht habe. 
Menschen, die sich sehr intensiv mit Katalogen beschäftigen, die können zwischen den Zeilen eine Menge lesen. Zum Beispiel wann eine Pflanze bei wem zum ersten Mal angeboten wird. Oder wie eine Pflanze oder ihre Blüte beschrieben ist.
Und dann ist es auch interessant, was andere in den Katalogen finden. Vorhin ging es ja schon um Katalog-Rezensionen.
Hier habe ich etwas ähnliches – nur ist diese Rezension schon ein paar Jahre alt und bezieht sich auf mehrere Kataloge:
 
Das Hauptverzeichnis über Samen und Pflanzen von Herrn Haage & Schmidt in Erfurt wird wohl an Reichhaltigkeit von keinem anderen irgend einer Firma Europas übertroffen. Dasselbe enthält in Bezug auf Samen aller Arten und Raritäten welche im in oder Auslande im Handel vorkommen und von genannter Firma bezogen werden können, sowohl landwirtschaftliche Samen, als Samen von Sommergewächsen, Ziergräsern, Freilandstauden, Topfgewächsen, Wald-und Gehölzsamen. Die Zahl der in dem Verzeichnisse offerierten Samen von Arten und Varietäten beläuft sich auf nicht weniger denn 13.5 67. Die Zahl der Neuheiten von Samen, Arten und Varietäten für 1869, mit Einschluss einiger selten in Samen vorkommenden wertvollen Spezies, 227.
 
In dem Pflanzenkatalog ist es namentlich die Abteilung für Blumenzwiebeln und Knollengewächse, welche unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. In dieser Abteilung finden wir eine bedeutende Anzahl sehr seltener Pflanzen offeriert, wie zum Beispiel Cyrtanthus mackenni, Littonia modesta, Sandersonia aurantiaca und viele andere dergleichen.
 
Das Verzeichnis ist mit sehr großem Fleiß und großer Korrektheit angefertigt und zu vielen empfehlenswerten wie interessanten Pflanzen sind Abbildungen beigegeben, so das man es mit Recht ein illustriertes nennen kann, denn dasselbe enthält nahezu an 130 Lithographien, außer den 60 Beispielen zur Bepflanzung von kleinen Beeten in Rosenparterres, die für so manchen Blumenfreund von großem Werte sein dürften.
 
Das Verzeichnis für 1869 des Herrn Friedrich Adolph Haage jun. in Erfurt eine seit beinahe 50 Jahren in dem besten Renommee stehende Firma, enthält in großer Anzahl die besten, empfehlenswerten und gangbarsten Gemüse-, Feld-, Wald-und Blumen Sämereien. Eine Zusammenstellung sämtlicher Florblumen (Seite 11-14 des Verzeichnisses), die zur Hauptzierde eines Gartens dienen, empfehlen wir bestens, ein solches Verzeichnis erleichtert den Blumenfreunden die Auswahl sehr. Unter den Neuheiten, welche in diesem Jahre in den Handel kommen, enthält das Verzeichnis eine ganze Anzahl, die wir aber auch in den Verzeichnissen mehrerer der ersten Erfurter Samenhandlungen verzeichnet finden, namentlich in dem von E. Benary, Ferdinand Jühlke Nachfolger, Platz & Sohn und andere. Außer Sämereien werden in dem Verzeichnisse von Friedrich Adolph Haage junior auch Pflanzen offeriert, unter diesen mehreren Neuheiten vom Jahre 1868, wie Abutilon thompsoni, Achyrathes borbonica, Ampelopsis veitchii, diverse Croton, Passiflora trifasciata, dann eine Auswahl von schönen Pflanzen des Kalt-und Baumhauses aus früheren Jahren, ferner Stauden, Zierbäume, Sträucher, Erdbeeren, Fruchtsträucher und dergleichen. Es ist ein reichhaltiges, sehr genau und korrekt angefertigtes Verzeichnis, dass wir, wie die anderen, den Blumenfreunden zur Durchsicht empfehlen.

Frag den Kaktusgärtner

Diesmal gibt es gleich drei Fragen zuerst – wie passend: zum Katalog
 
Timo Steini via FB:
Hallo nach Erfurt  Letztes Jahr habe ich das erste Mal bei euch bestellt, nachdem ich den Hoyas verfallen bin. Mit viel Freude habe ich zur Weihnachtszeit die Videos aus der Gärtnerei verfolgt, obwohl ich sonst eigentlich nicht so der Videogucker bin. Besonders gespannt war ich dann natürlich auch auf den Katalog, welcher mehrfach erwähnt wurde und zum Glück noch rechtzeitig in den Druck gehen konnte. Als Kunde des letzten Jahres nahm ich an, dass mich dieser auch automatisch erreicht. Leider kam er nicht und ich wurde ungeduldig. Ich habe somit auf der Homepage einen Katalog angefordert und dieser kam auch ganz flink. Auch andere Hoyabesteller aus dem letzten Jahr haben noch keinen Katalog erhalten. Eventuell sind nicht alle Kunden in der Datenbank?  Im Katalog steht zumindest, dass alle Kunden der letzten drei Jahre einen erhalten  Besonders gut gefallen mir die vielen kleinen Randnotizen bzw. Geschichten im Katalog. Davon hätte ich gerne mehr!
Nun werd ich wahrscheinlich auf den Podcast verwiesen. 
Wie wäre es denn für 2022 mit einem Jahreskalender und netten Anekdoten? Die ganzen Weisheiten die sonst in Kalendern stehen kennt doch schon jeder auswendig. Ich finde es jedenfalls toll, dass ihr noch einen Katalog produziert und das wollte ich eigentlich nur kurz (oder lang) kundtun. 
Liebe Grüße aus Berlin, Timo
Was für ein schönes Feedback! Da macht es gleich noch mehr Spaß!
 
Ja, wir versenden an alle Besteller der letzten drei Jahre unseren Katalog, vorausgesetzt, sie möchten den auch haben.
Den letzten Katalog haben wir auch an einige Kakteenfreuden geschickt, von denen wir schon sehr lange nichts mehr gehört haben. Und ich freu mich jedes Mal wie Bolle, wie vor ein paar Wochen, als ich einen Kunden entdeckt habe, der zuletzt auf unseren Karteikarten verzeichnet war – damals haben wir noch den Beruf aufgeschrieben: „Schüler“.
Das ist schon 60 Jahre her.
 
Der Katalogversand war dieses Mal auch noch besonders herausfordernd: Wir sind volle Kanne in den Weihnachtsverkehr geplatzt. Die ersten Exemplare sind tatsächlich Heiligabend angekommen – die letzten haben wir Mitte Januar verzeichnet. Kein optimaler Zeitpunkt – und trotzdem bin ich heilfroh, dass es noch geklappt hat und ich bin allen Postmännern und -frauen dankbar, dass sie unbeirrt ihren Dienst versehen.
 

 
Der zweite Teil ist ein ganzer Fragenblock von Immanuel aus Jena:
Was sind die fünf wichtigsten Kaktusgärtnertipps?
  1. lieber zu wenig als zu viel gießen, die Erde immer komplett abtrocknen lassen
  2. Topf mit Abzugsloch, sonst Gefahr von Staunässe
  3. gut durchlässige Kakteenerde
  4. heller, sonniger Standort (bitte nicht in die Schrankwand hinter dem Fernseher)
  5. Winterruhe: nach der Wachstumszeit ab Oktober bis März kühl und trocken halten 
Was muß ich tun, damit mein Kaktus auf der Fensterbank zur Blüte kommt?
  • Winterruhe – wie oben
Was gibt es bei der Kultur der „König der Nacht“ besonders zu beachten?
  • humose Erde
  • ausreichende Ernährung mit stickstoffhaltigem Volldünger
Stichwort winterharte Kakteen im Garten:
Ich möchte gern winterharte Kakteen in Deutschland kultivieren, was gilt es hierzu zu beachten?
  • durchlässige Erde / gute Drainage (z. B. mit grobem Kies)
  • bei wenig Schnee ggf. Abdeckung notwendig
Welche Arten / Gattungen eignen sich besonders für den oft nassen deutschen Winter?
  • Opuntia – Ohrenkakteen
  • Echinocereus
  • seltener: Gymnocalycium, Notocactus, Austrocactus
Wann ist der beste Zeitpunkt, die Kakteen „vor die Tür“ zu schaffen?
Gilt es hierbei etwas zu beachten?
  • ideal ist die Zeit im späten Winter ab Februar
  • so haben die Pflanzen möglichst lange Zeit, um gut anzuwachsen und sich an den neuen Standort zu gewöhnen
  • frühzeitig gießen ist okay – selbst bei Frost
  • speziell bei Opuntia: gute Nährstoffversorgung mit Volldünger damit die Pflanzen kräftig wachsen
  • wichtig: Wachstum frühzeitig beenden (September, spätestens Oktober!)
Gibt es sonst etwas, dass bei der Kakteenpflege helfen kann?
  • ja, Meister Wilhelm sagt:
    „Behandle deinen Kaktus wie einen Mann. Wenn du unsicher bist, was er braucht, dann lass ihn einfach in Ruhe.“
 
CITES
Was bedeutete es ganz konkret als CITES zertifizierter Betrieb zu arbeiten?
  • wir dürfen Pflanzen vermehren, die weltweit unter Schutz stehen und die einem Handelsverbot unterliegen
  • klares Bekenntnis: keine Kakteen die aus der Natur entnommen werden
Gibt es dabei Herausforderungen?
  • ja, unter anderem die sich ständig ändernde Nomenklatur 
Was sind die Vorteile, was die Nachteile einer CITES-zertifizierten Gärtnerei?
  • vereinfachtes Verfahren bei der Ausfuhr
  • ziemlicher Aufwand für die Zertifizierung, auch für uns nicht immer ganz einfach, herauszubekommen: „woher haben wir nochmal diesen Gymnocactus vor 60 Jahren her“
 

Übrigens: diese Fragen sind für ein ganz besonderes Projekt in diesem Jahr – mehr dazu können wir voraussichtlich im März verraten.
Und das Thema Artenschutz und CITES steht auch schon auf meiner Liste.

Und jetzt:

Habt ihr Fragen unserem Katalog?

Oder zu anderen Themen?
Wie immer per Mail an Studio@CactusPodcast.de oder in der FB Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ oder Kommentare hier im cactusblog.de
 
Übrigens: heimlich still und leise ist der CactusPodcast ein Jahr alt geworden. Ich hab es auch einfach übersehen. Und es gab im vergangenen Jahr fast für jeden Monat zwei Folgen – fast aber auch nur. Ich rechne damit, dass ich in diesem Jahr diese Schlagzahl nicht halten werde – aber: Ich gebe mir alle Mühe.
Und ich freu mich natürlich über Feedback.
 
Was kommt als nächstes?
 
Ehrlich: ich bin noch unschlüssig.
Der Cactuspodcast kommt in jedem Fall wieder mit der Episode 025.
Das Thema werde ich noch rechtzeitig entscheiden.
Bis dahin bleibt gesund und glücklich.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

Shownotes:

Ich freu mich auf Feedback – Bewertung auf iTunes / Apple Podcast
 

Mehr wissen / haben / hören?

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr Interviews im CactusPodcast:

  • CactusPodcast 005 – Emily Cox – Mrs Echeveria
  • CactusPodcast 012 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 1
  • CactusPodcast 013 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 2
  • CactusPodcast 021 – Georg Schwarz über Kunststofftöpfe für Kakteen
 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast
jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 

CactusPodcast 023 Aloe vera – ein Interview mit Melanie Öhlenbach

Aloe vera zu Hause pflegen – Episode 023

10 Fakten über die Königin der Heilpflanzen – Interview mit Melanie Öhlenbach

Aloe vera trägt den Beinamen Königin der Heilpflanzen – unter anderem, weil ihre heilende Wirkung schon seit Menschengedenken genutzt wird.
Und genau darum geht es in dieser Episode 23 im CactusPodcast.
Ulrich Haage im Interview mit Journalistin und Bloggerin Melanie Öhlenbach.
Mel bloggt privat auf www.kistengruen.de, sie hat ein schickes Buch über ihren Stadtbalkon geschrieben, im Job arbeitet sie für die Deutsche Presseagentur.
Das Interview kam im Auftrag des Bundesverband Einzelhandelsgärtner und dem Grünen Medienhaus zustande – das ist der Grund, weswegen wir etwas Blogger/Podcast-unlike etwas förmlich miteinander sprechen.

Aloe vera - Interview mit Melanie Öhlenbach und Ulrich Haage

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kaktus-Interview

Aloe vera – zuhause pflegen

  • warum muß ich eine Aloe vera im Haushalt haben?
  • woran erkenne ich beim Kauf eine gesunde Pflanze?
  • Aloe hilft bei Verbrennungen auf der Haut – wie geht das?
  • woran erkenne ich ältere Pflanze?
 
Kev Ins Cereus peruvianus im Wintergarten
 

Wie halte ich meine Aloe vera fit und gesund?

  • Schädlinge bei Aloe?
  • wann muß ich meine Aloe vera umtopfen?
  • ab welchem Alter kann ich Aloe vera Blätter ernten?
  • wo kann ich meine Pflanze am besten halten?
  • braucht meine Aloe tatsächlich Schatten im Sommer?
  • in welcher Erde gedeiht Aloe am besten?
  • Aloe und Torf – verträgt sich das?
  • wie klappt das mit dem gießen, wie dosiere ich ganz präzise?
  • Tauchbad – und Aloe mag keine Übertöpfe!
  • wie und wann dünge ich richtig – und am besten womit?
  • kann meine Pflanze auch draußen im Garten überwintern – und was ist ein guter Platz für die Überwinterung?
  • Umzug – wann muß ich meine Aloe umtopfen?
  • darf ich die Wurzeln abschneiden oder kürzen?
  • Trauermücken – können die gefährlich für meine Aloe vera sein? – hier gehts zur Episode zum Thema Trauermücken

CactusPodcast

Ist Aloe vera eigentlich frosthart?

Dazu sage ich üblicherweise ganz klar NEIN! Frost und Aloe sind selten gute Freunde. 

Im Kaktusgärtneralltag machen wir aber seit einigen Wochen ein Experiment. In der Gärtnerei stehen noch einige große Pflanzen draußen. Im Moment mitten im Schnee – und kalt ist es dazu auch. Eine Prognose, wie viel Frostgrade die Pflanzen aushalten werden, mag ich noch nicht abgeben. Ich werde euch aber über die Entwicklung auf dem Laufenden halten. (und wer sich jetzt Gedanken um die armen frierenden Pflanzen macht – sie waren bereits auf dem Weg zum Kompost – auf diese Weise können wir unsere Erfahrungen auch allen anderen zugänglich machen)
Nach aktuellem Stand sind die Temperaturen bislang noch nicht unter -5 °C gefallen – und die Pflanzen sehen – Stand heute – ganz vergnügt und munter aus.

Mehr Aspekte zum Thema winterhärte von Aloe vera gibt es in der CactusPodcast-Episode zu hören – und im Video das unten verlinkt ist.


Frosthärtetest - Aloe vera im Schnee bei Kakteen-Haage

Frag den Kaktusgärtner

Diesmal gibt es gleich drei Fragen zum Thema Aussaat – zu unserem letzten Youtube Video
 
wie muss ich den Sämlinge über den Winter bringen? wie die Alt-Pflanzen komplett trocken oder ist das von Art zu Art unterschiedlich? Bei was für eine Temperatur ist die Winterruhe zu machen? Mir wurde gesagt der Sand der oben drauf kommt ist damit der Hals des Kaktus nicht faulen kann.
 
was passiert mit den Aussaatkisten in den nächsten Tagen/Wochen? Muss die Oberfläche feucht gehalten werden? Wie sollten die Temperaturen sein? Was macht ihr nach den genannten 3/4 Wochen? Sollte man die Aussaat generell nicht abdecken, oder geht es auch mit einer Plastikhaube eines Anzuchthauses?
Die Antworten darauf sind einfach und unkompliziert:
  • Die Sämlinge sind mit der aufgesaugten Feuchtigkeit in der Aussaaterde meist für die nächsten 3-4 Wochen ausreichend mit Wasser versorgt
  • Temperaturen für die Aussaat: 20 bis 25° C, hilfreich ist eine 2-5 Grad niedrigere Temperatur in der Nacht
  • Abdecken mit Quarzkies ersetzt Glasscheibe, Abdeckhaube oder Folie – und natürlich werden die kleinen Sämlinge dadurch auch vor Fäulnis am empfindlichen Wurzelhals geschützt.

Aloe – alles easy – oder ein schwerer Fall?

Die Antwort ist leicht zusammenzufassen – genauso kinderleicht wie die Pflege:
Aloe vera ist ebenso pflegeleicht wie heilsam.
  • am besten ist ein kühler, heller Standort
  • lieber zu wenig Wasser und Dünger als zu viel
  • spätestens alle zwei Jahre ein passender Topf und frische Kakteenerde
Wer jetzt mitgezählt hat, der kommt natürlich auf 20 und nicht nur auf 10 Fakten und Antworten rund um Aloe vera.
Halb so schlimm, oder?

Was kommt als nächstes?

Der CactusPodcast kommt wieder in Episode 024 – dann voraussichtlich zum Thema Kakteen-Haage Katalog und meine Geheimtipps rund ums bestellen.
Bis dahin bleibt gesund und glücklich – alles Gute für ein gesundes neues Jahr 2021.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.

 

Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

Shownotes:

Hier könnt Ihr einige der Veröffentlichungen lesen, die aus dem Interview entstanden sind:
 
und hier die erwähnten Videos:
Aloe – drei Tipps zur Pflege – https://youtu.be/tI8QbYS0w8E
Aloe vera im Schnee – wie viel Frost verträgt sie? – https://www.youtube.com/watch?v=SBd_Lip7N9w
 
Ich freu mich auf Feedback – Bewertung auf iTunes / Apple Podcast
 
Du magst, was du gehört hast? Hier gibt es mehr von:

Melanie Öhlenbach

Mehr wissen / haben / hören?

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr Interviews im CactusPodcast:

  • CactusPodcast 005 – Emily Cox – Mrs Echeveria
  • CactusPodcast 012 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 1
  • CactusPodcast 013 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 2
  • CactusPodcast 021 – Georg Schwarz über Kunststofftöpfe für Kakteen
 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 

CactusPodcast 022 Ariocarpus retusus – Kataloggeschichte 2020

Ariocarpus retusus – Episode 022

Der Held auf der Titelseite des Katalog 2020 mal genauer betrachtet

Er hat mehr Sprengkraft als ein Chinaböller aus Polen und ist trotzdem ein eher ruhiger Zeitgenosse.
Bald ist Weihnachten und dann liegt der Kakteen-Haage Katalog 2020 im Briefkasten. Ich habe mir heute mal die Pflanze auf der Titelseite angeschaut: Ariocarpus retusus.
 
Ariocarpus retusus – die Galionsfigur des Kakteen-Haage Katalog 2020 
(… übrigens der erste Katalog der fast ausgefallen wäre – doch dazu später mehr.)
Die Pflanze auf dem Katalog-Titel bekommt nicht nur viel Aufmerksamkeit, ich stecke auch immer viel Zeit in Recherche, um Hintergrundgeschichten herauszufinden, die auch für mich neu sind. Meist ist es dann so, dass dann nur ein Bruchteil der ganzen Geschichten Platz in der schmalen Spalte findet und deswegen habe ich schon vor einigen Jahren begonnen, diesen Geschichten hier im Cactusblog zu erzählen – und jetzt kommt die erste Kataloggeschichte auch in den CactusPodcast.

Die Gattung und viele Namen

Bevor ich Ariocarpus retusus genauer anschaue noch ein paar Gedanken zur Gattung Ariocarpus.
Die Gattung wurde 1838 von Michael Joseph Scheidweiler beschrieben. Wie der Name entstanden ist – dazu habe ich keine Informationen gefunden. Der deutsche Name Mehlbeerfrucht oder Wollfruchtkaktus liefern einen Hinweis auf die typische weiß bis gelb-braune Wolle an den Axillen der älteren Pflanzen.
Es sind sechs bis acht Arten anerkannt – je nach Glaubensrichtung. Die Heimatgebiete sind von nördlichen Mexiko bis ins südwestliche Texas zu finden und dort gibt es sehr viele Bezeichnungen:
  • Chaute oder Chautle
  • Tsuwin
  • Living Rock, Living Rock Cactus, Living Rocks of Mexico, Flowering Rocks
  • Star Rock, Seven Stars
  • Peyote Cimarron
  • False Peyote
 
Falscher Peyote
… damit sind wir schon beim ersten spannenden Thema bei unserem Ariocarpus retusus: „falscher Peyote“. 
Peyote ist Lophophora willamsii – aber was sollen die beiden Pflanzen miteinander zu tun haben?
Am Aussehen kann diese Namensgebung nicht liegen, der Habitus könnte kaum unterschiedlicher sein. Der echte Peyote ist förmlich rundgelutscht, während der Ariocarpus eher an ein Nest frisch geschlüpfter Sternenzerstörern erinnert. Parallelen gibt es aber trotzdem gleich mehrere – in den alkaloiden Inhaltsstoffen.

Ariocarpus retusus - auf dem Kakteen-Haage Katalog 2020

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kataloggeschichten

 

Alles Anhalonium

Und noch eine Verbindung zu Lophophora wird beim zweiten Hinsehen sichtbar. In grauer Vorzeit hieß Ariocarpus retusus noch Anhalonium retusum. Lophophora williamsii hieß damals noch Anhalonium lewinii.
Die heute nicht mehr gültige Gattung Anhalonium geht übrigens auf Fürst Salm-Dyck zurück. Damals gab es viel Bewegung in den Namen, manchmal ging es drunter und drüber, deswegen beschrieb Charles Lemaire 1839 die heutige Art Ariocarpus retusus noch einmal als Anhalonium prismaticum.
Anhalonium – das Alkaloid ist eine Parallele – es heißt heute Hordenin und ist in vielen Ariocarpus zu finden, genauso in Lophophora – und ein bisschen übrigens auch in Bier.
Und ein letztes: A. retusus war die erste beschriebene Art in der Gattung Ariocarpus. Wer mehr dazu wissen möchte: Wikipedia hat einen schönen Artikel über die Gattung in dem speziell die Entdeckung, die wechselhafte Namensgebung und die verwickelte Geschichte schön erklärt wird. Ultimativ ist aber das Buch Ariocarpus et cetera von John Pilbeam – und das lohnt sich auch für alle, die es nicht so mit der englischen Sprache haben. Die Fotos von Bill Weightman sind einfach genial – die machen ein Pfützchen auf der Zunge. Und dazu Pflegetipps zu Ariocarpus und vielen anderen „heiklen Kakteen“ aus Mexiko – das gibt’s mit dem neuen Katalog auch in unserem Shop. Link zu beiden Seiten in den Shownotes.
 

Schutzstatus

Überrascht hat mich auch: so streng geschützt wie die Pflanze im CITES Anhang A ist, die Einstufung nach der „Roten Liste“ steht auf „in der Natur nicht gefährdet“ – und das freut mich sehr. Wie diese widersprüchliche Einstufung zustande kommt ist mir allerdings ein bisschen Rätselhaft.
Ariocarpus retusus gilt in der Gattung noch als einer der pflegeleichteren. Dennoch hat die Gattung den Ruf sehr empfindlich zu sein. Ob dieser Ruf berechtigt ist?
Ich bekomme manchmal Bauchschmerzen, wenn ein ahnungsloser Kakteenfan einen betagten Ariocarpus kauft, denn Anfängerpflanzen sind das ganz sicher nicht.
 

Pflege

Aber mit ein wenig Fingerspitzengefühl sind Ariocarpus auch nicht so schwer zu halten. Bei ihnen gilt, was bei den meisten anderen Kakteen bestens hilft: wenn du unsicher bist – dann mach am besten gar nix – du weißt schon – wie bei Männern. Unsere Ariocarpus Mutterpflanzen stehen im Anlehngewächshaus ganz oben auf der obersten Etage unter dem Dach, im Sommer ist das der Platz mit den höchsten Temperaturen in der ganzen Gärtnerei. Oft werden sie bei der Pflege vergessen – und auch beim gießen. Schlecht geht es ihnen mit dieser Behandlung bei uns nicht. Das Wachstum ist jedenfalls ordentlich.
 

Erde – und das Thema Kalk

In der Heimat stehen die Pflanzen meist in fetten, kalkhaltigen Böden – gleich ein Wink zum Substrat. Bei uns wachsen sie in unserer mineralischen Kakteenerde die mehrheitlich auf thüringer Löss-Lehm basiert – und die übrigens ursprünglich eben für unsere Ariocarpus Mutterpflanzen ausgetüftelt worden ist. Und der explizite Hinweis auf Kalkbedarf bei manchen Kakteen – davon spricht mein Vater regelmäßig, denn meist sagt man ja „Kakteen und Kalk sind keine Freunde“. Das stimmt so aber nicht – und deswegen haben wir auch verschiedene kalkhaltige Zuschlagstoffe im Sortiment – siehe Shownotes.
Aber aufpassen: bitte kein Kalzium-Hydroxyd oder handelsübliche Kalk-Dünger verwenden, das könnte die Wurzeln schädigen. Besser geeignet sind Kalkgesteine (Dolomit), die bringen auch noch Magnesium mit und Kalzium liegt als lösliches Bicarbonat vor.
(Kritische Erde)
Unsere Erde ist durchaus kritisch – und sie hat einige Eigenschaften, die den Anforderungen an Kakteenerde überhaupt nicht entsprechen. Der Lehm sorgt zum Beispiel dafür, dass die Erde nach dem ersten gießen eher die Konsistenz von Beton annimmt. Das Wasser bleibt relativ lange darin gespeichert.
Das ist eigentlich überhaupt nicht gut.
Eigentlich.
Das größte Problem: die Pflanzen mögen das.
Aber nur wenn man eine der wichtigsten Grundregeln der Kakteenpflege beachtet: 
Durchdringend gießen. Vollständig austrocknen lassen.
… das gilt natürlich auch bei jeder anderen Erde.
 
Wer ein ganz einfaches Rezept für Ariocarpus Erde ausprobieren möchte – bitteschön:
  • 30% Thüringer Löss Lehm
  • 20% Kalksplitt
  • 50 % Sand Körnung 2-8 mm
  • wenn die Mischung etwas leichter sein soll – einfach einen Teil Sand durch Bims ersetzen

CactusPodcast


Gießen

  • Grundregel: durchdringend gießen, danach komplett austrocknen lassen
  • wir empfehlen zum gießen immer Regenwasser
  • nach der Blüte im Sommer folgt bei Ariocarpus die Ruhezeit: kein Wasser mehr bis zum nächsten Frühjahr.  Das Wasser aus der Wachstumszeit wird in den dicken Rübenwurzeln gespeichert und versorgt die Pflanze für fast ein halbes Jahr.
  • beim gießen sollte die Pflanze selbst möglichst nicht nass werden, also entweder in den Topf neben der Pflanze gießen, oder du stellst den Topf in eine Schale mit Wasser und lässt ihn sich vollsaugen. Nicht vergessen: danach, bis zum nächsten gießen muss die Erde wieder vollständig austrocknen!
 

Wurzelfahrstuhl, explosives und andere schräge Eigenschaften

In diesem Jahr habe ich einiges an ungewöhnlichen Dingen über sukkulente Pflanzen gelernt – und zwar bei den Planungen für das Danakil-Wüstenhaus. Auch die Ariocarpus waren dabei Thema. Die dicken Speicherwurzeln verankern die Pflanzen fest im Boden, aber sie können auch dafür sorgen, dass sie bei großer Trockenheit gewissermaßen in der Erde versinken. Wie ein kleiner Fahrstuhl sozusagen.
Wie das genau funktioniert, das kann man ab 23.4.2021 im Danakil Wüstenhaus auf der BUGA in Erfurt erkunden.
Apropos: unsere Azubis haben im Spätsommer auch mal unsere alten Ariocarpus erkundet und umgetopft – und die gibt’s jetzt zu kaufen – im Shop – und sobald wir die Gärtnerei wieder öffnen dürfen – dann auch wieder im Gewächshaus.
Umtopfen ist auch noch ein Stichwort: unsere Ariocarpus Mutterpflanzen stehen in dicken alten Tontöpfen und werden ein- bis zweimal im Jahrzehnt umgetopft. Eher einmal.
In der Wachstumszeit kann es auch mal gefährlich sein, unter den Mutterpflanzen herumzuspazieren. Wenn im Gewächshaus ausgiebig gegossen wurde, dann pumpen sich die Rübenwurzeln richtig mit Wasser voll und das gibt ordentlich Druck auf den Tontopf. Und zwar solange bis er mit einem Knall platzt. Und dabei kann einem schon mal eine Tonscherbe an den Kopf fliegen. Im Sommer müssen wir regelmäßig die Töpfe kontrollieren, sonst stehen die Wurzeln im Freien.
Das gleiche kann übrigens auch bei Kunststofftöpfen passieren. Allerdings ist es da nicht so gefährlich – da fliegt nix weg.
 

Astronomisches und gemeine Fallstricke

Ich hab einen schönen Satz über Ariocarpus in den USA gefunden: „… die Pflanzen werden in Kakteengärtnereien oft zu astronomischen Preisen gehandelt …“
Hm. Wir haben Ariocarpus im Gewächshaus, die kosten so viel wie zehn kleine Mammillaria. Das ist ein utopischer Preis, oder?
Wenn die Pflanzen zehnmal so alt sind – ist der Preis dann angemessen? Aktuell haben wir Pflanzen, die sind ca. 20 Jahre alt. Ich habe in unserem Aussaatbuch nachgeschlagen: auf dem Weg von der Aussaat bis zu den jetzt noch vorhandenen Pflanzen haben wir im Laufe der Jahre etwa 85 % der Pflanzen verloren. Die Gründe dafür reichen von Aussaatpilzen, Mäusen, Katzen – besonders Katzen!, Sonnenbrand, Pflegefehler (die machen wir auch), Tropfstellen im Gewächshaus bis zu Heizungsausfällen. Und dann sterben Pflanzen im Laufe dieser Jahre auch an Krankheiten, Schädlingen, oder werden einfach beschädigt.
Deswegen freuen wir uns genauso wie jeder andere Pflanzensammler, wenn so ein alter Methusalem gesund und proper wächst.
Im vergangenen Jahr habe ich von einem Mitarbeiter beim Zoll Fotos gezeigt bekommen auf denen waren unter anderem Ariocarpus zu sehen, mehrere Kisten mit steinalten Pflanzen, in Mexiko ausgebuddelt, in einen Karton geworfen. Auf dem Weg nach Asien wurden sie vom Zoll beschlagnahmt.
 

Nutzpflanze

… damit ist nicht die Haltung in der Sammlung gemeint – sondern ganz praktische Dinge für die die Pflanze in ihrer Heimat benutzt werden wie:
 

Sekundenkleber

Ob es wirklich in Sekunden wirkt, weiß ich nicht, überliefert ist jedenfalls: aus den Wurzeln von Ariocarpus retusus wird ein Schleim gewonnen und dieser Schleim wurde von den Einheimischen zur Reparatur von irdenem Geschirr und Tonwaren genommen.
 

Bier

Noch eine Überlieferung: an der Grenze zwischen Mexiko und Texas – dort wo Herr Trump seine „schöne Mauer“ gebaut hat, dort wurde früher Mais-Bier namens „chicha“ gebraut. Wenn das allein nicht stark genug war, dann wurde Ariocarpus dazugegeben um die Wirkung zu „ertüchtigen“. Dann hieß das Bier tizwin und „machte dich vorübergehend verrückt und unkontrollierbar“. Ein früher Alkopop sozusagen. (Bericht aus dem Jahr 1896)
Die Nutzung von Ariocarpus geht aber noch viel weiter zurück, lange vor Columbus.
 

Medizin

  • Behandlung bei Fieber
  • Malaria-Prophylaxe
  • Wundheilung
 

Rituale, Verwirrung & Co

… ist ja auch ein bisschen wie Medizin. Und hier kommt wieder der Bezug zu Lophophora ins Spiel.
Ariocarpus retusus soll ähnliche Zustände wie Lophophora williamsii hervorrufen. Die Huichol sagen aber: das ist ein schlechter Peyotl-Kaktus, der macht die Menschen verrückt. Der Schamane Ramón Media Silva sieht die Wirkung im Vergleich zum „lieblichen Effekt“ des Peyote:
„wenn du den „schlechten Peyote“ isst, wirst du verrückt, du fällst in die Canyons, siehst Skorpione, Schlangen, gefährliche Tiere. Du bist unfähig zu gehen, du fällst, du wirst oft fallen, du stürzt zu Tode von den Felsen“. Die Auswirkungen von Ariocarpus sind sehr gefährlich, besonders für die, die kein starkes „Huichol-Herz“ haben.
 
Genau wie bei Lophophora wird das Fleisch, der Speicher der Rübenwurzel als Button bezeichnet. Und es wird frisch, oder getrocknet gegessen.
Aber:
Wenn dieser Kaktus überhaupt einen rituellen Nutzen hat, dient er nur als Peyote-Ersatz (also für die „liebliche Lophophora williamsii“). Die Huichol-Indianer warnen nachdrücklich davor, diesen Kaktus zu essen, denn er hat den zweifelhaften Ruf, mit Zauberei im Bunde zu sein. Und damit ist vermutlich nicht der freundliche Harry Potter gemeint. Die Begründung ist übrigens bemerkenswert. Besonders gefährdet sind Menschen, die das Reinigungsritual vor Beginn der Peyote-Pilgerreise nicht korrekt vollzogen haben. Dazu gehört es, sich zu allen sexuellen Begegnungen außerhalb der Ehe zu bekennen. Und wer dabei geschlumpert hat, der läuft Gefahr, eben den falschen mit dem echtem Peyote zu verwechseln, und dessen Konsum wird zu einem gefährlich verwirrten Zustand führen.
So ganz einig sind sich die Völker aber nicht, denn beim Volk der Tarahumara glaubt man, die Wirkung von Ariocarpus sei noch mächtiger als die des echten Peyote (Lophophora williamsii).
Und dann gibt es noch mehr Verwirrung: 1986 erscheint in der Volksrepublik Laos, ein kleines Land zwischen Thailand und Vietnam gelegen, eine Briefmarkenserie mit Kakteen. Die Marke mit dem Nennwert von 2 Kip soll einen Ariocarpus zeigen. Ariocarpus trigonus. Ich vermute aber, dass sich da bei der Namensgebung geirrt hat. Sowas soll ja mal passieren. [zwinker]
 
Hier noch ein Teil der Original-Texte:
 
Ramón Media Silva described the effects as contrasting with the pleasant effects of peyote:
“When you eat it, you become crazy; you fall into the canyons, you see scorpions, snakes, dangerous animals, you are unable to walk, you fall, you often fall to your death by falling from the cliffs.” The effects of Ariocarpus are said to be very dangerous, particularly for those who do not possess a strong “Huichol heart”
If this cactus has any ritual use at all, it is only as a peyote substitute (see Lophophora williamsii). The Huichol Indians strongly warn against eating this cactus, for it has the reputation of being associated with sorcery
Heute gibt es kein Frag den Kaktusgärtner – und auch den eigentlich geplanten Teil zum Kakteen-Haage Katalog habe ich verschoben, der wird voraussichtlich in Episode 24 kommen.

Was kommt als nächstes?

Der CactusPodcast kommt wieder in Episode 023 mit einem Interview zum Thema Aloe vera.
Bis dahin bleibt gesund und glücklich – frohe Weihnachten.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.

 

mehr Details gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
 
Das war Ulrich Haage, der jetzt nach Hause geht, damit er morgen früh wieder fit in der Kakteengärtnerei ist.
 
Bleibt weiter gesund da draußen! 

Shownotes:

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr Interviews im CactusPodcast:

 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 

CactusPodcast 021 Kunststofftöpfe für Kakteen – Interview mit Georg Schwarz

Kunststofftöpfe für Kakteen – Interview mit Georg Schwarz Episode 021

Der Stoff aus dem die Töpfe gemacht sind – der Pflanzenzubehörmann Georg Schwarz weiß genau, was am besten passt

Kunststofftöpfe – eigentlich ist Georg Schwarz aus Nürnberg – der Herr der Kunststoff-Spritzformen, Fertigungsabläufe und Materialmischungen – und wenn ich nicht aufpasse, dann drehen wir uns heute nur darum. Denn heute geht es um den Stoff, aus dem Töpfe gemacht sind, der Rohstoff, um genau zu sein – und die Form und vielleicht schaffen wir auch die Farbe. 
 
Aber jetzt zu meinem heutigen Interviewgast.
Georg Schwarz.
Muss ich ihn eigentlich vorstellen? – Eigentlich nicht. 
[mach ich aber trotzdem – weiter unten]

Kunststofftöpfe für Kakteen – und der Fachmann dafür

Heute geht es um schwarze Töpfe aus Kunststoff. Ich spreche heute mit einem Freund, der sich in diesem Metier ziemlich gut auskennt – Schwarz – Georg Schwarz.
 
Vorstellung:
Georg Schwarz kenne ich schon sehr lange, seit den glorreichen Zeiten der Würzburger Kakteentage
Er ist mir aufgefallen, denn hat einfach bei anderen mit angepackt – egal, ob das sein Konkurrent war, oder nicht – und das hat mich sehr beeindruckt.
Für mich war die Zeit damals nach der Wende eine Zeit, in der ich viel beobachtet habe:
  • wie tickt dieses Wirtschaftssystem,
  • gehen die Menschen miteinander um, miteinander, oder eher gegeneinander
  • und ich hab mich gefragt: wie möchte ich leben und arbeiten
  • und genau an der Stelle ist für mich damals eine Entscheidung gefallen – für das Miteinander. 
Diese Erkenntnis tröpfelt mir übrigens ins Hirn, als ich überlegt habe, wer Georg Schwarz eigentlich ist. Für mich in jedem Fall ein wichtiger Weichensteller und Wegbegleiter in der Kakteenwelt.
 
Und warum spreche ich mit Ihm über Töpfe? Immer wenn ich mit ihm über dieses Thema gesprochen habe, dann ist er ins Schwärmen geraten. Und er konnte da sehr genau antworten. 
In meinem Hinterkopf schwimmt eine Erinnerung, dass er in seinem früheren Berufsleben schon sehr intensiv mit Kunststoffen zu tun hatte – aber wie das ganz genau war – das frage ich ihn einfach selbst …

Kunststoff für Kakteentöpfe - Interview mit Georg Schwarz

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Interview

 

Zu den Rohstoffen für die Kakteentöpfe

  • was sind die drei wichtigsten Kunststoffe bei der Herstellung von Blumentöpfen
  • was sind die Vor-/ Nachteile
  • gibt es Nischenkunststoffe? Insidertipps
  • Form: quadratisch / rund / wabenförmig
  • Farbe Schwarz vs. andere – weiß

CactusPodcast


Frag den Kaktusgärtner. 

Was bedeutet düngen?

Symon hat auf unserem Youtube-Kanal gefragt: 
„Könnten sie mir bitte erklären was düngen bedeutet wäre nett.“

Einfache Frage?

Nicht unbedingt – denn Düngen kann eine sehr komplexe Kiste werden – dann nenne ich das Pflanzenernährung.
 
Das soll es heute aber nicht sein – deswegen einfache Antwort:
Google macht es sich ganz einfach und sagt:
„düngen bedeutet: Dünger verteilen.“
 
Ein bisschen genauer geht das aber schon – ich formuliere es besser so:
„düngen bedeutet Nährstoffe für die Pflanze in den Boden bringen, die sie zum gesunden Wachstum braucht.“
 
Bei Kakteen ist in den meisten Fällen weniger mehr. Wie beim Gießen leiden Kakteen eher unter zu viel als am Mangel.
Wir düngen in unserer Gärtnerei meist mit Flüssigdünger, der dem Gießwasser beigemischt wird.
Oft setzen wir aber auch sogenannte natürliche Dünger ein, die direkt in die Erde eingemischt wird. Das können zum Beispiel Hornspäne sein. Pferdemist, Kuhfladengeriebsel, aber auch Dünger aus Wolle, Klee oder flüssiger Guano gehören in diese Ecke.
 
Eher ungewöhnlich ist die Idee die in der letzen Episode Thema in dieser Rubrik war – das düngen mit Bier – hier noch mal der Link.
 
Zum Thema Düngen habe ich schon eine eigene Episode im Frühjahr geplant.
 
 
Wie düngt Ihr Eure Kakteen – mit Bier oder eher mit anderen Düngern?
Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen. – schreibt mir mal: in der Facebook-Gruppe – oder einfach per Mail an studio@cactuspodcast.de

Zusammenfassung

Die wichtigsten Kunststoffe für Kakteentöpfe

… fasse ich hier noch mal grob zusammen:
  • Polypropylen (teuer, oft schlagempfindlich)
  • Polyäthylen (schlagfest, UV-Stabil) auch Polyethylen
  • Polystyrol (stabil, etwas teurer)
… werden nur selten für Töpfe verwendet:
  • Polyvinylchlorid (PVC) wird heute nicht mehr verwendet
  • Polyamid (teuer)
  • Polycarbonat (sehr teuer, schlagfest, braucht aber Beschichtung, sonst nicht auf Dauer haltbar)
  • Polyurethan (nur selten im Einsatz)

Material:

  • Kunststoff ist billiger und leichter als ein Tontopf
  • Tontöpfe lassen sich leichter wiederverwenden, stabile Kunststofftöpfe kann man allerdings genauso auswaschen und oft wieder einsetzen
  • neue Materialien die bei der Herstellung bei Töpfen im Einsatz sind Holzzellen (Lignin) oder Pflanzenfasern

Farben:

  • dunkle, schwarze Töpfe sind unempfindlicher und haltbarer gegen Sonneneinstrahlung als weiße, oder Töpfe aus transparenten Materialien – aber:
  • schwarze Töpfe erwärmen sich auch mehr – das möchte man manchmal, manchmal aber auch nicht
  • Töpfe mit besonderen Farben – terracotta, weiß, transparent, pink – sind meist teurer, weil als Ausgangsmaterial natürlich nur die entsprechende Farbe infrage kommt

Formen:

  • runde Töpfe lassen sich günstiger herstellen als quadratische
  • quadratische Töpfe nutzen den Platz im Gewächshaus optimal aus, noch besser sind die sogenannten Wabentöpfe, die Wurzeln haben ein Maximum an Topfvolumen zum wachsen Verfügung
  • Ampeltöpfe oder hanging Baskets sind besonders gut für hängend wachsende Pflanze geeignet

 

Nochmal zurück zu den Kunststoffen

… oder eigentlich zu etwas anderem.
 
Bei der Recherche bin ich noch über einen schönen Zufall gestolpert
Anfang Dezember war ich im Interview mit der Journalistin Melanie Öhlenbach. Wir haben über das Thema Aloe vera gesprochen. Das Interview gibt’s übrigens in der übernächsten Episode zu hören.
Melanie Öhlenbach ist aber nicht nur Journalistin – in Ihrem Blog hat sie im Januar 2019 einen Artikel über Blumentöpfe aus Kunststoff veröffentlicht – und da geht es um die Frage: „Blumentöpfe aus Kunststoff – muss das sein?“ Sie hat nachgeschaut: Was gibt es im Moment an Alternativen zu den herkömmlichen Kunststoffen von denen uns Georg gerade erzählt hat – und auch den Topf aus Holzzellen könnt ihr euch dort im Bild anschauen.
Der Link zum Artikel https://www.kistengruen.de/wp/2019/01/plastikfrei-gaertnern-blumentoepfe-aus-kunststoff-muss-das-sein/

Was kommt als nächstes?

Was kommt als nächstes?
Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 022 zum Thema: 
  • Ariocarpus retusus – der Titelstar im einzigen Kakteen-Haage Katalog 2020
mehr Details gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
 
Das war Ulrich Haage, der jetzt nach Hause geht, damit er morgen früh wieder fit in der Kakteengärtnerei ist.
 
Bleibt weiter gesund da draußen! 

Shownotes:

  • Wikipedia – der Blumentopf – https://de.wikipedia.org/wiki/Blumentopf
  • Blumentöpfe und Blumenkübel aus Kunststoff – mal etwas größer: Hahn Kunststoffe
  • Frag den Kaktusgärtner
    • Google zum Thema düngen: – https://www.google.com/search?q=was+ist+d%C3%BCngen
    • Dünger bei Kakteen-Haage: – https://www.kakteen-haage.de/Zubehoer/Duenger/Duenger/ 
  • Melanie Öhlenbach schreibt auf Kistengrün über Plastikfrei gärtnern – und vieles andere – hier über Alternativen zum Blumentopf aus Kunststoff
  • Georg Schwarz – ist seit Jahrzehnten mit seinem Zubehörhandel die Institution in der Kakteenwelt, wenn es um Pflanzenzubehör und praktische Dinge rund um das Pflanzenhobby geht. Ohne Schnickschnack – aber mit herzlicher fränkischer Hilfsbereitschaft ist er immer unterwegs um Probleme zu lösen.
    Und dabei erzählt er gerne auch mal die eine oder andere Geschichte. Fränkisch versteht sich! Versteht aber nicht jeder. 
    Hier geht’s zur Webseite von Schwarz Pflanzenzubehör
Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr Interviews im CactusPodcast:

 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 

CactusPodcast 024 – Der Kakteen-Haage Katalog

Der Kakteen-Haage-Katalog - Episode 024 Warum gibts eigentlich noch ein Kakteenkatalog? - Sein Ursprung und wie er entsteht Er ist über 190 Jahre alt, existiert vermutlich ungefähr so lange wie unser ältester Kaktus und vielleicht ist er sogar die am meisten...

mehr lesen

Archive

Thüringen bloggt – wir sind dabei!

Thüringen bloggt - Logo