CactusPodcast 020 Kaktus zu groß vor dem Winter – was nun?

Mein Kaktus ist zu groß und passt nicht mehr ins Haus, was nun? – CactusPodcast – 016

Wenn der Kaktus vor dem Winter nicht mehr durch die Tür kommt

Es wird langsam Winter – höchste Zeit, meine Kakteen einzuräumen, aber was mache ich, wenn mein Kaktus dafür zu groß geworden ist?
 
Ich hab gestern Nacht mit meiner Frau die letzten Kakteen ins Gewächshaus geholt – auch den großen Kasten hier vor dem Studiofenster – jetzt sehe ich sogar wieder was.
Und dann kam pünktlich der Frost – nur ein leichter – aber das reicht ja manchmal schon – und dann ist der Kaktus Matsch. 
Damit Euch das nicht passiert – darum geht’s in dieser Episode – diesmal eine reine Hörerfragen-Nummer.

Mein Kaktus ist zu groß - jetzt passt er vor dem Winter nicht mehr ins Haus

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteen pflegen

Wenn der Kaktus nicht mehr ins Haus passt?

Auslöser war eine Frage von Kev In, der mir gestern via FB geschrieben hat:
wie kann ich den Cereus Peruvianus am besten überwintern? Aufgrund der Größe bekomme ich den nicht mehr nach drinnen. Müsste also im Wintergarten stehen, allerdings sind hier Temperaturen im Winter von 4 °C möglich. Ist Einpacken mit Folie vielleicht eine Lösung?
Da kann man doch manches falsch machen …
Mir ist gleich ganz heiß geworden – ich hatte einen Folieschlauch um den Cereus vor Augen
Warum ist das mit der Folie keine gute Idee?
  1. die Pflanze schwitzt – die Feuchtigkeit kann nicht raus – ein Fest für die Pilze
  2. Papier oder Stoff wären eine Option, aber:
  3. das alles verzögert nur die frostigen Temperaturen – das ist, als würde ich mit Gummistiefeln im Winter im Teich stehen – da kriecht die Kälte verdammt schnell die Beine hoch – der Kaktus kann im Gegensatz zu uns nicht ins Haus flitzen und ein warmes Fußbad machen
Kev Ins Cereus peruvianus im Wintergarten
Ich mag ja das Foto – ich hab das einfach mal in den Beitrag zur Episode eingebaut danke dafür an Kev In! Das sind richtig große und gesund gewachsene Pflanze – besonders mag ich die Blütengalerie, die an der Wäscheleine hängt!
An der Stelle schicke ich mal ein dickes Danke an ALLE raus, die sich zu den letzten CactusPodcast Episoden gemeldet haben – richtig gut zu wissen wie das draußen ankommt!
DANKE!
Wie könnte eine gute Lösung aussehen?
1 – Kaktus kürzen
  • Steckling im Frühjahr neu bewurzeln
  • trocken überwintern
  • jetzt kurz vor dem Winter klappt es nur noch selten mit frischen Wurzeln
2 – Kann die Pflanze am geschützten Ort bleiben? – denn nicht jeder Frost ist gefährlich
  • wenn es heute Nacht kurz in unserem Gewächshaus kalt werden sollte – und morgen scheint die Sonne – dann stehen die Chancen gut, dass die Pflanzen das ohne Schaden überstehen
  • so kann es gut sein, dass die vier Grad im Wintergarten gar nicht so gefährlich sind wie es klingt
  • Wärmefalle Gewächshaus / Wintergarten
  • Tagesmitteltemperatur
  • besser an die Hauswand stellen, dort ist es nachts wärmer – direkt am Glas ist es am kältesten
  • Frosttoleranz lässt sich erhöhen – abschließende Kalidüngung und Behandlung mit Baldriablütenextrakt – damit haben viele Kakteensammler gute Erfahrungen gemacht

CactusPodcast


 
3 – um ein bisschen mehr Licht in die Sache zu bringen, hilft ganz oft bei der Entscheidung mal zu schauen: woher kommt meine Pflanze?
  • Cereus peruvianus heißt heute offiziell Cereus repandus und ist in eher warmen Regionen zu Hause: Venezuela, Karibische Inseln, vielleicht noch etwas Brasilien
  • das liegt alles ein Stückchen oberhalb vom Äquator – mit Frost ist da nix los
  • Ausnahmen bestätigen die Regel, einige Kakteen wachsen in der Region auch in großen Höhen und stehen dort in Frost und Schnee – genau hinschauen! … ich denke an Agaven, die oft mit glühender Hitze in Verbindung gebracht werden, viele überdauern auch mehrere Frostnächte ohne Probleme
  • im Fall von Cereus peruvianus halte ich es für eine gute Idee, mit allzu niedrigen Temperaturen vorsichtig zu sein, ich habe eine Range von -5 bis 15 °C als Winterempfehlung gelesen, meine Empfehlung aus dem Bauch: bleib oberhalb vom Frostbereich
  • aber: vielleicht hat jemand andere Erfahrungen gemacht und seine Pflanze erfolgreich durch Frost und Schnee gebracht – dann freue ich mich über eine Nachricht – und Kev In sicher auch

 

Frag den Kaktusgärtner. 

Wurzeln und Erde – Corinna Gündling – per Mail – hier Auszüge

Hallo Herr Haage, zunächst möchte ich mich sehr bei Ihnen für Ihren tollen und kompetenten Cactuspodcast bedanken! Ich höre ihn mir seit Beginn sehr gerne an und freue mich, neues über diese für mich noch immer „andere/fremde“ Pflanzen hinzulernen zu können.
Lediglich ein einzelner Kaktus begleitet mich seit jeher und fühlt sich offenbar auch wohl. Letztes Jahr habe ich ihn zum ersten mal kühl und dunkel überwintert, was ihm allerdings gar nicht gut bekam. Als ich ihn dann umtopfte, bemerkte ich, dass er keine Wurzeln mehr hatte. Ist das normal? Wie kann ein Kaktus ohne Wurzeln (über-)leben?
Mangels Kakteenfachwissen und mangels Blumenerde hatte ich ihn in grobe Sägespäne gepflanzt, was ihm wiederum gut bekam. Denn er hat wieder gesunde Dornen und gesundes Grün bekommen. Dass ich den Rest einfach wegschneiden kann, habe ich bei Ihrem virtuellen Tag der offenen Tür gelernt – hat mir gut gefallen.
Aber wie soll ich meinen Kaktus denn jetzt in Zukunft überwintern und wachsen die Wurzeln wieder? Ist er deshalb krank oder ist er trotzdem gesund?
Ich schreibe Ihnen auch deshalb, weil mir Ihre Episoden zum Thema Erde so gut gefallen haben, und ich einfach mal Danke sagen wollte. Vielleicht können Sie irgendwann auch mal das Thema der Kakteenwurzeln aufgreifen. Ich würde mich sehr darüber freuen!
Und wenn Sie noch einen Tipp für meinen Kaktus haben, schreiben Sie mir doch gerne – immerhin lebt er wieder und vielleicht blüht er dann auch einmal – Sonnige Grüße, Corinna Gündling

Darüber musste ich erstmal nachdenken

Grobe Sägespäne sind ähnlich wie Hackschnitzel, oder Rindenkompost. Geht – ist aber nicht ideal, denn:
  • auf Dauer hungert der Kaktus weil die Nährstoffe für die Umsetzung / Kompostierung verwendet werden
  • fällt zusammen
  •  

    man sollte wissen wie die Kultur unter den Bedingungen laufen soll – eher etwas für Fortgeschrittene

  • aber toll, wenn die Pflanze sich gut entwickelt – nur Mut – einfach weiterprobieren!
Kaktus ohne Wurzeln kann nicht leben – zumindest nicht auf Dauer
  • zehrt sonst alle Reserven auf und stirbt dann
  • wenn sich keine Wurzeln bilden
    • bis zum Frühjahr warten, dann neuen Versuch starten – am besten auf trockener Erde
 

Und noch eine Bonusfrage

Kann man Kakteen auch mit Bier düngen, hat das schon jemand versucht?
Hintergrund sind die aktuell auf Facebook und Instagram laufenden GewinnSpiele zu unserem #335Haage Jubiläum – aktuell geht es um das leckere Erfurter Heimathafen-Bier
  • man Kakteen auch mit Bier gießen – Bier hat eine Menge Vorteile – nach meinem aktuellen Wissen ist es für den Kaktusgärtner aber besser als für den Kaktus
  • Bier bringt gute Nährwerte mit – auch für Pflanzen – allerdings ist das jetzt kurz vor dem Winter keine gute Idee – denn ich gieße praktisch direkt mit einem Hefepilz
Oder habt Ihr vielleicht andere Erfahrungen gemacht – mit Bier und Kakteen – und überhaupt?
Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen. – schreibt mir mal: in der Facebook-Gruppe – oder einfach per Mail an studio@cactuspodcast.de

 Zusammenfassung – die wichtigsten Punkte:

 
1. ich kann meinen Kaktus kurzerhand abschneiden und den Steckling im Frühjahr neu bewurzeln 
2. ein kühler Wintergarten ist – auch wenn es dort mal in Winternächten kälter werden kann immer eine gute Option – am wärmsten ist es nah am Haus – Frosttoleranz erhöhen
3. woher kommt meine Pflanze – die Herkunft – sofern man die genauer bestimmen kann liefert oft ein Bild, was eine Pflanze aushalten kann und wo ihre Grenzen liegen
 
 

Was kommt als nächstes?

Was kommt als nächstes?
Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 021 zum Thema 
  • Töpfe in Taupe – Interview mit dem Topfhersteller Pöppelmann
  • warum unsere Blumentöpfe in Zukunft immer seltener schwarz sein werden
mehr Details gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community an. 
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen – surft mal zu www.cactusblog.de rüber – dort gibt’s nicht nur die Shownotes, sondern auch das Bild von der Pflanze um die es heute geht – und die schöne Blütengalerie von Kev In. DANKE! Und auch an Corinna Gündling und Elke Grill!
 
Das war Ulrich Haage der jetzt nach Hause geht, damit er morgen früh wieder fit in der Kakteengärtnerei ist.
 
Bleibt weiter gesund da draußen! 

Shownotes:

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

Mehr zur Kakteenpflege und Schädlinge an Kakteen:

 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 
Kaktus zu groß vor dem Winter - was nun?

CactusPodcast 019 Erntedank und der 3. Oktober

Erntedank und der 3. Oktober – CactusPodcast – 018

Erntedank – eine persönliche Kaktusgärtnergeschichte von Ulrich Haage

Heute ist Erntedankfest. Gestern war 3.10. – der Tag der neuen Republik an dem wir die Wiedervereinigung feiern.
Mir steht als Gärtner der Tag heute näher als der Feiertag gestern. Und darin steckt die Chance, das mal genauer zu beleuchten.
Am Erntedankfest wird gefeiert, was aus unserer Hände Arbeit entstanden ist.
Am dritten Oktober wird gefeiert, dass aus DDR und BRD wieder ein Land wird.
 
Das ist einfach!
Ist es so einfach?
Je genauer ich hinschaue, desto Nein.
Ich wäre heute kein Kaktusgärtner.
Vermutlich.
Heute geht es nicht um Kakteen, heute geht es um Ernte und Dank.

Erntedank und der 3. Oktober

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kaktusgärtner persönlich

Erntedankfest vs 3. Oktober

Das Erntedankfest feiert unsere Familie traditionell mit Früchten und Blumen aus unserem Garten, einem Erntekranz – und in diesem Jahr ist es eine wunderbare Erntekrone für die Erfurter Predigerkirche geworden.
Man könnte sagen: „wer fleißig war, der darf feiern. Und die anderen laden wir trotzdem ein.“
Aber dieser Vergleich hinkt.
Denn was ist mit den vielen Menschen, die keinen Garten haben, die, die nichts mit den Händen ernten können?
Sind die etwa nicht fleißig? Dürfen die nicht feiern?
 
 
Und am 3. Oktober? Machen wir da etwas?
Nein. Nichts Spezielles.
Und ja, wir sind dankbar für die Veränderungen in unserer Heimat vor 30 Jahren, auch wenn die mit unserer Hände Arbeit kaum etwas zu tun hat.
 
Eigentlich hat sich bei uns ja auch nichts geändert. *)
Eigentlich!
 
 
Bei anderen dafür viel.
Ich kenne Menschen, die haben viel verloren seitdem.
Und ich kenne andere Menschen, denen geht es viel besser, seit der Wende.
 

CactusPodcast


Wo komme ich eigentlich her?

Aber ich schau mal eine Runde größer. 30 Jahre zurück, noch ein bisschen weiter …
Ich habe meine Gärtner-Ausbildung abgeschlossen. Hatte meinen ersten Job, als Pflanzenschützer und habe viel mit Gift gearbeitet. In einer GPG (Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft). Unser Genosse Vorsitzender ritt manchmal auf seinem Pferd über die Felder. Das war ein Statement in der DDR. Denn sowas – hatte ich im Geschichtsunterricht gelernt – haben früher die bösen Junker gemacht, und die armen Bäuerlein mussten aufstehen und die Hüte abnehmen. In der real existierenden DDR war das eine Ansage. Und die Genossenschaftsbauern und -bäuerinnen haben sich die Mäuler zerrissen. Sowas geht einfach nicht!
 
Aber: der Genosse Vorsitzende hatte auch etwas erreicht!
Unsere Genossenschaft war ein Vorzeigebetrieb, weil es in der Spitze Leute gab, die wussten, wie man gute Geschäfte macht, wie man verkauft und wie man Leute motiviert. Klar haben alle über irgendwas gemeckert. Aber unterm Strich wurde gutes Geld verdient, und zwar auf allen Ebenen – selbst als Lehrling gab es da Möglichkeiten. Und heute glaube ich, das lag einfach daran, dass der Genosse Vorsitzende die Werke von Marx und Lenin gut studiert hat. Er hat den Kapitalismus begriffen und hat einen Weg gefunden, ihn im Sozialismus anzuwenden.

Oh oh!

 
DAS hätte ich damals übrigens nicht sagen dürfen.
Heute ist es nicht einmal ehrenrührig. Im Gegenteil, es schwingt darin ein Stück Respekt mit, für den „professionellen Grenzgang“ für die damalige Zeit.
Vielleicht war es auch eine sich leise ankündigende Wende in der DDR, aber das ist sicher zu viel gedacht.
Wie der Genosse Vorsitzende nach der Wende dastand, das weiß ich nicht. Ich traue ihm aber zu, dass er ganz solide auf die Füße gefallen ist.
 

Die dunklen Seiten

Ich kenne auch Menschen aus anderen Betrieben, die aus einer Leitungsposition mehr oder minder ins Nichts gefallen sind, deren Fachwissen von heute auf morgen nicht mehr gebraucht wurde, oder die aus anderen Gründen ihren Lebensinhalt verloren. Mal sind Betriebe liquidiert worden, ein anderes mal waren es Dinge, die Entscheidungen der dunklen DDR Geschichte um nichts nachstanden. Und manche davon sind bis heute weder geahndet, noch aufgearbeitet.
Einer der Gründe weswegen Geschichte nie unproblematisch ist, oder schwarz / weiß.
Und die Gegenwart auch nicht, denn auch jetzt im Moment gibt es Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, oder über den Rand kippen.
Das macht es nicht besser.
 

Und ich?

Was ist mit Menschen die nicht am Rand stehen?
Wo bin ich? Bin ich heute ein Gewinner?
Klares ja!
Ich weiß nicht, wohin mein Lebensweg mich ohne die Wende geführt hätte. Ich hab 1989 nicht wirklich einen Plan gehabt. Die meisten Menschen mit 19 haben das nicht.
Aber mir haben sich Möglichkeiten eröffnet, die es vermutlich nicht für so viele Menschen gibt. Möglichkeiten, die mir andere Menschen eröffnet haben. Als ich in der Städtischen Sukkulentensammlung mit Urs Eggli arbeiten durfte, oder zuvor in Kew Gardens mit David Hunt. Und es waren nicht nur die Begegnungen mit den großen Namen, eigentlich sind es immer die Menschen gewesen. Im Deutschland kurz nach der Wende hat es noch eine Rolle gespielt, dass ich aus dem Osten kam. Ich habe in Mainz eine sehr herzliche und großzügige Behandlung erfahren, an einem anderen Ort hat man mich richtig über den Tisch gezogen. Im Ausland spielte das weniger die Rolle. In Mittelamerika kannte 1991 kaum jemand die DDR, ich war Deutscher.
Dass ich mit 19 Jahren als erster Haage in New York lande und amerikanischen Boden betrete, dass war für mich ein Riesending. Hätte ich mir wenig vorher kaum träumen lassen.

Zuhause: Sorgen

Meine Eltern haben derweil dafür Sorge getragen, dass die Gärtnerei die Strudel und Untiefen im Strom der Wendezeit übersteht. Und Sorge meine ich durchaus auch bildlich. Denn es gab viele Sorgen. Die größte war: haben wir am Monatsende genügend Geld, um die Mitarbeiter zu bezahlen – und was müssen wir dafür tun.
Als ich zurück nach Erfurt kam war ich erschrocken, meine Eltern sind mit den Sorgen und der Arbeit gealtert. Sie haben sich nie beklagt. Aber sie haben mir das sorgen mitgegeben: sorge für die, für die du Verantwortung übernommen hast. Als in der letzten Woche ein noch recht frischer Mitarbeiter „Chef“ zu mir sagte bin ich kurz zusammengezuckt, das hat schon lange keiner zu mir gesagt.
Mir kam nochmal die Entwicklung nach der Wende in den Sinn. Alles, was wir erreicht haben, haben wir gemeinsam geschaffen. Meine Eltern und alle Mitarbeiter. Später kam auch ich dazu. Wir sind gemeinsam durch Höhen und viele Tiefen gegangen. Mit Sorgen genauso wie lachen. Die Sorgen sind weniger geworden. Gerade in diesem Jahr haben wir auf besondere Weise gelernt, wie wichtig es ist, füreinander einzustehen – gemeinsam. Und in diesem Jahr ist nochmal deutlich geworden, es sind nicht nur wir, unser Team. Es geht auch um die vielen Kakteenfreunde draußen auf der Welt, die uns vertraut haben, Verständnis und Geduld aufgebracht haben, hinter uns standen. Familien, Freunde, Nachbarn, auch Menschen, die wir noch gar nicht kannten, sind für uns Unterstützer geworden – in diesem Jahr – und sie haben uns unterstützt in den Jahren zuvor.
 
Damit wir das machen können, was unser Ding ist: Kakteen.
 
Und damit wir heute am 4. Oktober Erntedankfest feiern können und ich DANKE sagen kann für 30 Jahre gemeinsames Deutschland.
Ich weiß nicht, wo ich heute stünde, wenn es 1989 keine Veränderung in Deutschland gegeben hätte. Aber ich hoffe, ich kann etwas von dem vielen dass ich in den letzten 30, nein 50 Jahren bekommen habe zurückgeben.
Jetzt fasse ich meinen Gedanken von vorhin nochmal etwas anders.
Beide Tage sind so etwas wie Erntedank. Der Tag heute gilt für die letzten zwölf Monate. Der 3. Oktober für die letzten 30 Jahre – und vielleicht auch einfach für unser Ringen um Demokratie und Gerechtigkeit – und das dürfen wir tun im kleinen, wie wir es auch von den Großen erwarten.
Es hat uns niemand versprochen, dass das leicht sein würde, aber es lohnt sich!
Daran glaube ich!
Und ich freue mich.

Und Du?

  • bist Du glücklich und dankbar für das was in den vergangene 30 Jahren gewachsen ist?
  • war es eine bittere Zeit für Dich, oder geht es Dir, Deiner Familie besser seither?
  • haben wir, hast Du an Deinem Platz für mehr Gerechtigkeit sorgen können
Ich bin sehr gespannt auf Deine Rückmeldung
Schreib mir:

… und: von wegen alles unverändert hier … *)

Natürlich hat sich auch bei uns vieles verändert. Das wichtigste: die Haltung Verantwortung für die Menschen zu übernehmen – da hat mein Vater Hans-Friedrich Haage schon zur DDR-Zeit genauso gehandelt, wie er es nach der Wende tat. Und ich bemühe mich, diesen seinen Werten zu folgen. Denn sie sind wichtig, damals wie heute.
Wie denkst Du darüber?
 
Nachricht via: Facebook CactusPodcast Community  oder Mail ins Studio – studio@cactuspodcast.de

Was kommt als nächstes?

Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 020
Das nächste Thema kündige ich wieder in der Facebook CactusPodcast Community an.
 
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episode vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren.
Bleibt weiter gesund da draußen!
 

 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
Erntedank und der 3. Oktober

CactusPodcast 018 Pflanzengeschichten – Der Raub des Erdbeerkaktus

Der Raub des Erdbeerkaktus – CactusPodcast – 018

Warum Menschen wegen eines kleinen Kaktus kriminell wurden – eine echte Räuberpistole aus unserer Gärtnerei

Jetzt wirds kriminell.
Und ja – das ist tatsächlich so passiert.
Aber der Reihe nach.
 
In der letzten Episode mit dem Wunsch von Frederik Wietbrok [FW] aus der CactusPodcast Community habe ich das Thema Erdbeerkaktus aufgemacht.
Das hat mir danach keine Ruhe gelassen – deswegen musste ich nochmal genauer nachschauen.
Das Ergebnis – hier kommt die zweite Episode zum Thema Erdbeerkaktus …

Der Raub des Erdbeerkaktus - eine echte Räuberpistole

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Pflanzengeschichten

Erdbeerkaktus

Im ersten Teil ging es um die Entstehung und wie es überhaupt dazu kam, dass ein eigentlich todgeweihter Kaktus auf Erden für seine Verhältnisse richtig Wellen macht.

Manchmal sind mehr Informationen doch echt hilfreich. Nach der letzten Episode hab ich noch mal recherchiert und bin auf Aufzeichnungen von Mr. Hajime Oku aus dem Jahr 1959 gestoßen.

Er beschreibt noch einmal sehr detailliert den Ursprung der Pflanzen:

The Japanese E. Watanabe is the originator of the quite exceptional red mutation which concerns us here and whose history can be summarised as follows. This grower had observed that the Gymnocalycium mihanovichii v. friedrichii contained more of the red pigment than most other plants with which he was familiar and he decided upon an extensive speculative cultivation in the hope of obtaining a form which would be entirely red.

In 1937 he ordered 300 seeds from the firm of H. Winter in Germany and, after lengthy propagation, he had available in 1947 about 10,000 seeds which produced for him two seedlings of this clear red mutation, totalIy free of green chlorophyll.
He very fortunately realised that they could not survive any great length of time because red chlorophyll alone is not capable of assimilation and he grafted them straight away – less than two weeks after they germinated – on the miracle stock of the Japanese; Hylocereus guatemalensis, which is completely ignored in our part of the world.
It is true that I doubt whether this tropical columnar growing plant would acclimatise in our cold and humid winter (unless we are not bothered about the expense of heating). It is not for the same reason that Peireskiopsis, another marvellous grafting stock, has been virtually abandoned?
But to come back to our Gymnocalycium hibotan. After having grafted, regrafted, and further regrafted these two plants, many times, one had indeed a red cactus, named ‚Hibotan‚ or ‚Hibotan Nishiki‚. Bearing in mind that it is in a condition completely lacking green chlorophyll, it is well suited by grafting it on an outside stock and this would also provide more certainty than an average size one of the scion producing an abundance of offsets. It is in this condition that it is distributed throughout the world.

In unserem Archiv findet sich ein ganzer Ordner „Hilde Winter“ der eine intensive Zusammenarbeit belegt. Mein Großvater hat viel Ritter-Saatgut und Pflanzen über Hilde Winter importiert – einen Kommentar zur Eji Watanabe habe ich nicht gefunden – die Schilderungen meines Großvaters waren dagegen recht deutlich und ich gehe davon aus dazu auch noch Aufzeichnungen zu finden.

Walther Haage erzählte weiter davon, dass zwei oder drei Pflanzen nach Erfurt kamen und in seiner Sammlung gehütet wurden wie ein Schatz.

Bevor wir dazu kommen – hier noch ein kleiner Exkurs zum Thema Unterlagen und der Intensität der Rotfärbung:

The Japanese author recommended Trichocereus spachianus or Myrtillocactus geometrizans as a grafting stock and indicated moreover that the more the plant is given full sun the more well-developed is the red tint.

Mit den Unterlagen gibt es manchmal Probleme, gern faulen die Hylocereus einfach so aus heiterem Himmel. In unseren Breiten ist es darum eine gute Idee in dem Fall zu einer besser geeigneten Alternative greifen zu können: die erwähnten Trichocereus spachianus oder Myrtillocactus geometricans sind definitiv eine bessere Wahl.
 

CactusPodcast


Wie der erste Erdbeerkaktus in Europa geraubt wurde

Die Geschichte vom diebischen Raub-Gärtner musst du dir natürlich am besten anhören.
In meinem Kopf läuft beim erzählen jedes mal ein Film ab. Ich sehe einen finsteren Gesellen, wie er versucht nachts mit seinen schweren Stiefeln die knarrende Holztreppe in unserem Haus zu überwinden, möglichst ohne durch das Getöse seine Nachbarn zu wecken. Und wie er sich das Bündel mit dem Kaktus über die Schulter wirft, durch das Eisentor schlüpft und auf der Chaussee zur Stadt zu laufen. Nur der Mond scheint über der einsamen Gestalt. 
Ob er bis zum Bahnhof läuft um sich dann im Zug aus dem Staub zu machen. Ein Auto käme selbst 1950 als Transportmittel nicht infrage.
Fantasie ist etwas tolles!
Und dann mache ich mir Gedanken, wie mag er das mit dem Grenzübergang geplant haben. Wie sind die Telefonate aus Erfurt mit den Zoll-Beamten gewesen – an denen der Plan am Ende doch gescheitert ist….
 
(hier bitte eigenständig weiter fantasieren …)
 
 
Schöne bunte Bilder von sogenannten "Gymnocalycium-Thai-Hybriden"

Schöne bunte Bilder von sogenannten „Gymnocalycium-Thai-Hybriden“ auf dem Kakteen-Haage Pinterest Account


 

Erdbeerkaktus Errata

Das sind eine ganze Menge Informationen rund um so einen kleinen roten Kaktus.
Und viele dieser Informationen sind nicht genau belegt. So handelt meine Erinnerung zwar in den goldenen 1920er Jahren. Die Dokumente zeigen aber klar auf die Zeit der 1940er bis 1950er. 
Ähnlich sieht es mit der Herkunft der Samen aus. In den Dokumenten sind es erst nach einigen Jahren der eigenen Nachzucht 40.000 Korn Saatgut die Eji Watanabe aus denen die ersten zwei ‚Hibitan‘ auftauchen – und der Ursprung wird mit Hilde Winter angegeben. Ob unser Archiv dazu später noch einmal mehr Informationen hergibt wird sich zeigen – ich mag die Geschichte in beiden Versionen.

Fragen:

wie ist das bei Dir?

  • hast du schon mal einen Kaktus geklautt?
  • oder eine andere Pflanze, oder einen besonderen Steckling?
  • und wie lange hat der gelebt?
Habt Ihr Fragen zum Erdbeerkaktus oder eigene Erfahrungen?
Dann schreibt mir:
Schreibt mir: Facebook CactusPodcast Community  oder Mail ins Studio – studio@cactuspodcast.de
 

Was kommt als nächstes?

Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 019 – worüber – da habe ich schon eine  Menge Ideen…
das nächste Thema kündige ich wie immer in der Facebook CactusPodcast Community an.
 
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episode vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren.
Bleibt weiter gesund da draußen!

Shownotes:

Wissen über Erdbeerkakteen

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Affiliate Links – ich erhalte keine Provision.
 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/

CactusPodcast 017 Pflanzengeschichten – Der Erdbeerkaktus

Erdbeerkaktus und Co – CactusPodcast – 017

Ein ungewöhnlich gefärbter Kaktus und seine ebenso überraschende wie ungewöhnliche Geschichte

Heute geht es um Obst. 
Und einen Kaktus, der eine strahlende Vergangenheit hat und heute – eigentlich zu Unrecht kaum noch ernst genommen wird. 
Es gibt ihn in Rot, Gelb, Rosa, Orange, Violett, Gelblich-grün, Schwarz – und angeblich sogar in Weiß.
 
Und noch etwas besonderes: die ganze Episode gibt es auf Wunsch Frederik Wietbrok [FW] aus der CactusPodcast Community.
Wir haben heute sozusagen eine komplette „Frag den Kaktusgärtner-Episode“

Der Erdbeerkaktus - und seine durchaus überraschende und ungewöhnliche Geschichte

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Pflanzengeschichten

Erdbeerkaktus

Wer mit dem Begriff Erdbeerkaktus nix anfangen kann – vielleicht hilft ja Gymnocalycium mihanovichii. 
Nicht?
Ich hab mal nachgeschaut: nicht Wikipedia, nein, t-online macht jetzt auch auf Nachschlagewerk – und dort steht:
 
Erdbeerkaktus
Der Gymnocalycium mihanovichii ist ein Kakteengewächs, das als Pfröpfling auf einem Wirtskaktus wächst. Mit ihrem üppigen, rot leuchtenden Körper und den weißen Dornen erinnert die umgangssprachlich Erdbeerkaktus genannte Pflanze an die beliebte Sommerfrucht.
Bei uns in der Gärtnerei erleben wir regelmäßig dieses „Gespräch“:
 
„Omaaaa! Den da will ich haben!“ 
 
Und dann steuert ein Kind zielstrebig im Gewächshaus zum Tisch mit den bunten Veredelten Gymnocalycium mihanovicii.
 
Jetzt wird es lateinisch, deswegen noch mal kurz: Was ist das? 
 
Das Epitheton der Art ehrt den aus Kroatien stammenden argentinischen Reeder und Mäzen Nicolás Mihanovich (1881–1940), der die Reisen des tschechischen Kakteenspezialisten Alberto Vojtěch Frič in Paraguay unterstützte.
Gymnocalycium mihanovichii ist in Paraguay und im Nordosten Argentiniens verbreitet und wächst in Tieflagen bis 500 Meter. Die Art wurde dort 1903 durch Alberto Vojtěch Frič entdeckt.
Auch mein Großvater hat Fric und seine Reisen unterstützt und war mit ihm befreundet – vermutlich einer der Gründe, weswegen es die Pflanze auch kurz darauf in unseren Gewächshäusern lebte.
 

Wie entsteht so ein roter Kaktus? 

[FW]: Selektion nach Farben über mehrere Generationen? 
Das muss ja generativ geschehen, wobei die farbigen Gymnocalcium mihanovichii ja auch nicht viele Samen bringen, wenn überhaupt, oder?
Wobei meine normalen Gymnocalcium mihanovichii und friedrichii sind weder gelb, rot, oder grün. Noch nicht mal im Anschein und noch nicht mal ein bisschen.
Wie komme ich also auf die Idee, dass daraus durch Selektion mal rote, gelbe, grüne Kakteen werden? Wenn ich nicht wüsste, dass der Erdbeerkaktus ein Verwandter wäre… 
Stimmt – das ist einfach zweierlei – die bunten und die „echten“ G. mihanovichii – auch wenn es im Grunde dieselbe Pflanze ist.
Die ersten roten mihanovicii kamen aus Japan. 
Und das ist eine Geschichte, die hat auch mit unserer Familie zu tun:
 

CactusPodcast


Wo der Erdbeerkaktus herkommt

Mein Urgroßvater hat – vermutlich in den 1920er Jahren – an einen Kunden in Japan Samen von G. mihanovichii geschickt. In unseren Aufzeichnungen fand ich die Angabe 42.000 Korn – also eine ganz schöne Menge.
Mr. Eiji Watanabe entdeckte bei der Aussaat ein paar Sämlinge, die sich in der Farbe von der Masse abhoben – weil sie ziemlich knallrot geleuchtet haben. 
Es ist nicht überliefert, ob Mr. Watanabe bewusst war, was er in seiner Aussaat gefunden hat. Es ist aber sehr wahrscheinlich, weil er offenbar sofort richtig geschaltet und hat seinen Fund richtig eingeschätzt. Heute wissen wir: die roten Sämlinge hatten Chlorophyll-Defekte. Deswegen sind die Pflanzen auch nicht grün, oder braun, sondern der rote Zellfarbstoff wird sichtbar und deswegen können die Pflanzen ohne Hilfe auch keine Photosynthese durchführen. 
Man kann sagen: je leuchtender die Farbe, desto weniger lebensfähig ist die Pflanze. Die Kakteen können nur überleben, wenn sie veredelt werden (man sagt dazu auch gepfropft). Dazu wird beim Sämling die Wurzel und ein kleines Stückchen von der Pflanze abgeschnitten und auf einen passenden anderen entspitzten Kaktus aufgesetzt. Die Pflanzen wachsen nach einigen Wochen zusammen und damit ist das Überleben unseres roten Gymnocalycium gesichert.
Das wird bis heute so gemacht – und beantwortet gleich auch die nächste Frage: 
[FW]: Mir scheinen die farbigen Exemplare bei uns immer nur veredelt angeboten zu werden.

Je bunter desto weniger fit

Korrekt, denn ohne Chlorophyll keine Photosynthese, ohne Photosynthese kein Leben in Pflanzen – Chlorophyll ist der grüne Zellfarbstoff. Der Grund weshalb (fast) alle Pflanzen mehr oder minder grün sind.
Und das erklärt vielleicht auch, warum es die ganzen anderen Farben gibt, die wir in der Natur kaum finden. Gelb, pink, violett bis fast schwarz. – Alles Auslesen die in den vergangenen fast 100 Jahren gemacht wurden. Denn manchmal wird behauptet, es handelt sich bei den Pflanzen um Mutationen aufgrund radioaktiver Bestrahlung in Rußland. 
Fakt ist: bis heute ist unklar, was diese Veränderungen in Pflanzen auslösen – darüber haben sich viele Kakteenliebhaber und auch Wissenschaftler schon den Kopf zerbrochen und Versuche gemacht.
 
[FW]: Bei den Thai Gymnos scheint es die auch wurzelecht zu geben. Haben die besseres Wetter, oder woran liegt das?
Da scheint es davon ja auch Samen zu geben.
Also doch alles wurzelecht möglich? Bei Thai Wetter?
 
Schöne bunte Bilder von sogenannten "Gymnocalycium-Thai-Hybriden"

Schöne bunte Bilder von sogenannten „Gymnocalycium-Thai-Hybriden“ auf dem Kakteen-Haage Pinterest Account

 

 

Erdbeerkaktus – Thai-Hybriden?

Auch das stimmt – jetzt wird es kompliziert – aber das ist nicht wirklich eine dritte Variante. Hier gibt es einfach mehrere Erklärungen:
  1. Die Pflanzen haben keinen Defekt, sondern sind in meinen Augen einfach besonders schön gefärbt und dann fotografiert. Das beobachte ich bei uns im Gewächshaus auch immer wieder: ich entdecke eine Pflanze mit außergewöhnlich ausgeprägten Eigenschaften und denke: Donnerwetter – was für eine Rarität! Und wenn ich später nachschaue, dann finde ich die Pflanze zwar wieder, bin aber schon oft enttäuscht gewesen, dass sich die außergewöhnlichen Eigenschaften nicht dauerhaft erhalten haben. 
  2. Aber: diese Eigenschaften lassen sich natürlich verstärken. Und das geht so: 
    Ein Züchter würde diese Pflanzen sofort extra halten und miteinander kreuzen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die gewünschten Eigenschaften in den Nachkommen häufiger, stabiler und intensiver auftreten – das ist aber ein sehr langer Weg, den ich durchaus für glaubhaft halte. Ich habe vor einigen Jahren bei einem italienischen Züchter wirklich atemberaubende Euphorbia-Hybriden entdeckt – die Farben waren ähnlich atemberaubend wie die bei den Gymocalycium – und ich erwarte nicht, sie in den nächsten Monaten auf dem Markt zu finden – weil zu solchen Auslesen eben ein langer Weg führt der einiges an Geduld braucht.
  3. Wer sich die Pflanzen genauer betrachtet wird feststellen, häufig finden sich hier typische Eigenschaften, die auch am klassischen roten Erdbeerkaktus zu sehen sind – deswegen vermute ich, diese Pflanzen sind hier mit eingekreuzt, aber die Chlorophylldefekte sind so gering, dass die Pflanzen noch überleben ohne gepfropft werden zu müssen
  4. auch Photoshop könnte an manchen Schönheiten beteiligt sein
  5. Thai-Wetter würde ich den Faktor nicht nennen – ich hatte in Thailand das Gefühl, es ist nicht so ganz leicht, in diesem Klima Kakteen gesund zu erhalten.
    Aber ich hab die Beobachtung gemacht: in Thailand gibt es sehr viele fleißige und geschickte Kultivateure und denen traue ich einiges zu – auch die Geduld und den langen Atem der nötig ist, um solche außergewöhnlichen Pflanzen zu ziehen.
  6. Info der Vollständigkeit halber: Samen von roten oder andersfarbigen G. mihanovicii bringen in den meisten Fällen wieder den normalen braunen Pflanzen – sozusagen ein Rückfall in den Ursprung

 

Der Erdbeerkaktus und die Pflege

So beliebt und trivial die Pflanze ist – im Speziellen als Mitbringsel oder Geschenk an Kinder – so knifflig kann es werden – denn: 
die zwei ursprünglichen Pflanzen haben ziemlich diametrale Vorstellungen von einem schönen Lebensraum. 
Und das kommt so: 
 
Das Gymnocalycium – ein klassischer Kaktus, ist in Regionen zwischen 100 und 500 Metern Höhe in Paraguay und Argentinien zu Hause und lebt dort meist etwas geschützt auf Wiesen unter Büschen oder Sträuchern. Im Winter braucht er eine kühle und trockene Ruhezeit.
Hylocereus ist in feuchten und warmen Nebelwäldern zu Hause und klettert meist in Bäumen. Wenn ihm zu kalt wird beginnt er schnell zu faulen. 
Beide Pflanzen werden „geënt“ – wie unsere Gärtnerkollegen in Holland zum pfropfen sagen – vereinigt würde ich es übersetzen. Und das ist eben ein ungleiches Paar was wir zusammenzwingen. Einer der Gründe weswegen die Unterlage, oder der rote Pfröpfling sich oft vor der Zeit verkümmeln, wenn man nicht weiß, dass hier ein Mittelweg die einzige Überlebenschance ist.
Express-Kakteen
Und noch etwas sollte man wissen: veredelte Pflanzen leben auf der Überholspur. Sie wachsen schneller und sind dann aber auch eher tot. 
Deswegen kann es passieren, dass die Pflanzen schnell größer werden oder sehr üppig Kindeln. 
Die Kindel kann man natürlich abnehmen – aber man kann sie nicht einfach wie andere Kakteen auf Erde setzen und auf Wurzeln hoffen – ohne Pfropfung geht da leider nichts. Im Kakteenforum habe ich dazu einen ganz spannenden Thread gefunden der ausführlich erklärt, wie man seinen Erdbeerkaktus selbst vermehren kann: https://www.kakteenforum.de/showthread.php?59561-Erdbeerkaktus-selbst-machen
Dort gibt es übrigens auch Vorschläge für besser geeignete Unterlagen, mit denen die Lebensdauer der Pflanze etwas besser aussieht.

Namen 

Erdbeerkaktus kennen wir schon. Rotkäppchen finde ich total niedlich. Die anderen Farbvarianten heißen übrigens auch in Gelb noch Erdbeerkaktus. 
Aber: gleich daneben gibt es noch den Bananenkaktus – und der ist eigentlich ein Erdnusskaktus – denn der länglich wachsende gelbe Chamaecereus heißt im englischen Peanut cactus. 
Der Erdbeerkaktus wird im englischen Sprachraum dagegen als Moon cactus bezeichnet – das hat nichts mit dem Hylocereus, der Unterlage zu tun. Und es gibt noch mehr Namen: Ruby Ball, Red Cap, Red Hibotan oder Hibotan cactus – die letzten beiden Namen stammen aus dem japanischen.
 
Einen Namen, den ich noch nicht kannte, hab ich bei der Recherche in der Fotocommunity gefunden – und ein wunderbares Foto eines völlig abgefahrenen Erdbeerkaktus der hier Cactus fragum genannt wird – Tipp: dafür lohnt es sich mal im cactusblog vorbeizuschauen – oder in der FB Community.

Erdbeerkaktus

 

 
Zusammenfassung – die wichtigsten Punkte
 
1. der Erdbeerkaktus ist eine Auslese von Pflanzen denen das Chlorophyll fehlt, deswegen sehen sie rot aus
2. der Erdbeerkaktus besteht eigentlich aus zwei Pflanzen, denn ohne eine Unterlage kann er sich nicht ernähren
3. die sogenannten Gymnocalycium Thai-Hybriden haben ausreichend Chlorophyll und können sich deswegen auf eigener Wurzel ernähren

Fragen:

wie ist das bei Euch?

  • Wann ist euch euer erster Erdbeerkaktus begegnet?
  • Wie lange hat der gelebt? 
Habt Ihr Fragen zum Erdbeerkaktus oder eigene Erfahrungen?
Dann schreibt mir:
Schreibt mir: Facebook CactusPodcast Community  oder Mail ins Studio – studio@cactuspodcast.de
 

Was kommt als nächstes?

Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 018 – worüber … 
das nächste Thema kündige ich wie immer in der Facebook CactusPodcast Community an. 
 
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episode vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Bleibt weiter gesund da draußen! 

Shownotes:

Wissen über Erdbeerkakteen

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Affiliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
 
Der Erdbeerkaktus - CactusPodcast 017

CactusPodcast 016 Schädlinge: Trauermücken an Kakteen und anderen Sukkulenten

Trauermücken an Kakteen und anderen Sukkulenten – CactusPodcast – 016

Sciara-Fliege – wachsen die wirklich nur in billiger Erde? Mythos und Wahrheit.

Ein gefährliches Schwarz-graues Luftgeschwader

Da war ein Email: 
ich habe meine Kakteen in neue Erde getopft. Jetzt, nach kurzer Zeit waren überall Trauermücken!
 
Sowas treibt mich echt um – denn das riecht nach einem voll fetten Fehler bei uns – und deswegen ist das heute Thema.
Was sind Trauermücken, wo kommen sie her, was haben sie mit Seereisen zu tun, sind sie überhaupt gefährlich – und wenn ja, was kann ich dagegen unternehmen?
 
Und es gibt heute noch einiges anderes:
Ich hab mich hingesetzt und geschaut, in welchen Abständen gibts was Neues hier im CactusPodcast. Denn: eine alte Podcaster-Weisheit besagt: Du musst regelmäßig neue Episoden ausspucken!
Aber ganz ehrlich: es fällt mir alles andere als leicht, regelmäßig meine geplanten Episoden auf die Bahn zu bringen. 
In meinen ersten Podcast-Notizen steht ein Ziel: Alle 14 Tage eine Episode – allerdings war mir damals schon klar: Das wirst du nicht schaffen – noch neben deinem Job und allem was sonst noch in deinem Leben abgeht. 
Also mache ich einfach was geht.
Das heutige Thema habe ich schon mehr als drei Wochen auf der Uhr. 
Aber im Moment ist einfach zu viel los bei uns in der Gärtnerei. – Darüber könnte ich auch mal eine ganze Episode machen, vom Kaktusgärtner Alltag berichten. Könnte auch ganz spannend sein. 
 
Eine kurze Cactusfarm-Geschichte von gestern erzähle ich am Ende dieser Episode …

Trauermücken an Kakteen und anderen Sukkulenten

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Schädlinge

Trauermücken – was ist das?

Was sind Trauermücken? – Ich glaube, jeder von uns ist ihnen schon begegnet. Kleine Fliegen, manchmal in Schwärmen, die scheinbar in der Blumenerde leben – und wo die auftauchen – da geht es den Pflanzen danach schlecht.
So ist der Ruf – und wir schauen heute: was stimmt davon eigentlich?
Was sind Trauermücken eigentlich – und womit kann ich sie verwechseln?
  • Bradysia spp. z. B. Bradysia difformis (nicht Paradisia, wie ich erst notiert habe) 
  • sind Mücken und haben eine eigene Trauermücken-Familie – die  Sciaridae – deswegen auch manchmal der Name Sciara-Fliege
  • sie leben im Schatten – der Name Trauermücke kommt von der dunklen Färbung von Körper und Flügeln – Trauermücke – wie der Schleier einer trauernden Witwe, das wird heute aber nicht mehr so häufig praktiziert, wir würden heute vermutlich eher an die Tönungsfolie für Auto-Scheiben denken – und daran erinnert der Farbton der Trauermücken auch – sowas wir anthrazit-transparent 
  • der Trivialname Pilzmücke ist weniger bekannt – aber verweist zum Beispiel darauf, das mit dem Befall von Trauermücken oft auch ein Pilzbefall einhergeht
  • Trauermücken werden gern mal mit Obst- oder Essigfliegen in einen Topf geworfen – dorthin gehören sie aber nicht
Sind Trauermücken eigentlich überhaupt gefährlich?
  • erstmal ein klares Jain: die Mücke selbst tut der Pflanze nix – aber ihre Larven sehr wohl!
Woher kommen Trauermücken?
  • es gibt sie fast überall. Auf der Welt etwa 1800 Arten, in Europa davon allein 600
  • spannend ist: es gibt Trauermücken in allen Klimaten auf der Welt, also auch in der Antarktis oder oberhalb von 4000 Höhenmetern – und es gibt sie auch in Regionen in die sich spezialisierte Pflanzen wie unsere Kakteen zurückgezogen haben. Es gibt Trauermücken, die sich in der Wüste während der Extremtemperaturen in den Sand eingraben um sich vor Hitze oder Kälte zu schützen – Kaktus und Trauermücke kennen sich also schon von „zu Hause“
  • und noch ein Superlativ: die ersten Funde von Trauermücken sind schlappe 130 Millionen Jahre alt!
Wie werden Trauermücken verbreitet?
  • Trauermücken lieben es feucht, deswegen leben die meisten Arten im Wald, Mooren, auf Feuchtwiesen, in Feld und Garten
  • von dort werden sie vom Wind in die Welt gepustet – und das auf unterschiedliche Weise
  • hast du deinen letzten Strandbesuch noch in Erinnerung? Lagen da Holz oder Algen herum? Fliegen? – nein, vermutlich waren das Trauermücken – die machen nämlich Kreuzfahrten auf Treibholz und schippern so übers Meer und weil Trauermücken nicht so alt werden sind dann einige Generationen unterwegs
  • ein echter Superspreader sind aber wir Menschen, im besonderen unser globaler Handel: wir fahren Humus, Torf, Blumenerde und andere Landwirtschaftliche Produkte durch die Lande – und verteilen damit nebenbei die Trauermücken

CactusPodcast


Zeit für den ersten Mythos:

„billige Blumenerde ist die Quelle von Trauermücken“
… stimmt das?
 
Ja, teilweise ist das so. Denn billige Erde besteht zum Großteil aus billigen Torf, feinem Sand und im schlimmsten Fall unverrotteten Kompost – das mögen Trauermückenlarven – das verspricht leckere Umgebung. 
Warum hebe  ich das „billig“ so hervor? 
Torf ist für die Produzenten von Pflanzenerden der wichtigste Grundstoff – egal ob man das gut findet, oder nicht, es ist im Moment ein Fakt. Wir bei Kakteen-Haage gehören zur Gruppe „eher nicht“ und arbeiten deswegen aktiv daran den Verbrauch von Torf zu reduzieren.
Zurück zum Abbau von Torf: die oberen Schichten im Torflager sind schon weiter zersetzt und feiner, haben weniger Struktur und oft ist Unkrautsamen – und hier wohnen auch die Trauermücken. Die tieferen Schichten sind noch nicht so weit verrottet und bieten bessere Struktur, steril, unkrautfrei und in der Tiefe sind auch keine Schädlinge zu finden. Damit ist der tiefer liegende Torf wertvoller – und das schlägt sich einfach im Preis nieder.
So wird also ein Schuh draus. 
 
Aber: es genügt Torf oder humose Erde eine Weile feucht liegen zu lassen – und ich habe die schönste Trauermückenzucht am Hals. Sowas geht auch hervorragend mit unserer Kakteenerde. 
Und es passiert auch mit mineralischer Erde wenn die Oberfläche lange genug feucht ist.
 
Also: Mythos bestätigt: billige Blumenerde kann eine Quelle von Trauermücken sein.
 

Wie und wann schädigen Trauermücken meine Pflanzen?
  • Leicht wird es für Trauermücken, wenn die Erde feucht ist – denn das sind optimale Bedingungen für sie
  • deswegen haben Pflanzen die jetzt im Sommer draußen stehen bessere Chancen (jetzt bei der Aufnahme scheint draußen die Sonne und es ist seit Wochen warm und trocken)
  • im Haus und auch im Gewächshaus gibt es keine natürlichen Feinde – deswegen können sie sich praktisch hemmungslos vermehren, und so entstehen große Schwärme binnen kurzer Zeit
  • Die erwachsenen Trauermücken schädigen aber keine Pflanze – gefährlich sind die Larven – die fressen an den Wurzeln und am Pflanzenkörper in der Erde und können so massive Schäden anrichten.
  • Wenn viele erwachsene Insekten unterwegs sind, dann können die sich vermehren und eine Masse Nachkömmlinge in die Welt setzen – besser gesagt eine Unmasse – das erklärt auch den Beinamen Heerwurm, denn manchmal treten die Larven genau so auf. Ich hab das gottlob selbst noch nie erlebt, aber das muss etwas von Heuschreckenplage haben 
  • Trauermücke im Larvenstadium miniert im Wurzelbereich
  • diese Löcher machen es für Pilze und andere Schädlinge leichter und können so auch gut etablierten Pflanzen zu schaffen machen

 

Frag den Kaktusgärtner. 

Heute kann ich aber erstmal etwas anderes ankündigen. Neu im CactusPodcast die Rubrik: Frag den Kaktusgärtner. 
Das erwartbare: dort gibt es Antworten auf Fragen, die mir inzwischen ins Studio geflattert sind. 
Jetzt schonmal danke dafür – denn es war einige spannende Geschichten dabei! 
 
Die erste Frage hat mir Sandy Holländer via FB geschickt: 
„Die Blüten an meinem Erdbeerkaktus fallen ab“
Der Erdbeerkaktus ist ein bisschen tricky – er hat im Vergleich zum normalen Gymnocalycium mihanovichii kein funktionierendes Chlorophyll um sich selbst zu ernähren. Deswegen hat der diese besondere Färbung – und deswegen braucht er eine Unterlage. Traditionell passen aber Unterlage und Pfröpfling leider nicht zusammen und sind deswegen ein etwas problematisches Gespann. Der Hylocereus, der für die Ernährung sorgt, kommt aus dem warmen Regenwald und mag es gern feucht – damit kommt aber die „Erdbeere“, also das Gymnocalycium nicht so gut klar. Deswegen sind diese Pflanzen eigentlich eher etwas für erfahrene Kakteensammler – die winken aber mit Grausen ab – die meisten Sammler rümpfen bei den Pflanzen eher die Nase – obwohl die Pflanzen das eigentlich gar nicht verdient haben. 
Eigentlich ist das eher ein typisches Beispiel, wie Massenproduktion die Wertschätzung für eine früher extrem teure Pflanze zugrunde richten kann. Aber das ist eine andere Geschichte. 
Zurück zur Frage: es braucht ein bisschen Erfahrung mit den Pflanzen, um sie überhaupt erstmal zu Blüte zu bringen – das schafft nicht jeder. Insofern: Chapeau und Glückwunsch Sandy – soweit ist es doch schon ganz gut gelaufen. 
Alles Weitere ist jetzt eine Frage von Fingerspitzengefühl: wir gönnen unseren Pflanzen im Winter (Oktober bis Dezember) eine leichte Ruhephase. Dann stehen sie kühl bei 16-18 °C und werden aber nicht ganz so trocken gehalten, wie die meisten anderen Kakteen. Das ist ein schmaler Grat, aber so gibt es einerseits Ruhe für die Blüteninduktion, aber auch die eher wärmeliebende Unterlage kommt nicht zu Schaden. 
Alles Okay Sandy? Schick mir bitte ein Bild, wenn es im nächsten Jahr wieder Knospen gibt – ich drücke schonmal die Daumen!
 
Aber – ich werde den Spieß auch herumdrehen und Fragen fragen, die mich beschäftigen. 
Kaktusgärtner Fragen sozusagen.
 
Das Coole am Podcast ist, vielleicht sind wir alle in 100 Episoden viel klüger und dann werde ich kichern über meine heutigen Fragen. 
Hier kommt meine Frage für heute:
 
Peperomia rotundifolia und prostrata – kennt Ihr die Unterscheidung zwischen diesen beiden Arten?
Special thanks to Simon Benson from Belgium who brought us to this topic.
 
Kennt Ihr Euch aus in Sachen Peperomia?
Wir haben uns bislang ganz schnöde an Egli und sein Sukkulentenlexikon gehalten. Und jetzt festgestellt, dass es nötig ist, auch da ganz präzise hinzuschauen.
 
Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen. – schreibt mir mal: in der Facebook-Gruppe – oder einfach per Mail an studio@cactuspodcast.de 
… und was habt Ihr für bisher gegen Trauermücken unternommen, wenn sie in Eurer Sammlung aufgetaucht sind?

Trauermücken im Detail – „die im Gewächshaus tanzt“

  • Gelbtafel hilft beim Identifizieren – zur Bekämpfung nur bedingt geeignet
  • 3 mm groß, dunkel gefärbt mit langen Fühlern, zwei Flügel
  • das Imago ist ungefährlich – die Fliegen schädigen die Pflanzen nicht, sie leben nur noch eine Woche aber:
  • die erwachsenen Insekten sind zuständig für Paarung und Ei-Ablage
  • Larven: korrekt Maden 0,5-1 cm 
  • Körper hell durchscheinend, schwarzer Kopf
  • leben 3-4 Wochen
  • in etwa der Hälfte der Zeit fressen sie an den Wurzeln und können bei starkem Befall Löcher in die Pflanze fressen und sie im Extremfall regelrecht aushöhlen
    ich hab mal eine Pflanze gesehen, in der die Trauermückenlarven Party gefeiert haben
    hier wichtig zu verstehen: der Kaktus schon vorher geschädigt und die Larven sind in einen bereits laufenden Fäulnisprozess eingestiegen – das passiert zum Beispiel häufig bei älteren Pflanzen – leider ist das hin und wieder das Abschiedsritual von unseren Astrophytum Mutterpflanzen
  • Fehler: Übertöpfe oder Untersetzer mit Wasser – Vernässung – Fäulnis > Trauermücken
  • Kompost, Verrottung – das mögen Trauermücken sehr – deswegen hilft es, den Anteil an unverrotteten Bestandteilen im Rahmen zu halten – aber es würde sicher keiner auf die Idee kommen, eine angeknabberte Hühnerkeule in den Blumentopf zu stecken

Behandlung

  • Nematoden (Steinernema) – wirkt schnell – einfach gießen (aber keine Dauerwirkung)
  • Raubmilben – fressen auch alles mögliche andere, auch Tripse 120-250 je m² – langsamer
  • Bacillus thuringensis – gießen
  • Gelbtafeln – an der Pflanze aufhängen oder in den Boden stecken – funktioniert nur bedingt als Bekämpfung
  • Kulturführung – Pflanzenstärkungsmittel
  • Eiablage verhindern – (die Weibchen legen die Eier in die Erdoberfläche ) – das kann man einfach mit einer Schicht aus 2-5 mm Quarzsand verhindern
  • Erde sterilisieren / dämpfen – dazu hab ich in Episode 012 im Interview von Lothar Bodingbauer einiges erzählt – https://cactusblog.de/cactuspodcast-012-kakteenerde-interview-lothar-bodingbauer-mit-ulrich-haage/
  • witzige Ideen gegen Trauermücken:
    • Fleischfressende Pflanzen – Drosera
    • eine Feinstrumpfhose über die Pflanze ziehen, damit die Trauermücken nicht an die Pflanze kommen
  • und nochmal: ist teure Erde eine Antwort gegen Trauermücken?
    • teure Erden haben oft ein besseres Wasser-Management und eine gute Luftführung, das hilft gegen Trauermücken
    • aber – wenn die Erde zu feucht ist, weil die Pflanze in einem wunderschönen Übertopf steht – dann feiern die Trauermücken ein Fest
 

 
Zusammenfassung – die wichtigsten Punkte
 
1. Trauermücken – die Larven können bei Massenbefall auch für Kakteen gefährlich werden, wenn sie im Wurzelbereich minieren
2. billige und vor allem nasse Erde bieten ideale Lebensbedingungen für Trauermücken
3. die zwei besten Methoden gegen Trauermücken: Erdoberfläche mit 2-5 mm Quarzsand abstreuen, Nematoden (Steinernema) gießen – schnell und wirksam
 
 
Fazit:
Trauermücken können tatsächlich gefährlich werden, besonders wenn es eine extreme Invasion gibt und die Larven in großer Zahl in der Erde unterwegs sind.
Aber: es gibt dafür einfache Möglichkeiten, einem Befall etwas entgegenzusetzen.

Jetzt: wie ist das bei Euch?

  • hattet Ihr schon mal Trauermücken in Eurer Sammlung?
  • gab es massive Schäden an den Pflanzen?
  • was habt Ihr gegen die Trauermücken unternommen – und war das erfolgreich?
 
Schreibt mir: Facebook CactusPodcast Community  oder Mail ins Studio – studio@cactuspodcast.de
 

Was kommt als nächstes?

Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 017 – worüber … 
das nächste Thema kündige ich wie immer in der Facebook CactusPodcast Community an. 
 
Habt Ihr Fragen?
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episode vornehmen?
 
Mehr vom CactusPodcast? Geht ganz einfach:
Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes nein Apple Podcast abonnieren. 
Bleibt weiter gesund da draußen! 

Shownotes:

Was tun bei Trauermücken bei Kakteen?

Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
 

weitere Episoden zum Thema Schädlinge an Kakteen

 
 
CactusPodcast jetzt bei Apple Podcast abonnieren. Link: https://podcasts.apple.com/de/podcast/cactuspodcast/id1499357242 
Hier geht’s zur Diskussion und mehr Informationen rund um den CactusPodcast – jetzt gleich in der Facebook-Gruppe anmelden: Link: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
 

CactusPodcast 020 Kaktus zu groß vor dem Winter – was nun?

Mein Kaktus ist zu groß und passt nicht mehr ins Haus, was nun? - CactusPodcast - 016 Wenn der Kaktus vor dem Winter nicht mehr durch die Tür kommt Es wird langsam Winter - höchste Zeit, meine Kakteen einzuräumen, aber was mache ich, wenn mein Kaktus dafür zu groß...

mehr lesen

CactusPodcast 019 Erntedank und der 3. Oktober

Erntedank und der 3. Oktober - CactusPodcast - 018 Erntedank - eine persönliche Kaktusgärtnergeschichte von Ulrich Haage Heute ist Erntedankfest. Gestern war 3.10. - der Tag der neuen Republik an dem wir die Wiedervereinigung feiern. Mir steht als Gärtner der Tag...

mehr lesen

CactusPodcast 017 Pflanzengeschichten – Der Erdbeerkaktus

Erdbeerkaktus und Co - CactusPodcast - 017 Ein ungewöhnlich gefärbter Kaktus und seine ebenso überraschende wie ungewöhnliche Geschichte Heute geht es um Obst.  Und einen Kaktus, der eine strahlende Vergangenheit hat und heute - eigentlich zu Unrecht kaum noch ernst...

mehr lesen

Archive

Thüringen bloggt – wir sind dabei!

Thüringen bloggt - Logo