CactusPodcast – 029 Kakteengeschichten – Der Kleine Kaktus – Philips Geschichte

Der kleine Kaktus – Philips Kaktusgeschichte – Episode 028

Philips Geschichte vom kleinen Kaktus der umziehen musste

Ich habe mich ja in der letzten Episode schon über die Aufmerksamkeit aus meiner Familie gefreut. Heute legen wir gleich noch eine Kohle drauf. Heute sitzt Philip mit mir im Studio und guckt mir über die Schulter.
 
Die Kakteen beeinflussen unser Leben hier auf der Cactusfarm, das Leben mit den Kakteen sind für uns Alltag. Das geht auch den Cactusfarmkindern nicht anders. Deswegen ist es nicht so ungewöhnlich, dass Philip vor einem Jahr am Nachmittag vom Tisch aufstand und uns ein Blatt mit seiner Kaktusgeschichte rüberschob. Diese, seine Geschichte gibt es in der heutigen Episode. 
Und es gibt eine Menge Feedback zur letzten Episode Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona. 
Und eine Frage zum Düngen von Kakteen.
Wir klären, was Shownotes sind und werfen einen Blick in die nächsten Tage, was alles hier und anderswo geplant ist.
 
 

Wo ist die BUGA?

Eigentlich hatte ich ja für diese Episode das Thema BUGA angekündigt – und das Thema brennt mir echt unter den Nägeln! 
Allerdings ist mir bei der Vorbereitung klar geworden: DAS passt niemals nicht in eine Episode – und ich habe noch eine ganze Menge Menschen auf der Liste, mit denen ich mich über die BUGA unterhalten will, das braucht noch ein bisschen und startet erst in Episode 30. Ich gehe aktuell davon aus, das werden mindestens zwei, wenn nicht drei Teile.
 
Wir werden sehen …
 
Weil die Vorbereitung immer ganz schön Zeit in Anspruch nimmt und ich nicht wieder so eine lange Pause einreißen lassen will haben wir vorgestern schon die kleine Kaktusgeschichte mit Philip aufgenommen: 

CP029 Kakteengeschichten - Der Kleine Kaktus - Philips Geschichte

von Ulrich Haage und Philip Schröder | CactusPodcast - Kakteengeschichten

Kakteen und wie sie Kinder bewegen 

… da wächst ein kleiner Literat … 
Wir haben nochmal im Gehirnskasten gekramt: Philip hat den Text vor gut einem Jahr geschrieben, zu der Zeit hat uns in der Gärtnerei und natürlich nach Feierabend auch in der Familie der Umzug der Kakteen in das neue Danakil Gewächshaus beschäftigt – und das bekommen auch die Kinder zum Beispiel beim Abendessen mit – und sie machen sich ihre eigenen Gedanken dazu …
CP029 Kakteengeschichten - Der Kleine Kaktus - Philips Geschichte

Housekeeping

zur vorhergehenden Episode 

Ich merke im Nachgang, wenn mich etwas sehr bewegt, dann tuts das häufig auch noch nachdem die Episode schon fertig im Kasten ist.
Als Erstes bin ich über ein Projekt gestolpert, dass mir auf wundersame Weise bekannt vorkam: 
Facebook – der Algorithmus hat mir Saskia vorgeschlagen. Und wenn da Gärtnerinnen und Gärtner auftauchen, dann freue ich mich immer.
Saskia hat bei einem Projekt mitgemacht: gardens in the times of Corona –  
Die Idee stammt von Anke Schmitz – und sie hatte mir davon im vergangenen Jahr schonmal erzählt. Aber: mein Kopf ist im Moment eher als windig zu bezeichnen – ich hatte das längst vergessen. Selbst als die letzte Episode längst im Kasten war. Erst als ich die Seite überflogen hatte, dämmerte in mir etwas. Und dann hab ich gelesen. Und ich habe meine Tagebuchgedanken, von der ich in der letzten Episode erzählt habe, dort wiedergefunden… Ich finde das spannend, dass es die Menschen wieder so sehr in den Garten oder in die Welt der Pflanzen zieht, aber zugleich wie unterschiedlich die Wege dorthin sind. 
 
Stimme zu Episode 28
Lothar Bodingbauer, Wien
ich höre gerade deine Episode 28 sehr gerne, wegen deiner persönlichen Eindrücke. Es erinnert mich an das Leben auf der Bioteefarm in China, wo alle so gearbeitet haben, wie du es bei Euch beschreibst, nämlich immer. Und dort ist es vielleicht ein anderes Verständnis von Arbeit und Leben. Es wird nicht so getrennt. Vielleicht ist das auch bei Euch so? Alles Liebe aus Wien schicke ich dir, und ich höre immer gerne zu! Und doch auch den Wunsch, dass es immer wieder auch Erholung gibt!
 
Andreas, Schwerin
Vielen Dank für diesen doch sehr persönlichen Beitrag! Auch wenn ich mir primär etwas mehr über Kakteen gewünscht hatte, bin ich bis zum Schluß bei Dir geblieben. Denn diese privaten Geschichten und Ansichten geben doch erst ein stimmiges Gesamtbild einer Firma, aber auch eines Menschen, der dahinter steht.
Ich hoffe und wünsche, dass Du, Deine Familie und Mitarbeiter auch weiterhin gut durch diese schwere Zeiten kommen und uns als Kunden mit so tollen Pflanzen beliefern könnt.
Die Droge tat dem Podcast gut! 😉
Das geht schon runter wie Öl!

  • Droge – ich taste mich da mal langsam weiter ran
  • zu wenig Kaktus – hab ich mir danach auch gedacht … diesmal ist der Kaktus ja wieder zentrales Thema, ich hoffe, es passt wieder
  • immer arbeiten vs Erholung – ich glaube, es geht ums einfach machen. Und ja – auch bei der Erholung. Auch wenn ich da ein schönes, vielleicht zu rosarotes Bild gezeichnet habe: das ist nicht immer so. Vor allem, wenn ich erst nachts um vier ins Bett gehe, dann ist es besser, ich suche mir für den Vormittag eine Arbeit ohne andere Menschen – dann kann ich mich nämlich selbst nicht mehr leiden – weil dann bin ich garstig grillig. Und dem ausgesetzt zu sein, das hat keiner verdient! Aber zum Glück ist das nicht so oft der Fall.
 
Ich habe mich sehr über das reichliche Feedback gefreut – gern mehr davon!

Frag den Kaktusgärtner

ich nehme den Drive und beantworte auch gleich eine Frage aus meiner großen „Frag den Kaktusgärtner – Kiste“
Diesmal:
Wann ist die beste Zeit um meinen Kaktus zu düngen?
Das ist eine einfache Frage – und ich versuche die Antwort darauf einfach zu halten:
Kakteen werden in der Wachstumszeit gedüngt. Für die meisten Kakteen heißt das ganz konkret:
ab März Vorbereitung, Schluß ist spätestens im Oktober. Soweit die einfache Antwort.
Noch ein paar mehr Details dazu: 
Der Monat alleine reicht nicht. Denn es geht um Wachstumszeit – das bedeutet: die Pflanze muß auch im Wachstum sein. Anzeichen von Wachstum sind zum Beispiel ein frischer grüner Austrieb, viele Kugelkakteen pumpen sich regelrecht mit Wasser voll, füllen sozusagen die Tanks. Bei vielen Opuntien kann man auch winzige, rudimentären Blätter am Neutrieb entdecken. 
Vor der ersten Düngung brauchen die Pflanzen aber erstmal Wasser. Und damit die Pflanzen Wasser und auch die Nährstoffe aus dem Dünger aufnehmen können müssen die Wurzeln frisch gebildet werden. Die fallen im Winter nämlich ab. Das ist normal und die feinen Haarwurzeln sind auch innerhalb weniger Tage gewachsen. 
Aber: ohne Haarwurzeln fault die Pflanze!
Deswegen sprühen wir nach dem Winter unsere Gewächshäuser als Erstes mit Regenwasser. Ein paar Tage später wird zum ersten Mal gegossen und frühestens eine Woche später gibt es den ersten Flüssigdünger ins Wasser. 
Noch eine wichtige Regel: wir gießen und düngen möglichst früh am Morgen. Die Pflanzen sollten spätestens am Abend wieder abgetrocknet sein. 
Im Sommer, wenn es richtig heiß ist, ist gießen und düngen keine gute Idee.

Grüne Podcasts

Brauchst du noch mehr Ideen, andere Meinungen? Ich hole mir viel Inspiration auch bei anderen Podcastern. Leider gibt es im grünen Bereich nicht so viele – aber so langsam wird es auch dort mehr.
Mein persönlicher Favorit ist Jane Perrone, sie ist Host bei On the Ledge (aus UK) und ich finde sie hat einfach eine unglaubliche Ausstrahlung. Und sie ist mit dem Kakteenvirus befallen und lebt das auch auch richtig aus. On the ledge
Der zweite Podcast, den ich sehr schätze ist emotional fast das Gegenteil. Der Podcast kommt aus Deutschland und es geht um Pflanzenschutz. Thomas Lohrer lehrt an der FH in Freising und hat den Pflanzenschutzpodcast schon im Juli 2008 begonnen, zählt also definitiv zu den sehr erfahrenen Podcastern – allerdings war er 2011 mit 140 Episoden dann mit dem Thema auch durch und hat aufgehört. Podcast: Pflanzenschutz im Gartenbau
 
Wie schaut es bei dir aus – welche grünen Podcasts – also Garten- oder Pflanzenrelevant hört du? Gibt es noch mehr grüne Podcasts – und was ist dein Liebling?
Ich kenne leider keine Podcasts in Sachen Kaktus in deutscher Sprache. Ich sammle aber schon seit einiger Zeit und hoffe bald eine Seite mit interessanten anderen Podcasts zusammenstellen zu können.
Apropos: der Cactusblog erfährt in dieser Woche ein Relaunch – wenn alles klappt wie geplant. Und damit soll es auch ein paar schicke neue Features geben – davon erzähle ich mehr, wenn die Umstellung geschafft ist. 
 

Noch ein bisschen Technik

Was sind eigentlich diese Shownotes?
Wenn ich die erzähle, dann erwähne ich oft auch Webseiten, erzähle manchmal von anderen Podcasts oder von Bildern – oder habe einen Interviewpartner, den man vielleicht vom Namen kennt, aber vielleicht kein Bild vor Augen hat. Ein gutes Beispiel ist Georg Schwarz, den vermutlich fast jeder aus der Kakteenwelt kennt – aber es gibt im ganzen großen Internet kein einziges Foto von ihm – ich habe extra nachgeschaut. Jetzt gibt es nicht nur eins, er hat mir gleich mehrere geschickt – und das gibt es in den Shownotes und in Kürze auch auf der neue Gäste-Seite zu sehen. Normalerweise ist das eine kurze Liste der Links oder Bilder die der Podcaster in der Episode 

Was kommt als nächstes?

Jetzt hole ich noch meine Glaskugel raus, um ein bisschen in die Zukunft zu schauen:
 

Veranstaltungen

  • den ganzen Sommer ist bei uns in Erfurt noch Bundesgartenschau – und da gibt es ständig etwas zu erleben. Wer mag – ich bin am kommenden Mittwoch auf dem Erfurter Petersberg zum Produkttag Kakteen – ein ganzer Tag von 10 bis 16 Uhr dreht sich im Festungsgraben nur um Kakteen
    BUGA Erfurt 2021
  • Sommerfest querbeet – gleich zwei Kakteen-Termine nacheinander in Erfurt – das Sommerfest bestreiten wir gemeinsam mit unseren Nachbarn, der Kräutergärtnerei Valeriana die auch die Idee zu dieser tollen Veranstaltung hatten – einmal Gärtnerparty – oder besser Marktplatz quer über die Blumenstraße. Und in diesem Jahr sind nicht nur zwei Gärtnereien, sondern inzwischen sind wir bei der dreifachen Zahl angekommen. Mehr Info findest zu auf Facebook ich verlinke die Termine auch noch mal in der CactusPodcast Community. Und es wird Cactusbratwurst geben. 
  • und eine Woche später findet die traditionelle Kakteenbörse im Rahmen der Erfurter Raritätenbörse statt. In diesem Jahr ist der Termin richtig spannend: wegen der Bundesgartenschau ist das Veranstaltungsgelände auf die große Wiese vor dem Landesfunkhaus des MDR umgezogen. Das heißt auch: Fernsehen zum anfassen. Und um noch eins drauf zu setzen: am anderen Ende der Wiese ist die Johannes-Thal-Klinik. Wer also Fan der Serie „Die jungen Ärzte“ ist – in der letzten Woche kam mir ein junger Arzt und eine Schwester joggen in der Drehpause entgegen.  
 
die nächsten Episoden drängeln schon richtig:
da lauert die schon nicht mehr existente Gattung Chamaecereus – also eigentlich Hybriden … und ich stelle eine Serie neuer Sorten vor
und dann kommt als Nächstes mindestens zwei BUGA-Episoden  
… die Reihenfolge bestimmt der Arzt 🙂  

bist du beim nächsten Mal mit dabei?

eine kleine Kaktusgeschichte – Ich hoffe, du hattest Spaß im CactusPodcast.
 
Ich hatte jedenfalls welchen und nach dem Zuspruch wegen der Drogen habe ich diesmal keinen Rotwein, sondern eine Flasche mit Chilisauce im Studio – soll ja auch anregen. Für die nächste Episode habe ich schon eine neue Empfehlung bekomme. Du darfst gespannt sein.
 
Und falls ich mal zwischedurch veral lalle, oder ein „n“ oder ein „b“ oder ein anderer Buchstae fehlen sollte, dann liegt es an erschwerten Bedingungen: meine Tastatur streikt und verschluckt Zeitweise die Buchstaen. 

Shownotes:

darüber habe ich erzählt:

Sommerfest Querbeet …
Kakteenbörse auf der Raritätenbörse   …  Links werden noch ergänzt
 
… und wie immer freu ich mich auf dein Feedback.
 
 
Was kommt als Nächstes?
 
Der CactusPodcast kehrt zurück – diesmal wirklich mit dem Thema Bundesgartenschau in Erfurt. Ich lege dir aber ans Herz: komm einfach nach Erfurt und schau dir die BUGA an – sobald es geht. Den Mund kann ich dir auch später noch wässrig machen.
Deswegen: schau in der CactusPodcast Community auf Facebook vorbei.
  • Seit wenigen Wochen läuft die Bundesgartenschau in Erfurt – und es ist alles andere, als normal. Es gibt eine ganze Menge zu erzählen – was so hinter den Kulissen passiert und was wir so alles erlebt haben. Bei der Gelegenheit werde ich dir das Buch zur BUGA von Herrn Stade vorstellen. Und BUGA – da hab ich schon viele Ideen!
Stay tuned! 
Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt – morgen soll es heiß werden!
Bleib gesund.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
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Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

 

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Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 

 

Interviews im CactusPodcast:

 
 
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CactusPodcast – 028 Kakteengeschichten – Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona

Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona – Episode 028

Wie sieht der Alltag aus beim Kaktusgärtner wenn draußen Corona um sich greift

Ich habe mir schon unzählige Male Gedanken gemacht – wie beginne ich diese Episode – und: ich hab ja schon erzählt – ich hab ordentlich Respekt davor – und auch jetzt bin ich immer noch verdammt neugierig, wie diese Aufnahme wird.
Auch wenn ich schon seit letztem Jahr an der Vorarbeit sitze – danach gefragt hat einmal mehr Frederik Wietbrok aus Hamburg in der CactusPodcast Community auf Facebook.
Was läuft gerade anders, wie sehe ich, wie sehen wir die Welt – sofern wir überhaupt noch was sehen – und ich erzähle davon ausgerechnet in der Phase, in der wir alle heimlich hoffen, dass diese ganze Spuk endlich vorbei ist – es geht heute um das Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona.
 
 

CP028 - Kakteengeschichten - Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten

Bevor es los geht

Bevor es richtig los geht noch ein paar Worte zu den letzten drei Episoden:
Sorry für die Tonqualität bei 25 und 26 – was bei 25 noch halbwegs ging – in Episode 26 ist die Aufnahme ziemlich für die Tonne – und da hat mein Schwager noch einiges an Rettungsarbeit geleistet.
 
Die letzte Episode 27 ist am Tag der offenen Tür gewissermaßen unter Drogeneinfluss entstanden.
Du kennst das bestimmt auch: wenn du einen ganzen Tag Vollgas gibst, dann merkt dein Kopf: Tank ist leer – aber der Motor läuft immer noch. Und genauso ging es mir auch. Und selbst einen Tag später war es noch ein bisschen so. Und dann kam der Montag – nein, der Sonntag Abend – die Vorbereitungen für die neue Arbeitswoche. Tun was dran ist.
 
Das ganze ist über acht Wochen her – so eine lange „Pause“ hatte ich noch nie. Umso mehr freue ich mich, dass DU heute wieder dabei bist.
Und – ich habe heute noch einen anderen Grund zur Freude: seit heute weiß ich vom ersten Familienmitglied unter den CactusPodcast-Zuhörern. Es ist natürlich möglich, dass es noch mehr gibt. Wenn ich jetzt hier in mein Mikro spreche – dann weiß ich nie, aus welchem Kopfhörer oder Lautsprecher am Ende meine Stimme tönt – aber darüber freue ich mich heute besonders. Leider sieht man nicht, wie sehr ich strahle – auch wenn es zum Teil an meinem Sonnenbrand von gestern hängt.
CactusPodcast 027 - Tag der offenen Tür

Tagebuch

Wenn du auf eine längere Geschichte zurück schaust, dann bekommst du früher oder später auch einen anderen Blick auf das hier heute. Du versuchst dir wichtige Momente zu merken. Und schärfst den Blick für die Dinge, die vielleicht in 50 oder 100 Jahren noch erinnerungswürdig sein könnten.
Warum? Ich arbeite nachts gerade an einem Buch über die Haage-Gärtner – und dafür lese ich alte Briefe und Akten, sichte Fotos und lerne unheimlich viel über die Geschichte unserer Familie, der Gärtner, über Facetten des Lebens und was es mit uns macht – und natürlich über Kakteen.
Ich lese Tagebücher. Zum Beispiel von meinem Großvater. Im zweiten Weltkrieg hat er notiert wie die Glühbirnen wanderten. Und immer weniger wurden. Schuppen geht in Werkstatt, die aus dem Flur in den Arbeitsraum, im Gewächshaus sind alle Birnen über Nacht gestohlen worden.
 
Ich werde heute notieren wie mein Vertrauen in die Prognosen meiner Mitmenschen schwindet. Im letzten Jahr hab ich aufgeschrieben, wenn kluge Köpfe aus meinem Umfeld erklärt haben, wie das mit Corona so weitergeht. Einfach um so etwas wie Orientierung im Nebel zu haben. Denn: für mich war dass völlig unklar, was die Folgen von diesem Virus sein werden.
Heute sind die meisten Ideen weggewaschen von der Realität – wie eine Kleckerburg von den Wellen. Ich habe das „auf Sicht fahren“ schätzen gelernt. Man kann zwar keine großen Sprünge machen, aber auch keinen allzu großen Blödsinn verzapfen.
Deswegen ist diese Episode auch ein Stück mein Corona-Tagebuch – und dort schreibt man eben auch viele ganz persönliche Betrachtungen auf. Und das hat eben auch ganz schön mit Hose runterlassen zu tun. 
Also frisch ans Werk!

Ausnahmezustand?

Erzähle ich dir irgendwas neues, wenn ich sage, das im Moment bei uns in der Gärtnerei vieles anders läuft, als sonst? Nö, oder? 
Irgendwie ist es doch gerade überall so. Und an vielen Stellen ist „anders“ noch gelinde gesagt eine Untertreibung. 
Und: ich habe es klar auf dem Schirm, dass es auch Bereiche in unserem Leben gibt, in dem alles normal und in geordneten Bahnen läuft. Ich denke dabei auch ausdrücklich an Ärzte, die mir das erzählen – aber das wird nicht mein Thema sein.
Ich will mich auch nicht über die Frage nach der Existenz von Corona auslassen – obwohl ich es auch da sehr spannend finde, was sich da bei mir im Laufe des letzten Monate verändert hat – und eigentlich gehört auch genau das hier rein – mal schauen, wieviel Luft bleibt.
 

Leben in Extremen

Es ist ein Spagat, unser aller Leben gerade. 
Da sind die Menschen in meinem Umfeld, die haben mit dem Beginn des ersten Lockdown ihre Existenz zugesperrt. Eine Freundin hatte sich ganz frisch als Traurednerin selbständig gemacht. Und sämtliche Hochzeiten wurden im März letzten Jahres storniert, oder in das Jahr 2021 verschoben.
Oder unsere Partner in Crime beim Kakteenessen. Noch während wir im zeitigen Frühjahr 2020 in der Küche standen, gekocht und am neuen Menü gefeilt haben, waren Köche dabei, die Kühlhäuser auf Dauerbetrieb umzustellen, die Küche auf Stand-by zu bringen und als wir fertig waren wurde alles versiegelt und die komplette Mannschaft ging bis auf weiteres nach Hause. Zukunft ungewiss. Das war richtig gruselig. Als ich nach Hause fuhr habe ich überlegt, wie das gehen sollte, wenn unsere Gärtnerei dicht gemacht würde. Ein Konzept dafür habe ich bis heute nicht in der Schublade.
Bräuchte ich gottlob auch nicht. Das Leben fragt im Ernstfall eh nie nach deinem Konzept, oder?
 
Wenn Ich auf meine Arbeit schaue, dann sieht es genau umgekehrt aus. 
Einerseits bin ich seit mehr als anderthalb Jahren auf Anschlag im Job.
work – sleep – repeat.
Um ehrlich zu sein: nicht mal meine work-sleep balance stimmt. Ich hab mir vor einem Jahr extra so eine Uhr gekauft, die auf meinen Schlaf aufpassen kann – in der irrigen Annahme, die Uhr würde das Problem lösen. Aber sie macht nicht mehr, als das Problem sichtbar.
Und da ist sie großzügig. Wenn meine Frau ab 22-23 Uhr den Rechner ausmacht, nach Hause geht und ich alleine bin, werde ich offenbar so ruhig, dass die Uhr glaubt, ich würde schlafen.
Immerhin gut für die Schlafbilanz – wenigstens theoretisch…
Und die andere Seite: Ich kann ackern soviel wie ich will – am Ende des Tages bleibt das Gefühl: der Berg dessen was zu tun ist ist mehr geworden, statt weniger. 

Dankbarkeit statt klagen

Das mag vielleicht klingen, als würde ich mich beklagen – so ist es aber ganz sicher nicht!
Ich bin so dankbar, dass meine Familie und meine Mannschaft bis heute gesund an Leib und Seele durch die Zeit gekommen sind und das wir arbeiten konnten. 
Und das so viele neue Menschen ihre Liebe zu den Kakteen entdeckt, oder wiederentdeckt haben und wir mehr zu tun hatten, als wir schaffen könnten – aber dazu später.
 
Gesund an Leib und Seele
Wir waren und sind ziemlich lange eingesperrt, wir hocken alle auf einem Fleck. Ich hab extra mal mein Bewegungsprofil angeschaut: ich habe in diesem Jahr Erfurt und die Cactusfarm ganze dreimal verlassen. Ich habe Pflanzen vom Flughafen in Frankfurt abgeholt, war beim Zahnarzt und haben einen guten Freund beerdigt.
Das Leben läuft ruhiger, ich merke das.
Mein Auto freut sich, in den letzten zwei Jahren ist die Kilometerleistung um 90 % gesunken. 
Was auch gesunken ist, das ist meine Sehleistung. Früher konnte ich die Autobahnwegweiser gefühlt aus zwei Kilometer Entfernung lesen, inzwischen knipse ich das Licht an, wenn ich einen Auftrag lese – und manchmal reicht auch das nicht. Ich habe mir vorgenommen, ein wenig Zeit zu haben, um meine Augen zu entspannen und zu trainieren.
Und ich möchte gern Zeit mit meiner Frau, meinen Kindern, meiner Familie verbringen. Ich weiß, ich muß nur eine Entscheidung treffen.
Mein Vater saniert gerade eins unserer Gewächshäuser. Er hat es vor knapp 50 Jahren gebaut und turnt jetzt wieder auf dem Dach umher.
Mein Vater ist diese Woche 79 geworden.
Meine Eltern, meine Schwestern, die sind im Grunde immer da gewesen. Selbstverständlich, oder? Nein. Irgendwann werden sie sterben, so wie wir alle, so wie ich auch. Eigentlich spielt die Ursache dafür keine Rolle. Denn im Grunde kommt der Tod doch immer ungelegen. Und im Grunde hatten wir nie genügend Zeit, mit dem Menschen der gerade gestorben ist. Und das ist genau die Entscheidung vor der ich heute – und jeden anderen Tag stehe. Arbeite ich, oder verbringe ich mal Zeit mit der Familie.
Ich habe das große Glück, dass ich auf Rückhalt in meiner Familie bauen kann – ich stehe nicht alleine, sondern finde Unterstützung – und das ist ziemlich genial!
Dieser Rückhalt, das füreinander einstehen, das hilft eigentlich so ziemlich in jeder Situation – und es ist nicht auf die Familie begrenzt – immer wieder finde ich genau diese Haltung auch in meinem Team.
Und wir brauchen das auch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das anders funktionieren sollte. Denn es ist nicht so, dass immer alles easy und gelassen läuft. Manchmal liegen die Nerven blank – bei mir oder bei anderen, und dann bin ich froh, wenn da jemand ist, der mich wieder von meiner Palme holt.
 
Begeisterung brummt
Warum das so kommt? Es brummt – anders kann ich es nicht beschreiben. Wir laufen seit zwei Jahren im Galopp – und kommen doch nicht hinterher. Corona hat da eher noch ein paar Kohlen aufgelegt. Wir haben neue Mitarbeiter die uns unterstützen – und dennoch „leben wir von der Hand in den Mund“ wie es mein Kollege Heiko Beck auf den Punkt bringt. Und er muß es wissen – er hat den gesamten Zubehörsektor und das Verpackungsmaterial unter seiner Hand. Er muß sich echt drehen. Ich manchmal auch, wenn er nicht da ist. Zum Beispiel, als im März die letzte Palette mit unseren Erdbox-Kartons alle war und es im Umkreis von 350 Kilometern partout nichts ähnliches zu kaufen gab. Da bin ich losgefahren und habe irgendwelche Kartons ersteigert, damit wir die Erde nicht im BigBag verschicken müssen.
Wir haben seit einem Jahr die meisten GoogleAds abgeschaltet, um die zusätzlichen Aufträge die über die Anzeigen kamen zu reduzieren. Und wir verhalten uns auch sonst recht still. Unternehmerisch ist das zwar eher blöd. Im Sinne unserer Kunden und der langfristigen Zufriedenheit ist es die richtige Entscheidung. Den ganz ehrlich – wer hat schon Freude, einen Monat auf seine Bestellung zu warten? Ich jedenfalls nicht. Du vielleicht?
Deswegen legen wir uns ins Zeug, um alle Bestellungen so schnell wie möglich auf die Postkutsche zu bekommen. Unseren Postkutscher bringen wir auch regelmäßig zur Verzweiflung. An manchen Tagen stehen bei uns mehr Container auf der Rampe, als auf seinen Laster passen und dann wird er hektisch. Und wir schauen, wir wir ihm helfen können. Das scheint aber auch nicht der Standard zu sein – so hat er wenigstens reagiert. Ich weiß, wenn er seinen Job nicht schafft, dann bleiben unsere Pakete stecken – und blöd ist es außerdem für ihn. Und das tut ja nicht not.
Wenn es eng wird, dann tendieren wir Menschen häufig dazu, nur noch auf unseren Nabel zu schauen. Davon wird die Welt aber hässlich und kalt. Deswegen versuchen wir nach links und rechts zu schauen. Nur ein bisschen, dort mal einspringen wo eine Hand gebraucht wird. Ohne großes Tam Tam. Das tut anderen genauso gut wie mir.
Und uns geht es ja schon gut.
Unsere Kunden rennen uns die Bude ein – das geht aber vielen Gärtnern so. Klar gibt es Engpässe aller Art – Erden, Pflanzenschutzmittel, Baumaterial, Transportvolumen, Verpackungsmaterial, Wartungskapazitäten – egal wo du hinschaust – es ist eng.
Auch unsere Pflanzenbestände sind an manchen Stellen dünn und zwar schon länger. Aber wir haben Glück, wir haben immer noch ein paar Sahnestückchen die wir aus den Gewächshäusern zaubern können. Aber es gibt natürlich auch Bereiche in denen wir echt abgebrannt sind.
Unsere Corona-Renner:
  • Hoya
  • Blattkakteen (hier erleben auch die Arten gerade einen massiven Aufschwung)
  • Aeonium
  • Echevieria
  • winterharte Kakteen
  • Kakteenerde
Kakteenerde war ja im vergangenen Jahr schon mal ein heißes Eisen. Da waren unsere Vorräte alle und unser Lieferant hat uns von Woche zu Woche vertröstet. In diesem Jahr haben wir vorgesorgt – und wir haben trotzdem zu spüren bekommen, was auf dem Markt gerade so abgeht. Deswegen haben wir uns noch weiter eingedeckt – und haben im Moment nur einen halben Parkplatz.
Aber was für ein Luxus – die Möglichkeit Zuschlagstoffe oder Töpfe oder Verpackungsmaterial als mehrjährigen Vorrat kaufen zu können – das ist für mich sowas von beruhigend!
 

Auftragsstau und nur noch große Säcke!

Aber die Schattenseite: fast alle unserer Substrat-Lieferanten haben uns jetzt erklärt: „bis auf weiteres gibt es keine 5 Liter Säcke mehr. Der Aufwand ist zu groß, es gibt einen Auftragsstau und die Nachfrage kann ohnehin schon nicht gedeckt werden“.
Ergo machen wir uns jetzt Gedanken, wie wir die Erde selbst in 5 Liter Säcke abfüllen können. Oder hast du noch Platz für zwei, drei Kubikmeter Kakteenerde in der Garage?
 
Auftragsstau? Haben wir auch. Bis vor kurzem hat es sogar mehr als einem Monat gedauert, bis die Pflanzen im Paket auf die Reise gegangen sind. Das entspannt sich jetzt langsam wieder – und gottlob waren 98 % unserer Kunden sehr geduldig – und versuchen bei denen wo es brennt möglich zu machen was drin ist.
All dass bekommen wir gewuppt, weil wir als Team klaglos laufen. Alle.
Und es war auch einer der Gründe weswegen die Gärtnerei geschlossen war, denn wenn in der Situation einer aus der Mannschaft umfällt – dann laufen wir Gefahr, dass alles zusammenbricht.
Das ist ein heftiger Grenzgang. Ich versuche voran zu gehen und meinen Leuten das Leben so leicht wie möglich zu machen, springe ein, wo ich helfen kann. Ich arbeite viel, meist endet mein Tag erst um 2 oder 3 Uhr. Aber so schaffen wir diese Herausforderung ohne große Ausfälle. Denn dass ist die Frage die mich umtreibt – wie kann ich mit meiner Mannschaft dafür sorgen, dass unsere Kunden trotz aller Warterei am Ende happy sind.
Es hilft nicht, wenn ich meiner Mannschaft Stress mache. Ich bin mittlerweile auch für das Gegenteil verantwortlich. Denn die Idee mittlerweile schon nachts um Drei die ersten Pakete zu packen – die ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Aber ich bin derjenige, der bis tief in die Nacht arbeitet. Lange hab ich geglaubt, das bekommt keiner mit. War aber ein Irrtum. Jetzt lerne ich: „zuviel des Guten ist am Ende einfach immer noch zu viel“. Und ich mache mir echt Sorgen, dass einer von uns mal umfällt.
Und bei aller Kakteenliebe – das ist nicht das Ziel.
 

Was machen wir?

Ist das zu viel Weihrauch aufs eigene Konto?
Für mein Team? Nein! Da kann ich ganz gut einschätzen, wie die – jeder an seinem Platz sich den Popo aufgerissen haben in den vergangenen Monaten.
Für mich? Vielleicht. Darüber können andere besser urteilen.
Ich erzähle eine kleine Nachtgeschichte: letzte Woche hab ich kurz vor 1:00 Uhr noch ein Bündel Aufträge im Versand gefunden. Also den Rechnungsrechner wieder angeschmissen und noch schnell die Rechnungen geschrieben. Dann macht mein Kollege der in zwei Stunden um kurz nach drei kommt schon die ersten zwei Postcontainer voll und die Ladezone ist morgens frei wenn alle kommen. Und auch für meine Frau startet der Tag mit weniger Stress. Und dann hab ich sie alle vor Augen gehabt. Jeden einzelnen, wie er an seinem Platz dafür Sorge trägt, damit unsere Arbeit gut abgeliefert wird. Und ich hatte so ein schönes warmes Gefühl in der Brust. Das beste was man haben kann zum zufriedenen einschlafen.
Den Zustand habe ich beileibe nicht immer. Ich komme eigentlich aus einer anderen Zone. Wie oft habe ich im Winter nachts nicht schlafen können, weil es mit dem Geld knapp wurde – Gas bezahlen und Löhne überweisen – haben wir immer geschafft – aber mehr als einmal ist mein sparsamer Vater in die Bresche gesprungen und hat finanziell ausgeholfen, wenn wichtige Dinge nicht mehr bezahlt werden konnten.
Klingt voll blöd – und das ist zum Glück auch schon länger nicht mehr der Fall – aber vergessen mag ich es deswegen nicht. Denn auch dass ist Rückhalt durch meine Familie – und ich bin dankbar dafür.
 
Und ich habe besonders dann, wenn mir das „es läuft gut“ bewusst wird auch die Menschen vor Augen, denen jetzt die Decke auf den Kopf fällt, die keine Aufträge haben, die ihren geliebten Job aufgeben mussten, den Laden zu machen, kein Geld verdienen können, keinen Sinn im Leben finden.
Dann bin ich froh alle Hände voll zu tun zu haben und gemeinsam mit meiner Mannschaft und meiner Familie etwas bewegen zu können. An manchen Stellen konnten wir Menschen unterstützen – auch wenn es vielleicht nur ein Topfen auf den heißen Stein gewesen sein mag.
Ich hoffe, ich habe hier nicht zu dick aufgetragen, wenn dem so sein sollte, dann liegt es bestimmt an meinen abgestumpften Sensoren.
Meine Frau sagt: einige meiner Hirnzellen sind einfach mal auf Notaus gegangen.
Manchmal wundere ich mich, dass ich überhaupt noch was halbwegs kreatives auf die Beine stelle.
Und das ist aktuell mehr denn je gefordert. Denn es ist echt viel los.
Erfurt ist im Fokus. Kakteen auch.
Deswegen passieren bei uns immer wieder spannende Sachen.
Die Presse hat uns ein bisschen entdeckt. Das letzte telefonische Interview habe ich im wahrsten Wortsinn zwischen Tür und Angel im Auto auf dem Weg zu unserem Holzhändler geführt.
Und dann sind wir ja auch noch BUGA. Ich gebe zu, ich versuche das Thema heute ein wenig zu umschiffen, geht aber nicht ganz. Als nächstes mache ich dort ein Führungstraining, damit ich auch Führungen auf der BUGA machen kann. Über meine Lieblingsorte in Erfurt / auf der BUGA durfte ich mich auch schon mehrfach ausbreiten. Zuletzt hatte ich eine Begegnung auf der BUGA, die muss ich noch ein bisschen sacken lassen. Mit unserem Bundespräsident. Das braucht noch ein bisschen bei mir. Und BUGA wird voraussichtlich Thema für die nächste Episode.
Jetzt erzähle ich noch von unserer Boho-Hochzeit. Ich gestehe – ich hatte ja nicht mal einen Schimmer, was das überhaupt ist.
Vor einigen Wochen war jedenfalls unser Gewächshaus belagert – die Anfrage im Vorfeld klang ganz easy. „Können wir bei euch ein Hochzeitsshooting im Gewächshaus machen?“ Klar – ist ja nicht das erste mal. Und dann am Sonntag wanderten riesige Korbsessel, Pfauenfedern, Tische und Stühle ins Gewächshaus. Und ein Brautpaar, also Models. Dazu Floristen, Fotografen, eine Hochzeitsrednerin, Kameramänner Sekt und eine echte Hochzeitstorte. Wobei – die musste erst noch im Kühlen warten. Im Gewächshaus wurde eine Hochzeit inszeniert. Toll, zu Herzen gehend – und es sind wunderbare Bilder entstanden. Was mich dabei aber bewegt hat: die Verbindungen, die dabei entstanden sind.
Da sind Leute zusammengekommen, die den Kopf nicht in den Sand stecken, die sich gemeinsam engagieren und sagen: wir sind nicht einfach gegen irgendwas, oder fühlen uns von der Regierung oder sonst wem vergessen. Sie packen an und versuchen neue Wege zu gehen.
Daraus spricht für mich die Zuversicht, dass unsere Welt besser wird, diese Krise  bringt uns vielleicht in Bedrängnis, aber sie hat auch das Zeug Neues und Besseres hervorzubringen als vorher da war.
Und ich will damit nicht sagen, dass jemand, der sowas gerade nicht macht, den Kopf in den Sand stecken würde! Dafür sind die Menschen und die Situationen in denen sich jeder befindet einfach viel zu verschieden.
Durch eine andere Trau-Rednerin habe ich viel Unterstützung erfahren – sie hat mir bei vielen Texten zur Seite gestanden – auch, weil ihr normaler Job im Moment eben „nicht stattfindet“ – dafür auch hier ein dickes DANKE liebe Franzi!
 

Wie gehe ich ganz persönlich mit Corona um?

Mein erster Kontakt war Ende Januar 2020. Die Presse berichtete von Toten in China die sich mit einem Virus angesteckt hatten. Und ich hatte eine Sendung aus China beim Zoll liegen. Ich habe mir praktische Gedanken gemacht, habe versucht herauszufinden, wie die Übertragung stattfindet, aber damals gab es noch kaum verlässliche Informationen. Dafür explodierten die Infektionszahlen. Und sehr bald, keine vier Wochen später saßen wir auch in Deutschland im ersten Lockdown. Ich war am Niederrhein und zuhause wird deine Gärtnerei zugemacht. Aber wir durften weiterarbeiten. Trotzdem war der Anfang auch für uns beängstigend. Wie alles was Ungewissheit mitbringt. Heute schauen wir auf das alles schon sehr abgeklärt. Obwohl ich immer noch nicht genau weiß, wo werden wir in einem Jahr stehen. Gibt es ein 200. Jubiläum von Kakteen-Haage, Kakteenessen? Mit Gewissheit weiß heute niemand etwas.
Und dabei hilft mir die Arbeit sehr. Wenn ich arbeite, dann höre ich nicht das Getöse da draußen, auch nicht den Widerstreit der Meinungen. Ich muß mich nicht entscheiden, was ich glauben will und was nicht. Eigentlich.  Aber in Wahrheit ist es nur ein Aufschieben und in Deckung gehen.  Vielleicht wirke ich so – aber die Welt geht mir mitnichten „am Popo vorbei“. Die Frage: „was will ich glauben“, die kostet mich echt Kraft. Die Welt ist eben nicht mehr einfach „Corona gibt’s gar nicht.“ oder das Gegenteil davon. Und die Frage heißt doch meistens: „wie gehen wir gut damit um?“ Kein Mensch sagt immer nur die Wahrheit – da schließe ich mich ausdrücklich ein – egal ob unbewusst, oder mit Vorsatz. Das was ich beobachte ist: es gibt im Moment viele Menschen, die in Gewissensnot kommen, die von der Corona-Situation betroffen sind – und das hat weitaus mehr Facetten als „ich bin positiv“ oder negativ, oder geimpft, oder noch nicht. Denn es geht nicht nur um „mich“, sehr oft geht es im selben Moment auch „um uns“. Eine Mutter; ein Vater wird immer für die Kinder, die Familie mitdenken, ein Lehrer für die ganze Klasse, ich habe meine Mitarbeiter und ihre Familien und ebenso unsere Kunden und Lieferanten im Blick. Je mehr Menschen und damit auch einzelne Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen sind, desto komplexer und komplizierter wird der ganze Kasten. Das ist einer der Gründe, weswegen ich niemanden in der Politik beneide, denn das ist Flohzirkus und Minenfeld in einem.
Da bin ich als Kaktusgärtner und da sind wir bei Kakteen-Haage in verschiedener Hinsicht in glücklicherer Lage. Wir haben Arbeit, wir haben viele Menschen, denen wir mit unseren Pflanzen etwas Gutes tun – wir können etwas verkaufen, wir können leben.
Anders als in anderen Branchen, in der Gastronomie zum Beispiel galt lange: wer kein To go anbieten kann, der ist aufgeschmissen. Hotel to go hat auch noch keiner erfunden. Oder Hochzeit to go? Fehlanzeige. Na gut, das legendäre „drive up“ Standesamt in Las Vegas kommt da schon hin.
Wie wäre das als Gärtner? Ist es ein Unterschied, wenn ich mir Sorgen machen muss um die Existenz meiner Mitarbeiter, meiner Kunden oder auch meiner Familie, wenn der Gesetzgeber die Gärtnerei schließt? Sehr viele meiner Gärtnerkollegen standen im Frühjahr vor dieser bangen Frage. Die Gärtnerei war geschlossen. Die Pflanzen wuchsen und es war unklar: wird überhaupt ein Kunde in mein Gewächshaus kommen dürfen? Da steigt dir das Wasser langsam zum Hals. Und dann werden Hilfspakete relevant, du überlegst, kann ich meine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken – oder muß ich ganz schließen? Wir hatten bislang das Glück dass uns nichts davon ereilt hat. Wir konnten arbeiten, selbst als die Gärtnerei geschlossen war. Das was uns beschäftigt hat – ja – für uns Probleme, aber wenn ich raus in die Welt schaue ist das nichts kritisches. Da gibt es weiß Gott wichtigere Probleme zu bewältigen.
 

Und Kakteen – was ist mit Kakteen?

Welche Rolle spielen Kakteen und andere Pflanzen unter Corona. Ein winzig kleiner Exkurs ist einfach notwendig.
Pflanzen, Garten, Grün, Natur – und auch Kakteen sind seit dem ersten Lockdown schlagartig in den Fokus gerutscht. Das betrifft den gesamten Gartenbau, die Kleingartenanlagen, die Baumärkte und Gartencenter – Natur und Grün ist für die meisten Menschen ein Ausweg aus dem Eingesperrt sein in den eigenen vier Wänden und es ist eine Alternative zu reisen, das im Moment nicht möglich ist. Grün lässt die Seele wieder abklingen. Das geht mir übrigens nicht anders. Wenn es mir zu viel wird, dann gehe ich ins Gewächshaus und rede mit meinen Kakteen. Ganz einfach.
Und vielleicht noch ein tröstlicher Fakt zum Ende – ich muss ja langsam aufhören:
Mir ist noch kein Fall zu Ohren gekommen, dass eine Pflanze Corona übertragen hätte – musste mal gesagt werden!
Aber der Begriff Corona spielt bei uns in der Gärtnerei schon seit über 20 Jahren eine Rolle. Der Kreisbogen an den Blüten von Hoya auf anderen Asclepiadaceae wird als Corona, oder Krone bezeichnet. Und Hoya laden ohnehin zum ganz genauen hinsehen ein. Lohnt sich auch!

bist du beim nächsten Mal mit dabei?

ich hoffe inständig – dass diese Episode
  • in der es fast gar nicht um Kakteen geht und
  • in der ich viele Gedanken gleich mehrfach hin- und wieder zurück gewälzt habe
  • ich mit Selbstbeweihräucherung nicht gerade sparsam war
dir ein paar interessante Gedanken mitgebracht hat. Ich hoffe, du konntest mir halbwegs folgen – und folgst mir auch weiter hier im CactusPodcast.
 
Ich gebe zu, hinter den Kulissen und neben meinem Mikrofon gibt es ein Novum – ich weiß nicht mal, ob sowas überhaupt kanonisch ist: diese Episode ist tatsächlich unter Drogeneinfluß entstanden: hier steht ein fast leeres Glas Rotwein.
Ob das damit besser, oder schlechter gelaufen ist – das kannst nur du beurteilen. Lass mich mal wissen, ob Rotwein der Podcast-Qualität zuträglich ist.

Shownotes:

… gibt es diesmal nicht – denn hier sind keine Links, auf die ich verwiesen habe …

… und trotzdem freu ich mich wie immer auf dein Feedback.
 
 
Was kommt als Nächstes?
 
Der CactusPodcast kehrt zurück – voraussichtlich mit dem Thema Bundesgartenschau in Erfurt. Ich lege dir aber ans Herz: komm einfach nach Erfurt und schau dir die BUGA an – sobald es geht. Den Mund kann ich dir auch später noch wässrig machen.
Deswegen: schau in der CactusPodcast Community auf Facebook vorbei.
  • Seit wenigen Wochen läuft die Bundesgartenschau in Erfurt – und es ist alles andere, als normal. Es gibt eine ganze Menge zu erzählen – was so hinter den Kulissen passiert und was wir so alles erlebt haben. Bei der Gelegenheit werde ich dir das Buch zur BUGA von Herrn Stade vorstellen. Und BUGA – da hab ich schon viele Ideen!
Stay tuned! 
Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt – morgen soll es heiß werden!
Bleib gesund.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community
Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
 
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Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

 

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Interviews im CactusPodcast:

 
 
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CactusPodcast – 027 Kakteengeschichten – Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür bei Kakteen-Haage – Episode 027

Der Tag an dem wir uns bei Kakteen-Haage in die Karten, in die Kakteenhäuser und hinter die Kulissen gucken lassen

Ich bin Ulrich Haage – und heute gibt es hier nicht so viel zu lesen:
herzlich willkommen zur 27. Episode im CactusPodcast. Heute ist der Tag der offenen Tür – und genau darum dreht sich auch diese Episode.
Vorweg: es ist ganz schön ungewöhnlich, dass ich heute sogar noch Zeit finde, um eine Podcast-Aufnahme zu machen. Normalerweise sind wir alle nach solch einem Tag völlig platt – vermutlich ist es das Adrenalin vom heutigen Tag, das mich immer noch vibrieren lässt.
 
Frag den Kaktusgärtner – gibt es erst wieder in der folgenden Episode…
 

CP027 - Kakteengeschichten - Tag der offenen Tür

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten

Was machen wir heute?

Tag der offenen Tür – was bedeutet das für uns, für Kakteen-Haage, für mich?
Wie ist diese Tradition überhaupt entstanden? Und wer ist mit im Boot?
Tag der offenen Tür – der Ursprung bei Kakteen-Haage
Begonnen hat alles mit Christoph Killgus, Gartenbaustudent an der Fachhochschule Weihenstephan.
Wir haben damals kurz nach der Wende – notgedrungen nach den absurdesten Ideen gegriffen, die auch nur den kleinsten Umsatz für uns versprachen. Die Idee, einen Tag der offenen Tür zu veranstalten rangiert aber eher ganz oben auf der Skala der erfolgreichen Ideen.
Zum ersten Tag der offenen Tür waren etwa 20 bis 40 Besucher bei uns, es gab Laugenbrezeln mit Butter – damals im Osten noch so selten wie ein Cappuccino – aber schon beim ersten Mal steckte in der Veranstaltung sehr viel Herzblut. Und das Ziel: Menschen in die Gärtnerei holen, zu zeigen was wir tun und wie.
Und ganz nebenbei führt uns das auch selbst nochmal vor Augen, was wir jeden Tag tun – Reflexion sozusagen.
CactusPodcast 027 - Tag der offenen Tür

Cleaning Days und andere Vorbereitungen

Die Vorbereitungen für den Tag der offenen Tür sind umfangreich. Unsere Checkliste ist mittlerweile sechs Seiten lang – damit wenn der Trubel beginnt auch alles wie am Schnürchen läuft. Es ist mehr als nur einmal feucht durchwischen. Klar, es wird aufgeräumt, besondere Pflanzen bereitgestellt, Zelte aufgebaut, Grill ausgepackt, Getränke gekauft, Unkraut gezogen, Blüten gesammelt, Rasen gemäht, Kuchen gebacken, Freunde und Gäste eingeladen, Schläuche aufgerollt, das Kaktusbeet bepflanzt – die Liste ist sehr lang.
Erfurt-Haagesches Weinberghaus Roter Berg

Kaktusbratwurst und Catering

Auch das Catering hat klein begonnen – zuerst waren es die Laugenbrezeln, später kam der Fischbrötchenstand vom Markt auf dem Domplatz zu uns und verkaufte belegte Brötchen und Kaffee – was halt damals so üblich war. Später habe ich herausgefunden: die Fischbrötchenfrau war zugleich auch die Pächterin des früheren Haageschen Weinberghauses auf dem Roten Berg – heute ein Bistro mitten im Erfurter Zoopark.
Später haben wir viel vom Catering selbst in die Hand genommen, Kaffee gekocht, Kuchen gebacken, gegrillt – und irgendwann kam die Kaktusbratwurst frisch vom Holzkohlegrill dazu. Inzwischen gibt es manchmal auch Eis und andere leckere Dinge – immer wieder neue Ideen.
 
Im Zentrum stehen aber die Pflanzen und unsere Besucher. Weil so viele Gäste nach Erfurt kommen haben wir natürlich auch den Ehrgeiz, sehr viele – und eben auch besondere Pflanzen zu zeigen. Dementsprechend werden in den Wochen bis zum Tag der offenen Tür die Gewächshäuser vollgeladen mit Pflanzen. Meist zaubern meine Kollegen noch die schönsten Sahnestückchen aus dem Ärmel, oft frage ich mich dann, woher die alle kommen. Und ich freu mich, denn das ist eine besondere Form von Dankeschön an alle Besucher, die häufig weite Strecken fahren, um nach Erfurt zu kommen.
Dieses Vogelhäuschen ist ein Geschenk von lieben Besuchern von der Nordsee.
Vogelhäuschen im Walnussbaum von der Nordsee
 
Wenn ich an dem Tag einen Moment Luft habe, dann stiefel ich über den proppevollen Parkplatz und staune jedes Mal, woher die Autos alle kommen.

Kakteengeschichten erzählen

Genau! Das ist eine der Aufgaben – natürlich geht es auch um den Verkauf von Pflanzen.
Wir sind aber auch den ganzen Tag unterwegs, um unseren Besuchern die Gewächshäuser zu zeigen – meist zu viert. Meine Eltern, meine Schwester und ich sind ununterbrochen auf Tour in der Gärtnerei und zeigen die Dinge, die es sonst nicht zu sehen gibt: Mutterpflanzen und Samenträger, alte Gewächshäuser, Topfmaschine – und ganz viele Geschichten zu den Pflanzen.

Tag der offenen Tür online

Aktuell im Jahr 2021 sieht der Tag der offenen Tür ein wenig anders aus.
Schon 2020 war absehbar: Eine Veranstaltung mit mehreren tausend Besuchern können wir unter Corona-Bedingungen nicht realisieren.
Unsere damalige Auszubildende Emily Cox hatte die Anregung: „dann lasst uns das doch einfach Online machen“. Nach anfänglicher Skepsis war ich Feuer und Flamme.
Wir haben Videos in der Gärtnerei gedreht und mehrmals am Tag Live-Übertragungen aus dem Gewächshaus gesendet. Nicht unbedingt das, was ein Gärtner alltäglich macht – deswegen ruckelt es hier und da auch mal – aber es macht richtig Spaß!
Das Feedback war beeindruckend – und ich bin immer noch happy und dankbar – für die Unterstützung bei der Vorbereitung – und für die vielen Rückmeldungen, die wir dafür bekommen haben.
 
Trotzdem freue ich mich schon riesig – wenn wir im kommenden Jahr hoffentlich wieder einen „Tag der offenen Tür offline“ vorbereiten können und die Besucher wieder im echten Leben durch unsere Gewächshäuser strömen.

bist du beim nächsten Mal mit dabei?

Ich bin neugierig. Lass es mich wissen!

Shownotes:

Hier kannst du schauen, was 2020 und 2021 beim Tag der offenen Tür online passiert ist:

… und wie immer freue ich mich auf dein Feedback.
 
 
Was kommt als Nächstes?
 
Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 028 – und ich erzähle über das Gärtnern in Zeiten von Corona. Das wird mich an meine Grenzen bringen. Ich bin gespannt wie weit ich mich aus dem Fenster lehne und die Hose runterlassen werde. Keine einfache Episode. Aber garantiert spannend.
 
Danach habe ich die BUGA ins Visier genommen.
  • Seit wenigen Wochen läuft die Bundesgartenschau in Erfurt – und es ist alles andere, als normal. Es gibt eine ganze Menge zu erzählen – was so hinter den Kulissen passiert und was wir so alles erlebt haben. Bei der Gelegenheit werde ich dir das Buch zur BUGA von Herrn Stade vorstellen. Und BUGA – da hab ich schon viele Ideen!
Stay tuned! 
Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt – morgen soll es heiß werden!
Bleib gesund.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

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Interviews im CactusPodcast:

 
 
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CactusPodcast 026 – Kakteengeschichten – 225 Jahre Friedrich Adolph Haage

225 Jahre Friedrich Adolph Haage – Episode 026

Der Stammvater der Kakteendynastie und seine Kakteengeschichte

Hi. Ich bin Ulrich Haage – und sage:
herzlich willkommen zur 26. Episode im CactusPodcast und in der geht es um den 24. und zwar genau um den 24. März – denn das ist für uns in der Familie ein besonderer Tag.
 
Frag den Kaktusgärtner – hier beantworte ich Fragen zur Aussaat und Aussaatkisten, zu Bi58 und zu Nacktschnecken und deren Spuren an Kakteen.
 

Kakteengeschichten - 225 Jahre Friedrich Adolph Haage

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten

Was machen wir heute?

Ich schau heute mal zurück in der Geschichte – der von Kakteen-Haage, von unserer Familie und überhaupt unser aller Geschichte. Denn heute geht es um Friedrich Adolph Martin Haage und ich nehme dich mit in eine Zeit die schon mehr als 200 Jahre her ist …
 
Dass ich erst zum 24.4.2021, also einen Monat nach dem 24.3. lande – das hat mit meiner Ankündigung in der letzten Episode zu tun – es ist im Moment sehr viel los in der Kakteengärtnerei. Deswegen musst du dich im Moment auf längere Abstände zwischen den Episoden einstellen.
Bei 225 Jahren kommt es aber auf den Monat auch nicht an. 
Friedrich Adolph Haage – ein Kalenderblatt
Ein besonderer Aufhänger war für mich das Kalenderblatt im mdr Kultur, dass wurde Friedrich Adolph Haage gewidmet – stellvertretend für die Kakteen die er nach Deutschland gebracht hat. Wir hören mal kurz rein.
 
Das ganze Kalenderblatt habe ich dir in den Shownotes verlinkt – geh einfach auf www.cactuspodcast.de
 
Wie passend: im Moment sitzen wir an einem Buch, in dem Friedrich Adolph eine Hauptrolle spielt. 
Wir – ist allerdings nur halb richtig – genauer: Immanuel Voigt schreibt über ihn – und zwar dass es sich:
„schon in seiner Schulzeit als sehr begabt und wissbegierig entpuppte“
… etwas genauer erzähle ich diese Geschichte nachher. 
 
Jetzt erstmal noch mehr Zitate: 
Im Jahr 1822 gründete Friedrich Adolph Haage eine Gärtnerei, die bis heute als Kakteen-Haage in Liebhaber- und Fachkreisen weltbekannt ist. Der Firmengründer hatte zuvor von 1811 bis 1814 beim bekannten Dresdner Hofgärtner Johann Heinrich Seidel eine Gärtnerlehre absolviert. Die Gärtnerei von Friedrich Adolph Haage befasste sich zunächst mit der Pflanzenzucht und Produktion von Sämereien für Blumen und Gemüse. Levkojen, Goldlack, Nelken, Astern und Balsaminen gehörten ebenfalls zum Sortiment, das zu seiner Zeit als bemerkenswert umfangreich galt. Der Samenhandel war beträchtlich. Sein besonderes Interesse galt jedoch den Kakteen und anderen Sukkulenten, die er kommerziell vermehrte und breiten Interessentenkreisen zugänglich machte. In den 1840er Jahren wurde als Kuriosum ein Teil der Gärtnerei von der Trasse der Thüringer Eisenbahn durchschnitten, so dass bei durchfahrenden Zügen jedes Mal die Gartentore geschlossen und wieder geöffnet werden mussten.

Berichte über Friedrich Adolph Haage 

Auszug aus einer Zeitung von 1925
Friedrich Adolf Haage Junior Erfurt
Wenn man auf die ersten Anfänge des Erfurter Gartenbaues zurückgeht, so kommt man auf die Namen Christian Reichardt und Friedrich Adolph Haage. Was ersterer für die Erfurter Kulturen im Allgemeinen war, das wurde Friedrich Adolf Haage für die geschäftsmäßige Handelsgärtnerei. Als erster gelernter Gärtner in Erfurt, der einem großzügig geleitet im Handelsunternehmen vorstand, knüpfte er die ersten Fäden, die er dann in seiner späteren Verbindung mit rastloser Tätigkeit über ganz Deutschland und Europa weit über das Meer hinaus spannte und damit den Grund zu dem gärtnerischen Weltruf der Stadt Erfurt legte. In den Steigerwaldanlagen, in der Nähe des Standbildes seines Freundes, Generalleutnant von Hedemann, ehrt ein Denkmal seine Verdienste.
Nachdem Friedrich Adolph Haage in dem Hofgarten von Dresden die Gärtnerei erlernt hatte, gründete er im Jahr 1822 die noch heute unter dem Namen Friedrich Adolph Haage junior bestehende Firma. Schon damals wurden umfangreiche überseeische Beziehungen gepflegt und großer Wert auf die Kultur ausländischer Gewächse gelegt. In einem seiner Glashäuser eröffnete die erste Victoria regia, jene wundervolle Wasserpflanze, ihre 30 bis 40 cm großen purpurroten Kelche. Eine Spezialität der Firma war von Anfang an die Kultur der Kakteen und Sukkulenten und ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Das sich ständig ausbreitende Unternehmen musste aus dem Inneren der Stadt an die Peripherie verlegt werden und wird jetzt von dem Enkel des Gründers geleitet. Haage’s Kakteen sind in der ganzen Welt bekannt geworden. Viele Fürstlichkeiten und andere hochstehende Personen besuchten die interessante Gärtnerei und noch heute ist der Zustrom an Fremden des In- und Auslandes ganz erheblich. Als originelles Beispiel für die Bekanntheit der Firma sein nur eins erwähnt: Ein Brief aus Australien, der als Aufschrift lediglich die Worte: Kakteenhaage, Europa trug, erreichte richtig seinen Bestimmungsort.
Außer Kakteen waren es umfangreiche Kulturen auf allen gärtnerischen Gebieten, die der Firma ihren guten Ruf einbrachten. Der beliebte Haage’sche Zwerg-Blumenkohl – auch als Erfurter Zwergblumenkohl bekannt – wurde von Friedrich Adolph Haage junior in den Handel gebracht und wird noch heute als besondere Spezialität vertrieben. Auf allen größeren in- und ausländischen Gartenbauausstellung war die Firma Haage vertreten und Hunderte von ersten Preisen geben ein Bild von der Würdigung ihrer Leistungen.
CactusPodcast Friedrich Adolph Haage

Frag den Kaktusgärtner

Diesmal: Aussaatkisten, Wollläuse und Nacktschnecken
 

Aussaatkisten – was passiert nach der Aussaat

Diter Pene via Youtube
was passiert mit den Aussaatkisten in den nächsten Tagen/Wochen? Muss die Oberfläche feucht gehalten werden? Wie sollten die Temperaturen sein? Was macht ihr nach den genannten 3/4 Wochen? Sollte man die Aussaat generell nicht abdecken, oder geht es auch mit einer Plastikhaube eines Anzuchthauses?
  • unsere Aussaatschalen sind getaucht – die Feuchtigkeit reicht meist länger als 4 Wochen – wir kontrollieren aber schon vorher – und wenn etwas trocken wird – dann haben wir ein Gießrohr mit besonders feiner Brause. Außerdem wird im Aussaathaus genebelt.
  • abdecken – oder nicht. Das ist eine praktische Frage. Wenn ich über einen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit verfüge, dann muß ich nicht abdecken. Zuhause ist das aber selten der Fall – deswegen ist eine Plastikhaube immer eine gute Idee, denn darunter bleibt es feucht. Aber Vorsicht! Wenn die Sonne scheint – dann kann es auch schnell richtig heiß werden – deswegen: lüften!

Wollläuse und Alternativen zu Bi58

Harald Kaspar via Facebook – 
Hallo, ich habe etwas Probleme mit Wollläusen und das BI 58 wirkt irgendwie offenbar nicht mehr so gut wie einst. Hast Du das was anderes? 
  • Bi58 – ist jetzt >> Bi58n – wie neu. Der Wirkstoff soll ebenso gut sein – sagt zumindest der Mann von Bayer.
  • Der Mythos „weniger wirksam“ – begleitet Pflanzenschutzmittel wohl ewig. Fakt ist: Bi58 hatte seit seiner Indienststellung in den 1960er Jahren immer die selbe Wirkstoffkonzentration von mindestens 380 g/l – es gab übrigens auch keinen Unterschied in der Konzentration bei Bi58 für den Profi zum Haus- und Kleingarten-Produkt. Das hat mich auch etwas überrascht.
  • Alternativen haben wir, klar. Beginnen wir ganz simpel mit
    • Spiritus und Wattestäbchen – das machen wir, wenn der Befall überschaubar ist, im Zimmer oder wenn nix anderes greift. (mehr dazu in der Wolllaus-Episode CP 002 – https://cactusblog.de/cactuspodcast-episode-002-wolllaeuse-im-winter/)
    • Promanal – das ist ein ölbasiertes Pflanzenschutzmittel, als „Hausmittel“ kennen wir noch Elefantenöl, Sommeröl, Orangenöl oder Zitrusöl – das haben übrigens meine Vorfahren vor mehr als 100 Jahren schon verwendet. Der Vorteil ist: nicht giftig – aber aufpassen, in manchen Fällen reagiert die Epidermis darauf sauer und es gibt Flecken auf der Pflanze
    • Niem, Niehm, Neem – auch ein Öl, aber mir anderer Wirkung. Die meisten Öle verkleben einfach die Tracheen, die Atemöffnungen der Läuse. Neem geht andere Wege. Der Wirkstoff Azadirachtin macht Läuse inaktiv – die hängen dann einfach faul auf der Pflanze rum und machen nix – oder fast nix. Sie fressen weniger – und ganz wichtig: sie häuten sich nicht mehr – und das ist in den meisten Fällen tödlich. Ich stelle mir gerade vor, wie mich fühlen würde, wenn ich mit fünf Jahren noch im Babystrampler stecke. Für Läuse ist das wesentlich schneller tödlich – allerdings nicht sofort. Denn das erwarten wir schließlich so. Spritzen – und sofort fällt der Schädling tot vom Ast. Realität geht aber anders. Das ist einer der Gründe, weshalb Neem Präparate den Ruf haben nicht so gut zu wirken. Ich finde die Wirkungsweise dagegen sehr perfide. 
Perfide Menschen
Perfide sind wir Menschen übrigens auch. Wenn du auf Amazon mal nach Neem schaust – dann findest du alles mögliche. Vom Flacon mit Bio-Chichi über Wohlfühlkapseln oder kaltgepresstem „extra virgin“ Neem Öl, Neem-Zahnpasta, Haut- und Haar Rettungspulver und veganes Pferde-Shampoo. Und dann gibt es noch Neem Pflanzenschutzmittel von Compo. Wobei fühlst du dich wohl und sicher? Ich hab bei Pflanzenschutzmittel kein Kuschelgefühl. Aber die Neem-Zahnpaste mit Granatapfel – die würde ich schon mal probieren wollen. 
Warum sind wir Menschen so? Hier grrr und giftig – und das andere würden wir uns ohne Sorge in die Haare schmieren, oder auf den Zahn. Dabei ist das selbe drin. Geht dir das auch so? Erzähl mal …
Zurück zu Bi58 – dazu gibt es eine komplette Episode hier: https://cactusblog.de/cactuspodcast-episode-004-bi58-ein-nachruf/ 
Dort findest du auch die ganzen Alternativen Möglichkeiten noch einmal im Detail. 
 

Nacktschnecken und ihre Spuren auf Kakteen

Nacktschnecken – Probleme habe ich auch mit kleinen Nacktschnecken in meinen Winterquartier. Die fressen zwar kaum an den Kakteen aber hinterlassen ihre spuren auf den Pflanzen.
  • ganz einfach: Bierfalle – läuft. In eine Bierfallenschale passt ja nicht soooo viel Bier – damit der Rest nicht schal wird – bitte einer sinnvollen Verwendung zuführen.
  • Spuren – hab ich ehrlich gesagt noch nie beseitigt – mich beschäftigt bis heute immer die Frage: ob das der Schnecke am Fuß kitzelt. Die Spuren sind bei uns immer beim gießen verschwunden, aber ganz sicher bin ich mir nicht – habt ihr eine Idee?
 

 

Menschen aus der Kakteenwelt verstorben

Geburt – und Tod – manchmal liegt das nah beieinander. Freud und Leid.
 
Ich bin traurig, heute habe ich erfahren:
Günter Andersohn *11.10.1932 ist am 18.04.2021 im Alter von 88 Jahren verstorben.
Viele kennen ihn als Chef des Palmengartens – oft war er auch hier in unserer Gärtnerei in Erfurt zu Besuch.
 
Nur wenige Tage vorher ist mein Kaktusgärtnerkollege Albert Plapp gegangen.
Seine Gärtnerei in Jesendorf war für viele Kakteen- und vor allem Sukkulentenfreunde ein Eldorado. Mich haben seine liebevoll selbst gezogenen Pflanzen beeindruckt – und ich habe mich oft gefragt, wie er das alles schafft. Ich denke, seine Frau Johanna und auch einige Freunde in der Umgebung waren ihm dabei eine Hilfe.
 

viele Umzüge und hohe Besucher

… zurück zu Friedrich Adolph Haage.
Seine Gärtnerei zog mehrfach um, samt aller Pflanzen. Eine der Adressen war die Gartenstraße – vermutlich dort wo der 1756 gegründete (!!) Botanische Garten von Erfurt war. Das Sortiment und die Pflanzensammlung dahinter wurde immer weiter vervollkommnet – und sie wurde immer bekannter – mit Folgen:
Haage’s berühmte Pflanzensammlungen waren das Ziel  prominenter Botaniker und Pflanzenfreunde aus aller Welt, zum Beispiel der durch seine große Sukkulentensammlung und -werke bekannte Fürst Salm-Reifferscheid-Dyck, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm von Humboldt, Franz Liszt, Prinz Wilhelm von Preußen, Großherzog Carl August von Weimar und andere. 
Falls du den Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach nicht kennen solltest – seine Mutter war Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, sie stiftete die nach ihr benannte Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar die vor einigen Jahren brannte. Bekannter ist aber sein guter Freund, Berater und Minister, der schon erwähnte Geheime Rath Johann Wolfgang von Goethe.
Der Großherzog kam zuweilen ganz überraschend, denn es gab immer etwas Neues und Interessantes in der Gärtnerei zu sehen. Als sich Friedrich Adolph Haage, der in Hemdärmeln im Garten werkte, schnell seinen Rock überziehen wollte, um den hohen Gast zu empfangen, kam Carl August, der dies merkte, auf ihn zu mit den Worten: „Bleiben Sie nur so, mein lieber Haage, es ist so warm, ich werde meinen Rock auch ablegen.”

Ausbilder für große Gärtner

Haage korrespondierte mit vielen der damaligen Größen der Gartenbauwissenschaften und sammelte nicht nur Pflanzen, er trug auch Fachwissen zusammen. Das behielt er nicht für sich, sondern gab es großzügig weiter. Ein großer Gärtner, sein späterer Kollege Ernst Benary genoss bei Friedrich Adolph Haage seine Ausbildung und war dort bis er mit Unterbrechungen bis 1842 tätig. Wenig später gründete Benary seine eigene Gärtnerei – eine der wenigen Erfurter Gärtnereien die es bis zum heutigen Tag gibt – wenn auch nicht mehr in Erfurt. 
Friedrich Adolph Haage engagierte sich intensiv für den Gartenbau und für seine Heimatstadt. Er war beteiligt an der Gründung des Erfurter Gartenbauvereins und war aktiv im Erfurter Stadtverschönerungsverein. 
Er war federführend mit dabei, als Erfurter Gärtner sich zu einer ersten Gartenbauausstellung zusammentaten – das war der Vorläufer der heutigen Bundesgartenschau – die wir gestern im Erfurter EGA Park eröffnet haben – und die in diesem Jahr hier auch noch Thema im CactusPodcast sein wird.
Das Engagement für seine Heimatstadt wurde oben ja schon erwähnt. Die Flanier- und Wanderwege im Erfurter Steigerwald bekommen jetzt unter Corona einen enormen Zulauf. Die Verbindung zu Friedrich Adolph Haage kennen nur wenige Menschen. Sein Denkmal wollen wir in diesem Jahr seines 225. Geburtstages wieder herrichten, um das ein wenig zu ändern – und darauf freue ich mich schon sehr!
 
Aktuelles
Und es gibt noch etwas ganz aktuelles aus diesem Jahr. Genau genommen aus der vorletzten Woche. Da bekam ich Post von einer Dame aus Hannover – wie sich herausstellte auch eine Nachfahrin von Friedrich Adolph Haage. Wir wussten so ziemlich nichts voneinander. Solche Entdeckungen finde ich besonders spannend. Sie hat mir Fotos geschickt aus ihrem Arbeitszimmer. Dort hängen Kinderporträts – klar – keine Fotos, die gabs ja damals noch nicht. Friedrich Adolph hat seine Kinder malen lassen, mit einer dem Kind zugedachten Eigenschaft und Profession. Ich weiß noch nicht, ob alle neun an der Zahl – aber die Tatsache allein geht mir richtig ans Herz. Dass „mein Urahn“ Gustav Ferdinand Haage auf seinem Bild eine Blume in der Hand hält noch mehr.
Und wenn ich überlege, wie weit der Samen getragen hat, der damals ausgesät worden ist, dass wir bis heute die Vision von Friedrich Adolph Haage weitertragen dürfen – das geht mir schon ganz schön ans Herz. 
 

Und jetzt:

viel Geschichte!

… war das interessant für Dich – oder voll der dröge Flop?

Ich bin neugierig. Lass es mich wissen!

Oder interessierst du dich für andere Themen?
Ich freu mich auf dein Feedback.
 
Was kommt als Nächstes?
 
Ich schau mal voraus auf zwei Themen – bei der Reihenfolge bin ich noch nicht sicher. 
Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 027 
  • Das eine Thema – ja, davor hab ich ehrlich gesagt ziemlich Muffen, weil es sehr persönlich wird. Es geht um das Gärtnern in Zeiten von Corona – und auch uns, mich bringt das ganz schön an meine Grenzen. Unausweichlich. Und ich bin vielleicht genauso gespannt wie du, wie weit ich mich aus dem Fenster lehne und die Hose runterlassen werde. Das wird keine einfache Episode. Aber garantiert spannend.
  • Das andere Thema – BUGA Erfurt – da gibt es auch eine ganze Menge zu erzählen – was so hinter den Kulissen passiert und was wir so alles erlebt haben. Bei der Gelegenheit werde ich dir das Buch zur BUGA von Herrn Stade vorstellen. Heinz Stade ist der Autor des Kalenderblattes zu Friedrich Adolph Haage. Und BUGA – da hab ich schon wieder Ideen – das  wird auch spannend!
Stay tuned! 
Schöne Grüße aus der heute besonders geschichtsträchtigen Blumenstadt Erfurt.
Bleib gesund.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

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Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

 

Shownotes:

Du willst mehr wissen / haben / hören?

Das Buch über die Haage-Gärtner wird demnächst erscheinen – hab bitte noch ein wenig Geduld

Das Thema Aussaat spielt ja auch diesmal eine Rolle – deswegen auch dazu noch einmal die Links:

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Mehr zum Thema Aussaat im CactusPodcast

Interviews im CactusPodcast:

 
 
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CactusPodcast 025 – Kakteenpflege – Kakteenaussaat und Tipps von Ulrich Haage

Kakteenaussaat – Episode 025

So bekommst du schnell und günstig seltene Pflanzen für deine Sammlung

Heute bin ich im Gewächshaus bei unserer Kakteenaussaat gewesen, mit dem Mikrofon. Genauer: ich war in unserem Aussaathaus. Dort habe ich nach unseren Sämlingen, geschaut – und erzähle, wie wir bei Kakteen-Haage unsere Ausaat machen. Und wenn diese Episode ganz schön lang geworden ist – die Aussaat dauert nicht so lange.
Falls du dir nochmal die ganz simplen Grundlagen der Aussaat anhören möchtest: vor einem Jahr gab es die erste Episode (007) – die „Bond-Episode“ in den CactusBasics zum Thema Aussaat. Diese Episode beantwortet übrigens einem ganzen Fragenkatalog aus den letzten Tagen an unserer Cactus-Hotline – ich hab es nur nicht geschafft, alle die Namen zu notieren – das wird also heute eine ganze „Frag den Kaktusgärtner“ Episode. 
 
Wie du durch Aussaat schnell und sehr preisgünstig an seltene Pflanzen kommst – das klären wir heute auch hier.

Aussaathaus – brauche ich sowas auch?

Bevor wir in die Details gehen – wo kann ich überhaupt aussähen? Muß ich dazu auch ein Aussaatgewächshaus haben?
Die Antwort ist einfach und ganz klar: Nein!
[… aber psst: es ist ziemlich cool eins zu haben!]

Genau genommen braucht es nur sehr wenig, damit eine Aussaat gut gelingen kann. 
 

Kakteenpflege - Kakteenaussaat und Tipps von Ulrich Haage

von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteenpflege

Was brauchst du für die Aussaat von Kakteen oder anderen Sukkulenten?

  • Saatgut
  • Erde
  • Aussaatgefäß, z. B. eine Schale, oder kleine Töpfchen
  • Etiketten + Stift
  • Abdeckmaterial – z. B. Quarzkies, Abdeckvlies
Werkzeuge und Hilfsmittel

Hilfreich ist eine Schaufel in der passenden Breite zum Aussaatgefäß, sie macht die Arbeit erheblich leichter.
Etwas zum andrücken der Erde, zum Beispiel ein glattes Brettchen oder eine Streichholzschachtel.
Zum anfeuchten der Erde eine Schale mit Wasser. Alternativ hilft eine Ballbrause, oder eine Gewächshausgießkanne mit ganz feiner Brause.
Wer seine Aussaat mit einem Beizmittel schützen möchte – der braucht auch das – optional.

Standort für die Sämlinge

Damit alles glattläuft: erst alles für die Aussaat vorbereiten und bereitstellen. Dazu gehört auch die Frage: wo sollen die Aussaatgefäße danach stehen? Der Standort sollte hell und frei von Zugluft sein. Die Temperatur liegt im Idealfall konstant um die 22-24° C.

Alles am Start? Dann kann’s mit der Kakteenaussaat losgehen!

CactusPodcast Aussaat
 

Und jetzt: Kakteenaussaat der Reihe nach!

Wie angekündigt – das geht ganz einfach:
  1. Aussaatgefäß mit Aussaaterde füllen. Wir verwenden Aussaaterde für Kakteen, oder einfach unsere Kakteenerde 01. Da die Sämlinge nur eine begrenzte Zeit in der Erde wachsen genügt sogar eine Substratdicke von 2 bis 3 cm
  2. Erde mit einem Brettchen leicht andrücken
  3. Aussähen – dazu das offene Samentütchen zwischen Daumen und Mittelfinger waagerecht über das Aussaatgefäß halten. Mit dem Zeigefinger leicht auf das Tütchen klopfen damit der Samen langsam und möglichst einzeln herauskullern kann. Die Samenkörner sollen möglichst gleichmäßig auf der Oberfläche im Gefäß verteilt sein. Wenn mal ein paar mehr Körnchen zusammen „abgesprungen“ sind, dann ist das kein Beinbruch – nur „Haufenbildung“ solltest du vermeiden. Sehr große Samen (bei manchen anderen Sukkulenten), oder Samen mit speziellen Anforderungen kannst du auch mit den Fingern, oder sogar mit einer Pinzette direkt stecken. So wollen Samen von Pachypodium beispielsweise mit der Rundung nach unten in die Erde gesteckt werden. Und: Vorsicht mit der Pinzette: Samenkörner haben oft eine harte Schale, sind aber mit wenig Kraft schnell zerdrückt. Jetzt werden die Samenkörnchen noch einmal ganz leicht angedrückt, damit sie guten Kontakt zur Erde haben
  4. Das Aussaatgefäß dünn mit Quarzkies abstreuen. Dünn bedeutet: nur ein bis zwei Korn stark. Der Quarzkies hat eine ganze Reihe Vorteile: er lässt das Licht durch, schirmt zu viel davon ab, die Feuchtigkeit wird im Boden gehalten, zu viel Wasser kann aber problemlos verdunsten, wenn es versehentlich zu heiß wird, kann die Luft hier problemlos zirkulieren, unter Glas oder Vlies bildet sich in der direkten Sonne binnen weniger Minuten ein Hitzestau und die kleine Sämlinge verbrennen.
    Alternativen zur Abdeckung mit Quarzkies: Abdeckvlies oder passend geschnittene Glasscheiben (veralgen leicht, Verletzungsgefahr, Überhitzungsgefahr)
  5. Etiketten beschriften
    Das steht auf unserem Etikett:
    – Aussaatnummer (der Verweis auf das Aussaatbuch, bei uns eine Datenbank, hier können wir alle Informationen nachschlagen)
    – Name (Gattung und Art)
    – Feldnummer und Standort – soweit angegeben halten wir die Informationen zur Heimat der Sämlinge fest
    – Herkunft und Menge der ausgesäten Samen
  6. Aussaatschale in der Wasserwanne für ca. 30 Minuten mit Wasser vollsaugen lassen, danach abtropfen lassen und an den endgültigen Standort stellen

CactusPodcast

Die Reihenfolge der einzelnen Schritte bei der Kakteenaussaat lässt sich an manchen Stellen ändern. So könnte ich die Etiketten auch vor der Aussaat stecken.
Auch bei uns hat jeder Mitarbeiter seinen persönlichen Ablauf entwickelt. Probier einfach mal aus, welche Reihenfolge für dich am besten funktioniert. Wir schreiben alle unsere Etiketten, bevor die Aussaat beginnt. Manchmal haben wir die Saatschalen schon getaucht und säen auf die feuchte Erde – das ist nicht in Stein gemeißelt.

Da war noch was mit günstigen seltenen Pflanzen für deine Sammlung …

Stimmt – und auch dass ist kein Zauberwerk. Ein paar Körnchen Saatgut kosten meist nur ein Bruchteil einer Jungpflanze. Und gerade bei den anderen Sukkulenten kannst du binnen kurzer Zeit eine schöne Pflanze heranwachsen sehen. Klar – bei den meisten Kakteen braucht das ein wenig mehr Zeit. Das Saatgutsortiment hat sich in den letzten Jahren sehr verändert – heute gibt es oft auch Samen von echten Raritäten zu kaufen. Und wachsen – das machen unsere Pflanzen ja weitgehend ganz alleine. Wir müssen nur hin und wieder nachsehen.
Auf die Weise bekommst du ganz Fix neue Pflanzen in deine Sammlung. Und wenn die Aussaat gut läuft – dann kannst du ja überlegen, überzählige Pflanzen mit anderen zu tauschen. 

Ich drück dir beide Daumen!

Und jetzt:

Viel Erfolg bei der Aussaat!

Einfach mal machen! Probier es mal aus! Es ist eine Mordsfreude, wenn du zum ersten Mal deine winzigen Sämlinge aus der Erde kommen siehst!

Hast du noch Fragen zur Kakteenaussaat?

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Wie immer per Mail an Studio@CactusPodcast.de oder in der FB Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ oder Kommentare hier im cactusblog.de
 
Und jetzt freu ich mich auf dein Feedback.
 
Was kommt als nächstes?
 
Der Cactuspodcast kommt wieder in der Episode 026.
Das Thema werde ich noch rechtzeitig entscheiden.
Bis dahin bleibt gesund und glücklich.
 
Ich bin Ulrich Haage und schicke Grüße aus der Kakteengärtnerei.
 

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Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.

Shownotes:

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