Erfurt. Deutschland. Heute vor 30 Jahren

… beginnt die Mauer zu bröckeln. Eine Mauer die einen ängstlichen Staat schützt, seine Bürger zu verlieren. So umreißt es unser damaliger Probst Heino Falcke.

Probst Heino Falcke im Gespräch

Heute und damals

Heute sitze ich im Erfurter Theater, einem Ort, den es damals noch nicht gab.
Vor etwas mehr als 30 Jahren hab ich als Schüler hier im polytechnischen Unterricht Drehrollen für Postcontainer zusammengebaut.

Heute wurde ich am Eingang mit Handschlag von unserem Oberbürgermeister begrüßt – das hat er mit allen Erfurtern so gemacht.
Ich schätze ihn sehr.
Ebenso wie seinen Vorgänger Manfred Ruge. Nicht nur für ihr Tun für unser Erfurt.

Jetzt sitze ich inmitten vieler bedeutender Erfurter. Nicht wenige standen damals auf den Podesten, Bühnen oder Kanzeln – damals im Sommer und Herbst 1989.
Damals war ich Schüler, Gärtnerlehrling – einer der vielen tausend vor den Podesten, Bühnen, auf der Kirchenbank und auf dem Domplatz. Und ich war einer der hierbleiben wollte. In meiner Heimat.
Heimat ist per se nichts politisches, Heimat ist ein Gefühl, eine Mischung aus Menschen, Leben, Aufgabe, Umgebung, Sicherheit, Verantwortung.
Während OB Bausewein erzählt, wie er den Mauerfall fast verpennt hätte, wird mir bewusst: Politik ist ein Schnittpunkt von Meinungen – und das hat wiederum mit Heimat zu tun. Mit den Menschen um mich herum – und deren Meinungen.

Misstrauen

Mir fällt auf: um mich, links, rechts und vor mir sitzen Menschen, die an manchen Stellen nicht applaudieren, wenn der OB aufruft, die Demokratie zu verteidigen und vor Plakatsprüchen warnt, die die friedliche Revolution für die AfD beanspruchen wollen.
Zugegeben: ich bin misstrauisch, lese in diesem Verhalten eine Gesinnung – aber liege ich damit richtig? Vielleicht waren sie auch einfach nur müde vom vielen Klatschen.

Misstrauen sind die neuen Mauern, die uns heute bedrohen – und wir bauen sie selbst auf. Zuerst in unseren Köpfen und Herzen – und wenn wir nicht aufpassen, werden sie auch andere Formen draußen annehmen.

Unsere Aufgabe ist es, den Dissenz auszuhalten. Das sagte die 17jährige Gesprächspartnerin von Probst Falcke auf der Bühne kurz vor der festlichen Aufführung der Ode an die Freude.

Eine Aufgabe die mir nicht leicht fällt. Ein Urteil zu fällen, eine Meinung zu haben ist leichter.
Aber um leicht geht es gerade nicht.

30 Jahre nach der friedlichen Revolution.

Vanille Gefrorenes – oder kurz Vanille Eis – ein historisches Rezept

Vanille Eis? noch ein Rezept? Gibt es nicht schon genügend?

Im Grunde völlig richtig – Rezepte für Vanille Eis gibt es wie Sand am Meer – und trotzdem: dieses hier hat noch gefehlt. Schnörkelos, schnell – und schlicht.

Das Rezept stammt aus meinem geliebten Kochbuch von Lina Morgenstern.
Darin habe ich als Kind mit Wonne die altdeutsche Druckschrift gelernt – und nebenbei noch alte Rezepte studiert.
Doch beginnen wir mit der Vorrede und lauschen den schönen alten Erläuterungen:

Das Gefrorene

(auch Speiseeis oder kurzweg Eis genannt).
 
Wie entsteht Gefrorenes? Durch Frieren. Aber wie erreicht man es, daß etwas friert, ohne daß uns die Natur selbst mit genügend niedriger Temperatur zu Hilfe kommt?
Eis lässt sich einfach mit einem Hammer und einem Nagel zerkleinernDas erreicht man dadurch, daß man die zu frierende Masse in eine Mischung von Roheis und Salz recht dick und fest einpackt. Das Salz bringt das Eis zum Schmelzen, und durch diesen Schmelzprozeß entsteht eine so starke Abkühlung der das Eis unmittelbar umgebenden Luft daß deren Temperatur unter null Grad, unter den Gefrierpunkt sinkt und dadurch frostartig auf die nähere Umgebung wirkt. Je inniger wir nun das Eis mit dem Satze mischen können, um so stärker tritt die Kältewirkung auf, und je näher wir die Mischung von Eis und Salz an die zu frierende Masse heranbringen können, um so schneller und kräftiger wirkt sie. Deshalb ist es nötig daß wir das verwendete Roheis zerkleinern.

Eis zerkleinern

Das macht, wenn wir dazu keine besonderen Einrichtungen haben, Schwierigkeiten. Schlagen wir mit dem Hammer oder einem Beile auf das Eis, so zersplittert ein kleiner Teil desselben in Atome, und das übrige fliegt in der ganzen Küche herum. Auch laufen wir dabei Gefahr, den ganzen Tisch zu zertrümmern und uns wegen des entstehenden Lärms den Zorn der Hausbewohner zuzuziehen. Wir können das aber vermeiden, wenn wir das Eisstück auf ein Scheuertuch legen und nun, wie es unsere Abbildung zeigt, mit einem kräftigen Nagel und einem einfachen Hammer bearbeiten. Hierbei wird es uns sehr bald gelingen, das ganze Eisstück in gleichmäßige Stückchen gewünschter Größe zu teilen.
Nun geben wir eine drei Finger hohe Schicht solcher Eisstückchen in einen Eimer, bestreuen sie gut mit billigem rohen Salz, sogenanntem Viehsalz, stellen die Gefrierbüchse oder die gefüllte und wohlverschlossene Eisform darauf und geben eine handhohe Schicht Eisstückchen ringsherum. Wir bestreuen auch diese mit Salz und stoßen nun das Eis mit einem passenden Stück Holz, dem Hammerkopf oder auch einem dicken Rührlöffelstiel recht fest zusammen. Dann kommt wieder Eis und Salz darüber, und so füllen wir den Eimer, bis die Gefrierbüchse bis auf einen handbreiten Rand gut eingepackt ist. Gefüllte Eisformen sollen ebenfalls mit solchem Salzeis bedeckt sein, damit die Kälte auch von oben wirken kann.

Was passiert mit dem Wasser?

Durch den Schmelzprozeß entsteht reichliches Schmelzwasser. Wir müssen darum jede Eisform ganz sorgfältig schließen. Der gut passende Deckel allein genügt nicht. Wir legen deshalb zunächst ein Blatt festes, weißes Papier auf die gefüllte Form und pressen den Deckel gleichmäßig darauf. Dann schneiden wir das hervorstehende Papier mit scharfem Messer ab und streichen die Ränder der Form und des Deckels vorsichtshalber noch mit weichem Fett gut zu. Wenn wir auf diese Weise verfahren werden wir nie versalzenes Eis haben und haben nicht nötig, zeitweise das Schmelzwasser abzugießen oder – wenn sich ein Auslaß am Boden des Eimers befindet – abzulassen.
 

Eismaschine und Eisformen.

Eine Reihe von Gefrorenen stellen wir, wie wir später aus den einzelnen Rezepten ersehen werden, direkt in der Form her. Dazu gehört insbesondere das sogenannte Halbgefrorene, auch „Demiglace“ genannt. Für diese Eisspeisen benutzen wir mit Vorliebe die sogenannten Kegelformen (Abb. 460 und 462). Nun gibt es aber auch zahlreiche Eisspeisen, bei denen das äußerlich sichtbar Gefrorene noch eine Füllung enthält. Diese „Bomben“ frieren wir am besten in halbkugeligen Formen (Abb. 461), weil sie dem Gaste bessere Gelegenheit geben, sich sowohl von der Hülle als von der Füllung zu nehmen.
Alle übrigen Speiseeise stellen wir in der sehr aus der Mode gekommenen Gefrierbüchse oder praktischer und vorteilhafter in der Gefriermaschine her. Diese Maschine (Abb. 463) ist übrigens nichts anderes als eine verbesserte Eisbüchse. Die einfache Eisbüchse müssen wir, nachdem wir sie in Salzeis eingepackt haben, dauernd mittels des am festschließenden Deckel angebrachten Griffes vor- und rückwärts drehen, wir müssen sie von Zeit zu Zeit öffnen und mit einem Spachtel das an der Wandung sich ansetzende Gefrorene loslösen, und wir müssen schließlich das ganze Gefrorene zu einer gleichmäßigem geschmeidigen Masse durcharbeiten. Diese anstrengende und zeitraubende Arbeit nimmt uns die moderne Eismaschine zum größten Teil ab. Wir haben nur nötig, den Eimer mit Eis und Salz vollzupacken, die zu frierende Masse in die Büchse zu füllen, den Deckel aufzulegen und die Kurbel zu drehen und erhalten so in viel kürzerer Zeit das schönste Gefrorene.

Die verschiedenen Arten des Gefrorenen und ihre Herstellung.

Man unterscheidet vier Hauptgruppen von Gefrorenem:
  • das Sahnengefrorene, auch Cremeeis genannt
  • das Fruchtgefrorene, auch Wassereis genannt
  • das Plombiere
  • das Halbgefrorene, vielfach als Demiglace bekannt

Daneben gibt es Eisbomben, die aus zwei verschiedenen Gefrorenen zusammengesetzt werden, Eispuddings und Eiskuchen. Wenn es auch nicht gerade nötig ist, diese Gruppen genau auseinanderzuhalten, so soll eine gute Köchin doch das Charakteristische einer jeden Gruppe kennen, weshalb wir den einzelnen Rezepten zunächst einige aufklärende Worte vorausschicken.

Das Sahnengefrorene, Cremeeis.

Vanilleschoten zum EisCharakteristisch für seine Herstellung ist, daß dazu stets zunächst von rohen Eigelben und Sahne oder Milch eine dünnflüssige Creme auf dem Feuer abgerührt wird, die aber wie jede solche Creme nicht kochen darf, damit das Ei nicht gerinnt. Diese Creme wird in die in gestoßenes Eis mit Salz eingesetzte Eismaschine gegossen und unter ständigem Drehen der Maschine gefroren. Man kann das Gefrorene nun sofort anrichten, wenn es fest genug gefroren ist, indem man es auf einer tiefen Schüssel häuft und mit einem Tischmesser glattstreicht.

Man kann ihm aber auch eine besondere Form geben, indem man es in Eisformen einfüllt, diese mit einem dazwischengelegten Papier und dem Deckel fest,verschließt und so nochmals einige Zeit in eine Mischung von Roheis und Salz eingräbt. Nur muß man sich jetzt vor zu scharfem Einsetzen hüten, damit das Gefrorene nicht zu hart wird. Denn dadurch verliert es stark an Geschmack und auch an der der Zunge wohlgefälligen Geschmeidigkeit.

Das bekannteste Cremeeis ist:

Vanillegefrorenes, Vanille Eis.

Man rührt von 350 g Zucker, 15 Eigelb, einer Stange Vanille und einem Liter Sahne oder guter Milch eine Creme ab, die man in der Maschine friert.

Man kann bei diesem Eis übrigens ganz gut 3-4 Eigelb sparen.

 

Quelle:

Kochbuch – Lina Morgenstern

Illustriertes Kochbuch von Lina Morgenstern

Auf Reisen mit Mister Trump

Stecken bleiben

Er guckt aus dem Fenster, grüßt zu uns rüber, winkt kurz und dann beschleunigt die kleine Maschine und die völlig verschlammten Räder heben von der nassen Urwaldpiste ab. Wenig später ist sie und auch das Motorengeräusch vom Nebel verschluckt. Die Böen peitschen die dunklen Gewitterwolken über die Bäume.

„Blöder Hund!“ fluche ich in mich hinein. Jetzt sitzen wir hier fest.
Irgendwo im Nirgendwo. Irgendwo im patschnassen Wald von Costa Rica. Es war gestern schon abzusehen, die letzte anstrengende Etappe bis zum Flughafen, das wird verdammt eng.

Da hinten steht auf der Piste noch ein weiterer Flieger, eine kleine Boeing, klein – aber eigentlich viel zu groß für diesen winzigen Flughafen auf der Insel. Startbereit, die Turbinen fiepen schon.
Auf der Gangway ein Mann. Blond. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Amerikaner, Mister Trump.
Ich staune.
Er nimmt uns kurzerhand in seinem Flieger mit, zurück nach Europa. 

Erst als wir unterwegs sind wundere ich mich. Alles so anders, sehr merkwürdig! 
Die Sicherheitsleute – so entspannt. Und Mister Trump – ganz anders als mein Bild bisher? Nahbar. Wir unterhalten uns kurz, bevor er in seiner Kabine verschwindet.

In Italien Zwischenstop, Mr. Trump hat in Mailand einen geschäftlichen Termin. Dann fliegt er extra für uns einen Umweg nach Deutschland. Wir landen in Bad Hersfeld gleich neben den Gleisen. Zum Abschied schüttelt er uns die Hand. Auch hier kurz stutzen: ein fester, ehrlicher Händedruck.

Erst nachdem wir unser Gepäck mit Hilfe der Sicherheitsmänner auf den Bahnsteig gebracht haben kommen mir Zweifel.

Wie bitte? Der Präsident? Bad Hersfeld?

Es war alles ein Traum – so widersprüchlich und zugleich zutiefst überzeugend – stelle ich benommen im Aufwachen fest. Es dauert, bis meine Erlebnisse mit dem Stempel „nur ein Traum“ aus der Realität verscheucht werden.

Doch die Vorstellung gefällt mir, ich könnte mich so sehr in meiner Meinung über einen Menschen getäuscht haben. Jetzt bohrt die Frage in mir.

Woher kommt’s?

Dafür hab ich eine Weile wach gelegen. Dann dämmerte es mir:
Gestern Abend las ich einen langen Artikel über Bernd Höcke, den Chef der AfD.

Morgen gehen wir in Thüringen zur Wahl. Blau ist für mich keine Alternative.

Ich glaube an das gute im Menschen. Ob das ein Traum bleibt?

Vielleicht nicht bei Mr. Trump oder Herrn Höcke. Aber vielleicht anderswo.

Ich glaube weiter daran.

#demokratie

Polaskia chichipe – alles andere als Standard

Polaskia chichipe – etwas anders als gewöhnlich

Es gibt Kakteen, die sind weniger bekannt als andere. Die Polaskia zählt zu den eher weniger bekannten. Und sie ist ein bisschen wie eine Katze.

Mag es gern wärmer, so wie es in Oaxaca und Puebla in Mexiko eben ist. Dabei kommt sie aber auch mit niedrigen Temperaturen bis -4° C aus.

Bei uns ist sie beliebt, weil sie im Unterschied zu Carnegiea gigantea bereits in haushaltstauglicher Größe beginnt, sich zu verzweigen – sozusagen der Hands-Up-Kaktus für die Wohnung.

Nützlich – diese Polaskia chichipeChichituna - die Frucht von Polaskia chichipe auf Pinterest

In der Heimat gibt es andere, handfeste Gründe für die Beliebtheit. So mögen die Einheimischen die Polaskia wegen ihrer essbaren purpurroten Früchte, die sie chichituna nennen. (spannend für mich: ich finde bis auf diese Abbildung bei Pinteres keine Fotos von diesen Kaktusfrüchten) An manchen Orten gibt es regelrechte „Obstplantagen“ in denen die bis zu 2,5 cm großen Polaskia-Früchte geerntet werden.

Und noch ein weiterer praktischer Nutzen ist bekannt: wie alle Säulenkakteen haben auch Polaskia im Inneren ein stabiles hölzernes Stützgerüst, um die bis zu 5 Meter hoch werdende Pflanze auch sicher tragen zu können. So stabil, dass früher daraus Zäune und Möbel gebaut wurden. Darüber berichtet sogar ein Zeitungsartikel aus den 20er Jahren in unserem Archiv.

Die häufigste Nutzung der Einheimischen war indes auf die Verwendung als Brennholz reduziert.

So etwas könnte heute zum Problem werden – denn Kaktusholz steht inzwischen unter Schutz, auf ähnlichem Level wie Ariocarpus oder Elefant.

Deswegen sind selbst die „Regenmacher“ entweder aus anderem Holz geschnitzt, oder sie sind echt und teuer. Wenigstens in der Theorie müssten sie sogar mit einer Mini-CITES Bescheinigung versehen sein. In der Praxis ist das aber nicht so. 

Und so klingt solch ein Rainmaker oder Regenholz:

 

Polaskia chichipe - eine Jungpflanze mit der typischen kreidigen ZeichnungTypisch für die Jungpflanzen ist der leicht kreidige Farbverlauf in Richtung Austrieb und die noch feinen, manchmal sogar gestreiften Dornen.

Mit zunehmendem Alter werden daraus scharfe Waffen – die bei innigem Kontakt schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen können.

Mit zunehmendem Alter hat diese Pflanze auch neue Namen bekommen – und zwar eine ganz stattliche Sammlung:

  • „Chichibe“,
  • „Chichituna“,
  • Cereus chichipe,
  • Lemaireocereus chichipe,
  • Myrtillocactus chichipe,
  • Cereus mixtecensis,
  • Lemaireocereus mixtecensis,
  • Chichipia oder
  • Heliabravoa.

Wie Sie die kleine Schönheit rufen, können Sie sich aussuchen. 

Hier gibt es Polaskia bei Kakteen-Haage.

 

© Ulrich Haage – erstmals erschienen gekürzt als Titelstory im Kakteen-Haage Katalog 2019 Herbst / Winter

Heilsbringer Kakteen?

Alles Auskenner!

Immer wenn es heiß ist in unserem Land, kennt sich jeder plötzlich mit Kakteen aus.
Im September wurde mir mal wieder gesagt: „deine Kakteen sind doch die Gewinner beim Klimawandel – die brauchen kein Wasser und kommen gut mit Hitze zurecht“. 

„Nein!“ habe ich geantwortet – und war schon wieder geladen, „Auch unsere Kakteen leiden unter der Änderung des Klimas, wir haben in diesem Jahr erstmals massive Schäden durch Sonnenbrand feststellen müssen. Sonnenbrand an Kakteen! Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen!“

Große Augen und betretenes Schweigen waren die Antwort.
Was mich daran ärgert – und an der Aussage: „Wir müssen einfach Bäume aus wärmeren Regionen bei uns pflanzen – dann ist doch alles wieder gut.“ – es ist nur das Herumbasteln an den Symptomen, bloß um nichts an den Ursachen ändern zu müssen.

Alles gut?

Wirklich? – Pustekuchen!
Ich sehe es am Beispiel unserer Stadt Erfurt: es ist ein Ringen, ein Wettlauf.
Es ist ein Trugschluss, dass die Natur sich selbst rettet – zumindest nicht, solange wir Menschen im System mitspielen.
Wir müssen dafür sorgen, dass die Natur in der Stadt überleben kann. Bäume pflegen, sie gießen und auch bei der Auswahl aufpassen.
Bei uns in Erfurt haben viele Stadtbäume im vergangenen Jahr zusätzliche Wassertanks auf die Wurzeln bekommen, die schützen und sorgen für Feuchtigkeit.
Viele Erfurter werden selbst aktiv und übernehmen Baumpatenschaften, sie pflegen den Straßenbaum vor ihrer Haustür.
Das ist, was wir brauchen: Menschen die verstehen und handeln.
Und weil heute der 7. Oktober 2019 ist:
die Frau, der ich auf der Treppe im Garten- und Friedhofsamt entgegen kam und die gerade ihre Baumpatenschaftsurkunde mit einem Lächeln in die Tasche schob; ich würde mich nicht wundern, wenn diese Frau auch heute vor 30 Jahren schon einmal zu denen gehört hat, die verstanden und gehandelt haben und mit bei den ersten Montagsdemos gewesen ist. Nicht um zu krakeelen, sondern um Teil einer Veränderung zu sein.

Und jetzt?

Und genau das ist, was mich sauer macht bei dem Gedanken, Kakteen könnten doch die Lösung für die Klimaveränderung bringen: es zeigt unsere Mentalität der vergangen Jahrzehnte: „wir schrauben ein bisschen hier, verbessern dort ein wenig – und schon ist wieder alles gut“.

Nein – ist es nicht! Wir müssen die Ursache verändern!
Kakteen können uns auch nicht die abgebrannten Amazonas-Wälder wiederbringen!
Ich pflanze Bäume. Haben die Haages schon länger gemacht. Das Arboretum auf dem Grünen Campus vor der Fachhochschule, die Krämpfer Gärten in der Leipziger Straße ist heute eine kleine Referenzsammlung und einer meiner Lieblingsorte in Erfurt. Früher wurden hier im Garten die Gäste der Gärtnerei Haage & Schmidt empfangen.

Was können wir machen?

Mein Urgroßvater, später auch mein Großvater haben hier auf der Cactusfarm auch eine kleine Baumsammlung angelegt – der ich bis heute immer wieder etwas Neues hinzufüge. Und es ist schön zu sehen, was in 100 Jahren wachsen kann.
… aber das ist eine ganz eigene Geschichte für später …

Mir ist völlig bewusst – nicht jeder hat die Möglichkeit, beliebig irgendwo Bäume zu pflanzen – und selbst wenn es jeder täte, es rettet die Situation nicht – wir leben schlicht zu sehr über unsere Verhältnisse. Es geht um den ersten Schritt, umdenken, etwas tun – denn jeder von uns hat die Möglichkeit, etwas in seinem Leben zu ändern.

PS: Die Frage oben wurde mir übrigens nicht an irgendeinem Stammtisch gestellt, sondern im Podium einer recht illuster besetzten Runde eines Ministeriums unseres Landes.

PPS: Ich bin ja sonst eher so ein ruhiger – aber das musste mal raus!
HA!

Erfurt. Deutschland. Heute vor 30 Jahren

... beginnt die Mauer zu bröckeln. Eine Mauer die einen ängstlichen Staat schützt, seine Bürger zu verlieren. So umreißt es unser damaliger Probst Heino Falcke. Heute und damals Heute sitze ich im Erfurter Theater, einem Ort, den es damals noch nicht gab.Vor etwas...

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