CactusPodcast Episode 005 – Echeveria – Interview mit Emily Cox

Echeveria – ​CactusPodcast Episode 005

Mrs. Echeveria – Emily Cox im ersten CactusPodcast Interview

Echeveria – Interview Nummer eins. … oder ist es doch nicht das erste Interview? – Das klären wir gleich. 
Soviel schon mal hier: diese Podcast-Episode gibt es nicht nur zu hören, sondern auch zum anschauen auf Youtube.
Und es ist zugleich auch die Ankündigung für den mdr Garten-Beitrag zum Thema Echeveria der am 16.2.2020 im Fernsehen läuft – oder danach in der Mediathek. 
Aber jetzt erstmal Interviews!

CactusPodcast Episode 005 - Echeveria - Emily Cox im Interview

von Ulrich Haage | CactusPodcast

Herzlich willkommen

Ich bin Ulrich Haage – und das ist – wenn alles klappt – die Episode 5 im CactusPodcast
Und es ist das erste Interview im CactusPodcast.
Aaaber: in Wahrheit ist es schon mein viertes Interview.
Ich war vor einigen Jahren in London und habe Nigel Taylor, damals noch Curator in Kew Gardens getroffen und mich über Taxonomie und Artenschutz unterhalten.
Und zwei Tage später bin ich weiter nach Reading gefahren und war bei Gordon Rowley in seinem verzauberten Häuschen der Cactus Villa. 
In Bonn habe ich mit Prof. Wilhelm Barthlott über seine Beziehung zu Kakteen gesprochen. 
Alle drei Interviews haben gemeinsam: sie waren auf dem Weg zur Digitalisierung und sind dabei verschollen und nie wieder von dort zurückgekehrt. 
Aber ich habe noch nicht aufgegeben – vielleicht tauchen sie doch wieder auf.
Und wenn ich noch ein bisschen nachdenke – vielleicht gibt es sogar noch mehr Interviews.
Soviel erstmal zur Interview-Vorgeschichte.

Über Echeveria mit Mrs. Echeveria

Heute geht es um etwas ganz anderes. Ich sitze heute mit Emily Cox am Mikrofon. 
Emily Cox ist zuzusagen Kaktusjunggärtnerin, sie hat im vergangenen Jahr ihre Ausbildung bei Kakteen-Haage begonnen – und mir macht das Thema Gärtnerausbildung wieder richtig Spaß!
Wenn ich Kaktusjunggärtnerin sage, dann trifft es die Sache nicht ganz im Kern, denn ihr Fachgebiet liegt eigentlich ein bisschen neben den Kakteen. 
Und im Geiste nenne ich sie eher Misses Echeveria – das weiß sie aber nicht.
In diesem Sinnne: herzlich willkommen im CactusPodcast Mrs. Echeveria!
 
  • Sie haben in der nächsten Woche Ihren ersten TV Auftritt – sind Sie aufgeregt?
  • was geht Ihnen durch den Kopf?
  • warum haben Echeverien manchmal so eine merkwürdige Mehlschicht auf den Blättern?
  • Echeveria im Garten kultivieren – geht das?
  • was wird das Thema sein?
  • was ist Ihnen besonders wichtig – was sollte man wissen?

Interview Teil 2 – oder eben doch nicht …

Mit dem zweiten Teil des Interviews klappt im Moment leider nicht.
Ist ja auch kaum zu überhören: meine Stimme klingt so richtig gut und sexy nach einer Mischung aus Whisky und Grippe – und mit Ausnahme vom Whisky stimmt das auch. 
Ohne Emily Cox geht das mit dem Interview eben auch nicht – denn sie ist im Moment nicht momentan. Ich wünsche ihr von hier einfach mal gute Besserung!
Aber es wird sicher noch mindestens einen weiteren Part zum Thema Echeveria geben… – sobald das passt. 
Dann werden wir in jedem Fall noch mehr erfahren über Echeverien, Farben und die Kultur im Garten.
Noch eher geht es darum: wie einfach sich Echeverien vermehren lassen – denn: 
wir haben jetzt einen Sendetermin! Und bis dahin ist nicht mehr lange.
 
Die Echeveria-Sendung im mdr Garten mit Emily Cox läuft am Sonntag, 16.2. ab 8.30 Uhr – oder danach in der Mediathek – den Link dahin gibt es in den Shownotes.
 

Fragen?

Klar beantworten wir hier auch gern noch Fragen zum Thema Echeveria – und die besten sammeln wir und nehmen sie mit für die nächste Episode zu diesem Thema. 

Und eigene Fragen bewegen uns auch noch. So bin ich beispielsweise sehr neugierig, mehr über die praktischen Erfahrungen von Emily Cox bei der Kultur von Echeverien im Garten zu erfahren. Ich freu mich schon auf das nächste mehr oder minder öffentliche Fachsimpeln mit ihr. Jetzt bin ich aber erstmal gespannt auf den mdr Garten. 

Und einen glücklichen Valentinstag morgen!

Was kommt denn als nächstes? 

Wie geht es hier im Cactuspodcast weiter?
Ich bin schon von einigen Seiten gefragt worden: warum ist der CactusPodcast nicht auf iTunes – oder korrekt: Apple Podcast. 
Läuft! Das soll bis zur nächsten Episode erledigt sein. 
Und es gibt noch etwas anderes: eine eigene FB Gruppe wird es geben – dort ist dann Platz für Ankündigungen, man kann seine brennenden Fragen loswerden – die vielleicht auch für andere Hörer interessant sind, Austausch …
Ich weiß, das ist nichts neues – und den Anspruch hat es auch nicht – aber ich glaube, es wird sich lohnen, dort mal vorbeizuschauen. 
 
Sobald sie vorbereitet ist gibts auch dazu einen Link!
Und was kommt noch?
Eine ganze Menge:
Ich arbeite zum einen an einer Mini-Serie für Einsteiger. Da geht es um die Dinge, die die Kakteenprofis alle schon kennen – aber – vielleicht ist für den einen oder anderen auch da noch etwas dabei.
 
Und: ich möchte gern als nächstes etwas zum Thema Aussaat machen – denn da sind doch eine ganze Menge Irrtümer in der Welt unterwegs.
 
Das wars für heute – ach so – vielleicht der Hinweis: diesen Podcast gibt es auch mit Bewegtbild in Farbe – der Link zu youtube kommt gleich noch in die Shownotes.
Und wer nur hören mag – die Bilder von den Pflanzen sind im Beitrag – und auch ein Bild aus dem kleinen „CactusPodcast-Studio“.
 
Bleibt schön gesund da draußen! 
Bis die Tage.
Das war Ulrich Haage.
 
 

Shownotes 

  • mdr Garten – die Webseite zur Sendung
  • mdr Garten in der Mediathek
  • das Echeveria-Interview in bewegt anschauen auf Youtube
  • weiterführende Fachliteratur: The Genus Echeveria – John Pilbeam – hier bestellen

 

The Genus Echeveria - John Pilbeam

The Genus Echeveria – John Pilbeam

CactusPodcast Episode 004 – Bi58 – ein Nachruf

​CactusPodcast Episode 004 – Bi58

ein Nachruf für ein Pflanzenschutzmittel

Ein Nachruf für Bi58 – ein Pflanzenschutzmittel – wer macht denn sowas merkwürdiges? 
Ich! Ulrich Haage, Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster – und ich erzähle auch warum.
Es gibt Informationen, die für viele Pflanzenfreunde von Interesse sein kann – denn Bi58 wird in Kürze Geschichte sein.
Und Nein! Das wird keine Jubelstory – dafür habe ich selbst zu lange im Pflanzenschutzalltag gearbeitet – und das hatte gar nix von Ponyhof.

CactusPodcast Episode 004 - Bi58 - ein Nachruf

von Ulrich Haage | CactusPodcast

Herzlich willkommen

… zur Episode 4 im CactusPodcast. Ich bin Ulrich Haage und erzähle heute eine Geschichte, die mich im Alltag bewegt – von Bi58.
 
Wer mit Bi58 nichts anfangen kann: das ist ein Pflanzenschutzmittel das seinen Ursprung im VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld hat und sowohl in der DDR, aber auch als Exportprodukt in anderen Ländern Verbreitung gefunden hat. Und wenn es um Pflanzenschutzmittel geht, dann werden heute damit viel mehr Menschen bewegt, als es Früher der Fall war.
 
Bi58 – kann man eine Beziehung zu einem Pflanzenschutzmittel haben? Und warum überhaupt ein Nachruf?
Ja, mir geht’s wenigstens so. Auch wenn meine Beziehung nicht immer schön war. Ich erzähle heute, wie es dazu kam. Und wie es sich für einen Nachruf gehört schaue ich auch auf das „Werden und Leben“ des Verblichenen.
Kurz: warum eigentlich der Nachruf? 
Zugegeben – das ist alles ein bisschen schräg: ein vorhergesagtes Ende. Am 31. Januar 2020 wird es Bi58 wie ich es kenne nicht mehr geben. 
 

Pflanzenschutzmittel sind nicht mehr ohne Emotionen

Ich hab mir beim schreiben überlegt – wird das Wellen machen? Pflanzenschutzmittel sind kein emotionsfreies Thema. Das polarisiert die Gesellschaft. 
Da gibt es einerseits die Menschen die sagen: 
„Ich will in meinem Garten keine Kirschessigfliegen haben, sondern schädlingsfreie  Pflanzen und Kirschen ohne Maden“! Die sind froh über Mittel die Schädlinge im Garten kontrollieren.
Wer mal eine Wolllaus-Invasion in der Kakteensammlung erlebt hat, der weiß, was ich meine.
Aber es gibt auch die Menschen auf der anderen Seite des Gartenzauns, die sagen vielleicht „Kirschessigfliege ist mir egal, das gehört zur Natur, die darf da ruhig sein. Aber ich möchte nicht, dass mein Nachbar in seinem Garten mit Gift rumspritzt, das zieht nämlich immer zu mir, ich möchte gesundes Obst und die Natur erhalten statt Zerstörung – dieses Gift muß endlich verschwinden!“
Wer hat denn jetzt recht – wer nicht? Wessen Interessen zählen mehr? 
Für mich ist das ein Synonym für unserer Gesellschaft. 
Finde ich eher einen Grund, mich über etwas aufzuregen, oder suche ich nach Lösungen? Auch wenn es ein Kompromiss ist.
Wie gehen wir mit der Meinung anderer Menschen um. 
Wie pointiert sehe ich den anderen und was er sagt? 
Bin ich der Dorn, die vereinzelte Perspektive, mit der ich stechen will – und warum? 
Oder bin ich der Kaktus, der mit vielen Sichtweisen, also der Summe seiner Dornen mein Sichtfeld erweitert und dabei ruhig in der Hand liegt – und verletzungsfrei.
Ich habe leider auch keine salomonische Lösung in petto, aber ich bekomme von unseren Kunden mit: es gibt nur wenige, die sagen: ach, eine Wolllaus, wie possierlich. Die Frage: „was kann ich jetzt dagegen machen?“ ist weit häufiger.
 

Ist Bi58 böse? – Meine Story

Für die manche Menschen sind Pflanzenschutzmittel per se böse belegt und werden mit Verachtung bestraft. 
Meine Geschichte mit Bi58 beginnt dagegen positiv. 
Und sie beginnt mal wieder in meiner Kindheit.
Wir sind als Familie sehr oft wandern gewesen. Schlafsäcke, Zelt in den Rucksack – los! 
Zu Pfingsten haben wir die Paddelboote zum Bahnhof gerollt und sind paddeln gefahren. Havel, Müritz, Elbe, Ellenbogensee, Masuren, Spreewald – haben wir alles erobert. 
Und wir sind eine große Familie – manchmal sind wir mit sechs bis zehn Booten unterwegs. Und für zehn bis zwanzig Leute muss dann auch gekocht werden. Mein Vater liebt seine kleinen und leichten Juwel-Benzin Campingkocher – und hier beginnt meine Geschichte. Der Kocher kocht mit Benzin. Nudeln, Haferflocken, Kaffee. Das Benzin muß irgendwie transportiert werden – und dazu wurden die ausgemusterten Bi58 Flaschen verwendet. Ein Liter, aus Aluminium – leicht, stabil – praktisch. Ich hab sie immer ein bisschen mit Abenteuer, Freiheit, beeindruckenden Erlebnissen in Verbindung gebracht – und das prägt – vielleicht länger als mir bewusst ist. 
 
Jahre später, gegen Ende meiner Ausbildung lande ich in der Abteilung Pflanzenschutz – Feldgemüse. Ich hatte so viel Pflanzenschutzmittel um mich herum, da ging es nicht mehr um Flaschen, die Einheit waren Hektar und Kartons – auch Bi58. Die Ergebnisse der jährlichen toxikologischen Kontrolluntersuchung beruhigten mich damals. 
Ob die manipuliert waren weiß ich nicht. Ich weiß, heute gibt es eine solche Untersuchung nicht mehr, aber Feldspritzen gibt es immer noch, die sind inzwischen größer und arbeiten heute etwas filigraner. 
Gesund oder ungefährlich ist es aber auch heute nicht – das arbeiten mit Pflanzenschutzmitteln. 
Soweit meine Story.

Bi58 im Detail

Schauen wir uns mal die Fakten zu Bi58 genauer an. 
Bi58 wurde seit den 60er Jahren in Bitterfeld hergestellt. Bi – wie Bitterfeld – das vermute ich zumindest. 
Ich habe im Bundesarchiv noch Bilder von der Produktionsstätte in Bitterfeld gefunden.
Aber sonst gibt heute nur sehr wenig halbwegs verlässliche Quellen über den Ursprung von Pflanzenschutzmitteln. 
Immerhin lerne ich: der Wirkstoff Dimethoat, ein Dithiophosphorsäureester wird 1962 in den USA zugelassen. In einem Pflanzenschutzbuch in der Handbibliothek meines Vaters finde ich einen Eintrag: 
Flasche mit 100 ml Bi58 EC – Preis 5,35 MDN.
Die Mark der Deutschen Notenbank gibt es nur von 1964 bis 1967. Also gehe ich davon aus – der Ursprung liegt in diesem Zeitfenster.

Werbung in der DDR

Als ich 1987-89 mit Bi58 gearbeitet habe gab es Bi58-WP-40 (nur im Profi-Bereich) und Bi58 EC – wobei ich heute nicht mehr sicher bin, wie Hobbygärtner zu ihren Pflanzenschutzmitteln kamen.
Vermutlich war für diese Versorgung die BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaften) zuständig – es konnte ja schließlich unmöglich jeder jemanden kennen …
(Facebook war damals ja noch nicht erfunden) 
Bi58 EC Werbung DDR

Bi58 EC Werbung aus der DDR

Auf dem DDR-Faltblättchen steht:
„enhält 380 bis 420 g/l Dimethoat“ – und weiter:

 

Bi 58 EC ist ein systemisch wirkendes Insektizid und Akarizid mit zusätzlicher Kontaktwirkung. Je nach Applikationsform wird der Wirkstoff über das Blatt. den Stengel oder die Wurzel verhältnismäßig schnell von der Pflanze aufgenommen, vornehmlich vom Transpirationsstrom verteilt und danach gespeichert.

Dadurch werden im Blattgewebe minierende, sowie versteckt sitzende und von der Spritzbrühe nicht getroffene Schädlinge erfaßt.
 
Solange der Wirkstoff noch nicht vollständig in die Pflanze eingedrungen ist, übt er eine Kontaktwirkung aus und sichert somit einen Bekämpfungserfolg gegen eine Anzahl beißender Schädlinge.
Bei einer Reihe von Schädlingen wird die sicherste Wirkung bei Temperaturen um 18 °C und darüber erzielt.
Die Wirkungsdauer des Mittels beträgt bei Einhaltung der Aufwandmengen 10-14 Tage.
 
Anwendungsgebiete: Acker-. Garten-‚ Obstbau sowie im Wein-. Hopfen- und Zierpflanzenbau. Ferner in Kulturen unter Glas. 
… für DDR-Verhältnisse klingt das sehr werblich.

Bi58 und Kollegen

Bi58 ist nicht alleine auf der Welt. Der international verbreitete Handelsname lautet Rogor.
Kennen wir auch. Und es gibt in Deutschland noch mehr Geschwisterprodukte: 
  • Perfekthion
  • Bi 58 (Frage: ist das Mittel schon vor der Wende mal jemandem außerhalb der DDR begegnet?)
  • ROXION
  • Rogor 40 l
  • Danadim Progress
  • Lizetan (das gab es also auch mit Dimethoat)
 
Mit der Wende verschwinden viele Ost-Produkte von der Bildfläche. Bi58 gibt es weiter.
Das Produkt war offensichtlich auch für die Mitbewerber im Westen interessant. Bayer, BASF und aktuell Compo habe ich im Hinterkopf. Wer allerdings zu wem gehört – das wird schnell unübersichtlich, der letzte Hersteller war Compo, Markeninhaber ist die BASF.
Bei der Recherche im Netz fallen mir flapsige Seitenhiebe auf. Pauschal schreibt die „Welt“ über die Hochkonjunktur der Gifte aus dem Gartenmarkt: „Vor allem im Osten wird gern gründlich gearbeitet.“ Und „„Bi“ steht für Bitterfeld – und für Tod und Verderben.“ Ich dachte, die Phase solcher subtil-manipulativer Ost/West Äußerungen hätten wir inzwischen hinter uns gelassen. Zumal das „Bi“ nur noch Namensrelikt ist, das Mittel ist seit vielen Jahren in Ludwigshafen, Leverkusen oder Münster zuhause.
 
Der nächste Satz: „Zwar sank die Konzentration des Wirkstoffs Dimethoat im Vergleich zu DDR-Zeiten auf einen Bruchteil“ ist für mich nicht nachvollziehbar – auch wenn dieser Mythos von Hobbygärtnern und von Gartenbauprofis gleichermaßen verbreitet wurde.
Die Wirkstoff-Konzentration liegt von Beginn an bei 380 g/l – und so bleibt es unverändert.
So steht es im ersten Pflanzenschutzmittelverzeichnis aus den 1960ern, in dem von 1978 und auch immer noch auf der aktuellen Packung.
Das hab ich fürs Foto mal nebeneinander gestellt.
Falls ich mit meinem Unverständnis falsch liege – ich freue mich immer über Aufklärung und Horizonterweiterung.  
 

CactusPodcast

Fragen

Ich habe zu dem Thema eine ganze Menge Fragen bekommen. Die wichtigsten sind hier zusammengefasst:
 
warum verschwinden Pflanzenschutzmittel wie Bi58 eigentlich vom Markt?
  • jedes Pflanzenschutzmittel wird vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zugelassen. Vorher macht das Umweltbundesamt noch eine Umweltrisikobewertung.
  • wenn dem Pflanzenschutzmittel, oder dem Wirkstoff die Zulassung entzogen wird, darf es nicht mehr verkauft und etwas später auch nicht mehr verwendet werden
  • die Gründe dafür können z. B. neue Erkenntnisse bei der Gefährdungsbeurteilung sein, in anderen Fällen können es auch politische Gründe sein, manchmal können sich die Entscheider auch nicht einigen – kennen wir beispielsweise vom Tauziehen um den Wirkstoff Glyphosat.
  • wenn ein Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen wird dauert das meist Jahre. Bei anderen Mitteln kann das aber auch ganz schnell gehen. So wurden die meisten Neonicotinoide ganz fix vom Markt gefegt.
  • Die Zulassung für Bi58 ist am 31.7.2019 ausgelaufen. Danach durfte das Mittel noch bis zum 31.1.2020 verkauft werden und muß bis zum 30.6.2020 aufgebraucht werden.
  • als Grund für das Zulassungsende wird Zeitablauf angegeben – das kann z. B. bedeuten: der Hersteller hat keine Verlängerung der Zulassung beantragt
was benutzt Ihr jetzt statt Bi58?
  • wir haben schon immer Alternativen zu jedem Pflanzenschutzmittel im Einsatz, im Sommer sind in unseren Gewächshäusern die Marienkäferlarven und andere Nützlinge unterwegs – in der Zeit sind Pflanzenschutzmittel wie Bi58 ohnehin tabu
  • in der kalten Jahreszeit, wenn die Marienkäfer nicht mehr da sind gibt es z. B. das natürliche Neem-Öl oder Promanal
gibt es noch andere, oder natürliche Lösungen?
  • gibt es: die erste Lösung z. B. bei Befall mit Wollläusen hab ich in der Episode 1 erklärt – Spiritus
  • Öl-Präparate wie Promanal
  • Seifenpräparate wie Neudosan
  • Pyrethrum wird aus Chrysanthemen gewonnen > Spruzit
  • Vorsicht vor vermeintlichen Hausmitteln wie Nikotin, oder Bordeaux- oder Kupferkalkbrühe – die können richtig giftig sein, wenn man ein altes Rezept erwischt – und sind daneben auch nicht zulässig
was kommt als Ersatz für Bi58?
  • Grundsätzlich entscheidet das natürlich der Hersteller. Wenn der einen Grund hat, eine Verlängerung nicht zu beantragen (die Kosten dafür sind immens), dann macht er es nicht – und einen Ersatz wird er nur vorstellen, wenn ihm das lukrativ erscheint
  • Bi58 verschwindet, weil der Wirkstoff Dimethoat seine Zulassung verloren hat – und – Stand heute auch nicht mehr verlängert wird.
    Aber ich habe läuten hören, das es tatsächlich ein Nachfolgeprodukt geben soll – mit einem neuen Wirkstoff.
    Wenn das wirklich so kommt, dann sehe ich das ziemlich skeptisch. Das ist nicht zum ersten mal, dass ein Wirkstoff heimlich still und leise ausgetauscht wird und der Markename beibehalten. Ich gehe davon aus, das nur wenige Verbraucher so etwas auf den ersten Blick mitbekommen – und dann erst später das erwachen kommt – und dann werden da schnell die Rufe laut wie: „Betrug am Verbraucher“ oder „Verpackungsschwindel“ – und damit schadet sich ein Hersteller selbst und liefert Gründe für hartnäckige Mythen wie den nächsten:
    Denn – auch wenn viele Menschen anderes zu wissen glauben: bei Bi58 hat es eine solche Veränderung bislang nicht gegeben. Einzig die Hersteller und die beigefügten Warn-Duftstoffe haben ein paar mal gewechselt.
    Falls es wirklich einen Relaunch mit neuem Wirkstoff geben sollte, dann bin ich darauf schon sehr gespannt. 

 

Zusammenfassung:

Die ist heute kurz:
  • Bi58 darf nach dem 31. Januar 2020 nicht mehr verkauft werden.
  • Aufgebraucht werden darf der Vorrat noch – der Gesetzgeber erlaubt das bis zum 30.6.
  • Alternative Mittel und Methoden gibt es – z. B. Neem-Öl, oder die Spiritus-Methode
    genauer hab ich das in der Episode 2 erklärt

Was kommt denn als nächstes? 

Im nächsten CactusPodcast – Episode 005 – gibt es erstmal kein Pflanzenschutz-Thema – das reicht fürs erste. 
Was es genau wird? Ich habe mich noch nicht entschieden – aber auf meinem Zettel steht: „die grusonii Geschichte?“ 
 
Das war’s für heute. Mir hat es richtig Spaß gemacht – und ich freu mich natürlich über eine Rückmeldung. Entweder als Kommentar hier im Cactusblog – und ein bisschen kann ich das schon mal gucken lassen: für Eingeweihte gibt es eine FB geschlossene Gruppe – mehr dada will ich noch nicht zu viel verraten.
Ich freue mich über Fragen – und natürlich auch über Themenwünsche für die nächsten Episoden. Bis dahin bin ich auch ein bisschen schlauer in Sachen Podcasting – denn für mich gibt’s in den nächsten Tagen eine Weiterbildung – und darauf bin ich schon total neugierig!
In diesem Sinne: bleibt schön gesund und glücklich!
 
 
 
 

Shownotes 

CactusPodcast Episode 003 – Spinnmilben im Winter im Kakteenhaus

CactusPodcast Episode 003 – Spinnmilben

Miniserie – Winterschädlinge 2
Hallo und herzlich willkommen zum Cactuspodcast – Episode 003 – mein Name ist Ulrich Haage und heute geht es um:
Spinnmilben – des frostigen Minimonster-CactusPodcast zweiter Teil 
(das musste jetzt sein – wir üben gerade den Genitiv mit Sohnemann) 
In der heutigen Episode geht es noch einmal um Winterschädlinge in der Kakteensammlung und wir schauen uns heute die Spinnmilben an – und welchen Schaden sie anrichten können. 
Die Schäden machen Spinnmilben natürlich auch im Sommer, allerdings ist ihnen – ähnlich wie bei den Wollläusen – im Winter schwieriger beizukommen.

CactusPodcast Episode 003 - Spinnmilben im Winter an den Kakteen

von Ulrich Haage | CactusPodcast

Worüber rede ich heute? Die Spinnmilben werden im Volksmund auch gern als rote Spinne bezeichnet. 
Das ist aber ziemlich irreführend, denn DAS ist was anderes – denn die heißen eigentlich Rote Samtmilbe.
 
Ich hab dazu immer eine Erinnerung im Hinterkopf. Ist schon ein paar Jahre her – ich saß als kleiner Junge mit kurzer Hose auf dem Rand von einem Frühbeetkasten, eigentlich haben wir aber immer „Mistbeete“ dazu gesagt denn sowohl meine Großeltern wie auch meine Eltern haben die Mistbeete noch mit Mist gepackt um dort Pflanzen im Frühling einfach und natürlich zu beheizen. Ich saß also auf dem Rand vom Mistbeet – und das war immer ziemlich eindrücklich, denn der Mistbeetrand ist aus Waschbeton und die kleinen Kieselsteine pieken extrem im Oberschenkel. Die Eindrücke blieben meist eine halbe Stunde im Bein sichtbar – und mir bis heute in meiner Erinnerung. Ich saß also dort – und plötzlich tauchen zwei große rote Fühler auf – und ziehen eine dicke rote Spinne über die Kante. Eine meiner großen Cousinen hat mir dann gezeigt, was passiert, wenn man die zerknietscht – das fand ich aber schräg und hab das nicht nachgemacht. Und klar: die Dimensionen der roten Spinne sind natürlich übertrieben, ich war ja noch klein – und es war auch keine rote Riesenspinne – und auch keine Spinnmilbe – sondern es war eine der vorhin erwähnten Roten Samtmilben, die bekannt dafür sind, flott im Sonnenschein auf Mauern umherzulaufen – und um die es heute nicht geht! – das ist also eine irreführende Erinnerung!
 

Spinnmilben – Rote Spinne eine Einordnung

Bevor es jetzt noch mehr Wirrungen gibt – sortieren wir mal und gucken hinter die Begrifflichkeiten. 
Richtig: Spinnmilbe, noch besser: Brevipalpus russulus.
Nicht gut weil irreführend: Rote Spinne
Ganz spannend ist: Brevipalpus russulus ist ein echter Kakteenspezialist – heißt deswegen auch Kakteenspinnmilbe und kommt ursprünglich aus Mexiko und wurde schon 1867 beschrieben! Besonders bei der Kakteenspinnmilbe – die spinnt nicht. Wer also Gespinste in seinen Pflanzen findet und dazu die üblichen Spinnmilbenzeichen – der kann vorsichtig vermuten, dass da keine Kakteenspinnmilbe am Werk ist.
Es gibt natürlich nicht DIE Spinnmilbe – sondern nur etwa 1.200 verschiedene Arten, aber nur rund 100 werden wirklich als Pflanzenschädlinge angesehen.
Die Gemeine Spinnmilbe – Tetranychus urticaea heißt so, weil sie weit verbreitet ist – nicht weil besonders gemein – obwohl diese Art die meisten Schäden anrichtet. Die Weibchen sind im Winter rötlich gefärbt. 
Noch eine andere ist Panonychus ulmi – auch Obstbaumspinnmilbe genannt, weil sie gern dort anzutreffen ist und überwintert – oder eben >> Rote Spinne. Den Namen hat sie bekommen, weil ihr Körper eine rötlich-orange Färbung aufweist, die meisten anderen Spinnmilben sind eher bräunlich, gelblich oder grünlich und durchscheinend.
Aber – das ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen – denn Spinnmilben haben eine Größe von 0,2 bis 0,8 mm, das sind 200 bis 800 Mü, oder µm, im Vergleich entspricht das einer Menschliche Eizelle, oder dem Pixelabstand bei einem einfachen 17-Zoll-Bildschirm – und zugleich ist das die Untergrenze des Auflösungsvermögens unserer Augen. Kurz gesagt: die Spinnmilben sind winzig klein.
Wir erkennen sie wesentlich schneller an den Schäden die sie anrichten. Meist beginnt es im Scheitel: kleine Stellen, einzelne Zellen beginnen zu vergilben – und dann ziemlich schnell immer mehr drumherum verfärben sich matt hellbraun oder -grau. Im Sommer kann man es leicht mit Sonnenbrand, Schorf oder Rostpilzen verwechseln. 
Was passiert da? Die Spinnmilbe sticht in die Zelle und saugen den Zellsaft aus. Folge: die Zelle stirbt ab und verfärbt sich, Blätter vertrocknen und fallen ab, Blüten verkümmern, zeigen Schäden oder öffnen sich nicht. 

Extrem fruchtbar: Vermehrung bei Spinnmilben

Eine Spinnmilbe kann keinen großen Schaden anrichten. ABER: eine Spinnmilbe kommt selten allein. Die nehmen das mit dem „Seid fruchtbar und mehret euch“ sehr wörtlich.
Eine Spinnmilbe legt zwischen 60 und 100 Eiern. Wenn es schön warm und trocken ist, dann sind die innerhalb von 6-14 Tagen geschlüpft und erwachsen und können wieder Eier legen.
Je nach Art können das zwischen 8 und 15 Generationen im Jahr werden. 
 
Klingt nicht so dramatisch?
Ich hab das mal fix mit 12 Generationen überschlagen.
Wenn ich eine Spinnmilbenmutter ins Gewächshaus schleppe, nur eine – dann sieht das nach einer Vegetationszeit so aus:
  • 1.1268250301319696e+24 Spinnmilben
  • Dezimal: 1126825030131969600000000 – oder in Worten:
  • eine Quadrillion einhundertsechsundzwanzig Trilliarden achthundertfünfundzwanzig Trillionen dreißig Billiarden einhunderteinunddreißig Billionen neunhundertneunundsechzig Milliarden sechshundert Millionen Spinnmilben.

Diese Zahl ist nur grob gerechnet – aber es kann ja auch passieren, man hat versehentlich zwei Spinnmilben als Ausgangslage. Das sind für mich verstörend große Zahlen. Allein die Vorstellung, solch ein Heer würde sich auf unsere Kakteen stürzen.

Deswegen: was kann man überhaupt gegen eine solche Invasion tun?

Spinnmilbenabwehr – acht Wege

Wir sind nicht ohnmächtig, selbst bei solchen immensen Zahlen greift immer die natürliche Regulation ein. 
  1. Die beste Methode sich Spinnmilben vom Hals, respektive vom Kaktus zu halten ist Luftfeuchtigkeit. Eine der wenigen Möglichkeiten, die ich sogar präventiv einsetzen kann. Dazu hilft manchmal schon regelmäßiges lüften. Wo das nicht mehr reicht, auch sprühen mit der Blumenspritze erhöht die Luftfeuchte. Die Profis im Gartenbau setzen dazu übrigens richtige fahrbare Nebelwerfer ein – das ist aber ein ziemlich teurer Spaß. 
    Der Idealfall wird umschrieben mit 50-60 % Luftfeuchte, Temperaturen unter 25° C, plus gute Luftzirkulation. 
  2. Eine Notfall-Lösung wenn nur wenige Pflanzen befallen sind: die Pflanzen in eine Folie-Tüte stellen, gut mit warmen Wasser einsprühen, verschließen und für ein bis zwei Tage an einem hellen aber nicht sonnigen Platz stehen lassen. Die Idee habe ich übrigens in einem lesenswerten Artikel über Spinnmilben beim Kaktusmichel gefunden.
    Ich hab die Idee noch ein bisschen weitergedacht: wenn es ein paar mehr Pflanzen sind, dann bietet sich auch ein Zimmergewächshaus als Quarantänestation an. Genau dafür haben unsere Anzuchtgewächshäuser verschließbare Lüftungsöffnungen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der kann diese auch noch extra mit Tesa abkleben. 
  3. Punkt drei könnte platter nicht sein: die Pflanzen gesund halten, abhärten und richtig ernähren. Den Grund hat mein Vater schön und einfach auf den Punkt gebracht: Spinnmilben sind Schwächeparasiten. Die treten häufig erst dann auf, wenn die Pflanze suboptimal gehalten wird, gesunde Pflanzen werden nur selten von Spinnmilben befallen.
  4. Auch das scheint auf der Hand zu liegen: Pflanzenhygiene also Sauberkeit im Gewächshaus und an der Pflanze – konkret: Blütenreste, alte Blätter, alles was für die kleinen Schädlinge zum Versteck dienen könnte – bitte konsequent entfernen
  5. Pflanzen die im Freien stehen werden von Natur aus geschützt. Dort leben Laufkäfer, Florfliegen, Raubmilben oder Raubwanzen die Spinnmilben zum fressen gern haben. Diese Nützlinge können wir für den Einsatz im Gewächshaus auch kaufen – aber eben nicht im Winter – denn die mögen es warm und sehr feucht – und DAS mögen unsere Kakteen nicht. Nützlinge helfen im Winter gegen Spinnmilben leider eher nicht.
    Im Sommer klappt das besser: dann räumen Raubmilben (z. B. Phytoseiulus persimilis) auf. Sie sind fleißig, mobil und fressen sowohl die Spinnmilben-Eier und auch die erwachsenen Spinnmilben. Bei Zimmerhaltung klappt es mit den Raubmilben leider selten, 75 % Luftfeuchte ist im Wohnzimmer leider unrealistisch – manchmal ist es dann auch eine Option, die Pflanzen ins Bad zu bringen.
  6. Kieselgur – ist an sich eher bekannt als Kultursubstrat oder Zuschlagstoff, hilft aber auch gegen Milben. Der Tipp kommt eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Wir bekamen ihn vom der Hühnerfrau von der unsere kleine Hühnerschar auf der Cactusfarm kommt. Die sagt: wenn die Hühner Milben bekommen, dann werden sie mit Kieselgur eingestäubt. Kieselgur Körnung 0 wirkt rein mechanisch: die „Diatomeenerde“ oder noch schöner „Bergmehl“ ist aus Kieselalgen entstanden. Um eine Größenvorstellung zu bekommen: ein Milliliter Kieselgur besteht aus einer Milliarde Diatomeenschalen – also ganz feines Zeug. So fein, dass es sich in den Gelenken der Milben verklemmt und sie so „stilllegt“. Ende der Geschichte.
    Kieselgur soll mit dieser Technik sogar gegen Asseln, Ameisen, Silberfischchen, Getreidekäfer, Museumskäfer, Flöhe, Tripse, Läuse, Zünsler – und Milben aller Couloer helfen. Außerdem ist es ein hervorragender Ölbinder 🙂 – aber Vorsicht! wir empfehlen, eine Staubmaske zu tragen.
  7. Schwefeln soll helfen – also das verdampfen von Elementarschwefel im Schwefelverdampfer – ein elektrisches Gerät das das Schwefelpulver exakt am Siedepunkt hält und damit sicherstellt, das keine Überhitzung oder Entzündung passiert. Wir schwefeln seit Jahrzehnten, mitunter mehrer Wochen lang im Gewächshaus und haben keine Schäden an Pflanzen oder Konstruktion beobachtet.
  8. wird der Befallsdruck zu hoch – dann hilft manchmal auch nur noch der Griff zum Pflanzenschutzmittel. Die hier zuständigen Mittel heißen übrigens Akarizide. Ein natürlich wirkendes Akarizid ist Neemöl. Das wird oft sogar biologisch aus den Früchten des indischen Niem-Baum (Azadirachta indica) gewonnen, ist nicht giftig und wirkt auch gegen Weiße Fliege, Trauermücken, Blattläuse und Wollläuse. Eine gute Idee ist es, ein Netzmittel zuzugeben, das verteilt das Öl besser. Wir haben früher einfach ein paar Tropfen Fit / Spülmittel dazu gegeben.
    Ein weiteres Mittel ist Bi58 – ein Insektizid mit akarizider Wirkung – aber: es ist giftig – und es ist nur noch bis zum 31. Januar 2020 erhältlich – ganz viel mehr zu Bi58 kommt in der nächsten Episode, die dreht sich nur darum.
 
Tipps zur Behandlung von Spinnmilben
  • Spinnmilben sind mit bloßem Auge schwer zu entdecken, eine Lupe hilft dabei
  • befallene Pflanzen sofort isolieren
  • beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer die Packungsbeilage lesen und befolgen!
  • warmes Spritzwasser verwenden, am besten einige Stunden in der Sonne abgestanden
  • Spritzung im Gewächshaus nie bei voller Sonne, denn speziell ölhaltige Mitteln können Schäden wie Brennflecken auf der Epidermis hinterlassen
  • eine Behandlung mit Neem, oder anderen Akariziden sollte nach Anleitung zwei bis dreimal in einem Zeitraum von 3 bis 14 Tagen wiederholt werden, damit auch die dann aus den Eiern entstandenen Folgegenerationen erfasst werden
  • in manchen Fällen, bei Caudexpflanzen hilft ein radikaler Rückschnitt um danach die Pflanze einfach neu austreiben zu lassen

Prävention

Kann ich Spinnmilben von meinen Pflanzen fernhalten?
  • ja, ich kann es ihnen ungemütlich machen – das wichtigste sind ausreichend Luftfeuchtigkeit – und gut gepflegte Pflanzen
  • ganz vermeiden kann ich sie aber nicht
 

Woher? Wie kommen die an meine Pflanze?

Oftmals befinden sich die Schädlinge schon vor dem Kauf an der Pflanze. Aber auch der Weg über Schuhe oder Kleidung ist denkbar. Die winzigen und gut versteckten Eier sind nur mit einer Lupe zu finden – aussichtslos.
Besonders häufig finden sich Spinnmilben an Chamaecereus und gern auch an Aporocactus und deren Hybriden. Die Pflanzen aus diesen Gattungen haben eine weiche Epidermis, das macht den Spinnmilben ihre Arbeit noch leichter.
Förderliche Konditionen für Spinnmilben – das sollte man vermeiden:
  • trockene Heizungsluft, niedrige Luftfeuchtigkeit
  • keine Luftbewegung
  • durch Pflegefehler geschwächte Pflanzen
  • Verstecke wie Blütenreste oder trockenes Laub,
  • ein ungünstiger Standort

Was muß ich bei der Behandlung beachten?

  • bei Hausmitteln und auch beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – im Winter so wenig Wassereinsatz wie möglich – ein Spray macht die Pflanze weniger nass
    • nochmal: Vorsicht bei Hausmitteln – ich bin vor kurzem in einem Pflanzenforum über die Herstellung von Kupferkalkbrühe und Tabakbrühe gestolpert. Da rühren Leute zuhause seelenruhig Chemikalien wie Kupfervitriol für ihre Pflanzen zusammen, weil sie keine Chemie in ihrem Garten haben wollen. Der Link kommt übrigens nicht in die Shownotes – ich hab ihn mir auch nicht notiert.
  • vor der Behandlung Beipackzettel lesen – immer! Das müssen auch wir Profis tun
  • Wiederholung ist wichtig! Die Spinnmilben-Eier sind meist versteckt. Je nachdem welche Behandlung – zumindest einmal, besser zweimal im Abstand von 5-10 Tagen wiederholen
  • Spinnmilben kommen meist in Wellen! Auch wenn sie schlagartig alle verschwunden sind – die Chancen sind gut, dass sie nach drei oder vier Wochen wieder da sind. Deswegen ist der letzte Punkt so wichtig:
  • aufmerksam auch das Drumherum unter die Lupe nehmen – Spinnmilben sind so winzig, sie können sich überall abducken – und kommen durch Türen, Fenster, jeden noch so kleinen Ritz

CactusPodcast

Zusammenfassung – was ist wichtig? 

  • Spinnmilben sind winzig – wir entdecken sie meist erst am Schadbild, helle Flecken oder Gespinste in Scheitelnähe
  • die einfachste Methode gegen Spinnmilben: Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung
  • befallene Pflanzen isolieren 
  • Behandlung wenn das Kind im Brunnen ist – oben stehen acht Methoden von Kieselgur bis Sprühnebel
  • Wiederholung und aufmerksame Beobachtung der Pflanzen
 
Jedesmal wenn ich so viele Informationen zusammengetragen habe bin ich hinterher im Kopf ganz leer. 
Deswegen frage ich mich dann – wie mag es dem gehen, der sich das angehört hat. Sind es zu viele Informationen, die ich hier reinpacke? Ich freu mich über eine Rückmeldung – hier unter www.cactuspodcast.de – die Episode 003 ist dort einfach verlinkt.
 
Und der Cactuspodcast kommt wieder mit einer ungewöhnlichen Episode 04 – einem Nachruf für Bi58.
Bis dahin – alles Gute!
 
Das war Ulrich Haage 
Der Kaktusgärtner grüßt
 
 

Shownotes 

  • Spinnmilbe und Rote Samtmilbe im Vergleich auf Wikipedia   
  • Spinnmilbe aus Gärtnersicht 
  • Spinnmilbe ganz wissenschaftlich, Herkunft, Fundstellen etc.
  • Der Kaktusmichel über die Spinnmilben
  • Kieselgur ein ganz einfaches Mittel gegen Spinnmilben – bei Kakteen-Haage
  • Zimmergewächshaus das sich auch ganz einfach zur Kaktus-Quarantäne-Station umnutzen lässt –  auch Kakteen-Haage
  • Pflanzenschutz bei Kakteen und anderen Sukkulenten – Dr. Thomas Brand – DKG exklusiv – ISBN 978-3-00-029589-8 
  • Quellen für das Buch:
    • DKG – Deutsche Kakteengesellschaft (Herausgeber) 19,90 für Mitglieder, sonst 24,90 € inkl. Versand – hier zu bestellen
    • Eurobuch – ab 45 € bis 130 £ 
    • ZVAB – 65 €  

Eine Bitte zum Jahresende 2019

Ulrich Haage im GewächshausLiebe Freunde da draußen in der Welt.
Ich hab in letzter Zeit das Gefühl den Anschluß zu verlieren. Deswegen habe ich zum Ende des Jahres eine Bitte an euch.
Ich bin in der DDR groß geworden. In einem Land in dem Meinungsfreiheit manchmal ein Problem war – wenn man die falsche Meinung hatte. Aber das war für mich nicht das wichtigste oder kennzeichnende für dieses Land. Das waren die Menschen und das Miteinander.
Noch heute treffe ich manchmal auf Menschen die nicht dort gelebt haben – aber dafür ziemlich genau wissen, wie es damals dort gewesen ist.
Das hat mich oft erstaunt.
Ich war in den letzten drei Jahren in verschiedenen Ländern der Welt und habe gelernt, die Menschen dort verstehen ihr Land unterschiedlich. Oft habe ich ein anderes Bild kennengelernt, als ich es von außen mitbrachte, oder als ich es aus den Nachrichten kannte.
Heute bin ich unsicher ob ich verstehe was in unserem Land, auf unserer Erde gerade passiert. Ich habe das Gefühl nur noch einen Teil von dem was ich sehe zu verstehen – und ich kann auch nur noch einen Teil meiner Heimat sehen.
Und heute ertappe ich mich selbst dabei über das zu urteilen was in anderen Ländern passiert, in Ländern in denen ich nicht lebe. Egal ob Schweden, China, Ungarn, Korea, USA, Großbritannien, Thailand oder anderswo.
Meine Familie lebt in verschiedenen Ländern auf der Welt verteilt. Freunde sind auf anderen Kontinenten unterwegs, ich kenne Kunden, Partner, FB-Freunde rund um den Erdball. Und trotzdem weiß ich nur wenig echtes über das Leben außerhalb meiner Filterblase.
Darum meine Bitte: erzählt mir, wie das richtige Leben bei euch ist, was euch dort bewegt wo ihr gerade seid, wie ihr auf euer Land schaut. Abseits der Nachrichten und egal ob in- oder außerhalb von Deutschland, Europa.
Schickt mir eure Geschichte, einen Kommentar, eine Nachricht, ein Video, eine Audiobotschaft.
Lasst uns die Welt – und uns – wieder besser verstehen.
Ich wünsche uns allen ein friedvolles Jahr 2020.
#bloggersindbunt
#ulrichhaage
#kaktusgaertner
#cactusblog
#cactuspodcast

CactusPodcast Episode 002 – Wollläuse im Winter

CactusPodcast: Episode 002 – Wollläuse im Winter

Wollläuse – aufgestellte Nackenhaare.
Mein Name ist Ulrich Haage und heute geht es im CactusPodcast um gefährliche, muskelpumpende Watteflusen und die eine oder andere Lausegeschichte:Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen hab ich meine Runde durchs Gewächshaus gedreht. An einem Tisch hab ich kurz gestutzt: dort stand eine Gruppe Notocactus in der Sonne und die sahen ziemlich merkwürdig aus.
Es hatte allen Ernstes den Anschein als würden dort ein Rudel Watteflusen Klimmzüge an den Dornen machen. 

Wollläuse!

Das haben die ja wieder hervorragend eingefädelt! Wirklich Klasse ausgeheckt – so kurz vor den Weihnachtsferien ist das die ideale Zeit – alles ist ruhig, niemand macht nass, die Gefahr erwischt zu werden ist deutlich geringer als im Rest des Jahres. Echt pfiffig!
Aber ohne uns!
Welche Sofortmaßnamen jeder zu Hause in der Sammlung machen kann, wenn man so eine böse Überraschung entdeckt – darum geht es heute im CactusPodcast zum Thema Wollläuse – und: wie ich wie Don Quichote mit einer Zahnbürste gegen eine Moringa kämpfte.

CactusPodcast Episode 002 - Wollläuse im Winter

von Ulrich Haage | Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster auf cactusblog.de | CactusPodcast

Für wen ist diese Episode interessant?

Kakteenfreunde, Sukkulentensammler, alle Pflanzenfreunde die ihre Pflanzen gut und möglichst verlustfrei durch den Winter bringen möchten. Die Tipps sind in unserer Kakteengärtnerei erprobt und schon für Einsteiger leicht umsetzbar – und auch für erfahrene Pflanzenfreunde sind noch wichtige Informationen dabei!

Disclaimer: 

Hier geht es unter anderem um Pflanzenschutzmittel – Fehler können Gefahren bergen. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vor der Verwendung immer der Beipackzettel lesen, empfohlene Schutzmittel verwenden und die vorgeschriebene Konzentration einhalten! Das ist wichtig! 

Wollläuse – Teil eins der Miniserie Winterschädlinge

Vorweg: was ist eigentlich eine Miniserie?
Ganz einfach: eine Sammlung von mehreren Episoden die umfangreicheres Thema unter die Lupe nimmt. Diesmal geht es um die wichtigsten Schädlinge die uns im Winter Probleme machen und wie wir damit umgehen können. Damit falle ich für Einsteiger vielleicht ein wenig mit der Tür ins Haus – es wird demnächst auch „leichtere Themen“ und Basics geben. Versprochen!

Was sind Wollläuse?

Vor kurzem bin ich gefragt worden: „wie ist das im Moment mit den Wollläusen? Was kann ich zuhause dagegen machen?“
Und die Frage liegt auf der Hand, denn die Wollläuse kommen jetzt im Winter gerade so richtig in Fahrt – sprich: die Gefahr jetzt Wollläuse an den Pflanzen zu finden ist groß.

Die Wolllaus – lateinisch als Pseudococcidae gruppiert – wird oft auch Schmierlaus genannt, denn wenn der zornige Kaktusgärtner sie einmal mit dem Daumen erwischt, dann hinterlässt sie nur noch eine schmierige Spur. Das kommt aber selten vor, denn auf Kakteen sind Woll- oder Schmierläuse durch die Dornen gut vor Kaktusgärtnerdaumen geschützt.
Die Verwandtschaft liegt dagegen nicht so auf der Hand. Wenn ich eine Wolllaus genauer unter die Lupe nehme, dann sehe ich ein kleines weißes Wattepuschel. Eine Ähnlichkeit mit Schildläusen kann ich dabei nicht feststellen. Aber das gibt es bei den Kakteen und vielen anderen Pflanzen ja auch, dass Verwandte sich völlig unähnlich sind und Doppelgänger nicht miteinander verwandt. Nach aktuellem Erkenntnisstand gehören die Wollläuse zu den Schildläusen – und von denen gibt es insgesamt tatsächlich etwa 1.000 Arten – und das ist eine krasse Zahl! Zum Glück gibt es die nicht alle hier bei uns. Wollläuse gibt es – außer in den ganz kalten Regionen – auf der ganzen Welt – deswegen: ein Umzug wegen Läusebefall hilft nicht.

Wie erkenne ich Wollläuse?

Ganz typisch: die kleinen weißen Wattepuschel fallen zuerst ins Auge. Wenn man genau hinschaut erkennt man Antennen oder Schwanz und viele kleine Beine. Je kleiner die Wolllaus, desto schwerer ist sie zu erkennen. Bei einem Millimeter Größe braucht man schon eine gute Lupe, die großen Brocken mit bis zu 12 Millimeter machen zumindest das Erkennen leichter. Apropos weiße Watte: Wollläuse können übrigens auch grau, bräunlich, oft auch rosa gefärbt sein – und ich hab auch schon mal dunkle Streifen gesehen.
Da Wollläuse sich nur langsam, manche auch gar nicht bewegen findet man sie meist auch nach einigen Augenblicken noch am selben Ort. Der ist dafür meist gut versteckt gewählt. Bei Kakteen im besten Fall auch noch so unzugänglich wie möglich unter Dornen. Auch das ist eine Schutzmaßnahme (alle Schutzmaßnahmen der Wollläuse gibt’s weiter unten im Überblick).

Woher kommt die Wolle?

Wollläuse haben Drüsen die in denen wachsartige Fäden oder feine Schuppen ausgeschieden werden. Daraus entsteht eine Schutzschicht die wie Mehl oder ein weißer Wattebausch aussieht. Die schützt die Wolllaus vor fast allen Umweiteinflüssen – auch vor uns Menschen.

Gruppierung von Wollläusen

Meine gänzlich unwissenschaftliche und grobe Gruppierung mache ich an der Wirkung und am Wirkungsort fest.

  • Wollläuse bezeichne ich alle die ich oberirdisch antreffe – im Gegensatz dazu gibt es die:
  • Wurzelläuse – die sich unter der Erde, an den Wurzeln, im inneren des Topfes aufhalten. Außerdem kenne ich noch die Gruppe der
  • Sproßläuse – die nennen wir so, weil wir beobachtet haben, dass unter deren Gelege, meist in der Nähe vom Scheitel die Kakteen völlig untypisch zu sprossen beginnen. Ob Sproßläuse tatsächlich eine anerkannte eigenständige Tierart ist weiß ich nicht – ich hab dazu einen Beitrag mit einer langen Geschichte im Cactusblog geschrieben der immerhin von einem Fachblatt aus Mexiko zitiert wird.

Die Pflanzenschädlinge befallen gerne auch andere Kultur- und Zierpflanzen wie Orchideen, Birkenfeigen und Gummibäume.

Wolllaus im Winter

Ich hab gerade das Bild von einer flauschigen Laus im Norwegerpullover vor Augen, aber: die Kolllegen sind nicht lustig!
Im Gegenteil: Sie sind ziemlich komplex im wirken, auf verschiedene Weise geschützt und nicht so einfach zu greifen.

Woher? Wie kommen die an meine Pflanze?

Oftmals befinden sich die Schädlinge schon vor dem Kauf an der Pflanze. Aber auch der Weg über Schuhe oder Kleidung ist denkbar. Die winzigen und gut versteckten Eier sind nur mit einer Lupe zu finden – aussichtslos.
Daneben fördern

  • zu trockene Heizungsluft,
  • der ruhende Wasser-Kreislauf,
  • ein zu dunkler Standort oder 
  • Pflegefehler

den Befall mit Schildläusen. Im Winter ist es nicht immer leicht, die optimalen Bedingungen für die Pflanzen zu bieten – deswegen treten Wollläuse in der dunklen Jahreszeit besonders häufig auf.
Aber: wer jetzt an optimale Tarnung der weißen Wollläuse im Schnee denkt – Fehlanzeige! An den Kakteen draußen im Schnee, also winterharten Kakteen treten keine Wollläuse auf – das ist denen entschieden zu kalt. Das mögen die nicht.

Prävention

Was kann ich tun, damit meine Pflanzen gar nicht erst von Wollläusen befallen werden?
Alles isolieren, desinfizieren, dicht machen, nichts und niemanden reinlassen? Theoretisch eine gute Idee, klappt in der Realität aber nur selten und macht ziemlich einsam.
Bessere Möglichkeiten kommen gleich – zu Anfang der Behandlung.
Hier erstmal: was tun die Läuse, um sich sicher zu fühlen?

Schutzschilde der Wollläuse

  • Wolle – ist eine fein gesponnene Wachsschicht die sehr effektiven Schutz darstellt
  • physikalischer Schutz und auch noch
  • wasserabweisend – außer Gasen kommt da nix durch!
  • halten sich gut versteckt – an Stellen die schlecht einzusehen sind und
  • sehr gern noch unzugänglich von Dornen geschützt
 

CactusPodcast

Behandlung von Wollläusen

Was kann ich tun – wenn es passiert ist? Zuerst die Sofort- und Sicherungsmaßnahmen:

  1. Isolierung – Betroffene Pflanzen sofort von den anderen Pflanzen trennen – und zwar so lange bis kein neuer Befall mehr auftritt – also mindestens 5 Wochen!
  2. kranke Pflanzenteile entfernen (z. B. Sekundärinfektionen aber auch Blütenreste)
  3. Pflanze hell, trocken und kühl stellen, nasse Pflanzen die versehentlich gegossen wurden besser austopfen und trocknen lassen
  4. Umfeld untersuchen (Töpfe, Schalen, Unterseite, Tischbelag, Fensterritzen – besonders aber auch Nachbarpflanzen!)

Die schnelle Lösung: Alkohol

Light-Version – Spiritus und Seife für empfindliche Pflanzen:

eine Mixtur aus 15 Milliliter Spiritus, 1 Liter Wasser und 15 Milliliter Kernseife herstellen. Damit werden die Läuse besprüht.
Aber Achtung! Das ist ganz schön viel Wasser – und das kann speziell Kakteen in der Winterruhe sehr schaden, wenn die Läuse zwar tot sind, aber der Kaktus beginn zu faulen.

Dank der dicken Epidermis sind Kakteen gut geschützt vertragen auch die radikale Lösung –

Spiritus pur

Was braucht man dazu?

  • Spiritus – in einer kleine Schale (ein Eierbecher genügt vollkommen)
  • Wasser – zum reinigen danach (auch nur eine kleine Schale
  • zwei Wattestäbchen

Das Wattestäbchen in den Spiritus tauchen und dann die Wollläuse betupfen. Der Alkohol löst das schützende Gespinst sofort auf und entzieht den Wollläusen das Wasser.

Immer schön aufpassen, dass die Pflanze nicht getroffen wird, auch wenn Kakteen hart im Nehmen sind – es ist immer besser die Pflanzen schonend zu behandeln. Deswegen empfehle ich auch immer nach dem Spiritus mit Wasser zu „spülen“.
Der Spülgang aber bitte immer genau so vorsichtig wie der mit Spiritus – in der Trockenzeit sollte möglichst auch kein Wasser in die Erde kommen – also nur mit Wasser nachtupfen – immer an eine OP-Schwester denken.
Die Behandlung muß nach 5 bis 10 Tagen wiederholt werden, denn dann schlüpft die nächste Generation aus den Eiern.

Bei einem Vortrag hörte ich von der Empfehlung, „den Kaktus bei Wolllausbefall einfach für eine Stunde komplett in Spiritus zu versenken“. Ich hab das zwar nie getestet, aber bei aller Robustheit kann ich mir nicht vorstellen, dass Kakteen das aushalten.

Plan B – Pflanzenschutzmittel

Was mache ich, wenn die Invasion schon komplett ist – die Wollläuse sich in meiner Sammlung überall verbreitet haben?
Pflanzenschutzmittel können dann die letzte Rettung sein.

  1. Es gibt natürliche Mittel die zum Beispiel auf Niem-Extrakten basieren und nicht giftig sind – die wir auch in Wohnräumen anwenden können – Beispiel: Neem-Azal.
  2. Präparate die auf Öl – oder Kaliseife basieren sind ebenfalls ungiftig – allerdings besteht hier die Gefahr, das nach der Anwendung die Epidermis, Dornen oder Wolle verkleben – Beispiel: Promanal, Sommeröl, Orangenöl
  3. Pyrethrum-Mittel – die natürlichen Pyrethroide werden aus Pflanzen gewonnen und sind ungiftig. Allerdings reagieren manche Menschen allergisch darauf – Beispiel: Spruzit
  4. Homöopathie – auch das gibt es – haben wir aber noch nicht getestet – Beispiel: Sulphur C200
  5. weitere Wirkstoffe sind meist unter Chemische Pflanzenschutzmittel oder Chemische Keule zusammengefasst. Und – ja – die gibt es nicht mehr – es sind ab Februar 2020 keine weiteren Wirkstoffe mehr gegen Wollläuse zugelassen – das trifft uns übrigens genauso im Profibereich! Vielleicht denkt der eine oder andere darüber nach, sich noch eine Packung Bi 58 zu kaufen – denn mit systemisch wirkenden Mitteln wird es dann dünn.
Das gibt es künftig nicht mehr:
  • Neonicotioide (oder Neonics) wie Imidacloprid,
  • Dimethoat (Bi 58 darf aktuell nur noch bis zum 31. Januar 2020 verkauft werden, andere Handelsnamen: Perfekthion, Roxion, Rogor).
  • alte Geschichten von früher „ich hab noch ’ne Flasche E605 im Schuppen“ können richtig teuer werden! Davon sollte man aber nicht nur wegen des drohenden Bußgeldes die Finger lassen. Ich habe vor vielen Jahren, noch zur DDR-Zeit einen Container in der Hand gehabt auf dem fett DDT stand. Allein wenn ich mich daran erinnere läuft es mir kalt den Rücken runter.

Umdenken! Was funktioniert im Winter nicht?

Wichtig zu wissen: es gibt Dinge, die ticken im Winter etwas anders als im Rest des Jahres. Wer hier ein wenig aufpasst spart sich und seinen Pflanzen manchen Fehlschlag:

  • Kombipräparate oder Pflanzenschutzgranulate /-stäbchen oder -sticks – das sind Pflanzenschutzmittel, die mit Dünger kombiniert sind und so besser im Nährstoffkreislauf transportiert werden sollen, die Erde ist trocken, der Wirkstoff kann nicht transportiert werden, denn im Winter ruht der Kreislauf und der Dünger (meist Stickstoff) könnte eher Schaden anrichten, für
  • systemisch wirkende Pflanzenschutzmittel gilt das ähnlich – nur systemische Mittel mit Gasphase behalten ihre Wirksamkeit
  • warum fehlen hier die Nützlinge? – ganz einfach: im Winterquartier ist es zu kühl, um Nützlingen in Fresslust zu bringen – selbst wenn die Sonne bei uns im Gewächshaus schnell mal 32° C macht und die Marienkäfer etwas benommen herumtappen – nachts wird es wieder kalt – und Larven – die die eigentliche Arbeit machen – sind im Winter nicht da

Was muß ich bei der Behandlung beachten?

  • bei den Hausmitteln wie auch beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – im Winter so wenig Wassereinsatz wie möglich – ein Spray macht die Pflanze weniger nass und ist jetzt die bessere Wahl
  • vor der Behandlung Beipackzettel lesen – immer! Das müssen auch wir Profis tun
  • Kombipräparate oder Sticks mit Dünger die in die Erde eingearbeitet oder gesteckt werden haben im Winter nur eine geringe Wirkung, weil der Kreislauf in Ruhe ist
  • Wiederholung ist wichtig! Die Eier der Wollläuse sind meist versteckt und wir erwischen sie nur selten. Darum muß die Behandlung nach 5-10 Tagen wiederholt werden – egal welche Methode wir wählen
  • Wollläuse kommen manchmal in Wellen! Es passiert schon mal, dass nach einer Behandlung der Zauber scheinbar schlagartig vorbei ist. Das kann trügerisch sein! Jetzt wachsam bleiben – denn oft verstecken sich die Wollläuse nur und tauchen nach sechs Wochen massiv wieder auf – deswegen:
  • aufmerksam auch das Drumherum unter die Lupe nehmen – Wollläuse sind sehr kreative Versteck-Spieler und überdauern gern auch im Fenster, im schmalen Topfrand oder unter dem Tisch

 

Zusammenfassung – was muß ich zu Wollläusen wissen? 

  • was sind Wollläuse, wie kann ich sie erkennen: weiß, wollig, gut versteckt
  • worauf muß ich achten: neue Pflanzen genau untersuchen, Kali-Abschlußdüngung im Herbst macht die Zellwände wiederstandfähiger
  • Quarantäne Bedingung: frische Luft, kühl, kein Wasser, heller Standort
  • Behandlung: frühzeitig, wenig Wasser verwenden (Spray)
  • Wiederholung: um auch die nächste, frisch geschlüpfte Generation aus den Eiern vor der Ausbreitung zu erwischen

Meine Don Quichote-Story verschiebe ich auf die nächste Episode über Wollläuse – die wird ja nicht schlechter davon.

Es ist der 29. Dezember 2019, Sternzeit 23:06 Uhr – und bald beginnt ein neues Jahr – und neue Themen im CactusPodcast. 
Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 03 zum Thema Spinnmilben – andere kleine böse Biester – und Teil zwei der Miniserie zum Thema Winterschädlinge. 

Wir hören uns!
 

Shownotes zum CactusPodcast Episode 002 – Thema Wollläuse:

Alle Links und weiterführende Informationen hier noch einmal auf einen Blick:
 
  • Wikipedia über die Wollläuse – der Inhalt findet sich übrigens häufig auch an anderen Stellen in Netz
  • Sproßläuse – eine ziemlich spezielle Wolllaus, und warum wir die suchen – ein älterer Artikel hier im cactusblog
  • ISIP Pflanzenschutz Infodienst – welche Pflanzenschutzmittel sind für Hobbygärtner zugelassen
  • Hausmittel und Homöopathie im Einsatz gegen Wollläuse – auch das soll wirken – haben wir aber noch nicht probiert

 

CactusPodcast Episode 004 – Bi58 – ein Nachruf

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