Es ist ja Wahlkampf – richtig doll schon manchmal. Aber auf der letzten Fahrt durch Erfurt bin ich über ein Plakat gestolpert, bei dem ich ins Zweifeln komme:

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Entweder hat da ein Wahlwerbefachmann zu sehr um die Ecke denken wollen und ist ein paar Meilen über das Ziel hinausgeschossen, oder aber jemand von einer Gegenfraktion hat sehr authentische Arbeit geleistet.

Letzteres würde mich nicht wirklich wundern, schließlich erzeugt die Bundes-SPD bei mir ein gründliches Stirnrunzeln mit der aktuellen Plakat-Kampagne die für meinen Geschmack deutlich unter die Gürtellinie zielt. IMG 0002Ob ich besser aussehe im Auge des potentiellen Wählers, wenn ich nach allen anderen mit Dreck werfe – das ist aus meiner Sicht zweifelhaft.

Im aktuellen Fall könnte die Taktik der großen Politik ganz dumm auf unseren Oberbürgermeister zurückgefallen sein, denn in der Stadtratswahl bedienen sich die Parteien in Erfurt höflicher herkömmlicher Methoden.

Das Plakat sieht in jedem Fall authentisch aus, eine Passantin, die ich fragte, war ziemlich verblüfft und registrierte erst bei zweiten hinsehen den „vom bekannten abweichenden Inhalt“. So gesehen ist das vielleicht noch gut für die SPD, denn am Erfurter Talknoten ist zwar viel Verkehr, aber vermutlich bekommt kaum jemand etwas davon mit was wirklich auf dem Schild steht – geistige Trägheit eben. Mit der rechne ich in jedem Falle, denn das Plakat hängt schon länger dort, zu lange um völlig unbemerkt geblieben zu sein.

Einen Gedanken hatte ich noch, als ich an den Großplakaten mit frisch geschorenem Rasen vorbeifuhr. Die Sprüche und Phrasen werden nach der Wahl genauso verschwinden, wie die kleinen ungemähten Inseln auf denen die Plakate stehen. Der Rasen wächst mit genau der Sicherheit wie das kollektive Vergessen.

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