Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Sprossläuse gesucht!

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Schaden durch SprosslausbefallSprossläuse – bislang noch kein „amtlicher Name“, sondern unser Arbeitstitel für einen bislang wenig bekannten Schädling, der der Wolllaus ähnlich und vermutlich auch mit dieser verwandt ist (Hypogeococcus pungens).

Meist werden Kakteen befallen, seltener findet man den Schädling auch an anderen Sukkulenten. Der Schädling tritt selbst kaum in Erscheinung, meist sind es die Folgeschäden, die offensichtlich sind. Nach dem Befall zeigen die Pflanzen völlig untypische Wucherungen und unkoordiniertes Sprosswachstum.

Im Moment sind uns noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu bekannt, selbst Google kann mit dem Begriff offensichtlich noch nichts anfangen. Mir liegt aber eine Anfrage aus Südafrika vor. Grund genug, den kleinen Tierchen mal auf die Schliche zu kommen. (dazu suchen wir etwa 40-60 Exemplare)

Meine erste Begegnung mit von der Sprosslaus befallenen Kakteen hatte ich etwa 1992 auf den Kanarischen Inseln. Dort gibt es aus den verwilderten Cochenille-Produktionsflächen noch immer große Populationen von Wollläusen. Ob auch der Ursprung der Sprosslaus hier zu suchen ist, mag eine reine Vermutung sein. Später habe ich von Sprossläusen befallene Pflanzen auch in anderen Kakteensammlungen in Europa und Amerika beobachtet.

Auch wir hatten ein paar importierte Pflanzen, die diese unschönen Wucherungen zeigten. Selbst nachdem die Schädlinge abgetötet wurden, bleiben die „wolligen“ Schutzhüllen und verbreiten Unwohlsein. Da uns bislang keine wirksame Behandlungsmethode zu Verfügung steht, haben wir sämtliche befallene Pflanzen konsequent vernichtet – auf Dauer ist dies zwar absolut wirksam, aber natürlich keine sonderlich sympathische Lösung.

Ich gebe ja  zu, mir läßt das Bild von Sprossläusen es kalt den Rücken runterlaufen – und jetzt bin ich auch noch aktiv auf der Suche danach. Wir sind ganz froh, dass unsere Bestände clean sind. Dennoch – um den Schädling bestimmen zu können und daraus eine Behandlungsmethode zu entwickeln suchen wir jetzt etwa 40-60 lebende Individuen, oder Pflanzen, die noch aktiv mit Sprossläusen befallen sind.

Wer Pflanzen mit diesen Symptomen in der Sammlung hat, oder bei anderen entdeckt hat – bitte diesmal nicht in die Mülltonne, sondern ins Paket und ab zu Kakteen-Haage.

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Nachtrag Mai 2015:

Neben den Funden auf den Kanarischen Inseln sind mir geschädigte Pflanzen in verschiedenen europäischen Gärtnereien und ein sehr massiver Befall in einem Pflanzenbestand in Italien aufgefallen.

Bis 2015 gibt es kaum neue Suchergebnisse im Netz, vermutlich ist die Bezeichnung ‚Sprosslaus‘ nicht bekannt und auch die Schädigung nur für wenige als solche einzuschätzen.
Hier weitere Erwähnungen, die z. T. auf diesen Artikel verweisen:

… am Thelocactus: Traumbaer-online

in Mexiko – mit weiteren Erkenntnissen zur Laus: Cactaceasysuculentasmexicanas

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

6 Kommentare

  1. Solche Pflanzen in der Sammlung zu finden ist immer schade.
    Um die anderen Pflanzen in der Sammlung nicht zu gefährden wird empfohlen, die befallenen Exemplare sofort zu vernichten.
    Ein harter Schritt – aber besser, als die ganze Sammlung zu riskieren.

  2. Habe gerade eben 6-7 Kakteen aussortiert mit eben diesem Befall 🙁

  3. Danke Denis. Wie schön, von Dir dazu aus berufenem Munde etwas zu hören. Das ergänzt die Betrachtung m. E. sehr gut.

  4. Hallo Uli!
    Irgendwie habe ich da so meine Zweifel an der Theorie der „Sprosslaus“. Warum?
    Es werden immer nur die zwei Vektoren betrachtet…Laus und Pflanze! D.h. Schmier-/Wolllaus die auf der Pflanze „normale“ Schäden verursacht und Schmier-/Wolllaus welche zu der „normalen“ Schädigung noch Sproßwuchs induziert. Einen dritten Vektor sollte man diesbezüglich nicht vernachlässigen. Auch Läuse können Phytopatogene übertragen, da denke ich insbesondere an Phytoplasmen. Diese führen bekannterweise auch an anderen Pflanzen zu Schädigungen, wie Hexenbesenwuchs oder Zwergwuchs. Kurzum, für mich ist eine Sproßlaus, letztenendes nichts anderes als eine mit Phytoplasmen infizierte Schmier-/Wolllaus. Deshalb glaube ich auch nicht, dass Ihr ein eigener Artrang zusteht…Beispiel: Nur weil ein Mensch Giardien in sich trägt bekommt er nicht den Artrang „Homo giardiensis“;-)
    Soviel zu meiner bescheidenen Einschätzung!
    Gruß aus dem Norden Denis

  5. Danke für diesen Hinweis. Die wissenschaftliche Zuordnung ist sicher ein Teil der Untersuchungen. Aktuell wird der Name Hypogeococcus festerianus vz. pungens genannt. Der Schädling wird in Australien und Südafrika eingesetzt, um die dort „wildernde“ Kakteenpopulation unter Kontrolle zu halten.
    In Puerto Rico wurde man unlängst auf massive Schädigung der heimischen Säulenkakteen aufmerksam. Da aber bislang noch nicht klar ist, ob es sich bei allen diesen Schädlingen um identische, oder sehr nah verwandte Arten handelt, sollen nun genaue Untersuchungen exakte Informationen liefern.

  6. Sprosslaus = Hypogeococcus festerianus?

    Ich habe zwar keine Läuse 😉 aber vielleicht hilft das ja weiter:
    „The mealybug Hypogeococcus festerianus (Lizer y Trelles) infests cacti in Northern Argentina and Paraguay, causing deformed and distorted growth of attacked plants. Laboratory studies and field observations demonstrate that it will only infest plants in the sub-family Cereanae of the Cactaceae. Its liberation in Queensland, Australia, for the control of Eriocereus spp., was approved in October 1974, and it has since established widely. “
    Quelle: http://www.springerlink.com/content/e735670733140452/

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