Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Montag, 7. Oktober 2019
von Ulrich Haage
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Heilsbringer Kakteen?

Alles Auskenner!

Immer wenn es heiß ist in unserem Land, kennt sich jeder plötzlich mit Kakteen aus.
Im September wurde mir mal wieder gesagt: „deine Kakteen sind doch die Gewinner beim Klimawandel – die brauchen kein Wasser und kommen gut mit Hitze zurecht“. 

„Nein!“ habe ich geantwortet – und war schon wieder geladen, „auch unsere Kakteen leiden unter der Änderung des Klimas, wir haben in diesem Jahr erstmals massive Schäden durch Sonnenbrand feststellen müssen. Sonnenbrand an Kakteen! Das müssen Sie sich man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!“

Große Augen und betretenes Schweigen waren die Antwort.
Was mich daran ärgert – und an der Aussage: „wir müssen einfach Bäume aus wärmeren Regionen bei uns pflanzen – dann ist doch alles wieder gut.“ – es ist nur das herumbasteln an den Symptomen, bloß um nichts an den Ursachen ändern zu müssen.

Alles gut?

Wirklich? – Pustekuchen!
Ich sehe es am Beispiel unserer Stadt Erfurt: es ist ein Ringen, ein Wettlauf.
Es ist ein Trugschluß, dass die Natur sich selbst rettet – zumindest nicht, solange wir Menschen im System mitspielen.
Wir müssen dafür sorgen, dass die Natur in der Stadt überleben kann. Bäume pflegen, sie gießen und auch bei der Auswahl aufpassen.
Bei uns in Erfurt haben viele Stadtbäume im vergangenen Jahr zusätzliche Wassertanks auf die Wurzeln bekommen, die schützen und sorgen für Feuchtigkeit.
Viele Erfurter werden selbst aktiv und übernehmen Baumpatenschaften, sie pflegen den Straßenbaum vor ihrer Haustür.
Das ist, was wir brauchen: Menschen die verstehen und handeln.
Und weil heute der 7. Oktober 2019 ist:
die Frau, der ich auf der Treppe im Garten- und Friedhofsamt entgegen kam und die gerade ihre Baumpatenschaftsurkunde mit einem Lächeln in die Tasche schob; ich würde mich nicht wundern, wenn diese Frau auch heute vor 30 Jahren schon einmal zu denen gehört hat, die verstanden und gehandelt hat und mit bei den ersten Montagsdemos gewesen ist. Nicht um zu krakeelen, sondern um Teil einer Veränderung zu sein.

Und jetzt?

Und genau das ist, was mich sauer macht bei dem Gedanken, Kakteen könnten doch die Lösung für die Klimaveränderung bringen: es zeigt unsere Mentalität der vergangen Jahrzehnte: „wir schrauben ein bisschen hier, verbessern dort ein wenig – und schon ist wieder alles gut“.

Nein – ist es nicht! Wir müssen die Ursache verändern!
Kakteen können uns auch nicht die abgebrannten Amazonas-Wälder wiederbringen!
Ich pflanze Bäume. Haben die Haages schon länger gemacht. Das Arboretum auf dem Grünen Campus vor der Fachhochschule, die Krämpfer Gärten in der Leipziger Straße ist heute eine kleine Referenzsammlung und einer meiner Lieblingsorte in Erfurt. Früher wurden hier im Garten die Gäste der Gärtnerei Haage & Schmidt empfangen.

Was können wir machen?

Mein Urgroßvater, später auch mein Großvater haben hier auf der Cactusfarm auch eine kleine Baum-Sammlung angelegt – der ich bis heute immer wieder etwas neues hinzufüge. Und es ist schön zu sehen, was in 100 Jahren wachsen kann.
… aber das ist eine ganz eigene Geschichte für später …

Mir ist völlig bewusst – nicht jeder hat die Möglichkeit, beliebig irgendwo Bäume zu pflanzen – und selbst wenn es jeder täte, es rettet die Situation nicht – wir leben schlicht zu sehr über unsere Verhältnisse. Es geht um den ersten Schritt, Umdenken, etwas ttun – denn jeder von uns hat die Möglichkeit, etwas in seinem Leben zu ändern.

PS: Die Frage oben wurde mir übrigens nicht an irgendeinem Stammtisch gestellt sondern im Podium einer recht illuster besetzten Runde eines Ministerium unseres Landes.

PPS: Ich bin ja sonst eher so ein ruhiger – aber das musste mal raus! HA!

 

 

Sonntag, 26. Mai 2019
von Ulrich Haage
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David Richard Hunt verstorben

David Richard Hunt, der englische Botaniker und Kakteenforscher ist am 19. Mai 2019 verstorben.

David Richard Hunt, english botanist and cactus scientist died on May 19, 2019.

Erst heute erreichte mich die Bestätigung aus seinem nahen Kollegenkreis.

Der Kakteenforscher

David Hunt ist vielen Kakteenfreunden bekannt durch seine taxonomischen Arbeiten – und sein großes Werk: „The New Cactus Lexicon„. Nie sind die Thesen von Wissenschaftlern unumstritten, haben sie doch häufig eine spezielle und sehr intensive Sicht auf die Dinge, die wir „normalen Menschen“ nur selten teilen können. Umso mehr hat mich ein Satz von ihm verblüfft, als ich mich mit ihm in der Kirche des thüringischen Waltershausen traf, wo er seine Frau auf ihrer Tournee begleitete. Wir unterhielten uns über Kontroversen in der Kakteen-Taxonomie und er sagte: „botanische Namen sind nichts weiter als eine persönliche Meinung der Person die den Namen verwendet – das gilt selbstverständlich auch für mich“.
Ganz sicher gab es eine streitbare Seite des Forschers David Hunt, wenn es um den wissenschaftlichen Diskurs ging, ich selbst habe diese aber nicht kennengelernt. Aus welchen Gründen auch immer, mir ist jedesmal der Mensch begegnet, der die Bescheidenheit seiner Worte oben gelebt hat.

Eine sehr persönliche Rückschau

Als ich David im Sommer 1991 in London kennen lernte, war mir kaum bewusst, wer mich in die Royal Botanic Gardens, Kew eingeladen hatte. Ich durfte in meiner kurzen Studienzeit dort mit ihm zeitweise arbeiten. In seinem kleinen Büro türmten sich Bücher und für einen Botaniker waren die wenigen Pflanzen, die ich bei ihm sah, entschieden zu tot – Präparate aus dem Herbarium. Heute weiß ich, wie viel ich von der Welt der Kakteen noch lernen durfte – auch bei David Hunt. Der arbeitete damals an der CITES Cactaceae Checklist, das Buch, das mein damaliges Wissen über Kakteennamen gründlich auf den Kopf stellte.
Daneben stellte er mich während meiner Zeit in London vielen bedeutenden Menschen aus der Kakteen-Szene vor. Meist wurde mir erst später bewusst, wessen Wege ich damals schon kreuzen durfte. So ist mir ein festliches Abendessen im Hause Taylor / Zappi noch in sehr eindrucksvoller Erinnerung. Stutzig wurde ich später, als mir viele Namen aus meiner Londoner Zeit wieder über den Weg liefen.

Mehr als nur Kaktus: ein Mensch mit vielen Interessen

Sooft ich David Hunt traf, immer beeindruckten mich seine vielfältigen Interessen, die Kakteen waren für ihn stets nur eine davon. So verdanke ich ihm eine Einladung zu einem wunderbaren Orgelkonzert in der damals noch frisch wiedererbauten Dresdner Frauenkirche.

Heute bin ich dankbar und auch ein wenig stolz darauf, auf so viele schöne Erinnerungen mit David Hunt zurückblicken zu dürfen. Er hat mich in den Anfängen meiner Kaktusgärtner-Laufbahn begleitet. Und es war mir jedes Mal eine Freude, wenn ich mit ihm gemeinsam über den Tellerrand hinausschauen konnte. Es gab immer etwas zu entdecken. Wer kann schon von sich behaupten, einen Menschen zu kennen, der in einer kleinen Kirche lebt, damit er ausreichend Platz für seine private Orgelsammlung hat.

Möge David R. Hunt uns in schöner Erinnerung bleiben.

So wie bei diesem Spontanbesuch im September 2015 bei Kakteen-Haage. 

David Hunt * 25. September 1938, † 19. Mai 2019

… oder wie er sich einmal selbst augenzwinkernd nannte: „The left hand of science“.

Sonntag, 14. April 2019
von Ulrich Haage
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Mammillaria bombycina – eine der schönsten

Einfach seidig!
Die „seidenhaarige, oder seidenartig bedornte“. So hat es sich Postsekretär Leopold Quehl aus Halle an der Saale in der Erstbeschreibung in der MfK 1910 notiert. Zuvor hatte Herr Frantz de Laet aus Contich, Belgien die Art als erster importiert, oder „hereingeholt“, wie man sich damals ausdrückte.
Quehl hatte ein gutes Auge, nicht allzu viele Namen haben so lange Bestand (es gab zwischendurch u. a. noch Neomammillaria, Chilita oder Ebnerella).
Ich hab hier aber eher ein Faible für die Trivialnamen:
  • seidiger Warzenkaktus, oder schöner:
  • silken pincushion cactus, am schönsten aber:
  • Bomullsvårtkaktus – das ist schwedisch
Ganz gleich, welchen Namen man mag, der Bestand in der Natur in Jalisco, Mexico wird aktuell als „gefährdet“ eingestuft. Der Schutzstatus „gefährdet“ entspricht dem roten Mittelfeld – ebenso wie das Helmkopf Gecko oder Collins Ingwer – beides allerdings Lebewesen, die mir noch nicht wissentlich über den Weg gelaufen sind.
Im Gegensatz zu Mammillaria bombycina.
Die wächst außer in unseren Gewächshäusern häufiger in Jalisco, in Wäldern und felsigen Gebieten in einer definierten Höhe zwischen 2340 und 2500 Metern. So stehts zumindest in der ICUN Red List. Bei solch präzisen Angaben mache ich mir dann manchmal Gedanken: wie können die das so genau wissen? Denn auf der anderen Seite ist klar, die Größe der Population und deren Ausbreitung bedarf noch genauerer Untersuchung. Dabei gibt es genügend Experten, die San Luis Potosi wie ihre Westentasche kennen und damit sicher noch andere Standorte.
Wikipedia nennt immerhin auch den Nachbarbundesstaat Aguascalientes.
Unterhaltsam finde ich: das Wissen um die Typlocation ging nach der Entdeckung für fast 8 Jahrzehnte verloren. Erst vor knapp 30 Jahren wurde der Standort wieder gefunden. In der Zwischenzeit haben sich die Pflanzen in Europa dennoch sehr fleißig vermehrt und viele Pflanzenfreunde mit ihren hell- oder dunkelrosa Blüten glücklich gemacht.
Nur von Gardinen sollte M. bombycina ferngehalten werden. Da wird sie sonst einfach zu anhänglich. 😉
(erstmals erschienen im Kakteen-Haage Katalog 2019 – Titelstory)

Samstag, 2. Februar 2019
von Ulrich Haage
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Gerd Weiß – einer der großen Kakteenzüchter unserer Zeit

Im Oktober 2018 ist der bekannte Züchter und Kakteensammler Gerd Weiß verstorben.
Der überraschende Tod von Gerd Weiß ist traurig und ein echter Verlust – für seine Familie und Freunde, aber auch für die Hybridenlandschaft.
Er selbst bezeichnete seine Sammlung „Rügenkaktus“ liebevoll als die nördlichste Kakteensammlung Deutschlands. Bekannt wurde er durch seine Chamaecereus-Hybriden.

Gerd Weiß - Kakteenzüchter auf Rügen
Gerd Weiß, Kakteenzüchter

Ende letzten Jahres hat sich Frau Weiß an uns gewandt und nach Unterstützung beim Erhalt der Pflanzen gefragt. Wir sind froh, kurzfristig einen erheblichen Teil der Sammlung vor dem Kälteeinbruch auf der Insel Rügen abholen zu können. Wir haben Frau Weiß versprochen, die Züchtungen ihres Mannes zu erhalten und in seinem Sinne zu sichten und verfügbar zu machen.

Wir werden im Laufe des Jahres die ersten Bilder zeigen können, im Moment sind die meisten Pflanzen aber noch klein. Derzeit warten wir noch auf die Aufzeichnungen und Zuchtunterlagen von Gerd Weiß, mit deren Hilfe wir die Pflanzen auch zuordnen und bewerten können.

Gerd Weiß als Züchter und Kakteensammler


Gerd Weiß ist ein sehr akurater und kritischer Züchter gewesen. Das erkennen wir an der Akribie mit der er sich mit seinen Kakteen beschäftigt hat. Jede Pflanze steht in einer für sie angepassten Erdmischung, die Sammlung sehr sauber und strukturiert, die Etiketten winzig klein um das Bild nicht zu stören und doch ausführlich mit filigraner Handschrift gefüllt.

Gewissenhaft hat er alle seine Zuchtlinien dokumentiert und Aufzeichnungen über alle Kreuzungen notiert. Deutlich waren die Ziele seiner Züchtungsarbeit definiert und ebenso konsequent wurden die Pflanzen ausgesondert, die nicht dem Ziel entsprachen. Besonders diese harten Entscheidungen sind für Pflanzenfreunde schwer zu treffen und doch ist es diese Konsequenz, die einen guten Züchter ausmacht.

Auch wenn ich Gerd Weiß nicht persönlich getroffen habe – sein liebevoller Umgang mit seinen Pflanzen spricht für mich eine deutliche Sprache – und ich bin mir sicher: er hat an seinen Pflanzen sehr viel Freude gehabt – und das wünsche ich allen anderen die seine Züchtungen schätzen, auch.

Möge Gerd Weiß uns durch die schönen Blüten lange in Erinnerung bleiben.

Mittwoch, 15. August 2018
von Ulrich Haage
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Chili – scharfes aus dem Kräutergarten

Chili – die scharfen Kräuter aus der ganzen Welt

Scharfes Essen, insbesondere das Kochen mit Chilis schiebe ich gern in die mexikanische oder mittelamerikanische Region. Liegt ja auf der Hand. Schließlich wurde hier das legendäre Chili con Carne erfunden.

Oder?

Beides Unfug! Ein bisschen zumindest. Deswegen erstmal …

sogar russische Chilis gibt es: Chili 'Sputnik'

sogar russische Chilis gibt es:
Chili ‚Sputnik‘

Aufklärung in Sachen Chili:

Die Geschichte.
Tatsächlich sind die scharfen Schoten in Mittel- und Südamerika zu Hause. Vor Kolumbus waren die Pflanzen auch nur in Amerika bekannt. Und zwar nicht nur als Gewürz, sondern auch als Heilmittel. Der Entdecker im Dienst der spanischen Krone war auf der Suche nach Indien, dem sagenhaften Land teurer Gewürze – unter anderem dem Pfeffer. Und er entdeckt bei den eingeborenen „Indianern“ scharfe rote Schoten die „Axi“ heißen, allerdings nicht den schwarzen Pfeffer. Kolumbus befindet schon damals: „Axi“ sei gesünder als der schwarze Pfeffer – auf welcher Grundlage diese Entscheidung beruht ist nicht überliefert.
… the rest of the story: die scharfen Schoten kommen nach Europa, werden für gut befunden und entlang der Atlantikküsten in Amerika und Afrika angebaut. Von dort bringen sie Sklavenhändler wieder zurück nach Amerika, aber auch in andere Erdteile. In erster Linie in heiße und warme Regionen, wo sie schnell in den lokalen Küchen Verbreitung finden.

Was stimmt denn jetzt?

Fakt 1: echte Amerikaner, denn – vor 1492 kannte niemand außerhalb der neuen Welt die scharfen Schoten. Weder in Thailand, China, auf Malaysia, Madagaskar noch in Ungarn. All die heute vermeintlich „scharfen Länder“ wurden erst später „bekehrt“.
Ähnlich sieht es mit dem Mythos von Chili con Carne aus. Auf Wikipedia wird schön erklärt, warum der Bohneneintopf keine mexikanische Erfindung ist und warum sich die Südstaaten-Amerikaner darüber in die Wolle kriegen, wer es erfunden hat.

Fakt 2: kein Mexikaner, denn – Chili con Carne kommt nur angeblich aus Mexiko, in Wahrheit steiten sich Cowboys und Army darum, das amerikanische Bohnengericht ausgetüftelt zu haben. Wo der wirkliche Ursprung in den USA ist, das lässt sich nicht genau feststellen. Dafür hab ich eine ziemlich coole Sammlung mit Rezepten auf Pepperworld entdeckt.

Und ein letztes Thema: Was ist richtig: Chillie oder Chilli, oder vielleicht sogar Chilly?

Fakt 3: so wirds geschrieben – Chili (Singular), Chilie (Plural), Chili (der Tex-Mex Bohneneintopf), chile (spanisch für Chili).
Noch weitere Fagen?
Der Duden hilft!

Chili in ItalienMini Chili in Trient

Vor kurzem im Urlaub eine Chili-Entdeckung. In Trient, Italien, vor den Türen des „Muse“ (dem ziemlich sehenswerten naturwissenschaftlichen Museum) unweit des Gardasees – habe ich eine kleine Chili-Plantage entdeckt. Eben dort wächst zwischen den großen Kollegen auch diese hübsche Pflanze mit lila Mini-Früchten. Und dazu gab es gleich noch einige Erläuterungen, die mich Bildungsbürger wieder etwas schlauer machen. So hab ich gelernt, dass die vielen Tausend Sorten, die heute für Erwärmung der Mägen der ganzen Welt sorgen, allesamt auf ganze fünf Arten zurückgehen. Ganz gleich ob ‚Scotch Bonnet‘, meine klassischen Kino-‚Jalapeño‘ oder ‚Tabasco‘ aus der kleinen Flasche, die Ursprünge sind die selben. Gezüchtet wird an Chili schon richtig lange, die ältesten Funde werden angeblich auf 5000 bis 8000 Jahre geschätzt – für eine Kulturpflanze ein mehr als biblisches Alter!

Mit vielen neuen Informationen bin ich durch Südtirol wieder nach Thüringen gefahren – und das nächste Blog-Thema war klar.

An der Stelle kam Kräuterwochen-Idee von Julia von Julietravels gerade recht. Sie hat mich sanft geschubst, einen passenden Artikel zu veröffentlichen.

Kräutergärtner auf dem WegMeine Chili-Quelle

Mit der Idee im Kopf habe ich meiner Lieblingsquelle für Scharfes gleich darauf einen Besuch abgestattet: die Kräutergärtnerei Valeriana. Ungemein praktisch, dass ich dafür nur einmal quer über die Straße gehen muss – und schon schwelge ich gewissermaßen in meinem Hot-Pot.

Hier kann ich aus dem Vollen schöpfen: bei 25 Chili-Sorten hab ich mehr Auswahl, als ich ad hoc essen kann. Ach ja – und Chili ist ja nicht immer nur einfach hot: auf den Etiketten finde ich ganz verschiedene Geschmacksrichtungen: mild, rauchig, aromatisch, aprikosig, mit Schokoladennote, säuerlich, fruchtig – und klar: scharf!

Cool down the heat!

Weil: ist manchmal nötig wenn zu scharf!

Vor einigen Jahren habe ich einen Chili-Härtetest gemacht. Gemeinsam mit einem Freund wollten wir unsere Verträglichkeitsgrenze ausloten. Wir mögen es scharf. Beide.
In meinem Kühlschrank stehen mindestens 4 verschiedene Flaschen Hot Chili Sauce. Tabasco kam zu der Zeit nicht ins Haus – weil „was für Mädchen“. Auch einen ansehnlichen Vorrat verschiedener getrockneter Chilis aus Mittelamerika ist jederzeit im Gewürzfach griffbereit. Aus heutiger Sicht völlig banal – hatten wir zwei handelsübliche rote Schoten in der Küche lokalisiert – nicht mal mit einem Namen versehen. So saßen wir am Tisch – vorsorglich mit Weißbrot und leicht angefeuchten Handtüchern präpariert. Wohl wissend – es könnte scharf sein.

Und dann: ZU GLEICH!
Ein herzhafter Biss von der Spitze der Schote, kauen und schlucken.
So lautete unsere Regel.

Milder kühlender Geschmack im Wasser - Agastache

Milder kühlender Geschmack im Wasser – Agastache

Was kam haute uns aus den Socken. Verdammt hot!
Der Kreislauf drehte hoch.
Es war soooo scharf. Gedanken brannten, nicht zu denken.
Ich weiß, ich habe mich krampfhaft am Tisch festgehalten, weil ich Sorge hatte, ich fall vom Hocker. Und ich hatte tatsächlich ein kurzes Blackout. Wie nennt man das: Sekundentod? Und blanke Angst. Ich hab Bilder vom Schweißtuch Christi vor Augen gehabt – makaber – zugegeben, aber ich hatte für kurze Zeit Panik, das nicht zu überleben.

Hab ich aber. So: etwas Weißbrot, ein kaltes Handtuch in den Nacken, atmen – und dann mussten wir beide lauthals lachen. Und versuchten allerlei, um die Hitze wieder auf ein Normalmaß zu bringen.
Einige Caipi halfen gut.

Der Kräuter-Kühler: Agastache aus Mexiko

Eine schöne – und gärtnerisch angemessene Kühl-Lösung haben wir dann endlich beim Cactusbrunch gefunden. Die Idee stammt von meinem Freund und Koch Bastian Foerg. Mit ihm war ich bei Valeriana shoppen. Mineralwasser mit Zitronen-Agastache auch Mexiko.
Erfrischend an heißen Tagen, beruhigt bei Revolution im Magen und schmeckt leise.
Geht aber auch in heiß – als Tee. Und sie sieht schön aus, die Buntnessel – auch Bienen mögen sie sehr. Letzteres allein ist mir ein guter Grund für die Pflanze.

Hmmm. Das gäbe einen schönen Einstieg für ein Bienen-Blüten-Beet in der Gärtnerei…

 


Nun gesammelte Rezepte:

Jetzt gab es viel Wissen über die scharfen Chilis – Zeit fürs genießen!
Ich habe die schönsten Rezepte hier zusammengetragen – weil ich selbst mal wieder probieren will. Im Moment schreibe ich von unterwegs – das Kochen muss noch warten.

Der scharfe Klassiker: Chili con Carne

Eine alte Tradition – bodenständig und kein bisschen mexikanisch.
Begonnen hat das mit meinem Freund Ralph. Wir haben regelmäßig gekocht – den Seelentröster für Männer. Aus Hackfleisch, Bohnen, Tomaten, Cumin, Schokolade, Schwarzbier, natürlich ausreichend Knoblauch – und je nach Stimmung mehr oder weniger Chili! – hmmm. Sollte ich auch mal wieder…
Die besten Rezepte für Chili con Carne habe ich auf Pepperworld gefunden – und gleich noch eine Latte Hintergrundwissen.

Spieße – Scharfes vom Grill

Bratwurst-Bacon-Jalapeño-Spieße – könnte ein Thüringer ohne Bratwurst leben? Nein, natürlich nicht. Aber er darf seine Bratwurst nach allen Regeln der Kunst pimpen.

auch dazu hier das Rezept bei Pepperworld

Fresh Mexican

… für danach – ein knalliger Cocktail aus meiner Lieblingsbar, dem Hemingway in Erfurt – hilft auch beim „runterkommen“

3 cl Bols Yogurt
2 cl Tequila blanco
2 cl Kaluha
und das ganze würzen – nach Christopher Kolumbus mit Chili und Pfeffer!

Links im Text: Die Quellen sind für die Nachvollziehbarkeit verlinkt. Ich erhalte kein Geld für die Erwähnung von Webseiten – von den Valeriana-Kräutern bin ich einfach begeistert.

Freitag, 18. Mai 2018
von Ulrich Haage
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KaktusWalk – ein spitzer Instawalk in Erfurt

Im Mai 2018 gab es bei Kakteen-Haage den ersten KaktusWalk – ein InstaWalk mit Kakteen, – vermutlich gab es etwas vergleichbares noch nicht zuvor. Das Echo hat jedenfalls alle meine Vorstellungen in den Schatten gestellt. 

KaktusWalk bei Kakteen-Haage

Über 50 Besucher waren kreuz und quer in der Gärtnerei unterwegs und haben fotografiert und gefilmt was das Zeug hielt.
FunFact am Rande: weniger als 5 % der Teilnehmer haben bisher etwas mit Kakteen am Hut gehabt.
Ganz nebenbei: für 50 Leute grillen war ein Novum für mich 🙂

Ganz sicher ist: so viel Spaß für alle – das schreit einfach nach einer Wiederholung. Im nächsten Jahr auf ein neues! Da laden wir wieder ein.

Hier gibt es einen ganzen Sack voller zauberhafter Impressionen – ich selbst habe keine Fotos gemacht – deswegen herzlichen Dank an Nicole und Christoph für die Bilder.

Ein dickes Danke für Idee und Organisation an Jessika und Julia von den Erfurtbloggern – es war mir ein inneres Blümchenpflücken!

Und was ist eigentlich ein Instawalk?

Aus der frühen Zeit von instagram stammt die schöne Erklärung: ein Instawalk ist ein Spaziergang auf dem man Bilder macht.
Nett! Und so ungefähr war es auch bei uns.

Kurze Begrüßung, ein paar Informationen und Hinweise und dann rein ins Gewächshaus. Stories erzählen und auf eigene Faust erkunden. Fotografieren, Perspektiven entdecken, die noch keiner zuvor gesehen hat. So läuft ein Instawalk.
Auch wenn Kakteen allgegenwärtig sind – sind sie doch nicht das einzige was abgelichtet wurde.
Davon erzählen die Fotos.

Noch mehr Bilder gibt es hier:

Sabrina Nürnberger – mediadee

MDR – Mitteldeutscher Rundfunk

 

 

 

Sonntag, 22. April 2018
von Ulrich Haage
21 Kommentare

Tag der offenen Tür 2018 bei Kakteen-Haage

Seit 1992 ist der Tag der offenen Tür die wichtigste Veranstaltung bei Kakteen-Haage. Am zweiten Samstag im Mai treffen sich in Erfurt unzählige Kakteenfreunde.

In diesem Jahr ist es Samstag, 12. Mai 2018 bei Kakteen-Haage in Erfurt.

Programm

  • Verkauf auf über 1500 m² von 8.00 bis 18.00 Uhr
  • Beratung und Tipps von unseren erfahrenen Mitarbeitern
  • Führungen durch die uralten Mutterpflanzenbestände
  • Entdecken Sie 333 Jahre Gärtnergeschichte der Familie Haage in Erfurt
  • Fachvortrag:
    • 13 Uhr Rudolf Hessing: „30 Jahre Epicactus-Züchtungen – und immer wieder frisch“
  • lernen: fachsimpeln und austauschen mit Fachleuten und anderen Kakteenfreunden
  • mit dabei: die leckere Kaktusbratwurst, und andere Thüringer Spezialitäten vom Grill
  • Kaffee und frischer selbst gebackener Kuchen

Drumherum

  • Bonsaifreunde kommen bei unseren Nachbarn Bonsai-Do und ihren sehenswerten Bäumchen voll auf ihre Kosten
  • Kräutergärtnerei Valeriana – bei unseren unsere Nachbarn gegenüber entdecken Sie viele seltene Kräuter

 


Der Tag der offenen Tür bei Kakteen-Haage

… alle Jahre wieder wird er mit wachsendem Erfolg zelebriert.
Natürlich geht es auch darum, sich in den Beständen einige Schnäppchen zu sichern, oder dem „Profi“ mal mit einem Problem auf den Zahn zu fühlen.

Genauso bedeutsam ist die Möglichkeit, mit anderen Kakteenfreunden zusammenzusitzen und Erfahrungen auszutauschen und das über regionale Grenzen hinaus.

Führungen

Immer wieder beliebt ist der Blick hinter die Kulissen – den so ein Tag der offenen Tür ja schliesslich ausmacht.

Hier kann man erleben, wie so eine Kakteengärtnerei arbeitet: wo kommen die Pflanzen her und wer hat da seine Hände im Spiel. Streifen sie durch die Sämlingsbestände, machen Sie Fotos von den Mutterpflanzen, oder finden Sie heraus, wie wir 800 Kakteen in einer Stunde topfen.

Ganz besonders: um 12 Uhr gibt es eine Führung durch die Kakteen speziell für Kinder.

Herzlich willkommen am zweiten Samstag im Mai bei Kakteen-Haage in Erfurt!

(Hinweis: einige Kommentare beziehen sich auf den Tag der offenen Tür aus den vergangenen Jahren)

Sonntag, 28. Januar 2018
von Ulrich Haage
2 Kommentare

Claudia Look-Hirnschal verstorben – der Garten war ihre Bühne

Claudia Look-Hirnschal – Fernsehgärtnerin mit Leib und Seele

Claudia Look-Hirnschal und Ulrich Haage

Claudia Look-Hirnschal in einer ihrer letzten Sendungen

Heute, am 28. Januar 2018 ist Claudia Look-Hirnschal verstorben. Am Sonntag, dem Tag der Woche an dem seit über 18 Jahren der MDR Garten – IHRE Sendung lief.

Seit August 2000 war Sie das Gesicht des MDR Garten, eine Sendung die längst auch die Gartenfreunde außerhalb von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt erreicht hat.

Oft durfte ich Claudia in ihrer Sendung besuchen. Einige Tage vorher trafen wir uns in meiner Küche und haben über die Pflanzen für die Sendung gesprochen – und über vieles andere, was so dies- und jenseits des Gartenzaunes passiert.

Vom Fach, aber kein Profi-Gärtner

Claudia Look-Hirnschal war Hobby-Gärtnerin aus vollem Herzen. Immer wieder hat sie mich beeindruckt. Sie wusste nicht alles – was viele vielleicht von der „Frau vom Grünen Telefon“ erwarteten. Wenn sie etwas nicht wusste – dann kannte sie garantiert jemanden in dessen Fachgebiet die Frage fiel. So gab es kaum Fragen, die unbeantwortet blieben.

Auch ich durfte häufig mit sehr speziellen Pflanzen ins MDR Garten Studio fahren – so wie in einer ihrer letzten Sendungen im August 2016, als wir gemeinsam Caudexpflanzen und deren eigenartige Formen unter die Lupe genommen haben. Und es war eine Freude, zusammen mit ihr die Eigenheiten der Pflanzen zu entdecken. Mehr als einmal hat sie mich mit einer Frage verblüfft und ins Grübeln gebracht, bevor ich eine gute Antwort darauf fand.

Ich habe Claudia Look-Hirnschal immer als bodenständigen, im wahrsten Sinne „erdverbundenen“ Menschen erlebt. Begeistert von ihrer Sache; ehrlich grenzenlos neugierig und eine echte Frohnatur, wie es ihre Kollegen der MDR Redaktion im Nachruf geschrieben haben.

Genauso werde ich sie in fröhlicher Erinnerung behalten. Fröhlich im Garten.

Fare well Claudia!

 

Dienstag, 23. Januar 2018
von Ulrich Haage
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Kaktus

manchmal
bin ich ein Kaktus
der sich nach Liebe sehnt
doch wie soll
mich jemand lieben
wenn er sich dabei
an meinen Stacheln verletzt
wer es doch könnte
der wird sie
eines Tages sehen können
… die Blüten
- Engelbert Schinkel
Zauberhaft beschrieben mit einfühlsamer Seelenfärber

Freitag, 29. September 2017
von Ulrich Haage
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Fünf Tipps bei Befall mit Wollläusen

Wollläuse im Kakteenbestand – was ist jetzt tun?

Wollläuse auf KakteenNein, auf dem Foto ist kein Schnee. Wer diese kleinen weißen Klümpchen an seinen Pflanzen findet ist selten erfreut.
Wollläuse sind an sukkulenten Pflanzen immer wieder zu finden. In diesem Jahr verzeichnet der Pflanzenschutzdienst einen außergewöhnlich hohen Befallsdruck. Ausgelöst wurder der vermutlich durch den milden Winter. Auch die Pflanzen in unserer Gärtnerei wurden schon mehrfach ‚überfallen‘.

Warum können Wollläuse unsere Pflanzen gefährden?

  1. sie vermehren sich sehr schnell
  2. Wollläuse lassen sich nur sehr schwer bekämpfen
  3. können speziell im Winter großen Schaden an Kakteen anrichten

Wie die meisten anderen Läuse saugen auch die Wollläuse den Zellsaft aus den Zellen. Dadurch werden die Pflanzen geschwächt. Häufig entstehen dabei Infektionen und Folgeschäden durch Pilze oder weitere Schädlinge.
Die ‚Wolle‘ die der Wolllaus ihren Namen gibt ist in Wahrheit eine sehr wirksame Schutzschicht aus fein gesponnenen Wachsfäden. Wasser und auch die meisten anderen Flüssigkeiten perlen davon einfach ab. Darum sind viele Insektizide bei Wollläusen wirkungslos.

Was können Sie sofort dagegen tun?

Fünf Tipps gegen Wollläuse

  1. Pinseln mit Spiritus oder hochprozentigem Alkohol
    Für die Sofortlösung brauchen Sie nur einen kleinen Pinsel oder ein Wattestäbchen und etwas Spiritus. Der Alkohol wird vorsichtig auf die Wolllaus getupft. Dabei sollten Sie Pflanzenkontakt möglichst vermeiden. Der Alkohol löst die Wachsschicht der Laus auf und tötet alle Läuse nebst Eiern.
    Wichtig: Vorsicht mit dem Alkohol | danach sofort mit Wasser nachspülen | ein- bis zweimal im Abstand von 10 Tagen wiederholen | ideal bei Befall einzelner Pflanzen, oder wenn andere Mittel nicht zur Verfügung stehen [Spiritus gibt es günstig im Baumarkt]
  2. Einsatz von Nützlingen
    Die natürlichen Gegenspieler können binnen kurzer Zeit auch einen massiven Befall einfach auffressen. Die Nützlinge schaden unseren Pflanzen nicht. Effektive Wolllaus-Jäger sind Schlupfwespen, die Larven von Florfliegen und Marienkäfern. Ein echter Killer ist der australische Marienkäfer und seine Larven.
  3. Neuzugänge vor dem Einräumen in die Sammlung penibel prüfen
    Wollläuse verstecken sich meist an schwer zugänglichen Stellen, Blattunterseiten oder -achseln. Wenn Sie Ihre Lieblinge regelmäßig genau anschauen, dann werden Sie jeden Befall rechtzeitig entdecken, bevor Schaden entsteht und eine Ausbreitung erfolgt.
  4. Umgebung checken
    Bei Befall nicht nur die Pflanzen, sondern auch das Umfeld prüfen und reinigen. Töpfe, Schalen, Ränder, Unterseiten, Tische, Fensterbretter, Fenster, andere Pflanzen – auch vor dem Fenster können weitere Läusefamilien beherbergen
  5. Chemie – wenn nichts mehr geht
    Zur chemischen Bekämpfung greifen Sie zu systemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Wollläuse. Die werden von der Pflanze aufgenommen und wirken so ‚von innen‘. (z. B. Careo, Calypso, Lizetan oder Triathlon) Wir verwenden in unserer Gärtnerei im Ernstfall Bi 58 im Wechsel mit einem weiteren Mittel um Resistenzen vorzubeugen.
    Extratipp: Profis verwenden zur besseren Durchdringung und Haftung des Wirkstoffes sogenannte Netzmittel. Eine ähnliche Wirkung lässt sich mit einigen Tropfen Geschirrspülmittel erreichen

Sonderfall Wurzelläuse

Kleine weiße Flöckchen an den Wurzeln, oder am Topf. Die ähnlich weiße Wollgespinste könnten vermuten lassen, die Wollläuse sind unter die Erde gekrochen. Leider nicht. Wurzelläuse sind andere Schädlinge – aber nicht weniger gefährlich für die Sammlung.

Die kleinen weißen Klümpchen an den Wurzeln oder am Topf sind leicht zu identifizieren. Ob die Insekten noch am Leben und aktiv sind, lässt sich hingegen ohne ein Mikroskop leider nicht herausfinden. Anders als Wollläuse zeigen Wurzelläuse beim zerdrücken kein ‚Blut‘.
Hier hilft nur, befallene Pflanzen unter Beobachtung zu stellen.
Für die chemische Behandlung ist ein systemisch wirkendes Insektizid nötig. Das wird von der Pflanze aufgenommen und über den Wasserkreislauf zu den Wurzeln verteilt. Die in der Vergangenheit als sehr wirksam empfohlene Methode des Tauchens in Bi-58-Brühe ist heute nicht mehr zugelassen.  

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Montag, 1. Mai 2017
von Ulrich Haage
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Das perfekte Gewächshaus – clevere Tipps

Notstand: Platzmangel in der Sammlung

Da ist die Kakteensammlung über Jahre gewachsen – und geht längst über alle Fensterbretter hinaus. Die Garage ist auf Dauer auch keine Lösung – und Treppenhaus geht auch nicht mehr? Dann ist ein Gewächshaus eine hervorragende Ergänzung zur Kultur in Hof und Garten.

Richtig konzipiert bietet ein Gewächshaus eine warme, kontrollierbare Umgebung. Dort können Pflanzen wachsen und unabhängig vom Wetter gedeihen. On Top kann es ein angenehmer Ort sein, für die Freizeit, den Kaffee am Morgen oder einen Tee am Nachmittag zu genießen.

Woher nehmen?

Die einfachste Methode: ein Gewächshaus kaufen, liefern und aufbauen lassen. Ganz easy!
Allein: dabei fehlte mir der Fun-Faktor – und etwas Kleingeld.

Ich tendiere eher zum selbst bauen, entweder aus einem Bausatz mit Anleitungen – oder, ganz knackig komplett selbst austüfteln und aufbauen. Im letzteren Fall steckt dann viel Grips und Schweiß drin – aber dann ist es tatsächlich mein ganz eigenes Gewächshaus – und ich kann alle meine Wünsche berücksichtigen. Das ist viel Lohn für die Arbeit.

Hier kommen Tipps für den Bau eines perfekten Gewächshauses.

Die richtige Bauart

Viktorianisches GewächshausWer an Gewächshaus denkt, hat vermutlich ein traditionelles Gewächshaus vor dem geistigen Auge – vielleicht nicht ganz ein solch prunkvoller Bau wie dieses historische Schätzchen hier:

(das ist übrigens das mit Abstand am häufigsten gepinnte Bild in meinem Pinterest Account).

Dabei gibt es die unterschiedlichste Bauarten von Gewächshäusern. Auf Pinterest gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Bauformen, aus denen man auswählen kann.

Es gibt die einfachen kleinen Häuschen die fast wie glashelle, eigenständige Schuppen aussehen. ganz einfaches GewächshausDiese Bauform gibt es in vielen verschiedenen Größen. Die Gewächshausanlagen im Profi-Bereich haben übrigens eine ähnliche Bauart und erstrecken sich manchmal über mehrere zehntausend Quadratmeter.

Andere Gewächshäuser sind direkt an das Haus angebaut – die sogenannten Anlehngewächshäuser. Diese Bauform ist den typischen Wintergärten sehr ähnlich.

Bei der richtigen Planung eines Gewächshaus gilt es, einige Dinge zu beachten. Die Wahl der passenden Bauform ist der erste Schritt.

  • ein einzeln stehendes Gewächshaus besticht meist durch niedrigere Baukosten und ist flexibler in der Aufstellung
  • das Anlehngewächshaus kann oft direkt vom Haus betreten werden und lässt sich ggf. auch durch die Heizung des Hauses beheizen. Der Hausanschluss ist etwas aufwändiger und kostet mehr.

Vor dem Bau kommt das Werkzeug

Ein Satz meines Großvaters hat mich geprägt: „Ein Handwerker ohne gutes Werkzeug ist Nichts.“

Der Standard-Werkzeugkasten aus der Garage wird kaum für den Bau eines Gewächshauses ausreichen. Wenn ich etwas robustes und zuverlässiges bauen will, dann brauche ich leistungsfähiges Werkzeug – zu oft bin ich schon mit vermeintlich günstigem „Spielzeug“ auf die Nase gefallen. Screwfix gibt dazu einfache Tipps: wer professionelle Ergebnisse erzielen möchte, der braucht die richtigen Elektrowerkzeug. Für’s erste genügt eine guten Bohrmaschine. Meine schlichte blaue Bosch-Bohrmaschine ist vielseitig und begleitet mich schon seit vielen Jahren.1

Das richtige Baumaterial

Für den Bau eines Gewächshauses gibt es viele verschiedene Materialien.

  • Der Rohbau kann traditionell aus Holz bestehen – das ist günstig, leicht und einfach zu bearbeiten. Wird gutes Holz gewählt (z. B. Lärche), dann kann die Konstruktion locker 20 bis 40 Jahre überdauern.
  • nahezu für die Ewigkeit sind die heute häufig verwendeten Aluminium Profile gefertigt
  • Lange Jahre wurde für die Konstruktion großer Gewächshäuser Stahl verwendet, das hohe Eigengewicht und die Gefahr von Kältebrücken macht das Material heute nur noch wenig attraktiv.
  • Früher bestand die Außenhaut meist aus Glas (darum auch Glashaus) – die Nachteile liegen auf der Hand: schwer, hohe Bruchgefahr, geringe Wärmedämmung.
  • Die meisten Gewächshäuser haben heute Dach und Wand aus Kunststoff. Im einfachen Fall einfache Acryl-Platten.
  • Besser sind sogenannte Doppelsteg- oder Hohlkammerplatten die deutlich stabiler sind, ggf. sogar vor Hagel schützen und die Heizkosten deutlich senken können.

Welches Material ist das richtige? Es lohnt sich, einige Gedanken darüber machen. Das heimische Klima, die Bedürfnisse der Pflanzen und natürlich der persönlichen Stil (möchte ich aus dem Gewächshaus den Blick nach draußen genießen können?) spielt bei der Entscheidung eine große Rolle.

#RTFM – Bauanleitung lesen hilft enorm

Für Bauwillige mit dem richtigen Händchen gibt es online eine Menge Bauplänen zu entdecken. Auf heimwerker.de finden sich einige ziemlich detaillierte Anleitungen für die Konstruktion meines ganz persönlichen Gewächshauses.

Einen Grundsatz habe ich beim bauen gelernt: „no net hudla!“ wie der Schwabe sagt – oder hochdeutsch: Anleitung genau lesen und befolgen. Das lässt viele Fehler vermeiden.

Wer sich für ein Gewächshaus Out of the Box – einen Baukasten – entschieden hat, findet alle Materialien und eine Schritt-für-Schritt-Anweisungen, die man zum Bau seines perfekten Gewächshauses benötigt.

Tüftler, die ihr Gewächshaus selbst entwerfen, sollte bei der Materialzusammenstellung auf Verträglichkeit achten2, damit das Haus stabil wird.

Heizung vs. Lüftung

Eine Stunde im Sommer im kleinen Gewächshaus kann eindrücklich sein. Es wird richtig warm. Bei uns sind das manchmal 50-70° C. Darum ist neben der Heizung die Belüftung ebenso wichtig.

Einzelne Platten im Dach und in der Seitenwand lassen sich öffnen, damit die heiße und feuchte Luft gegen frische und kühle Luft getauscht werden kann. Automatische Lüfter die bei steigenden Temperaturen die Fenster öffnen helfen enorm und schonen die Nerven.

Göttlicher Abschluß – oder Anfang?

Ministerpräsident Bodo Ramelow und Gärtnerpräsident Ulrich Haage zur Eröffnung im Musikgarten auf der Landesgartenschau in Apolda 2017Nachdem mich das Thema Gewächshaus in den letzen Monaten sehr intensiv umgetrieben hat, fand es nun einen himmlischen Abschluß. Ende April wurde die Landesgartenschau in Apolda eröffnet. Gemeinsam mit dem Schirmherrn – dem Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow – war ich in dem weitläufigen Gelände unterwegs. In den Themengärten gab es einiges zu entdecken. Selbst strickende Riesensocken, ein Steingarten der das Prädikat ‚Schön‘ verdient, ein gut gestalteter Wassergarten, ein Garten mit großer Terrasse an der alle nur denkbaren technische Spielereien versteckt sind, die Klimatisierung ohne aufzustehen zulässt – und es gab einen längeren Stop im Musikgarten – in dem auch ein Echinocactus grusonii von uns am Klavier sitzt.

Der Rundgang endete in ‚Gottes Gartenhaus‘, der Kirche auf der Landesgartenschau. Ein ziemlich ungewöhnliches Gewächshaus: gebaut in Kreuzform im viktorianischen Stil.

Gottes Gartenhaus - Kirche auf der Landesgartenschau Apolda 2017 - zur Eröffnung mit Bodo Ramelow

Hier gibt es noch weitere Artikel zum Thema Gewächshaus:

Und jetzt viel Freude beim Gewächshaus planen, bauen – oder einfach erstmal nur davon träumen!

 

 

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  1. Für diesen Artikel habe ich ein kleines Honorar bekommen, meine Bohrmaschine mag ich auch gänzlich honorarfrei []
  2. Kältebrücken, Lochfraß bei Aluminium und Metall []

Mittwoch, 29. März 2017
von Ulrich Haage
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Der Unterschied: Agave echinus | striata | stricta

Agave echinus

Katalogvorbereitung heute: Agaven. Hier steht eine hübsche Partie mit dem Etikett Agave echinus.
Auf dem übernächsten Tisch steht Agave stricta ‚Nana‘. „Komisch“, denke ich, „was ist da wohl der Unterschied?“ Außer der Größe – und der Angabe zum Standort kann ich auf die Schnelle keinen deutlichen Unterschied erkennen. Also notieren und am Abend nachschlagen.

Auf der Suche nach Agave echinus

Als erstes werfe ich einen Blick in Ivana Richters „Die Gattung Agave“. Für ’schnell mal nachschauen‘ eignet sich das Buch leider nicht. Interessante Geschichten zum Hintergrund – ja. Meine Frage bleibt aber unbeantwortet.

Taxonomisch und jenseits des Tellerrandes

Wie schaut es denn überhaupt mit dem Namen aus? Schnell finde ich meine Ahnung bestätigt: die Bezeichnung Agave echinus ist der Abteilung Phantasie zuzuordnen – in der ernstzunehmenden Literatur findet sich der Name gar nicht. Ich sammle aber bei der Suche viel  Zusatzinformationen und nette kleine Geschichten, die außerhalb des Gärtnerwissens liegen.

  • Echinus ist ein Seeigel und ein Teil der dorischen Säulenkapitelle.
  • Echinus hießen zwei antike Städte und heute noch ein katholisches Bistum, ein Dorf in Griechenland und ein Gerät zum filtern von Wein trägt die Bezeichnung ebenso.

daneben gibt es noch Echion – so heißen:

  • ein deutsches Frachtschiff, mehrere Comicfiguren, ein Schmetterling,
  • eine respektable deutsche Medienagentur, ein Manga Avatar – alle irgendwie Echion

Bleiben wir doch mal dort:

Exkurs: von Echinus zu Echion und den alten Griechen

echion - der griecheDer Name Echïon taucht in den Griechischen Heldensagen auf – für den Schlangenmann, als Bildhauer, als der schnellfüßige Jäger nach dem Kalydonischen Eber, als Maler, Musiker, als Herold der Argonauten.

Er ist der Bedeutendste der fünf Sparten1 die Kadmus beim erbauen der Stadt Theben unterstützten. An der Stelle wird es spannend:
Zum Dank für seine Dienste gibt Kadmus Echion seine Tochter Agave ((in manchen Quellen auch Agaue genannt) zur Frau. Der fleißige Echion folgt seinem Schwiegervater auf den Thron, nach ihm wird Theben später auch Eichioniæ und die Einwohner Echionidæ genannt. – eine ziemlich steile Karriere für einen der aus einem Drachenzahn gewachsen ist.

Und: damals gab es eine Verbindung zwischen Agave und Eichion – ganz im Gegensatz zur Pflanze heute:

Keine Agave echinus

Die weitere Suche nach dem Namen bei den klugen Portalen im Netz bleibt erfolglos – ipni.org bleibt stumm, ebenso species+ oder Kew. Fehlanzeige!

Mit etwas Geduld finde ich einen ersten Faden:

Walter Schönherr hat nicht nur einen wunderbaren Exotengarten im Odenwald – er war ganz offensichtlich auf der selben Suche wie ich und macht sich einige Gedanken in seinem Artikel über Agave stricta – und beklagt sich berechtigt über den Namenswirrwarr und das Geschiebe bei Agave stricta und striata. Und hier herrscht reichlich Chaos.

Schade: auch hier sind keine eindeutigen Abgenzungen zu finden.

Was finde ich an Namen:

  • Agave echinus (auch mal zusätzlich ‚Nana‘)
  • Agave stricta ‚Nana‘ (auch als var., ssp. oder f. ‚Nana‘)
  • Agave striata ‚Nana‘ (auch als var., ssp. oder f. ‚Nana‘)
  • Agave echinoides – kommt später noch dazu …

 


 

Weiter geht die Geschichte, wie ich bei Tropicos ich einen Schritt weiter komme.

… continue

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  1. siehe die Heldensage der aus Drachenzähnen gesäte Brüder []