Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Montag, 1. Mai 2017
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Das perfekte Gewächshaus – clevere Tipps

Notstand: Platzmangel in der Sammlung

Da ist die Kakteensammlung über Jahre gewachsen – und geht längst über alle Fensterbretter hinaus. Die Garage ist auf Dauer auch keine Lösung – und Treppenhaus geht auch nicht mehr? Dann ist ein Gewächshaus eine hervorragende Ergänzung zur Kultur in Hof und Garten.

Richtig konzipiert bietet ein Gewächshaus eine warme, kontrollierbare Umgebung. Dort können Pflanzen wachsen und unabhängig vom Wetter gedeihen. On Top kann es ein angenehmer Ort sein, für die Freizeit, den Kaffee am Morgen oder einen Tee am Nachmittag zu genießen.

Woher nehmen?

Die einfachste Methode: ein Gewächshaus kaufen, liefern und aufbauen lassen. Ganz easy!
Dabei fehlte mir der Fun-Faktor – und einiges an Kleingeld.

Ich tendiere eher zum selbst bauen, entweder aus einem Bausatz mit Anleitungen – oder, ganz knackig komplett selbst austüfteln und aufbauen. Im letzteren Fall steckt dann viel Grips und Schweiß drin – aber dann ist es tatsächlich mein ganz eigenes Gewächshaus – und ich kann alle meine Wünsche berücksichtigen. Das ist viel Lohn für die Arbeit.

Hier kommen Tipps für den Bau eines perfekten Gewächshauses.

Die richtige Bauart

Viktorianisches GewächshausWer an Gewächshaus denkt, hat vermutlich ein traditionelles Gewächshaus vor dem geistigen Auge – vielleicht nicht ganz ein solch prunkvoller Bau wie dieses historische Schätzchen hier:

(das ist übrigens das mit Abstand am häufigsten gepinnte Bild in meinem Pinterest Account).

Dabei gibt es die unterschiedlichste Bauarten von Gewächshäusern. Auf Pinterest gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Bauformen, aus denen man auswählen kann.

Es gibt die einfachen kleinen Häuschen die fast wie glashelle, eigenständige Schuppen aussehen. ganz einfaches GewächshausDiese Bauform gibt es in vielen verschiedenen Größen. Die Gewächshausanlagen im Profi-Bereich haben die selbe Bauart und erstrecken sich manchmal über mehrere zehntausend Quadratmeter.

Andere Gewächshäuser sind direkt an das Haus angebaut – die sogenannten Anlehngewächshäuser. Diese Bauform ist den typischen Wintergärten sehr ähnlich.

Bei der richtigen Planung eines Gewächshaus gilt es, einige Dinge zu beachten. Die Wahl der passenden Bauform ist der erste Schritt.

  • ein einzeln stehendes Gewächshaus besticht meist durch niedrigere Baukosten und ist flexibler in der Aufstellung
  • das Anlehngewächshaus kann oft direkt vom Haus betreten werden und lässt sich ggf. auch durch die Heizung des Hauses beheizen

Vor dem Bau kommt das Werkzeug

Ein Satz meines Großvaters hat mich geprägt: „Ein Handwerker ohne gutes Werkzeug ist Nichts.“

Der Standard-Werkzeugkasten aus der Garage wird kaum für den Bau eines Gewächshauses ausreichen. Wenn ich etwas robustes und zuverlässiges bauen will, dann brauche ich leistungsfähiges Werkzeug – zu oft bin ich schon mit vermeintlich günstigem „Spielzeug“ auf die Nase gefallen. Screwfix gibt dazu einfache Tipps: wer professionelle Ergebnisse erzielen möchte, der braucht die richtigen Elektrowerkzeug. Für’s erste genügt eine guten Bohrmaschine. Meine schlichte blaue Bosch-Bohrmaschine ist vielseitig und begleitet mich schon seit vielen Jahren.1

Das richtige Baumaterial

Für den Bau eines Gewächshauses gibt es viele verschiedene Materialien.

  • Der Rohbau kann traditionell aus Holz bestehen – das ist günstig, leicht und einfach zu bearbeiten. Wenn gutes Holz gewählt wird (z. B. Lärche) kann die Konstruktion 20 bis 40 Jahre überdauern.
  • nahezu für die Ewigkeit sind die heute häufig verwendeten Aluminium Profile gefertigt
  • Lange Jahre wurde für die Konstruktion großer Gewächshäuser Stahl verwendet, das hohe Eigengewicht und die Gefahr von Kältebrücken macht das Material heute nur noch wenig attraktiv.
  • Früher bestand die Außenhaut meist aus Glas (darum auch Glashaus) – die Nachteile liegen auf der Hand: schwer, hohe Bruchgefahr, geringe Wärmedämmung.
  • Die meisten Gewächshäuser haben heute Dach und Wand aus Kunststoff. Im einfachen Fall einfache Acryl-Platten.
  • Besser sind sogenannte Doppelsteg- oder Hohlkammerplatten die deutlich stabiler sind, ggf. sogar vor Hagel schützen und die Heizkosten deutlich senken können.

Welches Material ist das richtige? Es lohnt sich, einige Gedanken darüber machen. Das heimische Klima, die Bedürfnisse der Pflanzen und natürlich der persönlichen Stil spielt bei der Entscheidung eine große Rolle.

#RTFM – Bauanleitung lesen hilft enorm

Für Bauwillige mit dem richtigen Händchen gibt es online eine Menge Bauplänen zu entdecken. Auf heimwerker.de finden sich einige ziemlich detaillierte Anleitungen für die Konstruktion meines ganz persönlichen Gewächshauses.

Einen Grundsatz habe ich beim bauen gelernt: „no net hudla!“ wie der Schwabe sagt – oder hochdeutsch: Anleitung genau lesen und befolgen. Das lässt viele Fehler vermeiden.

Wer sich für ein Gewächshaus Out of the Box – einen Baukasten – entschieden hat, findet alle Materialien und eine Schritt-für-Schritt-Anweisungen, die man zum Bau seines perfekten Gewächshauses benötigt.

Tüftler, die ihr Gewächshaus selbst entwerfen, sollte bei der Materialzusammenstellung auf Verträglichkeit achten2, damit das Haus stabil wird.

Heizung vs. Lüftung

Eine Stunde im Sommer im kleinen Gewächshaus kann eindrücklich sein. Es wird richtig warm. Bei uns sind das manchmal 50-70° C. Darum ist neben der Heizung die Belüftung ebenso wichtig.

Einzelne Platten im Dach und in der Seitenwand lassen sich öffnen, damit die heiße und feuchte Luft gegen frische und kühle Luft getauscht werden kann. Automatische Lüfter die bei steigenden Temperaturen die Fenster öffnen helfen enorm und schonen die Nerven.

Göttlicher Abschluß – oder Anfang?

Ministerpräsident Bodo Ramelow und Gärtnerpräsident Ulrich Haage zur Eröffnung im Musikgarten auf der Landesgartenschau in Apolda 2017Nachdem mich das Thema Gewächshaus in den letzen Monaten sehr intensiv umgetrieben hat, fand es nun einen himmlischen Abschluß. Ende April wurde die Landesgartenschau in Apolda eröffnet. Gemeinsam mit dem Schirmherrn – dem Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow – war ich in dem weitläufigen Gelände unterwegs. In den Themengärten gab es einiges zu entdecken. Selbst strickende Riesensocken, ein Steingarten der das Prädikat ‚Schön‘ verdient, ein gut gestalteter Wassergarten, ein Garten mit großer Terrasse an der alle nur denkbaren technische Spielereien versteckt sind, die Klimatisierung ohne aufzustehen zulässt – und es gab einen längeren Stop im Musikgarten – in dem auch ein Echinocactus grusonii von uns am Klavier sitzt.

Der Rundgang endete in ‚Gottes Gartenhaus‘, der Kirche auf der Landesgartenschau. Ein ziemlich ungewöhnliches Gewächshaus: gebaut in Kreuzform im viktorianischen Stil.

Gottes Gartenhaus - Kirche auf der Landesgartenschau Apolda 2017 - zur Eröffnung mit Bodo Ramelow

Hier gibt es noch weitere Artikel zum Thema Gewächshaus:

 

 

 

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  1. Für diesen Artikel habe ich ein kleines Honorar bekommen, meine Bohrmaschine mag ich honorarfrei []
  2. Kältebrücken, Lochfraß bei Aluminium und Metall []

Montag, 24. April 2017
nach Ulrich Haage
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Tag der offenen Tür 2017 bei Kakteen-Haage

Seit 1992 ist der Tag der offenen Tür die wichtigste Veranstaltung bei Kakteen-Haage. Am zweiten Samstag im Mai treffen sich in Erfurt unzählige Kakteenfreunde.

In diesem Jahr ist es Samstag, 13. Mai 2017 bei Kakteen-Haage in Erfurt.

Programm

  • Verkauf auf über 1500 m² von 8.00 bis 18.00 Uhr
  • Beratung und Tipps von unseren erfahrenen Mitarbeitern
  • Führungen durch die uralten Mutterpflanzenbestände
  • Entdecken Sie über 325 Jahre Gärtnergeschichte der Familie Haage in Erfurt
  • Vorträge:
    • 11 Uhr Christoph Killgus: 25 Jahre Tag der offenen Tür bei Kakteen-Haage
    • 14 Uhr Rudolf Hessing: Meine Epicactus-Züchtungen
  • lernen: fachsimpeln und austauschen mit Fachleuten und anderen Kakteenfreunden
  • mit dabei: die leckere Kaktusbratwurst, und andere Thüringer Spezialitäten vom Grill
  • Kaffee und frischer selbst gebackener Kuchen
  • Bonsaifreunde kommen bei unseren Nachbarn Bonsai-Do und ihren sehenswerten Bäumchen voll auf ihre Kosten

 


Der Tag der offenen Tür bei Kakteen-Haage

… alle Jahre wieder wird er mit wachsendem Erfolg zelebriert.
Natürlich geht es auch darum, sich in den Beständen einige Schnäppchen zu sichern, oder dem „Profi“ mal mit einem Problem auf den Zahn zu fühlen.

Genauso bedeutsam ist die Möglichkeit, mit anderen Kakteenfreunden zusammenzusitzen und Erfahrungen auszutauschen und das über regionale Grenzen hinaus.

Führungen

Immer wieder beliebt ist der Blick hinter die Kulissen – den so ein Tag der offenen Tür ja schliesslich ausmacht. Hier kann man erleben, wie so eine Kakteengärtnerei arbeitet, wo kommen die Pflanzen her und wer hat da seine Hände im Spiel. Man kann durch die Sämlingsbestände streifen, Fotos von den Mutterpflanzen machen, oder lernen, wie man 800 Pflanzen in einer Stunde topft.

Ganz besonders: um 12 Uhr gibt es eine Führung durch die Kakteen speziell für Kinder.

Herzlich willkommen am zweiten Samstag im Mai bei Kakteen-Haage in Erfurt!

(Hinweis: einige Kommentare beziehen sich auf den Tag der offenen Tür aus den vergangenen Jahren)


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Mittwoch, 29. März 2017
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Der Unterschied: Agave echinus | striata | stricta

Agave echinus

Katalogvorbereitung heute: Agaven. Hier steht eine hübsche Partie mit dem Etikett Agave echinus.
Auf dem übernächsten Tisch steht Agave stricta ‚Nana‘. „Komisch“, denke ich, „was ist da wohl der Unterschied?“ Außer der Größe – und der Angabe zum Standort kann ich auf die Schnelle keinen deutlichen Unterschied erkennen. Also notieren und am Abend nachschlagen.

Auf der Suche nach Agave echinus

Als erstes werfe ich einen Blick in Ivana Richters „Die Gattung Agave“. Für ’schnell mal nachschauen‘ eignet sich das Buch leider nicht. Interessante Geschichten zum Hintergrund – ja. Meine Frage bleibt aber unbeantwortet.

Taxonomisch und jenseits des Tellerrandes

Wie schaut es denn überhaupt mit dem Namen aus? Schnell finde ich meine Ahnung bestätigt: die Bezeichnung Agave echinus ist der Abteilung Phantasie zuzuordnen – in der ernstzunehmenden Literatur findet sich der Name gar nicht. Ich sammle aber bei der Suche viel  Zusatzinformationen und nette kleine Geschichten, die außerhalb des Gärtnerwissens liegen.

  • Echinus ist ein Seeigel und ein Teil der dorischen Säulenkapitelle.
  • Echinus hießen zwei antike Städte und heute noch ein katholisches Bistum, ein Dorf in Griechenland und ein Gerät zum filtern von Wein trägt die Bezeichnung ebenso.

daneben gibt es noch Echion – so heißen:

  • ein deutsches Frachtschiff, mehrere Comicfiguren, ein Schmetterling,
  • eine respektable deutsche Medienagentur, ein Manga Avatar – alle irgendwie Echion

Bleiben wir doch mal dort:

Exkurs: von Echinus zu Echion und den alten Griechen

echion - der griecheDer Name Echïon taucht in den Griechischen Heldensagen auf – für den Schlangenmann, als Bildhauer, als der schnellfüßige Jäger nach dem Kalydonischen Eber, als Maler, Musiker, als Herold der Argonauten.

Er ist der Bedeutendste der fünf Sparten1 die Kadmus beim erbauen der Stadt Theben unterstützten. An der Stelle wird es spannend:

Zum Dank für seine Dienste gibt Kadmus Echion seine Tochter Agave ((in manchen Quellen auch Agaue genannt) zur Frau. Der fleißige Echion folgt seinem Schwiegervater auf den Thron, nach ihm wird Theben später auch Eichioniæ und die Einwohner Echionidæ genannt. – eine ziemlich steile Karriere für einen der aus einem Drachenzahn gewachsen ist.

Und: damals gab es eine Verbindung zwischen Agave und Eichion – ganz im Gegensatz zur Pflanze heute:

Keine Agave echinus

Die weitere Suche nach dem Namen bei den klugen Portalen im Netz bleibt erfolglos – ipni.org bleibt stumm, ebenso species+ oder Kew. Fehlanzeige!

Mit etwas Geduld finde ich einen ersten Faden:

Walter Schönherr hat nicht nur einen wunderbaren Exotengarten im Odenwald – er war ganz offensichtlich auf der selben Suche wie ich und macht sich einige Gedanken in seinem Artikel über Agave stricta – und beklagt sich berechtigt über den Namenswirrwarr und das Geschiebe bei Agave stricta und striata. Und hier herrscht reichlich Chaos.

Schade: auch hier sind keine eindeutigen Abgenzungen zu finden.

Was finde ich an Namen:

  • Agave echinus (auch mal zusätzlich ‚Nana‘)
  • Agave stricta ‚Nana‘ (auch als var., ssp. oder f. ‚Nana‘)
  • Agave striata ‚Nana‘ (auch als var., ssp. oder f. ‚Nana‘)
  • Agave echinoides – kommt später noch dazu …

 


 

Weiter geht die Geschichte, wie ich bei Tropicos ich einen Schritt weiter komme.

… continue

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  1. siehe die Heldensage der aus Drachenzähnen gesäte Brüder []
Thüringer Bratwurst aus Schmalkalden auf der Grünen Woche - lecker!

Freitag, 20. Januar 2017
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Grüne Woche – mehr Politik, wenig Kaktus

Grüne Woche – Grüne Politik

Grüne Woche in Berlin – während sich im fernen Amerika ein neuer Präsident warmläuft.
Letzterer liefert genug Gründe zum verbalen austoben. Dennoch lasse ich dies anderen, bändige meine Vorurteile auf Sachmaß…

… und bin eben auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.
Ein Tummelplatz derer die sich im grünen Bereich engagieren – weil sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen, direkt meist aber indirekt – manche auch, weil sie dagegen sind1 – oder aus anderen Gründen. Platz für die Weltpolitik ist hier nicht, dafür Nabelschau, statt der Blick über den Tellerrand. Mir erschien das Szenario 2017 richtiggehend kleinkariert – unser Gärtnerpräsident Mertz hat tags zuvor mehr Weltsicht bewiesen.

Eröffnung – natürlich ist die Politikerdichte bei der Grünen Woche ziemlich hoch. Einerseits sind da die 70 Landwirtschaftsminister aus aller Welt. Oder eine Nummer kleiner: vier Minister kommen für die Thüringer Landesregierung nach Berlin zu Eröffnung. Selbst unser Thüringer MP ist dabei.

Grüne Woche in Berlin 2017 - Ministerpräsident Bodo Ramelow ist mittendrin

Grüne Woche in Berlin 2017 – Ministerpräsident Bodo Ramelow ist greifbar mittendrin

Und Christina Rommel singt.

 

Mehr Kaktus – aber Gartenbau?

Die Grüne Woche ist eine Leistungsschau der Landwirtschaft. Und Landwirtschaft ist Schwein, die Bauernfamilien, Trecker mit Satellitensteuerung, Milch und noch ein bisschen Landschaft – aber Gartenbau? Der ist scheinbar im Moment nicht en vogue. Vor einem Jahr sind die Gärtner Landwirtschaftsminister Schmidt eine Erwähnung wert gewesen. 2017 gibt es Verbraucherschutz und die Frage „Ist Wurst Wurst wenn sie Wurst heißt?“
Klar machen die Gärtner in Deutschland weiter zuverlässig ihren Job. Und den meisten dürfte es völlig Wurst sein ob das die Grüne-Wochen-Redner unerwähnt lassen, oder irgendwo ein Sack Reis umfällt. Denn wichtiger als jede Erwähung ist es, die Bedürfnisse eines Handwerks nicht aus den Augen zu verlieren. Genau diese Frage macht mir eher Sorgen  – wenn das Verständnis fehlt, das ein Gärtner ohne Gärtnerei nicht mehr existieren kann, weil wertvolle Gartenbauflächen zugebaut werden.

Goldkugel Kakteen - sparsam gepflanzt auf der Grünen Woche 2017

Goldkugel Kakteen – sparsam gepflanzt auf der Grünen Woche 2017

Erfreulich fand ich auf der IGW: Kakteen und Sukkulente in der Blumenhalle. Eine ordentliche Fläche – und endlich mal nicht auf ‚Overflow‘ gepflastert. Sparsam sind die Solitärpflanzen auf der Fläche in Halle 2.2 verteilt und können so wirken. Natürlich mögen Hartgesottene auch hier Haare in der Suppe finden: die Agaven haben einen wenig liebevollen Transport hinter sich, einige der Pflanzen sind so selten und wertvoll und werden deswegen vielleicht schon vor dem Abbau von der Ausstellung verschwunden sein. However: Schön ist’s und ich hab mich sehr daran erfreut. Genau diese Freude wünsche ich allen Besuchern der Grünen Woche 2017.

Grüne Woche Genuß

Zugegeben – den meisten Genuß erlebe ich eher an den vielen kleinen Orten, ‚draußen‘ in Berlin denn auf Messen. So im House of small wonder einem urbanen Gewächshaus, mit einer bemerkenswerten Pflanzensammlung. Direkt neben dem Friedrichstadtpalast gibt es japanische Fusion Küche und sehr freundliche Bedienung – mein 2017er Berlin-Tipp.

Die grüne Woche wartet für Thüringen mit bekannt Gutem auf. Aufgefallen ist mir die Bratwurst aus Schmalkalden, knackig und gut gewürzt. Und Apoldaer Weizen im selbstfüllenden Glas – fand ich schon 2016 putzig.

Auch wirklich neues gab’s: Gin aus Thüringen.
Und den trank ich zusammen mit einem heiter-freundlichen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow.
Wahljahr?!

Der erste Gin aus Altenburg - verkostet und für gut befunden - mit Ministerpräsident Ramelow und Alt-Bauernpräsident Gumpert auf der Grünen Woche

Der erste Gin aus Altenburg – verkostet und für gut befunden – mit Ministerpräsident Ramelow und Alt-Bauernpräsident Gumpert auf der Grünen Woche


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  1. im Zuge der Eröffnung habe ich ganz kurz einige Trillerpfeifen gehört []

Mittwoch, 23. November 2016
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Cactusbookstore Sale – lachen oder weinen?

Cactusbookstore – macht schlaflos auf der cactusfarm

Es war eine verdammt lange Nacht. Dabei hatte ich alles vorbereitet, damit ich heute mal früher, so um 21.00 Uhr, Feierabend mache. Rotwein, Oliven, ein wenig Käse standen schon neben der Couch bereit. Ich freute mich auf einen Leseabend zu Hause.

Statt dessen:

Leseabenteuer im Office

Kurz vor 20 Uhr klimpert mein Postfach. Chuck Everson schreibt mir von seiner letzten, umfangreichen Bücherliste.

Ein bisschen Hintergrund:

Besser bekannt – speziell unter Epi-Freunden – sind Chuck Everson und Gerry Williams lange Jahre als Inhaber der Epiphytengärtnerei Rainbow Gardens. Ich habe beide vor einigen Jahren in Vista, Californien besucht. Unzählige Blattkakteen standen in der heißen Mittagssonne, etwas geschützt in den dort tyischen Schattenhäusern. Schon allein aus dem Grund war die Einladung in den book store eine willkommene Abkühlung. Die Bücher, die ich dort sah, ließen mich einigermaßen neidisch zurück.

Wenngleich der Streifzug mit Gerry durch die Epicactusbestände das nicht viel besser machte. So viele hier noch nie gesehene Sorten an einem Platz und in bestem Pflegezustand. Übrigens: viele unserer Epi-Mutterpflanzen stammen aus der Gärtnerei in Vista.

Inzwischen ist die Gärtnerei seit einigen Jahren geschlossen – und auch der Rainbow Gardens Bookshop wurde verkauft und hat nun eine neue Heimat in Arizona.Letzte Mail vom cactusbookstore

Dennoch tut Chuck Everson das, was wahrhaft Bibliophile tun – sie können nicht ohne Buch. Darum gab es wenig später den cactusbookstore mit der bekannt guten Expertise und großer Auswahl seltener Bücher. Regelmäßig habe ich dort Bücher gefunden, die sonst nicht mehr zu bekommen waren.

Alles vorbei?

Und heute nun soll das alles Geschichte sein? So kündigt er es in seiner Mail an. Daneben der Hinweis auf die umfangreiche Liste an Büchern – und gleich auch – was von dieser Liste bereits wieder ausverkauft ist. Ich lasse Rotwein und Käse stehen und setze mich an die Bücherliste.

Denn die lässt tief blicken. Sehr tief.

Seltene, teilweise sehr alte, und sehr spezielle Bücher.

haage_booksUnd ich freue mich: die Abteilung der Haage-Literatur ist ganz ordentlich. Allerdings sind da die Raritäten bereits ausverkauft – die seltenen Bücher aus dem Auriga-Verlag (zum supergünstigen Preis) sind längst weg. Ebenso die Bücher aus der Ära meines Urgroßvaters. Schade.

Um halb vier bin ich durch: sage und schreibe 530 Seiten. Mit merklichen Konzentrationsstörungen – aber glücklich – verlasse ich mein Büro.

Auf dem Weg nach Hause denke ich darüber nach: ‚Wie mag es Chuck gehen, wenn er diesen Schatz in Einzelteilen in alle Welt verschickt?‘. Das stelle ich mir schmerzlich vor.

Für alle Cactophile: hier ist der Link zu Chucks Webseite.


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Baldrian

Sonntag, 20. November 2016
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Baldrianblütenextrakt – bringt das was?

Baldrianblütenextrakt – Alles nur Hokuspokus?

„Haben Sie das nötig?“

„Warum verkaufen Sie Baldrianblütenextrakt?“
Ich finde es gut, wenn die Dinge, die ich tue hinterfragt werden. Das hält mich immer wieder an, genau hinzuschauen.

In diesem Fall war es eine Mail von einem Kakteenfreund, der enttäuscht war, Baldrianblütenextrakt in unserem Sortiment zu finden. Er sagt: „ein Eso-Wundermittel, dessen Wirksamkeit keinerlei wissenschaftliches Fundament hat“ – und damit hat er recht – mit dem zweiten Teil der Aussage. Weiter fragt er: „wie kann eine Gärtnerei wie Kakteen-Haage so etwas anbieten?“

Schauen wir mal dahinter:

Was ist Baldrianblütenextrakt – Fakten oder Interessantes

Baldrian - aus dieser Pflanze wird Baldrianblütenextrakt gewonnen

Für die Herstellung werden die Blüten der Baldrianstauden geerntet. Daraus wird dann ein Auszug hergestellt.

Hier entsteht übrigens der Unterschied zwischen

  • Baldrian-Blüten-Extrakt und
  • Baldrian-Extrakt

Für ersteren werden ausschließlich die Blüten gesammelt, für Baldrian-Extrakt wird die ganze Pflanze verwendet – darum ist der letztere deutlich günstiger. BBE wird häufig in Gärtnereien und Landwirtschaften verwendet die den anthroposophischen Gedanken von Rudolf Steiner folgen. Dort wird auch der Baldrianblütenextrakt hergestellt.

Tipp – noch günstiger ist selber machen: Alexandra Niskios hat bei „diese rombergs“ schön beschrieben, wie sich Baldrianblütenextrakt selbst herstellen lässt. Und sie schreibt dort auch über die Wirkung von BBE an ihren Kakteen.

Hier eine Liste der Wirkung die Baldrianblütenextrakt nachgesagt wird:

  • mehr Blühfreude: Pflanzen blühen länger, ‚intensiver‘ und setzen mehr Blüten an
  • höhere Frosttoleranz1
  • Bodenleben, die Bodenorganismen werden aktiviert, Umsetzungsprozesse werden beschleunigt
  • die Auflaufzeit von Saatgut wird durch einweichen in BBE-Lösung verkürzt, das Aussaatergebnis fällt gleichmäßiger aus

Manche dieser Aussagen erzeugen bei mir zweifelndes Stirnrunzeln. Und relativ unisono finde ich allerorten die Feststellung „was die positive Wirkung bei den Pflanzen erreicht ist nicht beschrieben / lässt sich nicht belegen.“

Bislang konnte ich auch noch nicht herausfinden, seit wann BBE bei Kakteen verwendet wird. Ich habe nach den ersten Anfragen, das war etwa 2003, im Internet gesucht und fand bei Michael Kießling eine glühende Empfehlung. Im kakteenforum.de gibt es eine lesenswerte Diskussion in der eine Reihe interessanter Beobachtungen und Informationen zusammengetragen sind.

Meine ersten Gedanken zu BBE

‚Kakteen muß man einfach mit BBE begießen, dann werden sie satt grün und bei nächster Gelegenheit wunderbar blühen.‘

So in etwa hatte ich das verstanden – und sooo einfach konnte ich mir schwer vorstellen – meine Zweifel waren umgehend zur Stelle.

Dennoch häuften sich in der Folgezeit die Nachfragen derartig, dass ich mich auf die Suche nach einer Quelle begab – und wurde fündig:

Oh Bio Mio!

Bei Demeter-Betrieben im ökologischen Landbau ist Baldrianblütenextrakt seit langem bekannt, denn dort wird der Baldrianblütenextrakt hergestellt und auch in größeren Mengen verbraucht. Das mag für den Einen weiteres Öl ins Feuer der Zweifel sein. Mich überzeugt es, wenn Profis in anderen Bereichen Dinge tun, deren Nutzen ich bei mir nicht gut einschätzen kann.

Bei Kakteen-Haage gab es also nun Baldrianblütenextrakt zum ersten Mal im Angebot. Die Nachfrage überraschte mich sehr. Fortan stecken die kleinen dunklen Flaschen in vielen Paketen.

Nach einiger Zeit bin ich neugierig – und finde immer wieder ziemlich lebhafte Debatten im Internet, was BBE mit Kakteen macht – oder eben auch nicht.

Da sind die Einen, die laut „Hokuspokus!“ rufen – und es gibt die überzeugten Anwender, die sich über ihre wunderbar – und viel mehr als früher – blühenden Pflanzen freuen. Ich finde unter den Befürwortern erfahrene Kakteenfreunde mit umfangreichen Sammlungen, die sich nicht so schnell etwas vormachen lassen. Ebensolche erteilen der Idee eine klare Absage.

Meinungen sind aber eben etwas persönliches. Nicht mehr – und nicht weniger.

BBE bei Kakteen-Haage?

Benutzen wir bei Kakteen-Haage Baldrianblütenextrakt?

Das ist eine berechtigte Frage. Und ich gestehe: bislang haben wir das auch noch nicht ausprobiert. Ich bin tatsächlich erst vor einigen Tagen in einem Gespräch überhaupt auf die Idee gekommen. Ich finde die Frage spannend, ob unsere Mutterpflanzen dann anders blühen – und wir mehr Samen ernten können.

Das ist für 2017 schon mal gesetzt.
Ich werde berichten.

Endlich bleibt die spannende Frage:

Baldrianblütenextrakt: wirksam oder nicht?

An der Stelle Danke an MarcoPe vom kakteenforum.de für die Anregung, diese Frage einfach mal praktisch mit einem Versuch zu beleuchten. Ein schlichter AB-Test in unseren Gewächshäusern ist schon einmal ein erster Ansatz.

Ich habe noch eine andere Idee im Hinterkopf – mehr darüber, wenn es etwas zu berichten gibt.
Es bleibt also spannend.


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  1. dieser Quelle zufolge soll die Behandlung mit Baldrianblütenextrakt die Umgebungstemperatur der Pflanze um 3° C anheben []

Sonntag, 3. Juli 2016
nach Ulrich Haage
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Genießen in Büdingen

Ein spontaner Zwischenstop in Büdingen wächst sich zum echten Genuß aus.

Besuch in Kerzendorf, Übernachtung im frisch renovierten Hotel Saline. Und heute früh den ersten entspannten Kaffee in der Lounge.

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Um dann in aller Ruhe lecker brunchen zu können.

Neben dem, was es üblich auf dem Frühstücksbufet gibt, ist das Angebot liebevoll ergänzt. Apfelküchlein mit selbst gemachter Vanillesoße, die Marmelade kommt offensichtlich nicht aus der Industrie, ebenso der Kräuterquark, ganz zu schweigen von der Avocadocreme.

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Und weil Kaffeespezialitäten aus dem Automaten nicht genug sind gibt es Milchaufschäumer, Wasserkocher und Kaffeemehl wenn der Kaffee türkisch sein soll.

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Das Hotel ist voller Liebe saniert, der historische Bau ist gut in Szene gesetzt, ohne überladen zu wirken.

Ganz besonders gefällt mir, mit wie viel Herzblut die Mannschaft sich für die Gäste engagiert. Hier fühle ich mich wohl.

Und das geht offenbar nicht nur mir so, auch Einheimische nutzen das Hotel gern für einen Sonntagsbrunch.

Danke!


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Mittwoch, 23. März 2016
nach Ulrich Haage
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Kakteen-Haage zu Ostern 2016

Die Osterkakteen zeigen es überdeutlich an – nicht mehr lange – und es wird Ostern.

Weil die Frage immer wieder steht – unsere Gärtnerei ist am Ostersamstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Ich habe mich immer wieder gefragt, wie die Pflanzen es schaffen, pünktlich zu diesem menschgemachten wandernden Feiertag ihre Blüten anzusetzen. Eine überzeugende Antwort habe ich aber noch nicht gefunden.

However.

Seit heute früh 6 Uhr ist der Kakteen-Haage Katalog für 2016 gedruckt. Ein großer Brocken, der mich und uns in den letzten Wochen im Bann hielt – ist nun am rollen. Planmäßige Ankunft im Briefkasten Mitte April. Bis dahin gibt es noch einiges zu organisieren.


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Mittwoch, 18. November 2015
nach Ulrich Haage
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In erster Linie dezent: Pilea peperomioides

Diese Pflanze lebt in unserer Gärtnerei am Existenzminimum – und zwar nicht mangels Pflege, sondern weil wir weit mehr verkaufen könnten als in unseren Gewächshäusern nachwächst.
Die Herkunft hat sie mit vielen anderen unserer Schätze gemein: meine Mutter hat sie irgendwo entdeckt und ein Stückchen davon mitgebracht.
Und seit wir die Pflanze im Angebot haben prasseln die Bestellungen schlagartig. Zuletzt habe ich eine Mutterpflanze Anfang November beim SWR dabei gehabt. Und prompt kamen danach die Fragen am Hörertelefon.
En vogue sind sie – groß im Kommen. Ein deutlicher Indikator ist für mich: wenn Menschen die Geschmack haben sich damit umgeben – dann kann es nur was Gutes sein.
So wie Frida Ramstedt – die auf trendenser.se für Schweden klar macht was schön ist.

http://trendenser.se/ Foto Frida Ramstedt

http://trendenser.se/ Foto Frida Ramstedt

In ihrem Blog finde ich immer wieder Kakteen und andere sukkulente Pflanzen die einfach schön machen.

Find ich schön!


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Freitag, 13. November 2015
nach Ulrich Haage
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Der KuaS Kalender ist alle. Es lebe der Kaktus-Kalender!

Der wunderbare KuaS Kalender ist ausverkauft.
Ganz spontan haben wir uns heute entschieden, für unsere Kunden einen Kakteenkalender 2016 herauszugeben…

Unsere eigenen Vorräte gingen zur Neige, und auch bei unseren Partnern und Mitherausgebern der DKG, GÖK und SKG waren die KuaS-Kalender für 2016 in diesem Jahr frühzeitig vergriffen. Am Freitag Nachmittag erreichte uns die betrübte Mail einer Kakteenfreundin, die sehr traurig darüber war, keinen Kalender für 2016 mehr abbekommen zu haben. Wir besprachen die Möglichkeiten kurz in kleiner Runde und entschieden dann: wir lassen noch einen Kakteenkalender für 2016 drucken.

Hier kommt der erste Entwurf:

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Die Fotos hat Claudia Schröder aus unserem Bildarchiv zusammengetragen und hingebungsvoll bearbeitet, viele Bilder stammen von unserem Fotografen Andreas Malzan – und ich freue mich, auch Fotos von Freunden – Ralf Holzheu und Jan Carius – mit dabei zu haben …

und so sieht das Schätzchen fertig aus:

Der Kaktuskalender 2016

… im Moment im Druck – und danach ist die Widergabe noch brillanter …

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Heute früh druckfrisch eingetroffen – wir sind begeistert!

Jetzt hier bestellen!


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Montag, 5. Oktober 2015
nach Ulrich Haage
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Abroad – Fahrt über den Vulkan

Soooooooo geil!
Und unerwartet.
Mittags Mietwagen abgeholt.
Kenne ich nicht: Ford Falcon XR6
Sieht aus wie ein braves amerikanisches Familienauto, nur der Auspuff. Hm?k-IMG_1393
Hat sogar ein Navi on board.
Okay, let’s go: Route nach New Plymouth:
Nö, nicht Highway, ich will Küste, den Pazifik sehen. Ich fahre erstmal nach Raglan. Da geht schon Küste. Und von dort muss es laut Karte eine kleine Straße nach Süden geben. Navi sagt: geht nicht durch.
Wenn ich bei Google ganz weit aufziehe, dann scheint sie durchgängig zu sein. Google will aber auch lieber Highway.
Ich fahre einfach.

Wow. Meer.
Anhalten, Foto machen.

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Weiter.

Wow noch Meer.
Anhalten, Foto machen.

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Wow, Strand.
Abstieg, Sandsturm, besser kein Foto machen, Sonne liegen.
Strand laufen.
Mist. Hose nass. Kalt!

Zurück. Weiterfahren.
Beide Navis schreien ‚Wenden!‘
Die Straße ist jetzt ziemlich schmal.
Nach vielen Stops mit Foto kommt ein Schild: ‚gravel road‘.

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Das merke ich.
Upps, das Ding hat ja Heckantrieb. Merklich! Wozu denn das?
Und der hat sowas von Bums! Das ESP greift immer mal ein.
Ich ich muss höllisch aufpassen, Landschaft gucken, Kinnlade fallen lassen und diesen Boliden auf Kurs halten, das beißt sich.
Satte drei mal bin ich kurz vor dem Graben oder schlimmerem. Ein kurzer Kickdown rettet die Situation. Adrenalin pur! Der Mount Karioi ist nicht mehr aktiv, mitunter schroff und ziemlich hoch.

Die Landschaft verschlägt mir die Sprache die ich ohnehin nicht brauche. Nicht reden. Ich bin platt. Nicht denken. Ich sauge nur auf.

Die Aussicht ist extrem, wie es ein ‚kurz mal vom Weg abkommen‘ an manchen Stellen auch wäre. Ein langer steiler Absturz, unten noch kurz die Klippen und dann der Pazifik, Tasmanian Sea.

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Irgendwann bin ich über den Kamm. Jetzt abwärts. Die Kurven sind genauso eng wie vorher. Hammer.
Du weißt nie, kommt dir vielleicht jemand entgegen? (auf den kalkuliert 240 Kilometern: drei Autos, eine Surferin, Schafe, Kühe, Kaninchen, Ziegen, Fasane, Puten – und die stehen immer hinter einer Kurve, garantiert!)

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Bremsen auf losem Schotter ist krass. Noch schlimmer ist aber, wenn der Motor bremst. Das Heck wedelt übler als beim Ski fahren. Irgendwann begreife ich: das ESP arbeitet auch da sehr zuverlässig, gleicht die Geschwindigkeit an und hält Kurs ohne den Spaß zu verderben.
Langsam bekomme ich eine Ahnung, die Kutsche ist vielleicht doch eher für schnelle Strecken, denn für shopping gebaut. Irgendwann habe ich den Dreh raus, wie Schotter und driften geht. Und dann geht’s ab. Es rumpelt manchmal herzhaft unter mir. Ich schaue, nachdem ich durch eine Auswaschung gerauscht bin. Außer Schlamm, kann ich nix sehen.
Dafür sehe ich die Sonne untergehen. Der Wahn in Tüten!

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Nun ja – die Schattenseite: nach dem Sonnenuntergang folgt meist die Nacht. Hier ziemlich schnell.
Also Schotterrallye im Dunkel. Eher blöd. Vor allem nachdem die Navis sich nun gefunden haben und einig sind: noch ca. 8 Stunden, 380 km, davon 190 auf ‚unbefestigten Straßen.‘ Heiland! Wo bin ich hier?

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Ich fahre bei Nacht durch lose Steine, ‚unbefestigete Straße‘, sehe in die rote Augen der gemächlichen Opossums1. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h außerhalb von Ortschaften bekommt auf diesen Straßen eine völlig andere Bedeutung, wirkt auf mich höhnisch. Grummel!
Und zugleich – das ist eine Form von Abenteuer um die ich mich selbst beneiden werde.
Irgendwann bin ich wieder auf normalen Straßen.
Beide Navis rechnen neu und kommen auf eine überraschend erträgliche Distanz, noch etwa 90 Minuten.
Irgendwann, nach zwei weiteren Stunden und gefühlt fünfzehn geschlossenen Motels habe ich ein Bett für die Nacht.

Ziel erreicht.

—-

Schattenseite n° 2: Wer nächtens durch die Gegend fährt sieht nichts von der Gegend.
So sah ich die Gegend am nächsten Morgen:

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Mount Taranaki


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  1. und bin werde am Ziel stolz sein, ohne Road Kill anzukommen []

Sonntag, 4. Oktober 2015
nach Ulrich Haage
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Hobbiton in Blüte – gärtnerische Stippvisite

Wenn in Neuseeland, dann irgendwie auch Tolkin, Hobbit, Herr der Ringe, Silmarillion. Das Filmset des Auenwald ist nach dem letzten Dreh erhalten geblieben und sehenswert – so wie die kleinen Geschichten die sich drumherum bewegen wie die unzuähligen Schafe – allein 1400 Stück laufen auf der ‚Hobbitfarm‘ herum.

Der Einstieg – in einem verzaubert unwirklichen Land von grünen Hügeln – beginnt in einem Garten. Der Gemüsegarten von Beutelsend. Ein echter – in dem Gärtner am Werk sind. Ich war neugierig, wie das restliche Auenland begärtnert wird. Meine Frage wurde beantwortet, bevor ich sie stellen konnte. Hier sind hinter den Kulissen fünf Profigärtner tätig, die dafür sorgen, dass alles blüht und gedeiht. Klar, ich schaue heute mal ganz bewusst nach der Flora am Ort.

Auf den grünen Hügeln und in den Tälern – an vielen Stellen im Land – beeindrucken mich die unglaublich großen Bäume. Auch hier stehen viele dieser übergroßen Solitärs.

Am Eingang – dort wo auch der Film im Auenland beginnt – führt der Weg am Gemüsegarten vorbei. Und hier wächst es. Die Kartoffen sind hier gewachsen – sagt unser Guide. Und auch, dass am Ende dieses Tals der Hobbit wohnt, der dem Alkohol meist zuviel zuspricht. Gemütliche, propere Hummeln besorgen die Bestäubung der Blüten. Und in den Bäumen hängen Kalebassen mit Vogelfutter.  Es gibt nicht nur öffentliches Grün, jedes deer Häuschen, die in den Berg hinein reichen – sind mit einen hüsch gepflegten Garten versehen. Jeder etwas anders – so wie die Profession ihrer Bewohner, jeder geht einem anderen Handwerk nach.  Bäcker, Imker, Müller, Töpfer, Fischer – und Gärtner. Und ganz oben, mit der besten Aussicht, dort wohnt Bilbo Beutlin (hier natürlich Baggins) und Frodo. Draußen hängt die Wäsche. Und auf dem Dach steht ein Baum. Der im übrigen unecht ist. Das fällt mir schon von weitem auf. Ein bisschen Eiche ist echt, aber die Blätter sind alle handbemalt.

Es ist eher praktisch, denn pompös. Hier wächst die Petersilie im Kübel, dort der Salbei, oder die Minze zwischen den Blumen. Lavendel. Schön, dass man mit Pflanzen so Menschen ‚zeichnen‘ kann. Erstaunlich.

So ist Bilbos Haus besonders aufwändig ausgerüstet. Mit dickem Kürbis auf der Karre. Neugierig bin ich auf das Haus von Sam, der ist ja schliesslich Gärtner1. Und in der Tat, der kleine Garten vor dem großen gelben Tor ist noch mehr gärtnerisch gepimpt, als die anderen. Und dezent. Hier gibt es Saatkisten mit Jungpflanzen, nicht etwa Rechen und Spaten – die sind schließlich im Feld.

Auf weitläufig verschlungenen Pfaden kommen wir schließlich im Grünen Drachen an. Dort wird Bier ausgeschenkt, solches aus Hopfen – und Ingwerbier. Das hat es mir besonders angetan. Dann geht es am See und durch den Gemüsegarten zurück zum Bus. Unser Busfahrer war übrigens einer der beiden Orks die den Eingang zu Helm’s Klamm gesprengt haben. Sein Neffe spielte im Hobbit den unbarmherzigen Asorg. Viele der Anwohner sind mit dem Film verbunden.

Und auch für mich als Gärtner gab es einiges zu entdecken.


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  1. und ich lerne, die beiden Kinder im Film sind tatsächlich von ihm / seiner Frau im Film []
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