Ich bin unterwegs an die Nordsee – die Bahn rast durch den Schnee – die Fahrt zum Bahnhof war etwas wüst. An jeder Ampel ein wildes Gerutsche.
Dank 25 Minuten Verspätung der Bahn komme ich richtig entspannt in meinen ersten Zug.
Die Regionalbahn ist gut voll, ich bin glücklich, einen Sitzplatz zu haben. Zugleich plagt mich ein schlechtes Gewissen; der Papa der neben mir muß bei seinem Kind stehen.

Die Menschen scheinen heute die Eigenschaft nicht mehr zu pflegen, bei Stress oder Not zusammenzurücken, einander zu unterstützen, oder zumindest Verständnis zu zeigen. Dafür sehe ich entnervte Blicke und verleierte Augen über quengelnde Kinder. „Die müssen doch jetzt nicht in den Ski-Urlaub fahren, die Eltern wissen doch, was auf der Bahn los ist.“
Das ist ein bisschen sympthomatisch für unsere Zeit. Wie schön wäre es, wenn wir gemeinsam in eine Richtung zögen, wenn hier im Zug alle zusammenzurücken, Plätze teilen, oder uns gegeseitig ein Lächeln schenken. Ein entspanntes, freudvolles reisen in Gemeinschaft. Illusion?
Nö, es kostet inzwischen etwas Überwindung, aber es ist toll.
Und es ist doch noch ein weihnachtlicher Gedanke für mich: reisen geht auch im stehen sehr gut. Papa und Kind können sich auch eine Weile hinsetzen.
In diesem Sinne gesegnete Feiertage allen – und alles Gute für 2011.

P. S. Zum Thema Verspätung, entnervt sein und Bahn: seit heute früh bin ich nur freundlichen und entspannten Bahnmitarbeitern begegnet.

Alle meine Züge seit heute morgen hatten Verspätung. Mein ICE, der mich nach Bremen bringen sollte endet heute schon in Hannover. Das Ergebnis der Summe aller Verspätung wird voraussichtlich ein Paradoxum werden. Aufgrund der Verspätung werde ich wahrscheinlich früher ankommen, als ursprünglich geplant.
Ein Hoch auf die vielgescholtene Deutsche Bahn!

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