Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Warum Blogger bloggen

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Ich habe mir am 17. März ja schon mal begonnen, Gedanken zu machen, warum ich hier schreibe – und warum andere Blogger schreiben.Vermutlich hat jeder eine eigene Motivation, das zu tun.

Ich sehe es für mich als ein Tagebuch, in dem ich die vielen kleinen und großen Fitzelchen, aus denen sich mein Leben zusammensetzt, festzuhalten. Ein zweiter Ansatz ist, meine Gedanken und Erlebnisse mit anderen zu teilen – manchmal um eine Reaktion auszulösen. Der dritte Grund ist natürlich, auch manchmal zu informieren, bis zum rühren der Werbetrommel. Im Blog ist es einfach ein Klacks, mal eben in zwei Minuten als allererster darüber zu berichten, dass es ein schickes neues Buch über Melocacteen gibt.1

Irgendwann entdeckt jeder Blogger die Statistiken als Gradmesser der Aufmerksamkeit, die er von seinen Lesern erhält. Das ist der Moment in dem man korrumpiert wird. Ich gebe zu, auch ich schiele gern auf meine Besucherzahlen – das ist ein bisschen Selbstverliebtheit. Und ich bin lernfähig. Nach meiner Meldung, das der Petitionsserver des Bundestages abgeschmiert ist, sind die Besucherzahlen explodiert – das war schön! Der Schritt, damit zu spielen und Sensationsmeldungen zu verbreiten á la „ich habe ein Nacktfoto von Heidi K*“ ist ein kleiner – aber wer ihn geht, entfernt sich von sich selbst, um es philosophisch zu sagen. Verständlich ist es – die Versuchung ist groß, die Charts ausschlagen zu sehen, aber es hat meist nichts mit der ursprünglichen Idee zu tun. Ich habe mir zu Weihnachten Gabi Frankemölles WordPress-Buch geschenkt und dort steht gut versteckt ein wichtiger Hinweis: „Lass deinen Leser wissen, warum und worüber du schreibst“ – ich ergänze: Schreib es auch für dich selbst auf, damit du nicht die Richtung verlierst.

Wer schreibt, sieht die Welt mit anderen Augen. Ein bischen wie ein Amateurjournalist. Immer auf dem Sprung für ein Foto, immer auf der Suche nach etwas berichtenswertem. Die Ideen, Entwürfe und ‚müsste ich auch mal fertigmachen-Projekte‘ beginnen sich zu stapeln. Man fängt an, sich gejagt zu fühlen, möchte alles erklären, kommentieren. Irgendwann läuft man Gefahr, so sehr von seinem „virtuellen Leben“ beansprucht zu werden, dass keine Zeit mehr bleibt, das wirkliche Leben zu leben. Der Ecki hat diesen Zustand in seinem – hoffentlich nur vorerst – letzten Artikel gut beschrieben. Leider hat er auch die Konsequenz daraus gezogen und hört auf zu schreiben. 🙁

Wenn ich die Einträge im cactusblog durchsehe, ist es verblüffend, wie oft der Bogen zum Kaktus zurückfindet. Dabei glaube ich doch, es gäbe auch kakteenfreie Momente in meinem Leben. Genießen wir die einen wie die anderen – und alles in Maßen.

Dank an Ecki für diese Lektion.

  1. in privaten Blogs ist das vielleicht etwas verpöhnt – ich lebe von den Kakteen, darum ist das auch ganz in Ordnung so []

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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