Erfurt hat einen neuen Mexikaner –  wie ich schon berichtet habe.

Heute haben wir zum ersten mal geschaut, wie das Espitas aus der Nähe aussieht. Sonntags-BBQ-Brunch war angekündigt. Die Mädels mussten erst mal saftig umdenken. Grillware zum Frühstück ist nicht jedermanns Geschmack – obwohl wir nach zwei Wochen Kakteenessen inzwischen kulinarisch ganz gut „eingenordet“ waren.

Der Baustelle vom letzten Besuch war nun ein hübsches Haus auf Stelzen mit manierlich großem Parkplatz gewichen. Der frische Putz leuchtet orange in der Mittagssonne.
Eine große Treppe, oder alternativ eine lange Rampe befördert uns ins „Erdgeschoß“ auf drei Meter Höhe. Schon vor dem Haus hat man sich mit der Gestaltung richtig Mühe gegeben – bunte Fliesen auf der Treppe und neben der kunstvoll geschnitzten Tür prangt das Wappen der Vereinigten Staaten von Mexico. Der Gedanke, hier das kulinarische Konsulat Mexikos zu betreten ist sicher durchaus gewollt.

Drinnen ein schönes Ambiente mit vielen liebevollen Details die ganz offensichtlich direkt aus Mexiko importiert wurden – so stellt sich ein Europäer eine schicke Bodega vor – nur eins passt nicht – es ist viel zu sauber :).

Für mich natürlich wichtig – es gibt auch Kakteen – ein kunstvoll floristisches Werk mit Kakteen aus der Heimatstadt vom Espitas – aus Zwickau und sonst die üblichen Euphorbien1, die der Durchschnittsbesucher gut als „Kaktus“ durchgehen lässt.

Dann geht es zur Sache – dem Essen. Die Mädels waren etwas vor den Kopf geschlagen. Potato-Wedges, Horse Beans, Chicken Wings und Spare Ribs passen nicht so richtig ins Bild des schicken Sonntags-Brunch das mit einer Sektrunde beginnt. Diesmal also etwas rustikaler mit frisch gepresstem Orangesaft. Artig kommt unsere nette und ausgesprochen hübsch anzusehende Kellnerin zum Tisch: „Ich bin Katharina und bin dafür da, das es euch heute gut geht“. Das ist ja schon mal ein super Start und motiviert.

Es ist schon lange nach Elf, wir stürzen uns ins Getümmel des gut gefüllten Hauses und suchen das Büfee. Während die Gäste auf mindestens vier Ebenen sich nahezu unsichtbar im Haus verteilen und so eine sehr private Stimmung entsteht, ist das Büfee „ebenerdig“ auf einer Ebene mit der Bar sehr zentral gelegen und gut erreichbar.

Die Bezeichung BBQ-Brunch halte ich für gerechtfertigt, denn das Angebot ist schon recht bemerkenswert. Es gibt die Klassiker, gegrillte Ribs in BBQ Sauce, Chicken Wings, Curly Potatos, Wedges, ebenso wie Paella, Enchilladas, bemerkenswerte Gemüsepflannen mit und ohne Nudeln, aber auch Tortillachips mit ausgezeichneter, offensichtlich hausgemachter frischer Tomatensalza. Für den „Normalbruncher“ entdecken wir dann auch noch ein kleines Separee mit Fisch, Fleischsalat und etwas Wurst direkt an der Bar – gegenüber dann die Abteilung „Süßes“ mit Panna Cotta, Erdnuss-Yoghurt und Schoko-Mandarinen-Pudding. Zwei Schritte weiter darf man an der Eier-Station Rührei oder frisch gebackene Omlett bestellen – alles in allem ein rundes Angebot und durchaus angemessen für einen Preis von 9,90 Euro2.

Zwischendurch konnten wir einen kleinen Verdauungsspaziergang durch das weitläufige Haus machen und immer wieder neue schöne Ecken entdecken, oder den Blick von der Terasse über die Stadt schweifen lassen – der Sonntag wurde so in jeder Hinsicht ein Genuß. „Unterwegs“ lernte ich von einer Kellnerin: die Eröffnung sei bereits fünf Wochen her – also mitten in unserem Urlaub. Seit dem brummt der Laden – sieben Tage die Woche ist es voll – und das ist schön so – sagt sie. Motivierend.

Wir sind bis um zwei dort, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen…

Nach dem Brunch ist vor dem Brunch 🙂

  1. Euphorbia ingens und Verwandte – nur Eingeweihte wissen, dass die mit Mexiko überhaupt nix am Hut haben – und für die Betreiber waren es vermutlich willkommene Geschenke zur Eröffnung, die sich praktisch gleich als Deko nutzen lassen []
  2. ich hätte mir als Brunch-Liebhaber ein noch bunteres Angebot gewünscht und gern noch fünf bis zehn Euro dafür draufgelegt – aber das ist beim momentanen Preiskampf in der Gastronomie illusorisch []

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