Im Dezember fiel die Entscheidung: für das Frühjahr bestellen wir mal wieder schicke Pflanzen aus den USA… Hm – diese tolle Bedornung… – wenn da nicht immer dieser Tanz bei der Einfuhr wäre.

Vor Weihnachten haben wir das Angebot und machen sofort die Bestellung fertig.

Ende Januar kommt dann auch eine Auftragsbestätigung – leider ist nicht mehr alles lieferbar. Dokumente beantragen.

Im Laufe des Februar werden dort die Ausfuhrpapiere beantragt und die Pflanzen untersucht, in Quarantäne gebracht und für die nächsten sechs Wochen unter Beobachtung gestellt.

Anfang März kommen die Ausfuhrdokumente per Fax – wir beantragen noch am selben Tag die CITES Einfuhrgenehmigung.

Ein Wunder: Zwei Tage später ist der Antrag wieder zurück – aber leider Fehlanzeige – die Formulare müssen jetzt anders aussehen – noch einmal neu beantragen.

Die Zeit vergeht, es wird März, keine Nachricht, weder aus Bonn, noch Übersee.

Dann, nach drei Wochen ein Anruf aus Bonn – der Antrag ist leider stecken geblieben – und wird jetzt schnell bearbeitet. Es ist der 27. März.
Nach weiteren fünf Minuten ein weiterer Anruf: da gibts ein kleines Problem… die Ausfuhrdokumente sind nur noch bis zum 1. April gültig. Ein mieser Scherz. Es beginnt zu brennen. Nachricht übern Teich – die Sendung muss sofort fliegen.

Am 28. um 10 Uhr der nächste Anruf aus Bonn – die Einfuhrgenehmigung ist fertig! (dauert sonst bis zu acht Wochen!!) – Dokumente werden direkt nach Frankfurt Cargo City an den Flughafen geschickt, die Maschine ist für Sonntag 01.40 Uhr avisiert. Die Spedition bereitet schon die Einfuhr vor. Alles läuft… denke ich.

Montag früh Anruf aus Frankfurt: der Vogel steckt mit Turbinenschaden in Chicago fest.

Dienstag Nacht klappts dann. Die Container sind gelandet und werden erst mal eingelagert. (wenn ich wüsste…)

Gegen Mittag kommen die ersten Meldungen – das SEK kämpft sich durch den Dokumentenwust (die heißen wirklich so) und bestätigt: „wenn nicht irgendwas drastisches passiert sind wir bis 24.00 Uhr fertig“

21.09: „Ich habe jetzt vier Stunden gezählt und gerechnet, die Papiere widersprechen sich, entweder zu viele Pflanzen, oder zu wenig Genehmigung – ich kann nicht länger warten, wir müssen das jetzt verzollen. Ein Glück, das die Pflanzen schon sicher im Kühllager sind“

Ich: „Kühllager?? etwa bei den toten Fischen??“

„Hm, jam so in etwa. – Wieso? So ist das auf dem Frachtbrief vorgeschrieben.“

Ich: „Na wo wohnen die Kakteen? Am Pol?“

„Ich hab nur einen Kaktus, aber – stimmt, der steht auf der Heizung.“

Ich: „versuchen Sie es doch mal mit 3 Wochen Kühlschrank-Kur“ – „Können Sie bitte meine Kakteen aus der Gefriertruhe holen – für Feinfrost brauche ich keine Einfuhrgenehmigung, ich steh nicht so auf Kaktus-Magaritha“ <tief nach Luft schnapp>

21.48: „Das Perishable-Center hat mitgedacht – die haben die Pflanzen gleich ins Normallager geschoben – aber der Zoll ist noch schwer am prüfen. “

23.52: „Schlechte Nachricht: der Zoll hat Pflanzen beschlagnahmt: zwei No-to-Kaktus rooos, rooosi, rooosei – na halt zwei Kakteen, aber sonst konnten wir die Sendung eben übernehmen und bringen die heute Nacht zu Ihnen.

*Gute Nacht!*

Über den Autor

Kaktusgärtner bei | Website

im Podcast seit 2019

Blogger seit 2005,

Kaktusgärtner aus Passion - seit 1970,

... in einer Familie von Kaktusgärtnern seit 1822

... und Gärtner in der Blumenstadt Erfurt seit 1685