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Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Dr. Eduard Lucas über seine Tätigkeit in der Gärtnerei Haage im Jahre 1835

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Der Altmeister der deutschen Pomologie, Dr. Eduard Lucas, ein geborener Erfurter, hat 1835 als Gärtnergehilfe bei Friedrich Adolf Haage gearbeitet. In seinen Jugenderinnerungen gibt Lucas folgende anschauliche Schilderung von Haages Betrieb und Arbeitsweise:

Dieses schöne und vortrefflich geleitete Geschäft, an dessen Spitze einer der intelligentesten deutschen Gärtner, die je gelebt, der unermüdlich tätige Friedrich Adolf Haage stand, genoß eines ganz außergewöhnlichen Rufes, welchen es aber auch verdiente.
Im damaligen Haage’schen Etablissement waren 13 Glashäuser, viele Mistbeetkästen, Massen von wohleingerichteten, mit Brettern eingefaßten Kulturbeeten und eine großartig angelegte, schöne und vielbewunderte Felsenpartie, die Grotte genannt.

Es war wohl eine anstrengende, arbeitsvolle Zeit, namentlich die fünf Monate Dezember, Januar bis April, und auch der Mai noch stellten an uns Gehilfen große Forderungen.

Um 6 Uhr früh mußte alles auf dem Comptair sein; Haage saß da schon an seinem Pult, seine lange Pfeife rauchend, dann mußten alle Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, welche nicht Heizdienst hatten, bis zum Tagesanbruch, d. h. gewöhnlich bis zum Aufdecken der Glashäuser, da zusammen im Samengeschäft arbeiten; dann gingen die, welche in ihren Glashäusern eine besonders wichtige Arbeit hatten, namentlich die, die in der Vermehrung beschäftigt waren, hinaus. Andere blieben im Büro tätig, und da ging es nun so fort und mußte mit Hand und Kopf eifrig gearbeitet werden, bis gewöhnlich 11 Uhr nachts, wo der Herr Prinzipal sein Pult schloß. Haage wog alle Gemüse seiner Bestellungen selbst ab. Wir schrieben die Kapseln und reichten sie zu. Merkwürdig war, daß wir Gehilfen und die Lehrlinge damals diese doch sehr anstrengende Tätigkeit, welche sogar nur ganz selten uns einen Sonntag frei ließ, ohne Murren, sogar mit Begeisterung ertrugen und uns freuten, wenn wieder die Samenbestellungen und die dicken Geldbriefe so haufenweise ankamen, daß Herr Haage sie oft erst 2—3 Tage später öffnen konnte und nur alles in die große eiserne Kiste schloß, welche neben seinem Sitz im Büro stand.

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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