Archive for September, 2009

Entente Florale – Weimar holt EU-Silber – auch europaweit Spitze

Eben lese ich im Ticker: Weimar hat auch im europaweiten Wettbewerb bestens abgeschnitten. In Cardiff – dort wo die weißen Klippen sind, wurde dem blumig-grünen Weimar die Silbermedallie verliehen.

Schon im letzten Jahr hatte sich Weimar mit Gold+ im nationalen Vergleich für den Europa-Wettbewerb qualifiziert. In diesem Sommer folgte nun die Bereisung durch die internationale Jury und die war offensichtlich begeistert. Begeistert von den “Farbharmonien und Kompositionen der Bepflanzungen und die außergewöhnliche Qualität der Bau- und Gartendenkmäler”. Der Weimarer Oberbürgermeister Stefan Wolf ist ebenfalls begeistert und freut sich über die nachhaltige Wirkung für seine Dichterstadt, denn viele der “grünen Projekte” sollen auch in Zukunft weitergeführt werden.

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Fünfte Etappe – und verkürztes Ende der Reise

Wir sind schon auf der Heimreise nach Erfurt, darum wird der Rückblick der letzten Etappe nur kurz:

it_2009_09_220Die Nacht auf der Fähre war für mich wenig erholsam – Pullmann werde ich künftig genau auf Bequemtauglichkeit prüfen. Denis ist hingegen recht vergnügt schon früh unterwegs. Vor uns liegt ein ganzer Tag an dem ich ein wenig meiner Arbeit nachgehen kann, gesammelte Zeitschriften studiere und immer wieder ins Meer schaue. Wir fahren an Korsika (seufz Urlaub) und Elba vorbei. Seit dem Morgen ist von Regen weit und breit nichts mehr zu sehen, die Sonne lacht. Nur Denis ärgert sich immer wieder über das geringe Dienstleistungsinteresse der Servicemannschaft. Zu guter Letzt verzichtet er sogar noch auf seinen Caffe und sagt denkt schlimme Worte über den Kellner. Um 17.30 landen wir in Genua an – das Wetter ist inzwischen seit Stunden so wie es angekündigt war: strahlende Sonne, leichte Briese – einfach Mittelmeerfeeling.

Wir verlassen Fähre und Genua umgehend und sind noch vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel. Wir finden die Gärtnerei it_2009_09_233wie erwartet verschlossen. Am Abend machen wir noch kurz San Remo unsicher,1 genießen eine leckere Pizza und entdecken Blumenläden und faszinierendes (und schmerzhaftes) Stadtgrün bevor wir ein letztes mal im Auto übernachten.

Der nächste Tag beginnt wieder früh – vor der Chefsekretärin parken wir vor dem Tor, bekommen freundlich unseren obligatorischen Caffe angeboten bis der Chef kommt und marschieren dann mit ihm durch die Gewächshäuser – wieder einmal am Hang gelegen.

Wir sehen wieder sehr viele schöne Pflanzen, doch diesmal haben wir nur wenig Zeit zum fotografieren, wir müssen um 15 Uhr geladen auf der Piste sein. Es wird 17.30 und wir streichen etwas wehmütig auch die letzte Gärtnerei die wir gern noch besucht hätten.

Es wird ein langer Tag. Nach 27 Stunden und zwei nächtlichen Polizeikontrollen2 sind wir mit frischen Brötchen vom Bäcker pünktlich zum Frühstück in der Heimat.

Ein Abenteuer. Anstrengend aber wunderschön.

  1. die Stadt, die der Eisbar mit den schönsten Erfurter Fruchteisbechern ihren Namen gab []
  2. was hamse denn da hinten drin? – ooch das sind ja Kakteen – Hm, was hatten Sie erwartet?? []
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Vierte Etappe – Regen statt heiß

it_2009_09_100Um halb Sechs falle ich aus dem Bett. Zur Sicherheit, denn mein Telefon meinte gestern schon den ganzen Tag, seine Zeitzone eigenständig auf GMT umstellen zu müssen. Denis ist der Einladung im Haus zu schlafen nicht gefolgt. Und Sieben (!!) gehts in der Gärtnerei los. Um neun kommt die erste Ladung frisch gerodeter Pflanzen aus einem anderen Betriebsteil auf den Hof gerollt. Uns ist schon jetzt klar, wir werden nur einen Bruchteil der bestellten Pflanzen mitnehmen können. Darum hängt Marcello am Telefon und organisiert den Transport der restlichen Pflanzen nach Erfurt. Inzwischen beginnt es wieder zu regnen, mal mehr mal weniger. Zwischendurch sehen wir die Folgen des letzen Hagelschlages vor wenigen Tagen. Yucca und Aloe, die im Freien stehen haben teilweise häßliche Flecken bekommen.

Unserem neuen realistischerem Zeitplan sind bereits zwei Stationen geopfert worden. Die dritte Gärtnerei, die uns Marcello empfohlen hatte streichen wir letzlich auch, dort geht gerade ein Unwetter nieder. Folge: keine Telefonverbindung mehr – wenigstens das Handy geht noch.

Wir bekommen so ein wenig Zeit zum Luft holen. Ein köstlicher Caffe mit der halben Belegschaft der Gärtnerei die sich gegenseitig Schauergeschichten über blutige Unfälle mit Kakteendornen und Palmen erzählen. Danach gehen wir auf Opuntienjagd – schließlich stehen die schönsten Exemplare hier an jeder Ecke. Bis auf die Ecken, an denen wir vorbeifahren. Keine erreichbare Opuntia – entweder hinter hohen Mauern im Vorgarten, oder aber erst kürzlich flambiert auf dem Müllberg.

it_2009_09_151Wir entdecken einen wunderbaren Küstenabschnitt. Wild, zerklüftet, Felsbrocken im wütenden Meer. Ein paar Minuten genießen. Flora studieren, im Salzwasser wachsen auf Schwerölbrocken die wie Teer aussehen Pflanzen. Denis entdeckt eine fette Zwiebel mit schöner Lilienblüte obendrauf. Kleine Büsche die an verholzte Kalanchoe erinnern, ich bin besonders fasziniert von etwas strauchig wachsendem das kleine holzige Dornen an der Oberseite zeigt. Noch größer ist meine Freude über die reifen Samen, die ich mir mit blutigen Fingern schmerzhaft erkaufe. (Eine Liste mit einigen “Trophäen” unseres Streifzuges wird es im letzten Teil meines Berichtes geben) Zu guter letzt können wir dann doch noch Opuntien mitführen – in der Gärtnerei wachsen einige große Exemplare mit verschiedenen Früchten. Bei der Gelegenheit ernte ich gleich noch Samen von it_2009_09_192wunderschön blühenden Neobuxbaumia polylopha. Marcello macht eine großzügige Geste und sagt: “davon haben wir genug”.

Auf dem Hof gestikuliert der Mann vom großen blauen Traktor wild und bedeutet uns zur Ladehalle zu fahren. Die Container sind schon fertig gepackt, wenig später sind wir abfahrbereit, sogar unser frisch gekühltes Bier ist eingeladen, es ist wie geplant 15 Uhr – nur Marcello ist jetzt verschwunden. Wir möchten nach dem herzlichen Empfang uns nicht einfach so verkrümeln und warten mit wachsender Ungeduld auf seine Rückkehr. Ungeduld weil wir um 18 Uhr in Palermo sein müssen, um unsere Fähre zu erwischen. Erst 49 Minuten später sind wir wieder unterwegs. Denis war inzwischen schon etwas ungnädig. Nach weiterer Fahrt durch eine beeindruckende sizilianische Landschaft (der Etna) hält sich auch diesmal vor uns versteckt) treffen wir in Palermo ein. Ich telefoniere mit Ralf in Erfurt, der uns erst jetzt Namen und Adresse der Reederei geben konnte, derweil fahren wir durch schmale Straßen auf denen keine Verkehrsregel zu gelten scheinen – was halbwegs verständlich ist, der Benutzung nach ist das Viertel auch mehr ein Gemüsemarkt. Inzwischen haben wir die Adresse notiert und kommen durch die Fischabteilung. Leider kennt TomTom die übermittelte Adresse nicht. Wir fahren nach Gefühl in Richtung Hafen, den wir richtig finden. Dort bekommen wir unser Ticket und parken wenig später im Bauch des riesigen MS Exellence das um 21 Uhr Richtung Genua starten wird. In strömendem Regen und Dunkelheit verschwindet Sizilien hinter uns. Wir beginnen unsere fast eintägige Überfahrt mit einem frugalen wie kostspieligem Abendessen. Nach einem Feierabendbier klemmen wir uns in unsere opulenten Pulmannsitze und versuchen zwischen Cobra 11 (italienisch), lautstarkem schnarchen und Chipstütengeraschel einzuschlafen. Mit mäßigem Erfolg – wenigstens “gefühlt” schlafe ich eigentlich nicht.

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Dritte Etappe – Lazio, Campania, Calabria – keine Cacti nur Autostrada

it_2009_09_042Caffe! mit ganz kurzem ‘e’. In unseren Landen Espresso genannt. Das einzige Verlangen was man nach einer solchen Nacht hat.

Denis beschreibt es zu recht mit “beim ersten und beim letzten Schluck bleibt mir erstmal der Atem stecken. Zum Glück ist die Tasse so klein, das es nur zwei Schlucke sind.” Dennoch sehen wir beide ganz schön grauenhaft aus und spritzen uns Wasser ins Gesicht. it_2009_09_044Den Rest des Tages machen wir nichts anderes als fahren. Und tanken. Das wird mir erst hinterher klar. Zehn (10 Stunden) ununterbrochen Autobahn. Mehr als 900 km am Stück. Ohne Futterstop. Das war zwar nicht geplant, hat sich einfach so ergeben. Wir haben noch Brötchen von gestern und Bananen und Würstchen von vorgestern und ich entdecke, Brötchen, Würstchen und Banane harmonieren recht hübsch, Denis schüttelt schon der Gedanke daran. Kurz nach vier setzen wir mit einer fixen Fähre1 nach Messina über, it_2009_09_062landen direkt im Stau und sind zehn Minuten später wieder auf der Piste. Marcello hat uns versprochen auf uns zu warten. Unglaublich wie viele Berge und entsprechend Tunnel und Schlenker Sizilien hat. Und das Wetter. Angekündigt waren moderate 25°C und Sonne. Seit der Überfahrt hängen Gewitterwolken am Himmel – ein bisschen Regen würde unserer Frontscheibe ganz gut tun denke ich mir. Kurz darauf öffnen sich die Schleusen mit aller Macht – die Einheimischen bleiben perplex auf dem Standstreifen stehen – gut für uns – freie Fahrt, allerdings muß ich höllisch aufpassen, die Autobahn ist it_2009_09_068für diese Sturzbäche nicht vorbereitet, bei 10 cm Wasserstand kann man schon nicht mehr von Aquaplaning sprechen, also nix mit 130 km/h. Fünf Minuten später ist der ganze Zauber wieder vorbei und um 17.30 Uhr rollen wir auf den Hof. Tagesziel erreicht. Vivai Cactus sollte über der Einfahrt stehen. Gesunde Aloe und fette Trichocereus begleiten uns die lange Auffahrt.

Mit Marcello, der eigentlich längst Feierabend hat, drehen wir sofort eine Runde durch die Gärtnerei. Wir haben keine Zeit zu verlieren und Marcello it_2009_09_074sagt: “um die Zeit sehen die Pflanzen am schönsten aus.” Wir sehen und fotografieren unglaublich viel in der kurzen Zeit, denn aus der blauen Stunde wird es atemberaubend schnell schwarz. Um halb neun bringt uns Marcello in sein Lieblingsrestaurant direkt am Wasser – es gibt Fisch satt. Wir gehen gemeinsam noch die Listen für morgen durch und nach zwei Bier fallen wir einfach nur noch um.

  1. sie überholt unterwegs die eher gestartete LKW-Fähre, von der wir zu meinem anfänglichen Ärger verwiesen wurden []
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Zweite Etappe – Berge und Italien ganz anders

Wir lernen unterwegs sehr viel. Zum Beispiel sollte man wissen, ob und wie ein Navigationssystem zu verstehen ist. TomTom sagt unsere Ankunft für 15 Uhr voraus.

it_2009_09_032Wir sind schon einige Zeit am Zweifeln, ob wir uns vielleicht in der Zieleingabe vertan haben, denn die Straßen werden immer kleiner und steiler, die Kurven beängstigend enger und alles erinnert mich mehr an die Schweiz denn an Italien. Eine Abkürzung über Bergpfade? Aber wie so oft macht es Sinn, genau hinzusehen. Just als wir “bitte wenden” sollen – es ist etwa 12.17 Uhr, also noch gut Zeit bis zum Ziel, stolpere ich über etwas, was ich sonst eher selten sah, schon gar nicht in entlegenen Orten: ein Schild mit dem Straßennamen via Nanon. Und da steht das verblichene Firmenschild unseres Ziels. Panarotto.

Ein Haus mit kläffendem Hund, im Hintergrund zwei Gewächshäuser, alles wirkt merkwürdig verlassen. Da außer dem Hund niemand von unserer Ankunft Notiz nimmt haben wir Zeit, einen Happen zu essen und nach dem Grund für unsere überpünktliche Ankunft zu suchen.1

Nach dem Mittag und weiterem warten kommen uns langsam Zweifel, ob überhaupt jemand hier ist. Das Telefon ist nicht erreichbar, es geht auf 15 Uhr zu und uns schwindet langsam die Zeit. Wir beschließen weiterzufahren und werden – sofern noch Zeit ist, auf dem Rückweg noch einmal vorbeikommen. Ich schreibe eine kurze Email – just in dem Moment öffnet sich die Tür. Paolo Panarotto mustert uns kurz, erwiedert unseren Gruß und bedeutet uns mit einer Geste, ihm zu folgen. Er entlässt uns in sein Gewächshaus und beginnt davor auf und ab zu gehen.

it_2009_09_017Denis und ich beginnen Pflanzen auszusuchen und arbeiten uns durch das Haus. Es gibt Pflanzen in guter Qualität und traurige Gestalten, alltägliches und selteneres, bei manchem bin ich verblüfft über die Preiswünsche, in Summa ist das Angebot auf Sammler ausgerichtet. Das Gewächshaus am Hang ist in zwei Ebenen gebaut – das werden wir so noch häufiger finden. In der “oberen Etage” finden wir viele frisch getopfte Exemplare und Vermehrungsschalen. Als Denis die erste Schale genauer inspiziert steht Paolo augenblicklich neben ihm, um ihm zu erklären, dass dieser Teil nicht zum Verkauf stünde. Denis ist sauer. Ich verhandele und erkläre ihm, dass wir natürlich auch seine Töpfchen kaufen, aber die Schale macht es für beide Seiten einfacher, wir brauchen weniger Stauraum im Auto und er kann sich einmal topfen sparen. Es dauert noch ein wenig und dann ist er wie verwandelt2

it_2009_09_029Paolo wird gesprächig, beginnt uns plötzlich Schätzchen3 zu zeigen, die wir übersehen haben, erzählt Geschichten über seine Pflanzen. So macht das doch Spaß. Es gab nun doch Schalen zu kaufen und eine Reihe Pflanzen – in erster Linie kleinere Mengen für unseren Mutterpflanzenbestand landete in unseren bis dahin noch leeren Kisten. Darunter natürlich Turbinicarpus panarottoi und schöne Schlumbergera opuntioides. Nach einer Stunde waren wir uns handelseinig und machen uns auf den Weg zurück zur Autobahn.

In einem Supermarkt gab es die Versorgung für die nächsten Tage – und eine traumhafte Pizza auf die Hand. Der Supermarkt hatte amerikanische Dimensionen und war für das verbleibende Ladevolumen unseres Autos nicht zuträglich.it_2009_09_040

Unser nächstes Ziel hieß Sizilien. Wenigstens für die nächsten vier Stunden. Es war dunkel, viele Berge, Tunnel, Baustellen, LKW – eben alles was auf einer langen Fahrt Freude macht. Denis schlief auf dem Beifahrersitz und das war gut so. Ich hätte auch nicht gerne dort gesessen und mir beim fahren zugesehen. Mir dämmerte langsam, wie weit die Strecke ist, die vor uns lag – und … dann müssen wir auch noch zurückfahren und dann auf der anderen Seiten und noch bis Erfurt … und am Sonntag ist Bundestagswahl, da müssen wir wieder zu Hause sein – also muß ich mir was ausdenken. Wenigstens das ging ganz gut bei der Fahrt, nachsehen ging natürlich nicht bei den Kurven. Ich überlegte mir, direkt von Sizilien aus per Fähre nach Westen überzusetzen und einmal die Tour nach Norden zu sparen. Darum würden wir heute bis Rom fahren und dort kurz bei Alan Butler vorbeischauen und gleich weiter nach Sizilien fahren.

Überblick über die geplante Route

Überblick über die geplante Route

Nachdem Denis wieder wach war, konnte ich ihn schnell von dieser Idee überzeugen. Ein kurzer Anruf in Erfurt und Ralf recherchierte für uns die Optionen. Eine Verbindung nach Nizza gab es von Sizilien nicht, aber Genua wäre möglich – das hatte Denis im alten ADAC-Atlas auch schon herausgefunden. Mit etwas mehr als 300 Euro wäre es fast genau so teuer, wie selbst zu fahren und da die Fähre über Nacht fährt könnten wir uns sogar noch ein wenig erholen. Blieb nur die spannende Frage – schaffen wir das in der Zeit?

Eine Stunde nach Mitternacht strichen wir den Besuch bei Alan und wärend Denis jetzt fuhr, beschlossen wir, morgen direkt nach Sizilien zu fahren, um dort am frühen Abend anzukommen und die erste Runde durch die Gärtnerei zu drehen. Eine Stunde später war auch Denis gar und rollte auf einen Rasthof auf dem wir eine grauenhafte Nacht zwischen Kühllastern verbrachten und kaum schliefen.

  1. die Lösung war bei genauerem hinsehen offensichtlich: 15 Uhr, allerdings in 56 Stunden – dann nämlich wären wir laut Plan wieder in Erfurt – unserem letzten Ziel, vorausgesetzt wir fahren ununterbrochen []
  2. über den Grund für die “Verwandelung” konnten wir nur mutmaßen, ob es Unwillen über eine gestörte Mittagspause war, ob er erst mit der Zeit die Überzeugung gewann, das wir mehr als 150 Euro bei ihm lassen werden haben wir nicht ergründen können, jedenfalls war er um 16.30 so in Fahrt, dass er sogar extra einen Spaten holte, um eigenhändig für Denis ein Rhizom eines Bambusartigen Grases aus dem Boden zu hacken []
  3. weitere Details darüber im letzten Beitrag des Reiseberichtes []
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Erste Etappe – Italien erreicht

Erfurt verabschiedet sich mit einem blühenden Gymnocalycium.

IMG 2856Mit vereinten Kräften schaffen wir noch gut fünf Stunden bis kurz vor die österreichische Grenze an einem Feldrain.

Die Begrüßung am nächsten Morgen ist sehr bayrisch und sehr idyllisch…

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Denis kippt gerade aus dem Bett …

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Denis dokumentiert gleich früh am Morgen eine unzulässige Tiervergrämungsmaßnahme.

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Über Nacht sind wir mitten in den Alpen. … dann noch ein kleines Stückchen durch Österreich, ein verblüffend kurzer Brenner – im Vergleich zu den Alpenpässen die ich bislang kenne.

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… und dann breitet sich Italien vor uns aus.

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Italien wie ich es liebe…

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Sonnig, mediterran, schnellsprechend, mit der typischen Architektur…

(die Reiseberichte kommen Zeitversetzt, unterwegs war keine Zeit um ins Internet zu gehen)

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on the Road: Italien

Ich bin schon wieder unterwegs – diesmal dienstlich nach Italien. Einkaufen.

IMG 2850Die ersten Vorbereitungen für die Reise sind schon so alt, dass viele der Gärtnereien inzwischen schon gar nicht mehr existieren. Auch den Visitenkarten sieht man an, dass sie inzwischen einige Jahre auf dem Buckel haben.

Denis und ich haben große Pläne. Knapp 6000 Kilometer Straße mit fast 10 Stationen vor uns, die wir in den kommenden 5-6 Tagen schaffen wollen. Die erste Etappe liegt in nur knapp 12 Stunden entfernt und wir fahren durch die Nacht. Wir werden sehen, wie weit wir kommen und wo wir landen. Alles ein wenig Abenteuer :)

Ob es von unterwegs Nachricht gibt weiß ich noch nicht, ob ich Zeit zum schreiben haben werde auch nicht.

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Neues aus London – Temple Gardens in der Berliner Zeitung

Dear All,
I just wanted to let you know that the Berliner Zeitung (an important German daily newspaper) published a lovely article about our Garden in their weekend magazine on the 26th September (surprisingly, because it was election weekend).
It is very complementary and I am very touch, it is beautiful written and it praises our work.
I am trying to get hold of an electronic copy of the article as it shows some beautiful images of the Garden. I have had already letters (emails) from German readers wanting to come and see the Garden on their next visit to London! – really sweet.
Andrea

Die Maulbeerbäume der Tempelritter

Einer der ältesten privaten Gärten Londons liegt im Inner Temple District. Eine junge Thüringerin hat ihn wieder in Schönheit erblühen lassen

VON INGE AHRENS

Dicht am Ufer der Themse liegt der Garten von Inner Temple. Inner Temple, oder besser gesagt: die ehrenwerte Gesellschaft von Inner Temple, ist eine von vier Anwaltskammern, die rund um die Königlichen Gerichtshöfe in London angesiedelt sind. Inns of Court werden sie genannt und vereinen Gray’s Inn, Lincoln’s Inn, Middle Temple und Inner Temple. Die letzten beiden wurden im 14. Jahrhundert von den Tempelrittern gebaut und galten als politisches und wirtschaftliches Zentrum der königlichen Aktivitäten. Noch heute arbeiten hier die höchsten Anwälte Großbritanniens, Barrister und Queens Counsel genannt. Manche leben sogar dort.

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Euphorbia Schnitt (keine Floristik)

Wieder mal eine Pflegefrage (kein Schnittgrün für den Blumenstrauß):

euphorbia_schnitt… Ich habe einen wunderschönen Kaktus zu Hause. Er wächst wie verrückt, blüht ständig, schiebt neue Seitentriebe heraus – kurz gesagt er gedeiht prächtig. Er hat einen super Platz im Fenster. Ich habe schon einmal einen Standortwechsel versucht, aber da hat er angefangen die Blätter abzuwerfen. Jetzt wird er aber langsam fürs Fenster zu groß – der Topf ist viel zu klein, somit hat er gar nicht viele Erde – und der Haupttrieb ist durch die Seitentriebe auch sehr „wackelig“.

Soll bzw. kann ich ihn abschneiden? Und wenn ja, wo?

Kann ich das abgeschnittene Stück wieder neu pflanzen?

Wann kann ich ihn umtopfen und wie groß sollte der Topf sein?

Fazit für mich:

Das ist wirklich eine schöne Euphorbia – und wenn man einige Dinge beachtet ist das zurückschneiden kein Hexenwerk:

Euphorbia führen giftigen und reizenden Milchsaft, darum empfehlen wir neben einem scharfen Messer als “Bewaffnung” eine Schutzbrille, Handschuhe (zum Beispiel mit unserem Grünen Daumen) und eine Schale mit warmen Wasser bereitzulegen.

Stecklinge kann man an jeder beliebigen Stelle schneiden, ich empfehle in diesem Fall aber den Trieb entweder komplett an der Basis zu schneiden, oder aber auf gleicher Höhe mit den anderen Trieben. Wichtig ist, die Schnittwunde schnell im warmen Wasser zu stillen und Flecken abzuwischen.

Wenn der Steckling zwei Tage getrocknet ist einfach in trockene Kakteenerde stecken und nach drei bis vier Wochen zum ersten mal wieder mit Regenwasser besprühen. Zwei Wochen später sollten frische Wurzeln gewachsen sein und die Pflanze kann dann wieder alle zwei Wochen gegossen werden.

Ein angemessener neuer Topf: wichtig ist eine ausreichende Öffnung im Boden damit das Wasser abfließen kann.1 Sonst ist es wichtig, das Ihre Pflanze einen sicheren Stand hat und der Topf nicht deutlich größer ist als sein Vorgänger.

  1. bitte keinen Übertopf verwenden, sonst faulen die Wurzeln []
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auch eine allgemeine Nomenklatur für Kakteen?

Die Staudengärtner haben eine eigene Handelsnomenklatur. Sehr schön.

Ich würde mir eine vergleichbare Vereinheitlichung gern auch flächendeckend für die Kakteen wünschen. Einen kleineren Bereich beackere ich gerade selbst (s. u.), nachdem mir klar wurde, wie viel Verwirrung in botanischen Namen stecken kann.

Die Situation bei den Kakteen ist allerdings nur schwer mit der der Stauden vergleichbar. Bei vielen Kakteenfreunden ist traditionell die wissenschaftliche Betrachtung ihrer Lieblingspflanzen sehr ausgeprägt – nicht umsonst gibt es nur verhältnismäßig wenige Trivialnamen für Kakteen. Dementsprechend gibt es sehr viele individuelle Modelle, Interpretationen und “private Nomenklaturen”, die sich häufig aus Fragmenten verschiedener Generationen von Nomenklaturen zusammensetzen. Je nach Fachgebiet ist es heute nicht selten, dass Teile der wissenschaftlich akzeptierten Nomenklatur auf dem Wissen und den Erfahrungen von sonst gern scheel betrachteten “Amateuren” fußt.

Die Nomenklatur bei den Kakteen ist auch weltweit betrachtet nicht eben einheitlich. So unterscheiden wir allein kontinentale Unterschiede. So gibt es deutliche Abweichungen in der Bezeichnung von einer identischen Pflanze wenn diese in den USA, oder in Europa angeboten wird. Und letztlich finden sich diese Abweichungen auch noch detaillierter in jeder Gärtnerei bis hin in die privaten Sammlungen.

Bei uns ist es üblich, das Pflanzen sogar innerhalb der Gärtnerei je nach Zustand1 mit unterschiedlichen Namen bedacht werden – entsprechend kann das hier und da für Verwirrung sorgen. Auch für uns intern wäre also eine allgemein tragbare Nomenklatur eine hilfreiche und sehr erstrebenswerte Angelegenheit.

Einen Vorwurf in Richtung der Gärtner, den ich in älteren Zeitschriften und Büchern häufiger gelesen habe: “die nehmen es mit den Namen absichtlich nicht so genau, dann können die die gleiche Pflanze unter verschiedenen Namen gleich mehrfach verkaufen” finde ich heute zum Glück nicht mehr so häufig, dennoch kräuselt mir der Gedanke daran schon die Stirn. Die Idee eines kurzfristigen Vorteiles mag sich für einen Aussenstehenden vielleicht regelrecht aufdrängen. Wenn ich mir die Irrungen und Doubletten im Bereich unserer epiphytischen Kakteen anschaue, allein die Idee solche Fehler mit Vorsatz zu machen grenzt für mich an natürlich moralischen, aber auch arbeitswirtschaftlichen Selbstmord und ich habe bislang auch noch keinen Gärtnerkollegen gefunden, dem ich nach meinen Einblicken solches Tun ehrlichen Herzens auch nur gedanklich unterstellen würde. Ahnungs- oder Kritikloses übernehmen von Namen gibt es weitaus häufiger – auch bei uns. Allerdings halte ich eine vollständige wissenschaftliche Diagnose wie ich sie in der Städtischen Sukkulentensammlung durchführen durfte in den meisten Gärtnereien für schlechterdings nicht leistbar. Ein gegenseitig wohlwollendes Zusammenarbeiten, das ich bei sehr vielen unserer Kunden erleben darf “ich habe bei euch eine Pflanze unter dem Namen X gesehen/gekauft – schaut doch mal nach, ob das nicht vielleicht Y ist” birgt für alle Beteiligte viele Vorteile und macht deutlich mehr Spaß – auch wenn ich Meister Wilhelm immer mal Recht geben muß, wenn er sagt: “nicht alle Hinweise und Informationen sind berechtigt und begründet”.

Ich werde mir die Epis genauer anschauen, vielleicht bin ich danach schon von der Idee geheilt, aber vielleicht finden sich auch weitere Interessenten mit Elan – und ob das Ziel hernach Handelsnomenklatur, oder Basisnomenklatur oder anders heisst spielt letztlich erst einmal keine Rolle… Der Weg ist auch ein Ziel.

  1. Samen, Sämlinge nach Hunt 92ff vs. getopfte Pflanze nach moderat auktualisiert Backeberg/Haage []
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Unliebsame Mitbewohner

Nanu, schlecht umgetopft?

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Aber so ein Erdhäufchen – das hat doch sicher einen anderen Ursprung…

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Ameisen – hm, wo die sind, sind die Läuse nicht weit…

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Genau – richtig fette Schildläuse, die klemmen regelrecht fest…

brrrrr….

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Neue Handelsnomenklatur bei den Stauden

Die Staudengärtner haben etwas geschafft, was mir schon seit längerem im Kopf rumgeistert. Die Staudengärtner haben eine allgemeingültige Nomenklatur veröffentlicht. Einschränkungen gibt es immer, die Nomenklatur folgt in erster Linie gärtnerischen Aspekten und wird erst in zweiter Linie den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen unterworfen sein. Das für mich revolutionäre und erstrebenswerte ist die Einigung auf einen einheitlichen Umgang mit botanischen Namen – und das täte uns in den Kakteen ebenfalls sehr wohl. Ich glaube nicht an ein dogmatisches System vom Stamme “MUSS”. So sehe ich die Handelsnomenklatur auch mehr als ein  Angebot, ein Werkzeug gemeinsam zu nutzen, zum Einsatz gezwungen werden kann sicher niemand. So betrachte ich die Handelsnomenklatur bei den Stauden mehr als ein Angebot, ein Werkzeug gemeinsam zu nutzen, zum Einsatz gezwungen werden kann sicher niemand, das kann auch gar nicht Sinn der Sache sein.

Die Staudengärtner verfolgen mit ihrer Namensreform durchaus hehere Ziele:

  • Übernahme von botanischen Neuzuordnungen
  • Einheitliche Schreibweise von Artnamen die bislang unterschiedlich geschrieben wurden – z. B. Saxifraga x arendsii, S. Arendsii-Hybride, S.Arendsii Gruppe
  • Ausschliessen von Mehrfachbezeichnungen und anderen Verwirrungen bei Staudensorten

Im Vorfeld mussten dazu Synonyme erfasst und in Verbindung gebracht werden – eine akribische Detektivarbeit ist dazu nötig.1 Bei den Stauden kommen erschwerend die unzähligen deutschen Bezeichnungen was die Zahl der Namen je nach Region auf das drei- bis vierfache ansteigen lassen dürfte. Dazu noch das ambitionierte Ziel, eine Nomenklatur zu schaffen, die für lange Zeit konstant bleiben soll.

Interessant finde ich an der Vorgehensweise:

  • die neue Nomenklatur orientiert sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Neuzuordnungen werden erst nach einer angemessenen Übergangsfrist eingeführt, wenn diese sinnvoll erscheinen2
  • die Handelsnomenklatur orientiert sich am “Zander”3
  • in der Nomenklatur finden sich auch die “alten Namen” als Synonym mit dem Hinweis auf den derzeit gültigen Namen – das erleichtert die Umstellung erheblich
  • bei manchen Sorten wurde ein ‘x’ vorangestellt um kenntlich zu machen dass es sich um eine Einkreuzung anderer Arten in eine bestehende Art handelt – ob das syntaktisch korrekt ist weiß ich nicht
  • bei manchen Sorten wurde die Art ergänzt um die Pflanzeneigenschaften deutlich zu machen und die vielen neuen Sorten einordnen zu können

Verständlich ist für mich eine Aussage der Autoren über die neue Nomenklatur:

Sie wurden nach bestem Wissen und wohl überlegter Abwägung getroffen.

Mehr bei den Staudengärtnern

Zum Thema Kakteen folgt ein zweiter Teil…

  1. auch ich bin gern mal über mehrere Stunden auf der Suche nach dem Ursprung eines zweifelhaften Kakteennamens []
  2. das muss eigentlich eine ständige Kommission nach sich ziehen, die alle korrekt publizierten Änderungen der Nomenklatur registriert und unter der Sichtweise der Handelsnomenklatur bewertet und entsprechend übernimmt, oder verwirft. []
  3. für die meisten Bereiche im deutschen Gartenbau gilt der “Zander” als das allgemein anerkannten Handbuch für botanische Namen – es werden dort auch viele Kakteen geführt, man orientiert sich dort an der Nomenklatur nach Anderson/Eggli, allerdings ist der Bereich Kakteen nicht umfassend und für mich daher kein Referenzwerk im Bereich der Kakteen []
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Erfurt und der Weltrosenkongress

Der Plausch mit unserem Stadtvater hat doch manch schönes. Nach der Eröffnung des Cerealienmarktes gab es nicht nur den traditionell lecker fritierten Erfurter Blumenkohl, sondern auch eine Information, die für deutsche Rosenzüchter im allgemeinen, für die Erfurter Gärtner im speziellen sehr interessant werden dürfte. OB Bausewein erzählte mir, er habe gestern die Bewerbung unterzeichnet, gemeinsam mit Sangerhausen und Bad Langensalza den Weltrosenkongress nach Erfurt zu holen. Dazu wäre eine Bundesgartenschau doch eine angemessene Begleitung – aber 2015 ist schon an die Havelregion vergeben – aber ich will ja auch nicht unbescheiden sein.

Die Entscheidung fällt noch in diesem Jahr, die Chancen stehen recht gut und wenn es den Zuschlag geben sollte – dann ist natürlich noch einiges zu tun. Ich freue mich schon darauf… und psst - das weiß noch niemand, es gibt noch nicht mal eine Presseinfo dazu :)

Am Rande des Gesprächs tauchte auch die Frage auf: ”Herr Haage, gibt es eigentlich auch einen Weltkakteenkongress?”

Ein Schelm, der gleiches denkt wie ich :)

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(peinliche) Bahnfahrerlebnisse Teil 2

Ort: ICE, Großraumabteil mit Blick durch die Glasfront auf “Foyer” und die große Behindertentoilette mit Automatiktür
In Berlin war ein Herr mit langen Haaren und Zottelbart zugestiegen den man eher mit Flasche in Papiertüte auf der Parkbank erwartet denn im ICE. Er hatte es sich im “Foyer” des Wagens gemütlich gemacht und nippte immer mal an seinem Rotwein-Tetra-Pak. Mit dem Fahrkartenkontrolleur (Zugbegleiter) unterhielt er sich englisch und studierte die “Herald Tribune” vom Vortag.
Irgendwann plagte ihn ein menschliches Bedürfnis und er suchte die Toilette auf. Zur Toilette ist es vielleicht wichtig zu wissen, die seehr große halbrunde Schiebetür öffnet praktisch eine Breitseite des gesamten Toilettenraumes, was das Befahren mit dem Rollstuhl sehr bequem macht. Die Tür öffnet sich auf Knopfdruck und schließt sich darauf wieder selbsttätig. Um die Privatsphäre zu wahren befindet sich auf der Innenseite des Raumes ein großer rot blinkender Button zur Verriegelung und der auch den äußeren Button auf rot schaltet. Dieses Konzept erschien dem Erfinder wohl schlüssig und wer es einmal durchschaut hat kommt sicher damit klar. Ich habe aber diverse Mamas mit Kindern kopfkratzend die Tür mehrfach durchschreiten gesehen die dann kopfschüttelnd hinter der Nachbartoilettentür verschwanden.

Unser Reisender aus dem Vereinigten Königreich schien mir diesbezüglich sehr pragmatisch und zielstrebig. Die Tür schloß sich hinter ihm.

Eine Minute später kam ein Herr aus Japan durchs Abteil geschritten – im feinen Zwirn, sehr konservativ gekleidet. Er steuerte direkt auf die große Tür zu. Der Türöffner leuchtete grün und begann nach Betätigung sofort seine Tätigkeit. Die Tür schob sich langsam aber unaufhaltsam zurück. In der Sekunde als der Japaner voller Entsetzen einen Satz rückwärts floh, dämmerte mir, was sich dort gerade abspielte. Ein heruntergekommener Brite im Freien auf der einen, ein in seinem tiefsten Schamgefühl berührter Japaner auf der anderen Seite. Letzterer bearbeitete wild mit letzter Hoffnung den Türöffner, doch der öffnet nur, wie der Name sagt. Der Knopf zum schließen befindet sich auf der Innenseite. Von dem einen – an die Keramik gefesselten gut 150 cm entfernt, den anderen fesselt das Schamgefühl noch einmal im Gesichtskreis des anderen zu erscheinen. Das zeigte seine verzweifelte Gestik deutlich. Immer wieder die Hand vor Mund und Augen und die Tür wollte sich einfach nicht wieder schließen. Richtig wohl war mir selbst auch nicht dabei. Was, wenn nun ein weiterer Toilettenanwärter sich nährte, ganz und gar aus entgegengesetzter Richtung, die der Japaner nicht beeinflussen konnte, wenigstens nicht ohne wieder ins Blickfeld des festsitzenden Briten zu geraten. Und wie sollte er einem Dritten signalisierend begegnen – wenn dieser vielleicht nicht einmal seine Sprache versteht. Eine ungemütlich peinliche Situation – und die Türe rührt sich weiter keinen Millimeter.

Ich überlege mir schon einen Notfallplan, wie ich die beiden “rette”, falls sich jemand von gegenüber nähren sollte, als der Brite wieder in der Toilettentür erscheint. Er schließt sich dort öffentlich die Hose und läßt sich um die Ecke wieder auf seiner Tasche nieder.

Der Japaner hat sich abgewandt und studiert intensiv das Display mit der Bahnwerbung. Er geht einige Schritte in den nächsten Wagen und kommt später im großen Bogen um die Toilettentür zurück. Die Anlaufstelle ist ihm wohl gründlich vergangen.

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Bahnfahren ist schööön!

Ich liebe unsere A-Klasse, ich fahre gern und viel durchs Land, ich habe nicht mal eine Ahnung, wie viele Kilometer es im Jahr sind.

Trotzdem fahre ich lieber Bahn. Bahnfahren ist einfach schön – bestimmt weil es diesen Touch von teurer und Luxus hat. Wir Autofahrer rechnen uns das ja täglich vor.

Ich muß um 11 in Schwerin sein. Per Auto 5,5 bis 6 Stunden von Erfurt. Die Bahn machts in 4 bis 5 Stunden – aber jetzt kommt der Knackpunkt: sie macht es nicht jederzeit. Konkret startet meine Verbindung um 4:44 Uhr in der früh. Unchristlich. Selbst der besten Gärtnerin von allen ist das zu früh.

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Willi will nicht ans Fenster kommen - zu früh

Also steht um 4:12 Uhr ein Taxi vor dem Tor. In Rekordzeit von nicht einmal vier Minuten stehe ich auf dem Erfurter Hauptbahnhof und wünsche meinem Fahrer einen schönen Feierabend – der geht jetzt ins Bett. Willi will nicht ans Fenster kommen. Mir bleibt dafür noch reichlich Zeit, einen Kaffee zu kaufen und eine ältere Dame zu beobachten, die etwas verwirrt scheint und geniert auf einem Mülleimer scheibt: “ihr seid Schweine Gotha und Eisenach”

Hupf in den Zug – ein IC mit ältlichem Interieur und vereinzelt Fahrgästen. In jedem zweiten Abteil versteckt sich jemand dösend. Ich suche mir eine bequeme Ecke, der Wagon fährt sanft an, ich kippe in die Sitze und schlafe wieder ein. Werde wach, als ein rot-blauer Kontroletti im breitesten thüringisch nach der Fahrkarte fragt: “na Meister, hamwas uns schon gemütlich gemacht? Nich vagessen: in Berlin umsteigen”. Werde wieder wach, als der Zug gerade den Bahnhof Wittenberg verläßt. Mir wird kurz heiß. Ist Wittenberg vor oder nach Berlin? Ich befinde nach kurzem Nachdenken: vor – das andere heißt Wittenberge.

windmuehle_nebel.jpgDraußen wird es gerade hell, der Frühnebel liegt dicht über der märkischen Landschaft und erinnert mich an den ersten Blick morgens aus dem Zelt beim wandern. Der Bahnhof Jüterbog sieht alt aus, als würde seine Rente nicht mehr reichen, fast schon verfallen. Keine russischen Panzer mehr, statt dessen kaputte Streckentelefonhäuschen, leer und leblos.

Jetzt kommt gleich der große Übungsplatz auf den ich mich als kleiner Junge immer gefreut habe1. Aber statt Übungsplatz mit Schützenpanzerwagen und LKW im Matsch kommt ein Spielplatz für Menschen mit Geländewagen zum Ringeln fahren. Dann kommen doch noch die weißen Warnschilder, die wie Taschentücher im Wald liegen. VERBOTEN! … betreten, explodieren, hinschauen – ich weiß es nicht. Ob hier noch jemand übt? Vor acht Jahren bin ich mit unserem L60 durch die Panzerteststrecke in Templin gefahren – dort hat auch niemand mehr geübt. Verboten war es bestimmt auch, ich habe aber kein Schild gesehen damals und der LKW hat sich sehr zu Hause gefühlt, obwohl es im Herzen eine Zivilversion war.

berlin_tief_lifting.jpgBahnhof Großbeeren – komisch – auch so winzig und unscheinbar, sehr dunkel, als würden hier täglich noch Dampflocks rangieren. War hier am Ort nicht das große Gemüse- und Zierpflanzen-Institut? Aber die Besucher kommen vielleicht nicht per Bahn hierher. Der Zug rast mit beängstigender Geschwindigkeit – würde ich mit dem Auto fahren – bestimmt 210 Stundenkilometer. Muß ja, woher soll sonst der Zeitvorteil kommen. Wenig später Ankunft in ‘Berlin tief’ – im Keller. Das ist also der schöne neue Berliner Hauptbahnhof. Ich finde aber nix wo Stahlträger runterfallen könnten. Es wäre ein netter Zug gewesen, wenn man für unbedarfte Besucher wie mich ein Hinweis auf diese typische Sehenswürdigkeit angebracht hätte.

fruehstueck.jpgGleich verlasse ich Berlin wieder im Regionalexpress, einem schick modernisierten Doppelstockzug mit lustigen Ankunftsjingels. Mein Gegenüber trinkt lecker duftenden Kaffee aus dem Pappbecher, sein Tagesspiegel atmet intensiv Druckfarbe. Draußen scheint die Sonne, schöne Dörfer, Kiefernwälder, Windräder, kein Telefonempfang, Maisfelder und drin ein Kränzchen reiferer Buga-Besucher die vernehmlich eine kontroverse Debatte über verschiedene Stiftzähne und den Vorteil privat krankenversichert zu sein führen.

Ich verpasse den in Modellbauerkreisen berühmten Bahnhof Neustadt (Dosse) zu fotografieren. Kurz davor steht eine Linie mit bestimmt 12 L60 und W50. Die Wälder draußen sehen so aus, als ob man dort viiiiiiele Pilze finden könnte. In zwei Minuten bin ich in Schwerin – habe viel gesehen, und hundemüde, aber der Tag fängt erst an. Sitzung bis heute Nacht.

  1. bestimmt war es eigentlich auch verboten, da überhaupt draufzuschauen []
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