Wenn Thüringer grillen

Als Thüringer hat man von Geburt an eine gewisse Affinität zum grillen. Irgendwann waren Würstchen zu klein und der Wunsch nach größeren Herausforderungen. Seit einigen Jahren sammel ich nun schon Erfahrungen mit Schafen (Lämmern) aus eigener „Vermehrung“. Die grillen wir inzwischen einmal jährlich auf der Cactusfarm mit immer mehr Zuspruch.

Mit der Einladung von Ralph und Nicole hat die Sache eine neue Dimension angenommen. Sie haben sich zu ihrer Hochzeit zwei Schweine vom Grill gewünscht. Natürlich nicht einfach zwei kleine  Spanferkel, sondern dann gleich die Obergrenze – 2 x 50 kg sollen es werden. Gehen wir es an, das wird schon. Doch selbst bei den Jungs vom Grillsportverein endet die Skala „Schwein“ bei 30 kg. Aber ich lerne eine ganze Menge über Grills, Spießumdrehungszahlen, und Grillvorbereitung. In den restlichen Fragen verlasse ich mich einfach auf meine Erfahrungen. Für die Marinade hole ich mir bei Steven Raichlen ein paar Inspirationen und modifizieren sein kubanisches Weihnachtsferkel noch ein wenig. Das ist auch eine Problemzone, denn ich bin mit der Marinade in Erfurt, Schweine und Fleischer sind in Hessen. Darum reiste am Dienstag ein Eimer Marinade per Post zum Einbalsamieren der Schweine.

Doppelgrill ist mit zwei Schweinen bestückt und betriebsbereit

Doppelgrill ist mit zwei Schweinen bestückt und betriebsbereit

Freitag Abend bin ich mit Ralf gen Hessen gestartet um Samstag früh rechtzeitig den Grill anzufeuern. Die Bedingungen hier sind ideal. Der doppelläufige Grill von Jörg steht schon unter einem Dach bereit, daneben einige Klafter Ahorn und Buche sowie 40 Kilo Holzkohle. Eine Stunde später als geplant glüht der Grill, Ralph und Ralf machen sich daran die Schweine auf dem Spieß zu  montieren. Zu dritt stehen wir uns schön im Weg, darum mache ich mich an den Kaktus-Salat, schneide Knoblauch und meinen Daumen. Als ich fertig bin drehen sich beide Schweine schon fröhlich und das erste ist schon richtig kross. Höchste Zeit für Löscharbeiten. Dazu habe ich eine Mischung aus Wasser, Apfelessig und Black Magic Finisher vorbereitet. Eine Sprayflasche ist der ideale Applikator und schützt vor verbrannten Fingern. Beim ersten Testlauf mussten die Beine komplett abgeschnitten werden, die Köpfe fehlten von Beginn an, sonst wäre der Spieß zu kurz gewesen. Die Keulen eigneten sich hervorragend zum probieren und abfüttern der Kinder und ersten Hungrigen. Die Keulen hingen provisorisch über dem Glutkasten, und waren dadurch wesentlich schneller gar. Erste Proben gingen schon nach 45 Minuten über den Tisch.

Draußen regnet es, die Dachrinne wird schnell noch repariert. Nach sechs Stunden haben wir schon 58° C Kerntemperatur.1 Dennoch, das Fleisch ist lecker und auch von der Marinade ist noch eine feine Note zu spüren.

Planmäßig beginnen wir gegen 20.30 Uhr das erste Schwein zu zerlegen. Das Fleisch ist butterweich und oberlecker, die Schlage von Leuten reißt nicht mehr ab. Selbst am folgenden Morgen ernten wir noch Lob für die gelungenen Wutzen2 und Anfragen, ob wir das vielleicht auch mal auf einer anderen Veranstaltung wiederholen würden. Darüber haben wir noch nicht nachgedacht, aber im Moment gibt es in Sachen Kakteen so viele Dinge zu erledigen, dass wir uns keine neuen Projekte leisten können.

  1. einziges trauriges Opfer: die Schwarte ist zum großen Teil futsch. []
  2. so heisst Schwein in Hessen []

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