Gestern und heute war ich in Bonn. Bei der BLE1 trafen wir uns auf Einladung der Deutschen Gartenbaugesellschaft im kleinen Kreis zum Thema Netzwerk Pflanzensammlungen. Vertreten waren neben der DGG das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV), der Zentralverband Gartenbau, der Bund der Staudengärtner, die Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolengesellschaft und verschiedene kleinere Gesellschaften. Mein Ziel für das Treffen war erste konkrete Umsetzungen von Wünschen die auf dem ersten Symposium in Erfurt geäußert wurden. Im Sommer ging es um die Sicherung des Erhalts von gefärdeten Pflanzensammlungen, dazu hatten wir uns bereits existierende Lösungen aus der Schweiz und Großbritannien (Council National Plant Heritage) angeschaut.

In Bonn wurden erst einmal verschiedene formelle Fragen diskutiert, für meinen Geschmack war das streckenweise weder interessant noch fruchtbar – aber gehört halt auch dazu. Für mich war wichtig, das eine kleine informelle Arbeitsgruppe gebildet wurde, die nun die nächsten Schritte einleiten soll und da geht es dann schon konkret um die Fragen2:

  1. was können wir unternehmen, wenn Pflanzensammlungen in Gefährdung geraten3
  2. um einen Überblick zu bekommen: welche Pflanzensammlungen existieren eigentlich, und welche Pflanzen werden dort gesammelt
  3. gibt es bereits Archive, Aufzeichnungen, Listen oder partielle Übersichten über existente Pflanzensammlungen
  4. welche technischen Möglichkeiten sind bereits vorhanden, um eine Übersicht über die existenten Pflanzensammlungen zusammenzutragen

Üblicherweise verkrieche ich mich am Abend dann ins Hotel, um ein wenig zu arbeiten (irgendwas habe ich immer mit dabei), aber diesmal habe ich mit Lüder Nobbmann die Bonner Innenstadt unsicher gemacht. Lüder Nobbmann ist nicht nur Oberster der deutschen Friedhofsgärtner, er ist auch altgedienter Staudengärtner, unheimlich fastzinierend und beschäftigt sich nebenbei als Hobby mit der Bedeutung von Pflanzen und deren erotischer Wirkung. Als ein jung gebliebener Herr im reiferen Alter ist er gesegnet mit einer reichlichen Portion Charisma. Für mich ein sehr sympatischer Zeitgenosse und Gärtnerkollege.

Er hat es sich nicht nehmen lassen, mir die Sehenswürdigkeiten der Bonner Altstadt zu zeigen. So suchten wir nach dem Gang über den schnuckeligen Bonner Weihnachtsmarkt nach dem alten Bonner Rathaus. Unterwegs entdeckte ich einen >> „Thüringer Art“ Grill in der Fußgängerzone. Ein Stückchen weiter wurden wir zum Abendlob in eine katholische4 Kirche eingeladen und kamen gerade recht zu einem sehr schönen Choral.

Hochsicherheitsverkaufsautomat, Bonn HBf

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Neben dem Beethoven-Haus kehrten wir dann im Gasthaus „Zum Stiefel“ ein. Eine urige Kneipe in der es schlichte aber ausgezeichete lokale Gerichte gab – mit „Himmel un Erd“ bin ich schon in Köln vor etwa zwei Jahren gut gefahren, also hier ein neuer Versuch – passend dazu natürlich einige Stangen Kölsch. Es wurde ein sehr vergnügter Abend, vor allem der reichlich angeheiterte Schotte der mit seinen zwei Freundinnen mit an unserem Tisch saß sorgt für reichlich köstliche Unterhaltung. So lernte ich endlich die exakte Definition des britischen Pint5 kennen und welche seinder Freundinnen ihn aus welchen Gründen liebt :). Ausführlich sprachen wir über das schöne Dasein des Friedhofsgärtners, das ist ein wirklich spannender Job … wenn ich nicht schon was zu tun und eine wunderbare erfüllende Aufgabe hätte 😉

Für meine mitgebrachte Arbeit wurde es etwas später, aber nach diesem schönen Abend kein Problem.

  1. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung []
  2. einige der Fragen und Konsequenzen sind mir selbst erst bei nochmaligem überdenken klargeworden []
  3. mir fällt an der Stelle ein – irgendwie haben wir uns im Katalog doch auch schon mal vor einigen Jahren mit dieser Frage auseinander gesetzt []
  4. ich vermute wenigstens – es war eine katholische Kirche, der Weihrauchduft war einfach betörend []
  5. englisches Volumenmaß, wird u.a. für die Bemessung von Milch und Bier verwendet []

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