Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Die Hancock-Story – zu Echinocereus hancockii

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Ein Kapitän. Aha.

Wie kommt ein Kapitän dazu, dass ein Kaktus nach ihm benannt wird? Echinocereus maritimus ssp. hancockii – der ist Teil der Titelstory des Kakteen-Haage Katalog 2015.

In Berlin treffe ich Michael Lange.

Ich denke gerade über Echinocereus maritimus nach – und er ist ja einer DER Echinocereus-Männer dieser Zeit ist – also frage ich ihn.
„Was macht E. maritimus besonders?“ Und natürlich kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Nicht die gelbe Blüte – die gibt es auch anderswo.
„Der blüht einfach immer. – Klar, für gewöhnlich blüht er im Herbst. Aber ich habe ihn erwischt, als er im Mai in voller Blüte stand.“
Und die Augen leuchteten vor Begeisterung – so wie Kakteenfreunde strahlen können wenn es um Blüten geht.
„Die standen in voller Blüte und gleichzeitig waren die Früchte reif. Die blühen wenn sie ein bisschen Wasser bekommen.

Aber hier geht es ja um die freundliche Verwandtschaft – und den Namensgeber. Den gar nicht so unbedeutenden Mister Allan Hancock.

Er stammt aus einer amerikanisch / ungarisch-stämmigen Familie die neben dem ersten Weinbau in Californien und goldschürfen eine nette Farm ‚La Brea‘ betreiben. Wer sich dort nicht so genau auskennt – ein Teil des Grundstücks ist heute als Hollywood bekannt. Aber das kommt später. Zuerst bohrt der damals noch Farmer Hancock nach Öl – 71 mal – und ist erfolgreich – wenig später auch reich. Sehr reich.

Und er wird Philanthop – ein Menschenfreund.

Daneben gibt er sich diversen Hobbies hin. Im speziellen faszinieren ihn Transportmittel aller Art:

  • er ist der zweite Autobesitzer in Los Angeles, Mitbegründer, später Präsident des regionalen Automobilclubs
  • entwickelt und fährt lange selbst Lokomotiven und baut eine eigene Bahnstrecke auf
  • erwirbt die Master Mariner’s License und heißt seither ‚Captain Hancock‘. Als solcher erwirbt er vier Schiffe (Velero I-IV)
  • nachdem Lindbergh den Atlantik überquerte, steigt Hancock auch in die Luftfahrt ein, finanziert Flugzeuge für eine erste Weltumrundung, baut einen Flughafen und gründet eine Pilotenschule.

was noch?

  • neben diversen sozialen Projekte gründet der die Union Bank of California
  • spielt Chello
  • baut Theater, eine Eis Fabrik
  • betreibt eine große Hühnerfarm

Was offen bleibt: wie war das nun mit den Kakteen?

Hancocks Schiffe sind auf Forschungsexpeditionen unterwegs – entlang der mittel- und südamerikanischen Küste. Dort beginnen nicht nur die ersten Unterwasser- und Tiefenerkundungen, auch in den Küstengebieten wird geforscht, neue Entdeckungen beschrieben und nach Hause gebracht. Darunter auch Echinocereus maritimus ssp. hancockii – den Nigel Taylor als die ‚fette Ausgabe des E. maritimus‘ identifiziert….    alles ganz einfach, oder?

 

Ach ja, nicht zu vergessen: 1996 schreibt Vincent Ngo ein Drehbuch auf den Namen Hancock. Der Superheld mit unbegrenzter Kraft und Unverwundbarkeit kommt mit Will Smith und Charlize Theron ins Kino.

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Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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