Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Auf Reisen mit Mister Trump

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Stecken bleiben

Er guckt aus dem Fenster, grüßt zu uns rüber, winkt kurz und dann beschleunigt die kleine Maschine und die völlig verschlammten Räder heben von der nassen Urwaldpiste ab. Wenig später ist sie und auch das Motorengeräusch vom Nebel verschluckt. Die Böen peitschen die dunklen Gewitterwolken über die Bäume.

„Blöder Hund!“ fluche ich in mich hinein. Jetzt sitzen wir hier fest.
Irgendwo im Nirgendwo. Irgendwo im patschnassen Wald von Costa Rica. Es war gestern schon abzusehen, die letzte anstrengende Etappe bis zum Flughafen, das wird verdammt eng.

Da hinten steht auf der Piste noch ein weiterer Flieger, eine kleine Boeing, klein – aber eigentlich viel zu groß für diesen winzigen Flughafen auf der Insel. Startbereit, die Turbinen fiepen schon.
Auf der Gangway ein Mann. Blond. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Amerikaner, Mister Trump.
Ich staune.
Er nimmt uns kurzerhand in seinem Flieger mit, zurück nach Europa. 

Erst als wir unterwegs sind wundere ich mich. Alles so anders, sehr merkwürdig! 
Die Sicherheitsleute – so entspannt. Und Mister Trump – ganz anders als mein Bild bisher? Nahbar. Wir unterhalten uns kurz, bevor er in seiner Kabine verschwindet.

In Italien Zwischenstop, Mr. Trump hat in Mailand einen geschäftlichen Termin. Dann fliegt er extra für uns einen Umweg nach Deutschland. Wir landen in Bad Hersfeld gleich neben den Gleisen. Zum Abschied schüttelt er uns die Hand. Auch hier kurz stutzen: ein fester, ehrlicher Händedruck.

Erst nachdem wir unser Gepäck mit Hilfe der Sicherheitsmänner auf den Bahnsteig gebracht haben kommen mir Zweifel.

Wie bitte? Der Präsident? Bad Hersfeld?

Es war alles ein Traum – so widersprüchlich und zugleich zutiefst überzeugend – stelle ich benommen im Aufwachen fest. Es dauert, bis meine Erlebnisse mit dem Stempel „nur ein Traum“ aus der Realität verscheucht werden.

Doch die Vorstellung gefällt mir, ich könnte mich so sehr in meiner Meinung über einen Menschen getäuscht haben. Jetzt bohrt die Frage in mir.

Woher kommt’s?

Dafür hab ich eine Weile wach gelegen. Dann dämmerte es mir:
Gestern Abend las ich einen langen Artikel über Bernd Höcke, den Chef der AfD.

Morgen gehen wir in Thüringen zur Wahl. Blau ist für mich keine Alternative.

Ich glaube an das gute im Menschen. Ob das ein Traum bleibt?

Vielleicht nicht bei Mr. Trump oder Herrn Höcke. Aber vielleicht anderswo.

Ich glaube weiter daran.

#demokratie

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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