Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Kakteen, Hemp-Shops und Gewächshäuser

| Keine Kommentare

Ein Kakteen-Trip in die Niederlande

– Teil eins –

Amsterdamer Gracht bei Nacht

Amsterdamer Gracht bei Nacht

Hinweis: Dieser Teil des Artikels könnte Informationen enthalten, die bevorzugt für erwachsene Leser geeignet sind 😳

Ja, ich gebe zu, es war sehr intensiv. Wer bei Nacht durch Amsterdam trabt, kommt früher oder später an einem Fachgeschäft für Kaffee vorüber. In Wien gab es vor vielen Jahrzehnten eine ähnlich klingende Tradition: das Kaffeehaus. Dort konnte man Kaffee trinken. In Amsterdam gibt es im Coffieshop etwas anderes – wenigstens duftet es bei Nacht darin und davor sehr intensiv, aber überhaupt nicht nach Kaffee. Ist lustig in der Nase, mir aber völlig egal. Ich war doch wegen der Kakteen unterwegs – und in Amsterdam sollte es Metropolen-Kultur zum Auftakt geben.

Trotz dem die erste Gärtnerei doch erst für den nächsten Morgen geplant war, fielen mir doch tatsächlich die ersten Kakteen noch im Zentrum von Amsterdam vor die Füße. In DEM Headshop (The Headshop – since 1968).1

Kakteen im Headshop in Amsterdam

Kakteen im Headshop in Amsterdam

Eine hübsche Sammlung von halluzinogenen Kakteen stand da im Schaufenster herum. Ganz offensichtlich sehnsuchtsvoll nach Licht suchend, waren hier Astrophytum myriostigma (Bischofsmütze, Bishops Cap), Myrtillocactus geometricans, Lophophora williamsii (Peyotl), Trichocereus pachanoi (San Pedro-Kaktus), und Trichocereus peruvianus aufgestellt. Das Sicherheitsglas des Schaufensters sorgt zwar dafür, dass Kakteen und Zubehör unbehelligt von dem reichlichen flanierenden Publikum bleiben, aber eben auch vom Sonnenschein des Tages kommt vermutlich nur wenig bei den Pflanzen an und das quittieren diese mit dem typisch zipfeligen Wuchs an der Spitze an dem sich vermutlich früher oder später auch Pilze oder andere Schädlinge einfinden werden um ein wenig daran herumzunagen.

Sehr hübsch ist das Schild „UK and spanish customs say it’s OK to import cactus as live plants“ (wörtlich: englische und spanische Zollbehörden sagen: es ist ok Kakteen als lebende Pflanzen importieren). Völlig richtig – wenn man die Einfuhrbestimmungen berücksichtigt gilt das auch für viele andere Länder. Im nächsten Laden fand ich noch einen größeren Trichocereus pachanoi – hier aber viel lustiger: eine große Schüssel Hanf-Lollies.

Seh-Leute mit Aussichten

Eine weitere Begegnung anderer Art hatte ich in einer schmalen Gasse einige hundert Meter weiter. Auf der einen Seite standen lauter Männer, die die gegenüberliegende Seite der Gasse ausgesprochen interessiert anschauten, oder fotografierten. Im so fixierten Haus waren dicht aneinander Türen, Hauseingänge mit Glastüren, jede einzelne mit der Anmutung einer Telefonzelle. In jeder dieser Türen stand eine nur spärlich bekleidete Frau und guckte komisch. Wenig romantisch jedenfalls. Die Verbindung zwischen beiden Seiten der Gasse entstand in erster Linie durch Blicke, kaum durch Blickkontakt. Ich fand mich in der Mitte wieder und das war ein reichlich komisches Gefühl. Gut das die Gasse nicht endlos war.

Das Adventskalender-Haus in Amsterdam

Das Adventskalender-Haus in Amsterdam

Drei Straßen weiter war deutlich zu bemerken: hier in Amsterdam sind gewitzte Architekten zu Hause. Ein großes Haus wie ein Adventskalender, viele Türchen – tatsächlich 24 Stück und jeder Treppenaufgang war mit einer mehr oder minder falsch geschriebenen deutschen Stadt beschriftet.

Endlich richtig Kakteen!

Der nächste Morgen begann dann endlich mit – Kakteen – und gleich zwar Kakteen bis zum Horizont.

In diesem Fall handelt es sich bei den Kakteen um veredelte Chamaecereus-Hybriden2 mit Blüte. Das Foto ist natürlich mit Bedacht gemacht.

Begegnung unlängst im n. n. Gartencenter vor einem Tisch mit Erdbeer- und Bananenkakteen:

gelbe Chamaecereus Hybride mit Blüte

gelbe Chamaecereus Hybride mit Blüte

Sie zu Ihm. „Oooch gugge ma. Der hat abr ne schöne Blüde droff. Un so dick un gelb! Das is doch schön!“

Ich zu mir. „nu sache ma…“ nein ich denke ja hochdeutsch. „nein wie absonderlich, ich vermag gar keine Blüte zu sehen.“ Klar: die „Blüte“ ist der Kaktus. So oft wie ich danach schon gefragt wurde. Hier zu sehen: die Blüte der Blüte. Auch diese Frage wird im Beitrag über Chamaecereus aufgeklärt werden.

Euphorbia obesa dichotom geteiltIn den Gewächshäusern habe ich nicht nur weitere schicke neue Veredelungen gefunden (z. B. super dunkelrote gebänderte Gymnocalycium mihanovichii), eine Hand voll wunderschöner großer Hoodia gordonii, bläulich weiß bestäubte Dudleya, ganz kleine furchtbar bedornte Stetsonia die schon die ersten Arme haben, Melokakteen mit Cephalium von den Kanarischen Inseln. Die ganze Auswahl fährt morgen schon zur Kakteenbörse und wird Samstag und Sonntag im EGA-Park schon zu sehen und zu kaufen sein.

Diese seltene dichotom geteilte Euphorbia obesa habe ich aber nur fotografiert und nicht mitgenommen.

Der heutige Abend war der anderen naheliegenden Metropole gewidmet – Rotterdam.

… dazu kommt hier der zweite Teil der Reise

Merken

Merken

Merken


Print page
  1. Ich weiß, auch zu übersetzen als Fachgeschäft für Köpfe – ist natürlich Quatsch. []
  2. mehr Details über das Namensdurcheinander in einem weiteren Artikel []
Share

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


 

  • Facebook