Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Respekt vor Mitmenschen und Missbrauch von Religion

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Ich war stumm und betroffen, als ich zwischen hunderten Schildern auf dem Flughafen in Bangkok dies entdeckte:

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So habe ich das noch nie gesehen.
Ich habe auch eine kleine Keramik Figur zu Hause. Und zahllose Buddahfotos gemacht. Ohne selbst Buddist zu sein – auch wenn ich mich vielen buddistischen Gedanken sehr nahe fühle. Die Abbilder Buddahs haben mich ruhig werden lassen, runterkommen aus der Betriebsamkeit, fokussieren.

Wie respektvoll begegne ich einer anderen Religion und dem was den Menschen wichtig ist? Zu selbstverständlich waren mir die Figuren, Statuen, Raumtrenner, Poster und Tapeten. Einen Klodeckel habe ich bislang noch nicht gesehen.

Und es hat mir den Blick neu kalibriert auf das was ‚meine heimische Religion‘ ist.
Jesus auf dem Klodeckel? Ein Gottesbild auf der Bierflasche? Jeans of God mit einem bärtigen Mann auf dem Label?
Wenn ich jetzt noch über ‚The life of Brian‘ und andere Monty Python Produktionen nachdenke, und manches auf einmal nicht mehr witzig finde, dann beginne ich mich langsam etwas engstirnig zu fühlen – wo bleibt denn da meine Toleranz und die Meinungsfreiheit?

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Moral hat nichts mit Religion zu tun, es bedeutet eine Position zu beziehen statt mein Fähnlein im Wind zu drehen.
Respektvoller Umgang miteinander bedeutet manchmal auch genau hinschauen statt Achtlosigkeit. Und es bedeutet auch Achtlosigkeit anderer nicht ohne Reaktion zu lassen – auch das keine Frage von Religion allein.

Das fand ich heute beim einkaufen:

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Ich bin nie auf die Idee gekommen, damit den Glauben anderer Menschen mit Füßen zu treten.
Wohin das führen kann zeigen uns die politischen Eruptionen auf der ganzen Welt.

Und wenn ich aus der Ferne Neuseelands auf  die Bewegung schaue, die der Flüchtlingsstrom in der deutschen Bevölkerung auslöst. Wie Mitmenschen auf einmal ihre bisher verborgene Haltung aufdecken, dann geht es auch an der Stelle darum Stellung zu beziehen. Zu zeigen, ob wir aus dem Schicksal unserer geflohenen Ahnen gelernt haben, oder verbissen das uns vermeintlich Zustehende verteidigen, weil wir ja ’schon immer hier gewesen sind‘. Relativ.
Meine Familie kennt beides.

Und ich erlebe, wie die Welt ganz nah wird – auf andere Weise.


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Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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