Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Pflanzen im Wüsten-Terrarium – überleben in der Sonnenglut

| 3 Kommentare

Heiße Sache – Sukkulente Pflanzen im Terrarium

Vor einigen Jahren haben wir bei Kakteen-Haage begonnen Pflanzen aus unserem Sortiment für Terrarien zu finden. Einerseits für Regenwald- aber auch für die Wüstenregionen. Schnell stellte sich heraus: Hochtemperatur-Terrarien mit Tagesspitzen von 40 °C und mehr sind eine echte Herausforderung für Pflanzen.1

Meist findet sich hierfür nur Totholz- oder Plastikblumendeko. Beides wirkt weder natürlich noch einladend. Trotzdem sieht man selbst in großen und professionell gestalteten Terrarien oft entweder völlig „fremde“ Grünpflanzen die im kurzen Rhythmus entsorgt werden, oder Steinwüste pur mit einer toten Wurzel als „Bewuchs“. Grund dafür ist nicht etwa die Einfallslosigkeit der Gestalter – es ist schlicht knifflig tatsächlich geeignete Pflanzen zu finden, die eine solche Gluthitze auf die Dauer überleben.

Was geht? Was brauchts zum überleben?

Ich habe eine kleine Liste von Pflanzen zusammengestellt, die möglicherweise am ehesten Chancen2 haben zu überleben.

Daneben gibt es immer wieder Empfehlungen für Pflanzen bei denen man mit großer Wahrscheinlichkeit eine Enttäuschung erleben wird und die Pflanzen binnen kurzer Frist das zeitliche segnen werden.

Die Bedingungen für Pflanzen:

  • ausreichend pflanzenverfügbares Licht3
  • Luftbewegung
  • Pflanzensubstrat (z. B. mineralische Kakteenerde)

potentiell geeignete Pflanzen für extrem hohe Temperaturen:

  • Hoodia spp. (selten, zum Teil anfällig für Infektionen)
  • Welwitschia mirabilis (extrem selten, aufwändig4, sehr empfindlich)
  • Ariocarpus spp.
  • Haworthia spp.
  • Euphorbia (aus heißen Gebieten – und Vorsicht! der Milchsaft ist teilweise reizend und giftig)
  • Gasteria spp.

nur vermeintlich geeignete Pflanzen

((diese Pflanzen vertragen Extremtemperaturen auf Dauer nicht)) !

  • Tillandsia5
  • Bromelia

Wichtig! Es werde Licht!

Für das Überleben von Pflanzen ist nach unserer Erfahrungen das auf Reptilien abgestimmte Lichtspektrum nur selten ausreichend. Abhilfe kann hier aber eine spezielle Pflanzenleuchte schaffen.

Pflanzen die wir in unseren Gewächshäusern zeitweise unter extremen Temperaturen (40°C und mehr) wachsen lassen, sind unter wüstenähnlichen Bedingungen beheimatet. Dazu gehören die Vertreter aus der Gattungen Ariocarpus (Amerika) und Hoodia (Afrika). Beide Pflanzengattungen gelten als anspruchsvoller und setzen Kultur-Erfahrung voraus.

Wüste Premium

Wer noch mehr Aufwand betreiben und sich in die Königsdisziplin der echten Wüstenpflanzen einsteigen möchte, kann sich an Welwitschia heranwagen. Sie benötigt für die langen Wurzeln einen extrem tiefgründigen Boden (ab 1,20 Meter). Als einfache „Dekopflanze“ ist sie nicht nur sehr aufwändig und wertvoll, sondern nahezu nie im Handel zu bekommen.

Auf meiner Recherche im Internet bin ich in verschiedenen Foren und Infoseiten über den einen oder anderen Irrtum gestolpert, die ich in einem späteren Artikel kommentieren möchte.

Ich bin weiter auf der Suche nach potentiell geeigneten Pflanzen und werde den Beitrag ggf. weiter ergänzen – freue mich natürlich über Anregungen und Hinweise (Kommentarfeld unten)

… und bei milden Temperaturen

Dieser Artikel bezieht sich ausschließlich auf geeignete Pflanzen für Terrarien mit Extremtemperaturen oberhalb 40°C. Für niedrigere Temperaturbereiche eignen sich nahezu alle Sukkulenten und Kakteen bis hin zu Bromelien.

  • Opuntia spp. (gilt auf Galapagos häufig als Futterpflanze für heimische Reptilien)
  • Aloe spp. (weichere Aloe werden ggf. gern angeknabbert)
  • Sansevieria spp.
  • Graptopetalum
  • Tillandsia spp. (die grau oder weiß beschuppten Arten kommen aus trockenen Hochlagen)
  • Dyckia spp.
  • Hechtia spp.

Eine Untersuchung über die Oberflächentemperaturen von Wüstenpflanzen der Sonora-Wüste hat die Arizona State University 1970  in Auftrag gegeben um Erkenntnisse zu gewinnen, wie Pflanzen bei Extremtemperaturen überleben. (kostenpflichtig)

Pflanzen zuerst! … und mehr

Dieser Artikel ist lediglich eine Betrachtung aus Sicht der Pflanzenkultur – Überschneidungen oder Defizite für die „anderen Terrarienbewohner“ sind darum durchaus möglich, das ist allerdings nicht mein Fachgebiet und sollte entsprechend abgewogen werden.

wer mehr wissen möchte: hier gibt es weiterführende Seiten:

  1. übrigens: als die trockenste und unwirtlichste Wüste der Erde gilt die Atacama Wüste in Chile []
  2. die Empfehlungen beruhen auf Erfahrungen in unseren Gewächshäusern und sind nicht im Terrarium überprüft []
  3. z. B. Pflanzenleuchte – normale Lampen oder handelsübliche Terrarienleuchten decken nicht das Spektrum ab, das Pflanzen zum Wachstum benötigen []
  4. allein die Wurzel der Welwitschia benötigt 120 cm und mehr Wurzelraum []
  5. Tillandsien stammen aus feucht-kalten oder feucht-warmen Regen- oder Nebelwäldern und benötigen regelmäßig feuchte Luft oder Nebel, andere Bromelien müssen ständig mit Wasser versorgt werden und sind darum in erster Linie für Regenwald-Terrarien geeignet []

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

3 Kommentare

  1. Gern.
    Und viel Erfolg bei der Bepflanzung!

  2. Vielen Dank – obgleich der Artikel etwas älter ist, so ist er doch lehrreich.
    Ich werde zeitnah ein noch größeres, aber durchaus sehr trockenes und heißes Terrarium bepflanzen und habe tatsächlich das geschilderte Problem gehabt: Außer Totholz gibt es kein organisches Material, das es bei mir für längere Zeit im Wüstenterrarium überlebt hätte. Die Liste möglicher Pflanzen hilft mir da hoffentlich 🙂

    In diesem Sinne: Danke und Grüße 🙂

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