Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Samstag, 3. Oktober 2015
nach Ulrich Haage
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Respekt vor Mitmenschen und Missbrauch von Religion

Ich war stumm und betroffen, als ich zwischen hunderten Schildern auf dem Flughafen in Bangkok dies entdeckte:

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So habe ich das noch nie gesehen.
Ich habe auch eine kleine Keramik Figur zu Hause. Und zahllose Buddahfotos gemacht. Ohne selbst Buddist zu sein – auch wenn ich mich vielen buddistischen Gedanken sehr nahe fühle. Die Abbilder Buddahs haben mich ruhig werden lassen, runterkommen aus der Betriebsamkeit, fokussieren.

Wie respektvoll begegne ich einer anderen Religion und dem was den Menschen wichtig ist? Zu selbstverständlich waren mir die Figuren, Statuen, Raumtrenner, Poster und Tapeten. Einen Klodeckel habe ich bislang noch nicht gesehen.

Und es hat mir den Blick neu kalibriert auf das was ‚meine heimische Religion‘ ist.
Jesus auf dem Klodeckel? Ein Gottesbild auf der Bierflasche? Jeans of God mit einem bärtigen Mann auf dem Label?
Wenn ich jetzt noch über ‚The life of Brian‘ und andere Monty Python Produktionen nachdenke, und manches auf einmal nicht mehr witzig finde, dann beginne ich mich langsam etwas engstirnig zu fühlen – wo bleibt denn da meine Toleranz und die Meinungsfreiheit?

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Moral hat nichts mit Religion zu tun, es bedeutet eine Position zu beziehen statt mein Fähnlein im Wind zu drehen.
Respektvoller Umgang miteinander bedeutet manchmal auch genau hinschauen statt Achtlosigkeit. Und es bedeutet auch Achtlosigkeit anderer nicht ohne Reaktion zu lassen – auch das keine Frage von Religion allein.

Das fand ich heute beim einkaufen:

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Ich bin nie auf die Idee gekommen, damit den Glauben anderer Menschen mit Füßen zu treten.
Wohin das führen kann zeigen uns die politischen Eruptionen auf der ganzen Welt.

Und wenn ich aus der Ferne Neuseelands auf  die Bewegung schaue, die der Flüchtlingsstrom in der deutschen Bevölkerung auslöst. Wie Mitmenschen auf einmal ihre bisher verborgene Haltung aufdecken, dann geht es auch an der Stelle darum Stellung zu beziehen. Zu zeigen, ob wir aus dem Schicksal unserer geflohenen Ahnen gelernt haben, oder verbissen das uns vermeintlich Zustehende verteidigen, weil wir ja ’schon immer hier gewesen sind‘. Relativ.
Meine Familie kennt beides.

Und ich erlebe, wie die Welt ganz nah wird – auf andere Weise.


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Freitag, 2. Oktober 2015
nach Ulrich Haage
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Neuseeland Flash – im Land der langen weißen Wolke

Da war es doch bislang beschaulich. In der Millionenstadt Bangkok.

Und jetzt Betriebsamkeit, fast schon Urlaubsstress.
Ich bin doch hier in einem Land, dass eigentlich doch nur aus Landschaft besteht. Landschaft zum verlieben. Meine Kamera hat inzwischen den selben Husten. Den, den ich schon hierher mitgebracht habe – und beim besten Willen nicht loswerde.
Unendlich viel zu sehen, staunen und einfach still bewundern. Das sind gar nicht so sehr die Sehenswürdigkeiten – es ist einfach das Land.

Wunderschön!

Ich bin mit meiner Lieblingstochter Maria unterwegs, sie in Hamilton Au-Pair – und ich Papa auf Besuch. Wie cool, dass sie ein paar Tage frei hat und mir ‚ihr‘ Land zeigt.

Anders als in Thailand komme ich kaum dazu, mein Reisetagebuch zu führen, Maria hat die Tage für uns voll durchgeplant.

Erster Tag

Auckland – zum Warmwerden ein bisschen Großstadt. Wir gucken und probieren Cafés.
Schwärmend sitzen wir im stundenlang in der Sonne im ‚Federal and Wolfe1 und erzählen.

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Der Kaffee ist gut, die Speisen nicht nur schön anzusehen, sondern schmecken auch noch richtig lecker. Hier ist ein Profi in der Küche.
Abends treffen wir uns mit Marias Gasteltern in Hamilton. Es ist sehr amerikanisch hier.
Die angenehm optimierten, aber auch standardisierten Wohnsiedlungen die allen gewünschen Comfort liefern und auch noch ein gewisses Maß an Individualität. Spätestens seit ‚Edward Scissorhands‘ sehe ich wohnen und leben – so wie ich es darf – als ein großes Geschenk. Und irgendwie nimmt das wohnen auch Einfluß auf das Leben. Der Vergleich ist allgegenwärtig. Mir nähme es die Luft. Luxus hin oder her.
Und zugleich: atemberaubende Sonnenuntergänge.

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Zweiter Tag

Tauranga – ich habe beim landen das Wasser rund um die Inseln gesehen. Kein Wunder, ein bisschen Autofahren – und schon sind wir an der Küste. Pazifik. Rückwärtsgang rein. Wieder Pazifik.
Das wiederum – finde ich komisch. In Amerika ist klar – auf der einen Seite Atlantik und wenn ich auf der anderen Seite bin, dann Pazifik. Hier ist überall Pazifik – im Osten wie im Westen. Wir fahren also an den Beach.
Schön: direkt am Strand stehen Berge. Hier Mount Maunganui.
Ach ja. Die Sprache. Auch wenn hier meist englisch gesprochen wird. Die Ureinwohner, die Maori erscheinen hier nicht als verdrängte Minderheit.

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Ihre Namen bezeichnen das Land – soweit ich das erlebt habe – überall. Und es ist ein Miteinander – auch die europäischen Einwanderer sind stolz auf ‚ihre‘ Maori Traditionen.2.
Ich genieße die Sonne, gucke das Meer an, die Gleitschirme die die scheinbar unendlichen Aufwinde nutzen, Möven, Angler, Touristen, Kinder – nur zum baden bin ich zu müde, Fuß in den Pazifik hängen muß aber sein.

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Dann ein kurzer Aufstieg auf den Berg. Wunderbare Aussicht. Und dann suche ich Maria. Wir treffen uns zum Essen – wie es der Zufall will – nein! Mexikanisch – und auch hier lecker!

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Dritter Tag

Rotorua – wir fahren wieder ein Stück durchs Land und fallen verhungert und spät zum Breakfast im Fat Dogs Café ein. Dort gibt es Burger die man nur vom Spieß knabbern kann. Übernachtung dann im Crash Palace Backpackers offenkundig ziemlich legendärer Laden mit einigen auch ‚besonderen‘ Sukkulenten im Garten. Es ist zwar verboten, eine eigene Flasche Rotwein im Rucksack mitzubringen – immerhin kann man günstig eine Shisha leihen.
Ich tappe spät abends ins nahe gelegene Polynesian Spa und bin auch hier beeindruckt. Heiße, radioaktive Mineralquellen mit hohem Schwefelgehalt – das hilft garantiert gegen Husten. Es ist kurz vor Feierabend und die vielen Becken sind fast ausschließlich chinesisch besetzt. Heiß ist es, da habe ich kaum ein Auge für die wunderbare Vulkanlandschaft, die sich hiesige Gärtnerkollegen ausgetüftelt haben. Kurz vor elf wandere ich müde durch die Nacht zurück ins Hostel. Barfuß, auch wenn es kalt ist. Die Hitze ist glüht noch nach.

Vierter Tag

Te Puia,3 – wir sitzen auf dem Vulkan – gerade mal fünf Meter stark ist die Erdkruste an ihrer dünnsten Stelle hier, heiß kann das werden, da bekommt eine Schachtgenehmigung eine ganz andere Bedeutung.

Wir sind in einem Maori Dorf gleich um die Ecke. Um den Pohutu Geysir zu sehen. Glückspilze wie wird sind landen wir ausgerechnet in einer Guide-Prüfung. Unglaublich, was der Mann über sein Heimatland zu erzählen weiß. Nicht nur Fakten, es ist ungemein witzig wie er seine Geschichten erzählt. Wir wandern auf dem warmen Boden aus dem überall heißer Dampf hervorquillt.

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Stundenlang laufen wir durch einen rauchenden Wald, in dem übrigens auch eine der neuseeländischen Wappenpflanzen – Manuka4 wächst. Sie gehört zu den wenigen Pflanzen, die in der Lage ist, in dem teilweise kochend heißen Boden zu überleben. Wie? Flachwurzler – so unglaublich das klingt. Wir sind zeitweise völlig allein in einem ursprünglichen Regenwald in dem die Baumfarne (Dickinsonia) meterlang von Flechten und Orchideen behangen sind. Still ist es hier nicht – und doch fühlt es sich schlagartig ganz anders an.

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Es geht weiter in den nächsten Wald. Gigantische Redwoods wachsen am Rande von Rotorua. Bäume die uns schweigend machen. Da braucht es keine Worte.

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Als wir abends zurück nach Hamilton kommen – endlich angemessen Lammparty. Spareribs vom Lamm mit ziemlich Ingwerlastigem Gemüse dazu. Lecker.

Und es gab noch mehr zu erleben:

Waitomo – Ruakuri Cave und Glowworm Grotto, Mongolian BBQ @ Genghis Khan
Hamilton – a day off.


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  1. habe ich Nachts um halb vier recherchiert, ein Gutes soll Jetlag doch auch haben []
  2. Insider mögen darüber vielleicht anderes wissen, für mich erscheint das Land ethnologisch ziemlich wenig gespalten []
  3. direkt vor den Toren von Rotorua, vollständig:  Te Whakarewarewatanga O Te Ope Taua A Wahiao, was grob Versammlungsplatz vor der Schlacht bedeutet, Heerschau in unseren Breiten genannt []
  4. Leptospermum scoparium, die Südseemyrthe, die den wunderbaren neuseeländischen Honig liefern []

Sonntag, 27. September 2015
nach Ulrich Haage
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Lost in transit – nearly

Nach der entspannten Zeit in Bangkok war das Ende eher hurtig.
Eine letzte intensive Fußmassage, eine letzte Suppe aus der Garküche, oh ja, die Suppe bedarf einer Erläuterung.
In der wüsten Partyzone Sukhumvit 18, die bei Tageslicht ziemlich abgeschminkt und traurig aussieht.
Die Garküchen sind hier auch bei Tage online. Also eine Suppe. Beim dritten Tuk Tuk passt es. Das Gemüse sieht gut aus. Ich frage nach dem Fleisch. Das meiste ist noch roh. Magen vom Schwein – ach nö, Hühnchenfitzelchen – hm, riskant, Hackfleischbällchen – Alarm rot! Nee, lass mal.
Ich zeige auf die gegrillten Rindfleischstücke, die sehen gut aus.

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Kurz darauf habe ich mein Schüsselchen. Da schwimmen aber nicht meine Rindfleischstücke, sondern alle seine Kollegen auch. Dazu kommen große Batzen Leber, die Farbe sagt: nicht gegart. Ich schau den Garkocher fragend an. Er nickt eifrig, ich soll probieren. Ah, es wird noch nachgegart. Erst die Schärfe testen. Vorsicht nehme ich einen Löffel. Mild ist zwar anders, ein bisschen von dieser leckeren Chili Essig Mischung geht noch, desinfiziert ja auch. Er nickt zufrieden. Macht aber keine Anstalten noch was zu garen.
Ich frage nach der Leber. Er zeigt mit dem Finger auf seinen Arm und ich vermute, es ist ein Fleischklops, ein Teigklößchen mit Blut. Ehrlich, ganz wohl ist mir dabei nicht. Kostet mich einige Überwindung. Der Gedanke die sieben Stunden Flug auf der Toilette zu verbringen macht mich etwas nervös. Wer nicht wagt… Und dann ist das alles überraschend lecker und sehr geil.

Jetzt langsam zum Flughafen. Rushhour auf der Straße. Und in der sonst so leeren Metro auch. Lange Schlangen an den Ticketmaschinen. So fahren mehrere Züge zum Flughafen ohne mich. Meine Zeitreserve schmilzt. Zum Glück bin ich schon eingecheckt. Trotzdem, auf dem Flughafen angekommen ist der Quantas Schalter schon geschlossen. Ich habe Glück, erwische noch eine Mitarbeiterin. Too late sagt sie und greift zugleich zum Funk. Dann geht es schnell. Sie drückt mir eine Prime Lane card in die Hand, lächelt und sagt: Run!
I do.
Passkontrolle zwischen lauter Diplomaten und sonstig wichtigen Menschen – läuft.
Sicherheitskontrolle: zieht mir mein Taschenmesser (autsch!) und die Wasserflaschen aus dem Rucksack der eben zum Handgepäck wurde. Dabei lächelt er ebenso entschuldigend wie gequält.
Keine Minute dauert das ganze. Wow.
Weiter rennen zum Gate. Nochmal Sicherheitscheck. Mein kleiner Airbus steht da.
Drinnen ist alles australisch easy. Eine gänzlich unfliegerische Begrüßung „Hey Man! Good to have you abord“. Australier sind wohl primär australisch und dann erst Flieger. Dann starten wir nach Sydney und ich komme wieder runter.
Froh zu wissen, das alles gut war.
Die ganze Zeit.


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Samstag, 26. September 2015
nach Ulrich Haage
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Loving and leaving – Bangkok

Was ist an Bangkok, dass halb Deutschland dort Urlaub macht?
Keine Ahnung, was andere hier finden. Als ich heute früh auf den ‚Wiehatesdirbeiunsgefallen‘ Bogen geschaut habe, las ich „Did we make you feel valuable and welcome?“ Ja, genau dass ist es. Das Land, die Menschen tun genau das.

Und wenn hier beim Frühstück Pachelbels Kanon aus Erfurt auf dem Klavier gespielt wird, oder die Menschen lächeln, wann immer sie einander begegnen, nicht nur weil sie Touristen sind und Geld mitbringen, dann fühle ich mich genau so.
Schlicht glücklich.

Hier zu sein – so weit weg, dass ist noch immer schwer zu begreifen. So gesehen ist das indianische Bild, die Seele muss nach einer langen Reise erst ankommen, für mich gerade sehr real. Ich habe den Verdacht, die Reise hierher war nicht lang genug zum wirklich ankommen.

In diesem Sinne – bis zum nächsten Mal.

Gleich geht es weiter nach Australien.
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Freitag, 25. September 2015
nach Ulrich Haage
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One Night in Bangkok – Streifzug im Dunkel

Bangkok ist anders. In vielerlei Hinsicht.

Nicht nur verschiedene Kulturen, die hier leben, mit verschiedensten Interessen hier sind. Arm und Reich dicht beieinander. Ordnung und Chaos. Wolkenkratzer und Blechhütten, goldene Tempel neben der Mülldeponie. Hell und Dunkel.

Gestern Nacht war ich unterwegs zum Seafoodmarket. Zuerst streift mich ein Kabel am Kopf.
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Ich finde die Kabelei hier überhaupt bemerkenswert, kreuz und quer hängen sie in der Gegend umher, oft am Mast aufgewickelt – und in diesem Fall hing ein Exemplar auf etwa 1,70 Meter Höhe. Nachts und schwarz = unsichtbar. Was bin ich froh, dass die Leitungen immerhin isoliert sind.  Das Kabel hat die Nacht übrigens nicht überstanden. Heute früh fand ich die beiden Enden in der Grundstücksmauer verwahrt.
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Ich komme auf die Soi 22 – eine der vielen Nebenstraßen der Sukhumvit Road, es wird belebter, vor den Häusern sitzen Mädchengruppen – immer in einheitlichen T-Shirts und rufen mir Massage!, Massage! zu. Zu nah – dann wird auch schon mal mein Arm gepackt. Welche Massage so dringend an den Mann gebracht werden muß – da bin ich mir nicht so sicher.1

Bangkok riecht. Mal mehr, mal erträglich. Vielleicht ein Grund, weswegen manche Menschen Staubschutzmasken tragen. Abgase – damit komme ich zurecht. Wenn nicht klimatisiert – ist es grundsätzlich warm und feucht – gut, nicht unbedingt meins. Öffentliche Gebäude und die Bahnen sind klimatisiert. Und sauber ist es dort – anders als ich im Vorfeld las: in die Metro trauen sich nur Einheimische – ich hab davon nichts bemerkt – wenigstens nicht auf den Strecken die ich benutzt habe. Es gibt sogar eine Sicherheitskontrolle. Mist – und ich habe mein Leatherman mit. Und zwar nicht etwa in der Tasche sondern hübsch offensichtlich am Gürtel. Dennoch werde ich freundlich durchgewunken. Bestimmt weil ich auch bestimmt und freundlich geguckt habe. Auch auf dem Rückweg vom Markt: „Ja, bitte, einmal ins Tütchen schauen und dann weitergehen“. Wie bei allen anderen zuvor auch. Metro fahren find ich gut.
Zurück zu unsauber oder nicht – der Müll. Nicki war ganz verwundert: ‚Thailand ist so sauber im Vergleich zu Indien‘. Ich habe jetzt herausgefunden warum… Aufräumen á la Teenie: der Müll verschwindet hinter der Tür. Nur manchmal quillt er wieder heraus. 🙂
Und manchmal gibt es Ecken, da dreht sich auch mir langsam der Magen rum – und ich halte mich nicht für zimperlich.

Weiter geht es durch unbeleuchtete Straßen. Die kleinen Wolkenkratzer sind teilweise zappenduster. Das macht ein ziemlich gespenstisches Bild. Laufen auf der Straße trainiert Selbstbewusstsein. Der Verkehr ist reichlich. Neben Autos und schweren LKW (die beginnen offensichtlich erst nachts zu bauen) sind da die Tuk Tuk und unzählige Mopeds die sich überall durchdrängeln. Da kann es fix sehr eng zugehen. Meist hat es zwar einen Gehweg. image

Auf dem brauchen aber die Garküchen, Massagemädels, Bäume, Wasseranschlüsse, Telefonzellen, Auslagen oder Taxifahrerregenunterstände ihren Platz – und natürlich schlängeln sich noch scharenweise Fußgänger dort entlang. Und noch ein Detail fällt mir auf. Die Höhe der Bordsteine ist so bemessen, dass selbst ein SUV dort zum Parken nicht hinauf kommt2, dafür muß man als Fußgänger eben große Schritte machen.

Nachdem ich gestern kurz nach Elf die etwas unwirtlichen Fischhallen verlassen hatte machte ich mich auf den Heimweg – nicht direkt – es gibt bestimmt noch etwas zu entdecken.
‚Für meine Massage ist es heute zu spät‘.
Hab ich gedacht.
Nein!
Die arbeiten tatsächlich auch um Mitternacht noch – unglaublich!
Egal. Mit vollem Magen ist eine Thai Massage keine gute Idee.

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Immer wieder begegnen mir Nachtarbeiter auf Pickups die die Straße, Gehwege aufhacken, zubetonieren oder eben ein bisschen am Wolkenkratzer werkeln. Frauen und Männer gleichermaßen. Und ich mutmaße, es gibt ein Tagbauverbot. Hm. Oder der Lärm ist tags auf der Straße so laut, dass die Baustelle darin untergeht. Auch möglich.

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Und noch mehr begegnet mir: sehr attraktive und gut gekleidete Frauen, korrigiere: Mädchen, manchmal ausreichend alkoholisiert, im Schlepptau von fröhlichen Herrn anderer Nationalität.
Darüber mache ich mir meine Gedanken.
Auch Nachtarbeiter.

However.
Ich setze mich noch mit etwas neonfarbigen Bergtau an den Pool und genieße die warme Nacht.
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  1. Ich habe mir das Golden Lotus ausgeguckt, meine Waden und mein Rücken haben bei der Thai Massage ordentlich geschmerzt, weitergehende Dienstleistungen werden zumindest dort offensichtlich nicht angeboten []
  2. wenn es nicht gerade ein Unimog ist []

Freitag, 25. September 2015
nach Ulrich Haage
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Brunch in Bangkok

Das ist auch Urlaub. So lange gebloggt, jetzt hab ich das Frühstück im Hotel verpasst. Kurze Recherche, wo kann man hier frühstücken.
Schick – gleich um die Ecke ist das Gastro, das ein wenig britisch imperial klingt. Frühstücksgarten beschreibt das gut. Ich sitze im Grünen.

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Wunderbar.
Und wie häufig hier, wächst ganz nach Odysseus Idee ein Baum durchs Haus.
Ich entdecke langsam, wie gut Einfachheit ist. Und ich genieße es. So wie mein Frühstück. Der Kaffee liebevoll zubereitet mit Herzchen und lächeln. Einfach schön.

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Donnerstag, 24. September 2015
nach Ulrich Haage
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Fischwahn – seafood für Erwachsene im Seafood Market in Bangkok

Ich bin unterwegs. Eigentlich Urlaub – und doch ist es immer ein bisschen dienstlich.

Und deswegen auch ein bisschen Reisebericht. Und außerdem: – angepiekt hat mich die liebe Nicki die just aus Indien bloggt.

Vorgestern in Frankfurt gestartet, dann Stop in Dubai und heute Bangkok.
Stopover auf dem Weg nach Neuseeland.

Mein hübsches Hotel liegt direkt hinter der manchmal etwas verruchten SUKHUMVIT Road. Ganz in der Nähe ist der seafood market von Bangkok. Ein Restaurant, das direkt an den lokalen Fischmarkt gekoppelt ist und Vielfalt und Frische verspricht. Es klingt verlockend, Seafood von der heimischen Quelle mutmaße ich, aber es ist anders, ganz anders. Ein sehr erklärungsbedürftiges Erlebnis.

Ich laufe durch die Nacht, kurz vor zehn – nur zwei Straßen weiter – und doch dauert es fast 40 Minuten. Offenbar werden die Straßen hier gern mal verkauft. Mehrfach enden Durchgangsstraßen an einem großen Tor mit Wachmann davor und mondänem Haus dahinter.

Ich finde mein Ziel dennoch, es leuchtet ausreichend laut über die Straße: ‚If it swims – we have it‘ ist der Claim. Das ist ja mal ein Versprechen!

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Gleich am Eingang des Seafood Market begrüßt mich ein freundlicher älterer Herr in schwarzblau und führt mich durch den riesigen Saal zu meinem Tisch.1
Am Tisch werde ich sofort von einem anderen Herrn übernommen und an die Eistheke mit dem Fisch geschickt. Unterwegs trifft dieser einen weiteren Herrn in dunkelblau, mit einem Einkaufswagen – wohl für mich. Ich werde nicht ganz schlau was er von mir will und gehe einfach mal den Fisch angucken.

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Nicht so einfach, der Fisch ist weg. Ich pule etwas im Eisberg und ziehe an einem Langustenbein. Hinter mir macht eine hübsche junge Dame in heller blau auf sich aufmerksam. Sie hätte meinen Einkaufswagen, bedeutet sie mir und ein Bündel Plastiktüten. Ich stopfe die Languste wieder zurück ins Eis, ahnend, dieser Abend wird kostspielig. wpid-img_20150924_220932.jpgIch lade mit einer Bratwurstzange in die Tütchen was mir ausreichend lecker oder unbekannt erscheint. Manches kenne ich, das meiste aber nur aus leckeren Büchern. Klar: aus heimischen Gewässern kommt davon kaum etwas. Flyfood wäre wohl angemessener.

Beim Gemüse wird es eng. Habe ich mich doch in meiner Gärtnerausbildung speziell auf ganz besonders exotische Gemüse konzentriert, Morning Glory muß ich erstmal nachschlagen (Bo-ke, zu deutsch Wasserspinat), bei Sayotae bleibt selbst Google stumm. Ich schaue meine nette Einkaufsbegleiterin Kraut scheint wohl nur hier bekannt und könnte ein Farn sein. Ein ganzes Bund wäre auch zu viel geworden. Ich entscheide, die Wagenladung reicht erstmal. Schnurstracks zur Kasse. Auf dem Weg muss noch ein Stück Seegurke mit.
Freundlich wird mir nun der Preis offeriert.
Ich bekomme einen Atemaussetzer. Dafür bekommt man in Deutschland einen guten schlechtsitzenden Anzug. Das wird dann wohl mein bislang teuerstes Essen. ‚Hinein in den Genuss!‘ sage ich mir zücke die Kreditkarte wohl wissend: ab morgen gibt’s nur noch Garküche.
Meine junge Begleiterin übergibt mich nun in die Obhut einer hellblaueren etwas reiferen Kollegin die mich und meinen Einkauf zum Tisch bringt. Dort erwartet mich eine weitere gleich hellblaue Dame um mir meine Tüten unter die Nase zu halten und „boil, boil, boil“ zu murmeln.
Ah! Ich verstehe: wir gehen gerade die gewünschte Art der Zubereitung durch.
Cool. Nein, nix boilboil. Ich hätte auch gerne auch barbecued und so. Sie nickt eifrig und rollt mit meinen sündhaft teuren Einkäufen von dannen.

IMG_0316Ich gucke rum. Für so groß ganz schön leer der Laden. Und ein merkwürdiges Feeling. Irgendwie retro, aber nicht gewollt und hip, sondern ganz echt. Ein bisschen wie Sozialismus. Und dann hab ich das Bild: wie ein ‚Gastmahl des Meeres‘ aus den 70er DDR Jahren, nur eben asiatisch. Verordnete Freundlichkeit, gar nicht schlecht – nur irgendwie bemüht das ganze. Ach ja – die Idee stammt ja von einem Chinesen – passt – ein volksdemokratischer Riesenfischladen. Ein bisschen schräg das ganze, aber irgendwie auch witzig. Dicke Plastikfische fliegen an der Decke, IMG_0317in der Mitte ein falscher Orangenbaum an dem neben Plastikorangen auch chinesische Überwachungskameras wachsen. Eine riesige Neon-Installation an unendlich vielen Fäden verläuft von ‚Long live the King‘ zur Fischtheke. Ich sitze immer noch auf meinem Drahtstuhl, vor mir ein Chili Näpfchen und – ah – wir sind noch nicht am Ende: dort steht die Service-Liste. wpid-img_20150924_232516.jpgDie Ordnung der Kochgebühren. Ob ich wohl auch selbst bei Tisch kochen darf? Jede Zubereitung kostet noch einmal extra. Übrigens auch das bringen einer Flasche Wein. Ratsching!

Ich begucke mir derweil noch einmal das Personal, das in hellen Scharen unterwegs ist. Und ich entdecke ein System dahinter:

Küchenkasten
Weiß, jung und weiblich: die hübschen Mädels zum Empfang
Dunkelblau – die Zumwagenbitter | wenn dunkelblau und weiblich, dann hinter der Kasse sitzend
Hellblau – die Einkaufshelferinnen | älter: Einkaufindieküchebringerinnen
Weinrot – vermutlich die Getränkeservierer, die haben mich zwar freundlich gegrüßt und mir begeistert mitgeteilt, das es mir sicher sehr gut schmeckt, mich aber sonst ignoriert, ach ja, und Abkassierer
Hellrot mit Weste – die Tischabräumer
Weiß mit Hut – die Fischköche
Grau – Reinigung
Hawaiihemd in hellblau –  die Fischausdemeisräumer

Juchu! Mein Essen kommt!wpid-img_20150924_222439.jpg

Hm. Salatblätter und drei Shrimps. Übersichtlich. Da sich nichts weiter tut fange ich einfach mal an zu pulen. Ah, in Wasser gekochte Shrimps. Sonst nix. Schmeckt etwas flach. Aber ich hab ja den Chili Napf. Hossa! Jetzt ist es gleich wieder ganz viel Geschmack. Ein bisschen sehr. Die hellblaue Dame kommt und stellt mir einen Teller Gemüse in grauer Soße hin. Hinter ihrem freundlichen Lächeln spüre ich einen Hauch Missbilligung und leichten Vorwurf. Vielleicht hätte ich noch warten sollen. Vielleicht beginnt man hierzulande nicht mit Shrimps. Oh je. Dann probiere ich das Gemüse. Das hat Geschmack. Knoblauch, Ingwer und diese speziellen winzigen roten Zwiebeln… Passt gut zu Erbsenschoten und den feinen Schlauchpilzen. Ach ja, hier ist ja auch meine Seegurke. Schmeckt ganz deutlich nach gar nix.
Jetzt treffen auch die Krabbenbeine ein – sogar mit Tomaten – hübsch. Ich hätte mich über noch etwas Rotkrautsalat nicht gewundert. Gut, dann sind ja jetzt alle da. wpid-img_20150924_222721.jpgDie Krabben aus Florida sind wieder pur, da hilft eine vorsichtige Chili Dosis. Die Beine aus Alaska schwimmen in der schon bekannten grauen Soße, schmecken also nach Ingwer und Knobi. Kann – geht aber auch besser. Die Schalen sind schon vorgebrochen – mit Gabel und Löffel wird es auch eng bei der Fleischförderung. Meine Finger sind schnell so eiweißig, das ich nicht mehr schreiben kann, weil das Display verklebt ist. Das Problem lässt sich leicht lösen, neben mir ist ein Tellerchen mit einer feuchten Kompresse.
wpid-img_20150924_222726.jpgJe länger ist esse, desto trauriger wird mir.

Am Ende bin ich der festen Überzeugung: ich hätte das ganze Zeug besser in eine Garküche vor der Tür geschleppt, dann wäre das ein echtes Fest geworden. Dann hätte der schön gegrillte Tintenfisch auch keine Gummikonsistenz gehabt.

Vor mir eine Gruppe Japaner die aufgeregt ein Gruppenselfie an Orangenbaum machen. Am Nachbartisch wird von meinem dem schwarzblauen Herrn gerade jemand in tiefster Demutshaltung verabschiedet, jemand der ein bisschen so aussieht wie Muhammed Ali und einige unauffällige dunkle Herren mit sich hat. Why not. Beim Schneider um die Ecke ist ein Foto von ihm – dem Schneider und Steven Seagal nebst Autogramm. Kann ja passieren.

wpid-img_20150924_220921.jpgIch beende mein Essen freudlos, denke an die gefesselten Krabben in der Auslage mit Aussicht  und verschwinde, nachdem ich auch die Cooking Charge beglichen habe sehr abrupt, nachdem um mich herum alle Stühle auf den Tischen stehen und ich zum ersten Mal ehrliche Freude in der Verbeugung und dem Wunsch, ich möge eine gute Nacht haben verspüre.

Ich habe gelernt heute und übe mich ein wenig in Frustbearbeitung.

And I will not call again!

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Eins fällt mir am Ende noch auf: diese Krabbenschere hat ein Gesicht mit Auge. Die braunen Puschel sind den Glochidenpolstern von Opuntia verdammt ähnlich. Aber im Unterschied zu denen bleiben sie locker und weich.

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  1. später wird sich herausstellen, das ist der Generalmanager gewesen, wohl ein Zufall []

Donnerstag, 24. September 2015
nach Ulrich Haage
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Die Flora Thailands – Plant market

Seit gestern bin ich in Bangkok – glaube ich. Zeit scheint im Moment sehr relativ zu werden. Bin müde, zu sehr, um auf große Entdeckungen auszusein. Aber dann finde ich ein ‚must see‘ für mich.

‚Hier finden Sie alle Pflanzen aus Thailand!‘

Gut, ein Markt muss auch marktschreierisch beworben werden. Und wenn das tatssächlich DER thailändische Umschlagplatz für Pflanzen ist, dann muß ich das in jedem Fall sehen.

Entgegen der Empfehlung mache ich mich auf die Suche nach der Metro. Dreckig, stickig und gefährlich soll es dort sein. ‚Außer den Einheimischen traut sich niemand in den Untergrund.‘
Ich finde das Gegenteil. Angenehm klimatisiert, Sicherheitskontrolle im Eingang, alles sauber wie geleckt, die Ticketmaschienen und Ansagen sprechen optional auch Englisch. Ich fühle mich pudelwohl. Am Chatuchak Park steige ich aus und werde in die dampfende Wärme entlassen.

Flanieren im Park. Englisch geschnittener Rasen – die Mischung ist allerdings die tropisch breitblättrige mit Rhizomen, die ich schon aus Guatemala kenne. Dort wird händisch mich der Machete ‚gemäht‘. Palmen gibt es hier en Masse, ein Paar in einem Schwarm Tauben, sauber ist es, Dienstfahrrad, Palmwedel, eine Schildkröte erschreckt mich aus dem Beet guckend, eine ca. 20 Meter lange Schlange liegt auf der Wiese aufgerollt, ist das ein Mungo? Relaxing ist das alles hier. Entspannt genug, mich jetzt in den Trubel des Marktes zu stürzen, den ich durch den hohen Zaun schon entdeckt habe.

Offensichtlich ist das ein Drive thru Market. Polizisten regeln den Verkehr. Langsam fahren Pickups und Busse durch die Straße, die Insassen deuten mit der Hand auf eine Pflanze die dann aufgeladen wird. Pflanzen gibt es in allen Größen. Ausgewachsene Bäume werden mittels dreibeinigen Lifts aufgeladen, meist zum Ende des Markets, wenn es etwas ruhiger geworden ist. Zu Beginn finde ich wenig spannendes für mich. Heckenpflanzen, mittlere und große Palmen, die komplette Ingwerfamilie1.

Ha! Eine Dischidia. Einige winzige Hoya, ausgewachsene Hoya kerrii. Und Tillandsien. Und dann entdecke ich tatsächlich auch Kakteen. Winzlinge – die üblichen Verdächtigen. Aber dann kommen die Raritäten an den Start.
Also zumindest Pflanzen, die ich hier nicht erwartet hätte.
Eine ganze Schale Turbinicarpus alonsoi. Dicke, dicht bedornte Echinomastus johnsonii, Pseudolithos, Dioscorea und Caudexpflanzen die ich nicht immer identifizieren kann. Doch ganz spannend.
Weiter gehts mit Aloe, ein paar Epiphyllum – hach! Plumeria, Euphorbia, Adenium – das ist schön. Export? Nein! Geht nicht. Soso.
Alles nur zum gucken, Mund wässrig machen. Mitnehmen kann ich keine Pflanzen. Nicht nach Australien, nicht nach Neuseeland und schon gar nicht nach Deutschland. Zumindest nicht jetzt und so einfach.

Und dann kommt der Nachmittagsregen. Hätte ich doch wissen sollen. Es beginnt zu schütten. Ein hoch auf mein wasserdichtes Handy. Die Kamera hat umgehend den Geist aufgegeben.

Zwischen den heftigen Schauern springe ich von Pfütze zu Pfütze und weiche langsam durch. Halb so wild – Gärtner sind auch wasserdicht – und es ist warm. Dann entdecke ich – der innere Markt – die Marktstände unter dem Dach, machen zwar meist Inventur, angucken kann man dennoch. Und es gibt viel zu entdecken. Porzellan, Seife, Plastikdosen, Schwämme, Löffelschnitzer, Stoffe und Klimbim aller Couleur. Nur die Gewürzstände haben alle geschlossen. Ist auch besser so, sonst wäre mein Rucksack schnell voll.

Dann wieder draußen: besonders beeindruckend ein Bücherstand, der fast komplett zugewachsen ist.

Sehr schön so ein Markt, viel grün, viele Farben und es ist einiges an Vielfalt zu entdecken und Bilder zum mitnehmen.


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  1. ich frage mich, warum das hier überhaupt verkauft wird, die wuchern doch von allein wie verrückt []

Dienstag, 7. Juli 2015
nach Ulrich Haage
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Guerilla Werbung für den Cactus von Citroën vor der Züricher Sukki

Ich verfolge den Citroën C4 Cactus schon seit seiner Prototypphase. Unsere erste Begegnung in real life auf der Autobahn hat mich zwar enttäuscht.
Dennoch – ich liebe die Idee dahinter. Und natürlich freue ich mich über die immer wieder pfiffigen Aktionen die dafür vom Zaun gebrochen werden.

Heute putzig:

Eine Sonnenblende mit Aha-Effekt die auf dem großen Parkplatz am Mythenquai direkt vor der Städtischen Sukkulentensammlung verteilt wurden. 

Ob die ‚Sukki‘ nun bewusst als Kulisse herhalten musste, oder die Citroën-Agenten tatsächlich nur das Strandbad im Auge hatten, dass bleibt offen.

Hier die Meldung:

Nur für den Fall, dass diese Nachricht auch da verschwinden sollte – hier ein Backup:

 

Heisse Guerilla-Aktion für den C4

Franz & René hat im Rahmen einer Guerilla-Aktion die Autos anderer Marken zu Werbeträgern für den Citroën C4 Cactus gemacht.

Die C4-Cactus-Sonnenblende wird an heissen Tagen im Juni in acht grossen Schweizer Städten an Automobilisten verteilt, die rund um die grossen Schwimm- und Strandbäder ihr Auto parkieren. Ein Geschenk mit Überraschungseffekt, da es dank einer Spezialtinte, die bei 45°C verschwindet, sein Erscheinungsbild ändert.

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Sobald die Tinte verschwunden ist, taucht folgende Botschaft auf: «My next car? A Citroën C4 Cactus.» Zurück bei seinem Auto wird dem Lenker bewusst, dass sein Fahrzeug zum Werbeträger einer anderen Automarke geworden ist. Die deutschen, spanischen, japanischen oder amerikanischen Automarken werden also ohne ihr Wissen zu Botschaftern für Citroën. Weiterhin verspielt, lanciert die Marke mit den Doppelwinkeln einen Wettbewerb mit vielen Preisen für die heissen Sommertage.

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Samstag, 4. Juli 2015
nach Ulrich Haage
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Die Mär von der Spinne in der Yuccapalme

Eine gerne weitererzählte Stammtischstory mit Gruselfaktor:

Ein junges Paar bringt aus dem Urlaub eine hübsche kleine Yuccapalme mit.
Nett drapiert im Schlafzimmer macht das Erinnerungsstück eine richtig gute Figur.

Merkwürdig ist nur: manchmal macht die Pflanze merkwürdige Geräusche – vor allem beim gießen. Etwas verwunderlich – aber vielleicht ist das ja typisch für solch exotische Palmen.

Eines Nachts schreckt die junge Frau im Bett auf und sieht sich direkt einer riesigen, schwarzen Spinne gegenüber. Völlig paralysiert, weder in der Lage sich zu bewegen, noch zu schreien beobachtet sie mit Grausen das haarige Untier auf ihrer Bettdecke. Nach einer quälenden Ewigkeit erwacht ihr Mann endlich, schlägt die Decke zurück und beide flüchten schreiend aus dem Raum.

Die herbeigerufene Feuerwehr versorgt die völlig schockierte junge Frau und findet die Spinne die sich inzwischen wieder in Ihre Palme zurückgezogen hat. Außerdem entdecken sie dort ein Nest das von jungen Spinnen wimmelt. Nach eingehender Untersuchung stellt sich heraus: die Spinne ist höchst giftig und ihr Biß hätte leicht tödlich enden können.

Und weil es so schön ist, gleich noch eine ähnlich wilde Story:

Eine Frau hat sich einen großen Kaktus gekauft und brachte diesen voller Freude nach Hause.

Kurz darauf beobachtet sie etwas komisches: der Kaktus scheint sich zu bewegen.

Irritiert ruft sie den Verkäufer an und erklärt: „Ich weiß, dass es verrückt klingt, aber ich glaube, mein Kaktus atmet.“

Der Verkäufer rät der Frau sofort das Haus zu verlassen. Währenddessen alarmiert er die Sprengstoffexperten.

Das Bombenentschärfskommando trifft wenig später bei dem Haus ein um den Kaktus abzuholen.

Just in dem Moment als der Kaktus in den LKW geladen wird, beginnt dieser sich zu bewegen und explodiert. Aus dem Kaktus kommen unzählige kleine, hochgiftige Skorpione gekrochen.

Diese beiden Geschichten sind meist aus zweiter Hand erlebt (‚der Nichte meiner Freundin und ihrem Freund… ist das vor einigen Tagen passiert‘) und halten sich als vermeintlich wahre Erlebnisse hartnäckig im Umlauf (Bombenentschärfungskommando!!).
Modern Tales.
Urban legends.

Der Gruselfaktor kommt daher: es erscheint ja völlig unwahrscheinlich, aber man kann ja nie wissen, ob nicht vielleicht doch …

Sie werden ihre Pflanzen mit völlig neuen Augen sehen – wenigstens für einige Tage. Bis sie feststellen: weder Skorpion, noch Spinne drin.

 

– eine Geschichte zu den ‚Yuccapalmen‘ in der Hallenschau auf der Landesgartenschau 2015 in Schmalkalden –


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Sonntag, 12. April 2015
nach Ulrich Haage
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Die Hancock-Story – zu Echinocereus hancockii

Ein Kapitän. Aha.

Wie kommt ein Kapitän dazu, dass ein Kaktus nach ihm benannt wird? Echinocereus maritimus ssp. hancockii – der ist Teil der Titelstory des Kakteen-Haage Katalog 2015.

In Berlin treffe ich Michael Lange.

Ich denke gerade über Echinocereus maritimus nach – und er ist ja einer DER Echinocereus-Männer dieser Zeit ist – also frage ich ihn.
„Was macht E. maritimus besonders?“ Und natürlich kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Nicht die gelbe Blüte – die gibt es auch anderswo.
„Der blüht einfach immer. – Klar, für gewöhnlich blüht er im Herbst. Aber ich habe ihn erwischt, als er im Mai in voller Blüte stand.“
Und die Augen leuchteten vor Begeisterung – so wie Kakteenfreunde strahlen können wenn es um Blüten geht.
„Die standen in voller Blüte und gleichzeitig waren die Früchte reif. Die blühen wenn sie ein bisschen Wasser bekommen.

Aber hier geht es ja um die freundliche Verwandtschaft – und den Namensgeber. Den gar nicht so unbedeutenden Mister Allan Hancock.

Er stammt aus einer amerikanisch / ungarisch-stämmigen Familie die neben dem ersten Weinbau in Californien und goldschürfen eine nette Farm ‚La Brea‘ betreiben. Wer sich dort nicht so genau auskennt – ein Teil des Grundstücks ist heute als Hollywood bekannt. Aber das kommt später. Zuerst bohrt der damals noch Farmer Hancock nach Öl – 71 mal – und ist erfolgreich – wenig später auch reich. Sehr reich.

Und er wird Philanthop – ein Menschenfreund.

Daneben gibt er sich diversen Hobbies hin. Im speziellen faszinieren ihn Transportmittel aller Art:

  • er ist der zweite Autobesitzer in Los Angeles, Mitbegründer, später Präsident des regionalen Automobilclubs
  • entwickelt und fährt lange selbst Lokomotiven und baut eine eigene Bahnstrecke auf
  • erwirbt die Master Mariner’s License und heißt seither ‚Captain Hancock‘. Als solcher erwirbt er vier Schiffe (Velero I-IV)
  • nachdem Lindbergh den Atlantik überquerte, steigt Hancock auch in die Luftfahrt ein, finanziert Flugzeuge für eine erste Weltumrundung, baut einen Flughafen und gründet eine Pilotenschule.

was noch?

  • neben diversen sozialen Projekte gründet der die Union Bank of California
  • spielt Chello
  • baut Theater, eine Eis Fabrik
  • betreibt eine große Hühnerfarm

Was offen bleibt: wie war das nun mit den Kakteen?

Hancocks Schiffe sind auf Forschungsexpeditionen unterwegs – entlang der mittel- und südamerikanischen Küste. Dort beginnen nicht nur die ersten Unterwasser- und Tiefenerkundungen, auch in den Küstengebieten wird geforscht, neue Entdeckungen beschrieben und nach Hause gebracht. Darunter auch Echinocereus maritimus ssp. hancockii – den Nigel Taylor als die ‚fette Ausgabe des E. maritimus‘ identifiziert….    alles ganz einfach, oder?

 

Ach ja, nicht zu vergessen: 1996 schreibt Vincent Ngo ein Drehbuch auf den Namen Hancock. Der Superheld mit unbegrenzter Kraft und Unverwundbarkeit kommt mit Will Smith und Charlize Theron ins Kino.


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Donnerstag, 2. April 2015
nach Ulrich Haage
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Ungewaschen!

Der Bims ist es.

Ungewaschen.

Vor einem halben Jahr haben wir entschieden, das waschen aufzugeben. Der Grund ist einfach: da bleibt mehr gutes für die Pflanze. Denn die – insbesondere die Wurzeln mögen den Feinanteil. Und der wanderte beim waschen halt für gewöhnlich in den Gully. – Bislang.

Ab sofort sieht unser Bims zwar für den nicht eingeweihten eher wie Erde aus – braun, statt strahlend weiß – aber dafür mögen die Pflanzen ihn. Schließlich ist das kein Abdeckmaterial, sondern ein Kultursubstrat. Und dafür ist er hervorragend geeignet.

Also nicht wundern wenn der Bims 2015 eine andere Anmutung hat als Bims 2014 und zuvor…

 

… Nachtrag Juni 2015

Ab sofort gibt es nicht nur Bims en nature – ungewaschen, wir haben nun Bims in beiden Varianten – für alle die, die lieber beim alten bleiben gibt es wieder Waschbims – und wir haben neu dazu eine wunderbare leichte, rote Lava entdeckt – fast wie Bims, aber dafür kräftig rot.


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