Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Lost in transit – nearly

| Keine Kommentare

Nach der entspannten Zeit in Bangkok war das Ende eher hurtig.
Eine letzte intensive Fußmassage, eine letzte Suppe aus der Garküche, oh ja, die Suppe bedarf einer Erläuterung.
In der wüsten Partyzone Sukhumvit 18, die bei Tageslicht ziemlich abgeschminkt und traurig aussieht.
Die Garküchen sind hier auch bei Tage online. Also eine Suppe. Beim dritten Tuk Tuk passt es. Das Gemüse sieht gut aus. Ich frage nach dem Fleisch. Das meiste ist noch roh. Magen vom Schwein – ach nö, Hühnchenfitzelchen – hm, riskant, Hackfleischbällchen – Alarm rot! Nee, lass mal.
Ich zeige auf die gegrillten Rindfleischstücke, die sehen gut aus.

image

Kurz darauf habe ich mein Schüsselchen. Da schwimmen aber nicht meine Rindfleischstücke, sondern alle seine Kollegen auch. Dazu kommen große Batzen Leber, die Farbe sagt: nicht gegart. Ich schau den Garkocher fragend an. Er nickt eifrig, ich soll probieren. Ah, es wird noch nachgegart. Erst die Schärfe testen. Vorsicht nehme ich einen Löffel. Mild ist zwar anders, ein bisschen von dieser leckeren Chili Essig Mischung geht noch, desinfiziert ja auch. Er nickt zufrieden. Macht aber keine Anstalten noch was zu garen.
Ich frage nach der Leber. Er zeigt mit dem Finger auf seinen Arm und ich vermute, es ist ein Fleischklops, ein Teigklößchen mit Blut. Ehrlich, ganz wohl ist mir dabei nicht. Kostet mich einige Überwindung. Der Gedanke die sieben Stunden Flug auf der Toilette zu verbringen macht mich etwas nervös. Wer nicht wagt… Und dann ist das alles überraschend lecker und sehr geil.

Jetzt langsam zum Flughafen. Rushhour auf der Straße. Und in der sonst so leeren Metro auch. Lange Schlangen an den Ticketmaschinen. So fahren mehrere Züge zum Flughafen ohne mich. Meine Zeitreserve schmilzt. Zum Glück bin ich schon eingecheckt. Trotzdem, auf dem Flughafen angekommen ist der Quantas Schalter schon geschlossen. Ich habe Glück, erwische noch eine Mitarbeiterin. Too late sagt sie und greift zugleich zum Funk. Dann geht es schnell. Sie drückt mir eine Prime Lane card in die Hand, lächelt und sagt: Run!
I do.
Passkontrolle zwischen lauter Diplomaten und sonstig wichtigen Menschen – läuft.
Sicherheitskontrolle: zieht mir mein Taschenmesser (autsch!) und die Wasserflaschen aus dem Rucksack der eben zum Handgepäck wurde. Dabei lächelt er ebenso entschuldigend wie gequält.
Keine Minute dauert das ganze. Wow.
Weiter rennen zum Gate. Nochmal Sicherheitscheck. Mein kleiner Airbus steht da.
Drinnen ist alles australisch easy. Eine gänzlich unfliegerische Begrüßung „Hey Man! Good to have you abord“. Australier sind wohl primär australisch und dann erst Flieger. Dann starten wir nach Sydney und ich komme wieder runter.
Froh zu wissen, das alles gut war.
Die ganze Zeit.

Share

Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion…
seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


 

  • Facebook