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Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Fünf Tipps bei Befall mit Wollläusen

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Wollläuse im Kakteenbestand – was ist jetzt tun?

Wollläuse auf KakteenNein, auf dem Foto ist kein Schnee. Wer diese kleinen weißen Klümpchen an seinen Pflanzen findet ist selten erfreut.
Wollläuse sind an sukkulenten Pflanzen immer wieder zu finden. In diesem Jahr verzeichnet der Pflanzenschutzdienst einen außergewöhnlich hohen Befallsdruck. Ausgelöst wurder der vermutlich durch den milden Winter. Auch die Pflanzen in unserer Gärtnerei wurden schon mehrfach ‚überfallen‘.

Warum können Wollläuse unsere Pflanzen gefährden?

  1. sie vermehren sich sehr schnell
  2. Wollläuse lassen sich nur sehr schwer bekämpfen
  3. können speziell im Winter großen Schaden an Kakteen anrichten

Wie die meisten anderen Läuse saugen auch die Wollläuse den Zellsaft aus den Zellen. Dadurch werden die Pflanzen geschwächt. Häufig entstehen dabei Infektionen und Folgeschäden durch Pilze oder weitere Schädlinge.
Die ‚Wolle‘ die der Wolllaus ihren Namen gibt ist in Wahrheit eine sehr wirksame Schutzschicht aus fein gesponnenen Wachsfäden. Wasser und auch die meisten anderen Flüssigkeiten perlen davon einfach ab. Darum sind viele Insektizide bei Wollläusen wirkungslos.

Was können Sie sofort dagegen tun?

Fünf Tipps gegen Wollläuse

  1. Pinseln mit Spiritus oder hochprozentigem Alkohol
    Für die Sofortlösung brauchen Sie nur einen kleinen Pinsel oder ein Wattestäbchen und etwas Spiritus. Der Alkohol wird vorsichtig auf die Wolllaus getupft. Dabei sollten Sie Pflanzenkontakt möglichst vermeiden. Der Alkohol löst die Wachsschicht der Laus auf und tötet alle Läuse nebst Eiern.
    Wichtig: Vorsicht mit dem Alkohol | danach sofort mit Wasser nachspülen | ein- bis zweimal im Abstand von 10 Tagen wiederholen | ideal bei Befall einzelner Pflanzen, oder wenn andere Mittel nicht zur Verfügung stehen [Spiritus gibt es günstig im Baumarkt]
  2. Einsatz von Nützlingen
    Die natürlichen Gegenspieler können binnen kurzer Zeit auch einen massiven Befall einfach auffressen. Die Nützlinge schaden unseren Pflanzen nicht. Effektive Wolllaus-Jäger sind Schlupfwespen, die Larven von Florfliegen und Marienkäfern. Ein echter Killer ist der australische Marienkäfer und seine Larven.
  3. Neuzugänge vor dem Einräumen in die Sammlung penibel prüfen
    Wollläuse verstecken sich meist an schwer zugänglichen Stellen, Blattunterseiten oder -achseln. Wenn Sie Ihre Lieblinge regelmäßig genau anschauen, dann werden Sie jeden Befall rechtzeitig entdecken, bevor Schaden entsteht und eine Ausbreitung erfolgt.
  4. Umgebung checken
    Bei Befall nicht nur die Pflanzen, sondern auch das Umfeld prüfen und reinigen. Töpfe, Schalen, Ränder, Unterseiten, Tische, Fensterbretter, Fenster, andere Pflanzen – auch vor dem Fenster können weitere Läusefamilien beherbergen
  5. Chemie – wenn nichts mehr geht
    Zur chemischen Bekämpfung greifen Sie zu systemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Wollläuse. Die werden von der Pflanze aufgenommen und wirken so ‚von innen‘. (z. B. Careo, Calypso, Lizetan oder Triathlon) Wir verwenden in unserer Gärtnerei im Ernstfall Bi 58 im Wechsel mit einem weiteren Mittel um Resistenzen vorzubeugen.
    Extratipp: Profis verwenden zur besseren Durchdringung und Haftung des Wirkstoffes sogenannte Netzmittel. Eine ähnliche Wirkung lässt sich mit einigen Tropfen Geschirrspülmittel erreichen

Sonderfall Wurzelläuse

Kleine weiße Flöckchen an den Wurzeln, oder am Topf. Die ähnlich weiße Wollgespinste könnten vermuten lassen, die Wollläuse sind unter die Erde gekrochen. Leider nicht. Wurzelläuse sind andere Schädlinge – aber nicht weniger gefährlich für die Sammlung.

Die kleinen weißen Klümpchen an den Wurzeln oder am Topf sind leicht zu identifizieren. Ob die Insekten noch am Leben und aktiv sind, lässt sich hingegen ohne ein Mikroskop leider nicht herausfinden. Anders als Wollläuse zeigen Wurzelläuse beim zerdrücken kein ‚Blut‘.
Hier hilft nur, befallene Pflanzen unter Beobachtung zu stellen.
Für die chemische Behandlung ist ein systemisch wirkendes Insektizid nötig. Das wird von der Pflanze aufgenommen und über den Wasserkreislauf zu den Wurzeln verteilt. Die in der Vergangenheit als sehr wirksam empfohlene Methode des Tauchens in Bi-58-Brühe ist heute nicht mehr zugelassen.  

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Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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