Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

frisch gelesen: Der Online Shop – Handbuch für Existenzgründer

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Ich hab wieder ein Buch gelesen – oder besser: bin noch dran. Kein einziger Kaktus drin, nicht mal was vergleichbares. Warum? Es geht um Online-Shopping und wie man das macht.
… das Buch ist dick wie ein Lexikon und ja, es braucht ganz schön viel Zeit – nicht nur zum schreiben – auch beim lesen – obacht!

In gewürzter Kürze für Schnellleser:

Der Name sagt es: Existenzgründung – das ist etwas bei dem es lohnt planvoll zu handeln, das macht man schließlich nicht alle Tage. Das Buch ‚Der Online Shop‘ ist dabei wirklich eine solide Hilfe. Leicht zu lesen und dennoch übersichtlich und gut strukturiert begleitet es den Einsteiger durch die Ideenfindung, Vorbereitung bis zur Umsetzung und noch weiter durch die ersten Jahre des Versandhandelsalltags. Hier lernt man von der Pike das Handwerk. Da sind Hilfestellungen drin, detaillierte Konzepte, Blicke in Details und die Zukunft, technologische Informationen ohne den Blick fürs Ganze zu verlieren, übertragbare Strategien, die keine Allgemeinplätze sind. In meinen Augen ist der Titel ‚Handbuch‘ wirklich verdient, denn ich finde nicht nur reichlich Anregungen, sondern auch einige Ideen, die ich auch in unserem Unternehmen künftig anders angehen kann.

Kurz: Meine klare Empfehlung – dieses Buch braucht nicht nur der e-commerce newbie.

Die Eckdaten der aktuellen Ausgabe 2011: 775 Seiten, Hartcover, Innenteil mit Grafiken, Screenshots und Illustrationen (s/w), erschienen im Verlag Markt und Technik, München.

Hier versandkostenfrei bestellen:

direkt beim Verlag,

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oder bei buch.de

Inhalt:

  • Unternehmensgründung und Unternehmensführung
  • Der Online Shop (Voraussetzungen / Shopsysteme / eBusiness /Online-Recht)
  • Marketing und Webdesign (Webseitengestaltung / Suchmaschinenoptimierung / Online-Marketing / Social Media)
  • Anhang mit Glossar und IndexErgänzend zum Handbuch gibt es eine CD mit Listings und Skripten aus dem Text. Sehr praktisch: das Kapitel Webseitengestaltung noch einmal in bunt – das hilft enorm zum Verständnis von Farbwirkung.
    Der CD-Inhalt:

    • weitereShop-Systeme im Detail (Magento, xtcommerce)
    • das Kapitel Webseitengestaltung in Farbe
    • Listings und HTML-Skripte
    • Checklisten und Mustertexte
    • gsitecrawler (Full)
    • Mondo Shop 5.0 Edition Startup (Trial)
    • XAMPP v1.7 für Windows

    On Top gibt es noch einen Google-AdWords-Gutschein im Wert von 100 Euro.

Und noch etwas: ich musste mir den dicken Wälzer nicht mal kaufen, für Rezensenten gibt es eine pfiffige Idee:

blogg dein buch stellt ausgewählte Bücher kostenlos zur Verfügung – einzige Gegenleistung: ein Blogartikel mit einer Rezension zum Buch – und das finde ich ist eine Idee die mir gefällt.

 

Schauen wir genauer rein ins Buch

Auf den ersten Blick ist das Buch vielleicht nicht die naheliegende Literatur, wenn man bereits auf über drei Jahrhunderte Tradition (auch im Versandhandel) zurückblicken darf, aber meine Ahnen haben Erfolg gehabt, weil sie immer ihr Tun neu überdacht haben, neue Wege suchten und bewusst gingen. Kakteen-Haage ist seit 2006 online und es ist gut, auch darauf einen anderen Blick zu werfen – unseren Shop unter die Lupe zu nehmen – mal aus der Sicht eines Neueinsteigers. Darum habe ich mir genau dieses Buch ausgeguckt.

Frisch ans Werk und aufgeblättert.

Auf den ersten Blick schätze ich so: das ist ein Buch aus der 79-89 Euro-Klasse.1 … aber egal – entscheidend ist ja der Inhalt.

Im ersten Kapitel geht es um die Existenzgründung – sehr ermunternd finde ich die Beleuchtung der einzelnen Gründe für Unternehmensinsolvenzen:

–          unterschätzter Finanzbedarf,

–          zu wenig Erfahrung oder Fachwissen,

–          bin ich überhaupt der Richtige für meine Idee,

–          Familie, oder  Partner vernachlässigt

Bei Licht betrachtet sind dies immer wieder die Gründe die zu Problemen führen – mal mehr, mal weniger – und oft genug das Ende guter Ideen. Um auf Nummer Sicher zu gehen gibt es eine Stärken- und Schwächenanalyse und ein paar Eckdaten, was die künftige Führungskraft an „Händchen“ Kompetenzen mitbringen sollte – rund wo sich das eine oder andere Defizit ausbügeln, oder Auffrischen läßt.

Richtig spannend wird es im opulent ausfallenden Bereich Unternehmenskonzept, Businessplan. Wie soll meine Firma heißen, wie die dazu passende Domain, welche Rechtsform passt zu meinem Geschäft, woher bekomme ich Fördermittel, wie sieht mein Markt aus, welche Besonderheiten gibt es im e-commerce, brauche ich eigentlich Marketing, oder reicht meine gute Idee aus?

Viele wichtige Antworten auf diese Fragen.

Dann wird’s ernst, es geht los – Unternehmensstart

Ich melde meine Firma an (habe ich vielleicht noch ein Anrecht auf einen Zuschuß?). Wie ist das mit den Steuern, wie geht Buchführung, Mahnungen und dann:

Büro organisieren. Ein tiefer Blick ins Zeitmanagement hilft nicht nur Business-Einsteigern sich gut zu organisieren, denn erfahrungsgemäß wird man beim Geschäftsstart von Aufgaben nur so überrollt, mit Vorbereitung, einem konsequenten Tagesplan lässt sich das vermeiden.

Zu gern vernachlässigt ist das Controlling. Auch hier gibt es Hinweise und fertige Konzepte. Ausführliche Erläuterungen zu jedem einzelnen Schritt und immer wieder freue ich mich über weiterführende Hinweise. Das geht in die Tiefe!

Eine Warnung vor einem der Lieblingsfehler, der Grund vieler „Junginsolvenzen“: unkontrollierte Privatentnahmen und fehlende Liquiditätsplanung. Wie plane ich meinen persönlichen Geldbedarf? Kann man in diesem Buch lernen … und es geht spannend weiter: woher kommt das Geld – wie kalkuliere ich die Preise für mein Produkt. Das ist nicht immer einfach, aber ein essentielles Handwerkszeug jedes Kaufmanns.

Ein umfangreicher Komplex verschiedenster Bereiche folgt: Risiken und Krisen, Schulden, Versicherungen2, Insolvenz (!!), Krankenversicherung und Altersvorsorge, und dann das Mahnwesen. Wir haben schon einige interessante Erfahrungen machen dürfen – aber im Buch habe ich noch einiges über schwarze Schafe finden können was mir bis dahin unbekannt war – und auch sehr gern bleiben darf.

In Kapitel 4, dem Beginn von Teil 2 des Buches gibt es eine Packung praktisches Wissen für Online-Händler. Zu Beginn Definitionen. Dann die Frage: welche Domain, passende TLD, was geht, was darf man nicht. Nach den Kriterien zur Providerauswahl noch einmal die essentielle Frage: lohnt sich ein Online-Shop für mich, schätze ich meine Chancen reell ein und welche Klippen sollte ich nach dem Start umschiffen.

Dann geht es in die Technik: was hat ein Shop üblicherweise unter der Haube? Datenbank, Verschlüsselung, Warenkorb, Checkout, Versandart, Payment, Reporting – wie funktioniert das ganze? Was ist die beste Strategie für mich, wie finde ich das für mich passende Shopsystem. Das ist eine der wichtigsten Stellen im Buch.

Das Thema Sicherheit folgt als nächstes, hier gibt es sehr häufig Schwachstellen. Denen auf die Schliche zu kommen, noch bevor das Kind im Brunnen liegt ist einer der großen Vorteile eines Sicherheitskonzeptes.

Die Shop-Lösungen, ihre Vor- und Nachteile werden in Kapitel 5 unter die Lupe genommen, erst allgemein und dann folgt sehr praxistauglich die Anleitung: wie installiere ich Step by Step einen Mondo-Shop und wie teste ich mein Werk.

Sehr spannend fand ich die Details über verschiedene Facebook Shop-Systeme wie cartfly oder die Verbindung via ShopTab. Als neuer Weg propagiert: semantische Shop-Systeme – da wurde es mir dann allerdings zu Code-lastig zum genauen lesen.
Noch etwas zukunftsträchtiges: Mobile Shopping. Einkaufen via iPhone und Co. Hier kommt endlich ein kleiner Exkurs zu Magento, und Lösungen wie Shopgate mobile oder mobilemojo. Was mir in dem Buch fehlt ist mehr Tiefgang in Richtung Magento.

Im nächsten Kapitel geht es um eBusiness – mithin das heikle Thema Bezahlung. Ein Überblick über die verschiedenen Zahlungssysteme und eine eingehende Beleuchtung: wann ist es gut, meinen Kunden anbieten auf Rechnung zahlen zu können (riskant) und in welchen Fällen ist es besser nur auf „sichere Zahlarten“ zurückzugreifen? Dazu werden alle Vor- und Nachteile der einzelnen Wege dargestellt und auch deren Möglichkeiten der Einbindung in Shopsysteme nicht vergessen.

Ähnlich detailliert geht es im nächsten Schritt um Auftragsbearbeitung, die Warenwirtschaft und die Verbindung zum Shopsystem. Exemplarisch wird die Verwendung von Lexware, Mondo und JTL-Warenwirtschaft in Zusammenarbeit mit Magento gezeigt. Dabei geht es um manuelle Artikelpflege bis zum automatischen XML-Datenupload in verschiedene Frontends.

Und es geht noch weiter: Automatische Bearbeitung von Zahlungseingängen, und wie funktioniert eigentlich eine effiziente Versandabwicklung bis zur Sendungsverfolgung?

Als nächstes geht’s in die Wolken: wie sinnvoll und notwendig ist cloud-computing im eCommerce? Chancen, Risiken und eine Übersicht über die Kosten.

Kapitel 7: Online Recht

Das wird sauer! Denn im Online-Handel gibt es eine ganze Reihe Pflichten zu beachten, das Feld ist voll von Tretminen.

Fernabsatzgesetz, Widerrufsbelehrung, Tele- und Mediendienstgesetz, Rückgabe, AGB, Haftungsausschluß, Preisangabenverordnung, Rabattgesetz, Verpackungsverordnung, Datenschutzrecht, Urheberrecht. Das ist nur ein Auszug der für den Online-Handel relevanten Regelungen, die es im Auge zu behalten gilt – kein einfaches Unterfangen.

Im dritten Teil des Buches wird es kreativ: Marketing und Webdesign.

Kapitel 8 stürzt sich auf die Webseitengestaltung. Klar, man geht davon aus, der Einsteiger wird keinen allzu großen Etat für Webdesigner haben, und darum selbst Hand anlegen. Dabei hat man schnell die Orientierung verloren, wenn man nicht die grundlegenden Gestaltungsaspekte berücksichtigt:

  • Bedienung und Navigation
  • Einheitlichkeit und Gestaltung
  • Inhalt und Seitenlänge
  • Lesbarkeit und Typografie

Hier werden viele elementare Dinge angesprochen, die bei jeglicher Gestaltung wichtig sind – selbst Grundlagen im besseren texten finden sich. Die Auswahl von Schriftarten – früher ein Ausbildungsberuf – ist auch heute noch eine Kunst für sich, die nur wenige wirklich beherrschen, aber bei der ein Zuviel schnell für Unübersichtlichkeit sorgt.

Sollte ich aktive Inhalte auf meiner Webseite haben, welche Browser muss ich heute berücksichtigen, welche Tools können mir bei der Erstellung meiner Webseite helfen. Auch nette Kleinigkeiten finden sich: wie erstelle ich ein favicon für meine Seite.

Und dann kommt der lustige Teil: Farbenlehre in Graustufen – aber die gibt es ja noch einmal in color auf der CD anzusehen. Grundzüge: wie wirken Farben, was geht zusammen, was ist genial, was geht gar nicht.

Der Umgang mit Grafikprogrammen ist wichtig für die Bildbearbeitung. Hier habe ich mir noch einige Kniffe abgeguckt. Schön finde ich hier den Überblick über die verschiedenen Dateitypen von Bilddateien und deren sinnvolle Verwendung. Das bringt uns zu den Fotos. Auch dazu gibt es einen kurzen Exkurs. Von der Bildbearbeitung bis zur Kamera-Kaufempfehlung.

In Kapitel 9 kommt das wichtige Thema Suchmaschinen auf den Tisch

Welche Möglichkeiten habe ich, um meinen Shop „ins Gespräch“ zu bringen. Um das „Wie“ richtig zu können beginnt das Kapitel mit einem Sprung in die HTML-Welt. Dann wird es wieder praktisch: wir bauen uns ein einfaches Kontaktformular – auch um zu verstehen wie funktioniert HTML und Java.

Welche Suchmaschinen gibt es, was ist deren Spezialgebiet? Dann kommen wir langsam zu des Pudels Kern: was unterstützt meine Auffindbarkeit, was sollte ich tunlichst unterlassen. Nur ein kleines, für mich wichtiges Beispiel: Google interpretiert den Unterstrich ‚_’ als Verbinder, dass bedeutet blumenstadt_erfurt liest Google als blumenstadterfurt. Richtig wäre heute die Verwendung des Bindestrich: blumenstadt-erfurt.

Online-Marketing – Kapitel 10: beginnt für ein Neueinsteiger natürlich damit, die ersten Kunden für seine Ware oder Dienstleistung zu gewinnen. Woher bekomme ich Neukunden, wie begeistere ich diese für dass was ich verkaufen möchte und wie sorge ich dafür, das meine Kunden zurückkommen und mehr kaufen.

Hilfreich: wir machen einen Plan, den Marketing-Plan. Kurz, knackig, übersichtlich. Dann wird verteilt: Marketing-Mix. Was machen wir wo? Exkurs: ein wertvoller Crashkurs in PR und Pressearbeit.

Noch einmal: Suchmaschinen. Kelkoo, Google Produktsuche, Google AdWords, Yahoo Search. Welche Möglichkeiten gibt es, wie kann ich sie einsetzen.

 

Dafür ein eigenes Kapitel – schon länger in aller Munde: Social Media – Facebook, Xing und Co.

Ist es sinnvoll, hier gleich mit einzusteigen und wenn ja: welches Konzept kann mir dabei helfen? Wie kann ich durch Engagement im Web2.0 meinen Ruf und meine Kompetenz bekannt machen und im Netz verbreiten. Dazu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Blogs, Foren, Portale, Twitter und andere Plattformen bieten eine schier unübersehbare Menge von Möglichkeiten sich und seine Unternehmung im Web zu zeigen. Nicht alles ist gleichermaßen nützlich und hilfreich, darum unterstützt auch hier das Handbuch wieder im planvollen vorgehen. Dabei geht es nicht nur um Mainstreammitmachen – wie lege ich eine Facebook-Präsenz an, auch selbst anstoßen hilft: ein eigenes Blog, ein Forum, oder Wiki zu unterhalten. Das Buch endet mit verschiedenen kleinen Hilfsmitteln, die das Social Media-Leben erleichtern und effektiver machen.

Mein Fazit noch einmal: ein rundherum gelungenes Buch, ein must have für jeden Einsteiger im Online-Handel – und ich finde auch für Profis immer wieder eine Anregung darin. Wirkliche Fehler konnte ich nicht finden, allenfalls Themen die ich gern noch intensiver beleuchtet gefunden hätte – z. B. das Magento Shop System, aber dazu gibt es ein eigenes Buch … und das kann man ganz fix hier runterladen.

 

 


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  1. weit gefehlt: auf der Rückseite finde ich notiert: 39,90 € []
  2. hier gefallen mir sehr gut die sieben Grundregeln für Versicherungsverträge, mir fehlt nur noch die Essenz: versichere nur, was notwendig ist []
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Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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