Cactusblog

Aus dem Leben eines Kaktusgärtners

Die Flora Thailands – Plant market

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Seit gestern bin ich in Bangkok – glaube ich. Zeit scheint im Moment sehr relativ zu werden. Bin müde, zu sehr, um auf große Entdeckungen auszusein. Aber dann finde ich ein ‚must see‘ für mich.

‚Hier finden Sie alle Pflanzen aus Thailand!‘

Gut, ein Markt muss auch marktschreierisch beworben werden. Und wenn das tatssächlich DER thailändische Umschlagplatz für Pflanzen ist, dann muß ich das in jedem Fall sehen.

Entgegen der Empfehlung mache ich mich auf die Suche nach der Metro. Dreckig, stickig und gefährlich soll es dort sein. ‚Außer den Einheimischen traut sich niemand in den Untergrund.‘
Ich finde das Gegenteil. Angenehm klimatisiert, Sicherheitskontrolle im Eingang, alles sauber wie geleckt, die Ticketmaschienen und Ansagen sprechen optional auch Englisch. Ich fühle mich pudelwohl. Am Chatuchak Park steige ich aus und werde in die dampfende Wärme entlassen.

Flanieren im Park. Englisch geschnittener Rasen – die Mischung ist allerdings die tropisch breitblättrige mit Rhizomen, die ich schon aus Guatemala kenne. Dort wird händisch mich der Machete ‚gemäht‘. Palmen gibt es hier en Masse, ein Paar in einem Schwarm Tauben, sauber ist es, Dienstfahrrad, Palmwedel, eine Schildkröte erschreckt mich aus dem Beet guckend, eine ca. 20 Meter lange Schlange liegt auf der Wiese aufgerollt, ist das ein Mungo? Relaxing ist das alles hier. Entspannt genug, mich jetzt in den Trubel des Marktes zu stürzen, den ich durch den hohen Zaun schon entdeckt habe.

Offensichtlich ist das ein Drive thru Market. Polizisten regeln den Verkehr. Langsam fahren Pickups und Busse durch die Straße, die Insassen deuten mit der Hand auf eine Pflanze die dann aufgeladen wird. Pflanzen gibt es in allen Größen. Ausgewachsene Bäume werden mittels dreibeinigen Lifts aufgeladen, meist zum Ende des Markets, wenn es etwas ruhiger geworden ist. Zu Beginn finde ich wenig spannendes für mich. Heckenpflanzen, mittlere und große Palmen, die komplette Ingwerfamilie1.

Ha! Eine Dischidia. Einige winzige Hoya, ausgewachsene Hoya kerrii. Und Tillandsien. Und dann entdecke ich tatsächlich auch Kakteen. Winzlinge – die üblichen Verdächtigen. Aber dann kommen die Raritäten an den Start.
Also zumindest Pflanzen, die ich hier nicht erwartet hätte.
Eine ganze Schale Turbinicarpus alonsoi. Dicke, dicht bedornte Echinomastus johnsonii, Pseudolithos, Dioscorea und Caudexpflanzen die ich nicht immer identifizieren kann. Doch ganz spannend.
Weiter gehts mit Aloe, ein paar Epiphyllum – hach! Plumeria, Euphorbia, Adenium – das ist schön. Export? Nein! Geht nicht. Soso.
Alles nur zum gucken, Mund wässrig machen. Mitnehmen kann ich keine Pflanzen. Nicht nach Australien, nicht nach Neuseeland und schon gar nicht nach Deutschland. Zumindest nicht jetzt und so einfach.

Und dann kommt der Nachmittagsregen. Hätte ich doch wissen sollen. Es beginnt zu schütten. Ein hoch auf mein wasserdichtes Handy. Die Kamera hat umgehend den Geist aufgegeben.

Zwischen den heftigen Schauern springe ich von Pfütze zu Pfütze und weiche langsam durch. Halb so wild – Gärtner sind auch wasserdicht – und es ist warm. Dann entdecke ich – der innere Markt – die Marktstände unter dem Dach, machen zwar meist Inventur, angucken kann man dennoch. Und es gibt viel zu entdecken. Porzellan, Seife, Plastikdosen, Schwämme, Löffelschnitzer, Stoffe und Klimbim aller Couleur. Nur die Gewürzstände haben alle geschlossen. Ist auch besser so, sonst wäre mein Rucksack schnell voll.

Dann wieder draußen: besonders beeindruckend ein Bücherstand, der fast komplett zugewachsen ist.

Sehr schön so ein Markt, viel grün, viele Farben und es ist einiges an Vielfalt zu entdecken und Bilder zum mitnehmen.


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  1. ich frage mich, warum das hier überhaupt verkauft wird, die wuchern doch von allein wie verrückt []
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Autor: Ulrich Haage

Kaktusgärtner aus Passion... seit 1970, aber mit weitaus längerer Tradition

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