Archive for unterwegs

in progress: Katalog 2013 – from London and more …

Notizen gelten ja nicht, darum beginnt es hier:

Anstrengende, zähe Wochen hinter mir. Und es geht so weiter. Wenn ich nix tue.
Also:

Ticket buchen, Sachen packen, Klappkomputer aktualisieren, pünktlich im Zug nach England – raus aus dem Schnee.

“Nur ein bisschen Katalog” – stand auf meiner Agenda. Urlaub soll es werden – und es sieht alles danach aus. Zumindest beim five’o clock Tea in der Sonne im Inner Temple Garden zwischen Fleet Street und Thamse.

Auch danach. Straße hoch, Big Bin und Parlament im Sonnenuntergang. Auf der anderen Seite zurück. London Eye im Nachtlicht. Kalt ists auch hier. Zwischenstop in der Bar der Royal Festival Hall. Zeit für Pläne. Was stelle ich denn an? Kultur, neue Seiten dieser Stadt entdecken, lesen – na und wenn es passt auch ein bisschen arbeiten.

Kultur: die Tate Modern Gallery ist vis-a-vis. Lichtenstein. Alles klar.

Wer ahnt, das es dabei bleiben soll.

Am nächsten morgen klappere ich über die Millenium Bridge. Nach den vielen Monaten, die ich in London war werde ich inwendig kurz rot – und hier bist du noch nie gewesen. Sträflich!
Ich gucke Kunst an. Treffe viele alte Bekannte – und Kakteen. Verblüffend. Um 6 pm werde ich freundlich nach Hause geschickt. ‘Closing Time’ Ich liebe es. Das durfte ich in meiner Zeit in Kew auch machen :)

Am nächsten Tag befinde ich: da sind noch einige Etagen zu entdecken, der Kaffee ist ausgezeichnet, once again. Und ich finde eine knappe Nachricht von meiner Schwester – “kannst du Korrektur lesen? Nur mal schnell.”

Der Satz als solches spricht ja schon Bände – dass den überhaupt noch jemand in den Mund nimmt.

Um es kurz zu machen, den Rest der Zeit pendel ich zwischen Inner Temple und Tate Modern. Zwischen Epicactus Buch und Katalog 2013. Zwischen Tanks und 4. OG in der Tate Gallery. Zwischen Architekturbüchern und Aquarellkursen. Zwischen Wolken und Sonnenschein – hm, nein, das stimmt nicht, zwischen hellen und dunklen Wolken.
Und kalt ist es – vor allem abends auf dem Heimweg.

Anfangs sitze ich im Café, 1. OG. Ich packe meinen Schreibblock aus. Es zieht. Die Tasse ist schön, der Kaffee aber kalt. Die Waitress guckt unentspannt.
Ich denke über Spezialisierung nach. Kakteen – kann man davon leben? Wie oft habe ich diese Frage schon beantwortet…
Hm. Richtiger Ort, falscher Platz. Ich ziehe nach einer Tasse um.

3. OG, Espressobar, bessere Aussicht, freundliches Umfeld und überhaupt.
St. Pauls bekommt für einen winzigen Moment Sonne, unglaublich, eben wollte es doch noch Winter werden. Das Wetter in dem Sich St. Pauls gerade befindet hat was von Drama. Manchmal klappt es aber, sogar noch einen Schluck Sonne aus dem Drama herauszupressen. Das Szenario ist jedenfalls unglaublich.

Katalog:
Jetzt im März ist Aussaatzeit. Das wird spannend. Bei uns.
Ich frage mich, wie schaut es bei anderen aus? Unser Saatgut ist inzwischen vollständig im Kasten. Bis auf die Positionen, die wie in jedem Jahr aus allzeit neuen Gründen im Transit steckengeblieben sind. Diesmal war es vermutlich die Post. Alles wird gut.
Wird es auch.

Es flutscht. Text wie Kaffee.

Und manchmal auch nicht. Dann hocke ewig, kaue am Stift und bringe kein einziges Wort raus. Dann gehe ich Kunst anschauen, das hilft. Bauwagen, Beuyssche Haufen, nackte und angezogene Frauen, Kakteen – wirklich!!. Und es flutscht wieder.

Dass unterwegs der Eurostar seinen Dienst einstellt, weil es in Frankreich schneit juckt mich nicht so sehr. Auch wenn das miese Wetter doch noch über den Kanal kommt. Drei Tage Fristverlängerung.

Und irgendwann wird der Katalog fertig sein. Hoffentlich. Diesmal hat er wirklich besonders viel Herzblut und Zeit in Anspruch genommen.

Greetings from London


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Kakteen-Haage Herbstliste ist fertig vorbereitet

Aufregung ist es jedesmal. Rund sechs Wochen Vorbereitung rechnen wir mindestens im Gewächshaus. Meister Wilhelm und seine Mannen – nein, stimmt nicht, aber seine Frauen klingt komisch ;) tragen die Pflanzen in den Gewächshäusern zusammen, drucken Etiketten, hier und dort muß noch was umgetopft werden, und dann ist die geplante Fläche zu kalkulieren. “Passt dann noch alles rein” ist auch bei uns oft die bange Frage.
Genau das frage ich mich dann auch, wenn ich in den Computer gucke, voller Stolz bin, wie viel da über das Jahr bei uns herangewachsen ist – und dann schaue ich auf die geplante Seitenzahl, erstmal skeptisch und schiebe die Buchstabenkolonnen auf die Seiten. Es ist verflixt eng. Dann stelle ich fest: wo sind die Standortangaben hin. Auch die Feldnummern hat mir jemand geklaut. Jetzt mit den vollständigen Daten passt nix mehr, macht in Summa also diesmal vier Seiten mehr Umfang. Nach eineinhalb Wochen und etwa 110 Stunden Arbeitszeit ist alles fertig, die Texte stehen, Bilder passen, Fehler sind (hoffentlich) minimiert, alles liebevoll dreifach durchgesehen und überarbeitet und genau zwei Stunden vor dem vereinbarten Termin in die Druckerei geschickt. Heute um 13 Uhr war Andruck geplant – klappt nicht ganz, unterwegs beklage ich den Fastverlust meines Hinterrades. In der Druckerei braucht es nicht viel Zeit, die Druckdaten passen, alles ist schon fertig vorbereitet, nur wenige Korrekturen und nach nicht ganz zehn Minuten ist der ganze Zauber vorbei. Alles gedruckt – satte 15.000 Stück, das macht 25 Stück pro Sekunde – das ist ein Exemplar mehr, als eine TV-Kamera Bilder in der gleichen Zeit aufzeichnet. Ganz schön fix.
Und so sieht das dann aus in der Realität im Druck aus, als nächstes Buchbinder, eintüten, verschicken – Briefkasten …


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Gärtnern im Ausland

Als Gärtner auf Hawaii in Bananen machen – ist das nicht ein Traum.

Julia war im vergangenen Jahr dort und hat sich unter anderem um Bananen, Radiesschen, Erdnüsse, Zweitklässler, Gründüngung und Hühner als ‘Rasenmäher’ gekümmert. Hier ist ihr hawaiianisches Tagebuch.

Sehr beeindruckend fand ich den liebevoll geschriebenen Japan-Bericht von Katja.

Für engagierte Gärtner-Azubis gibt es immer wieder die Möglichkeit, einen Teil der Ausbildung, oder einen Zeitraum nach der Ausbildungszeit im Ausland zu Arbeiten. Ziele dafür gibt es auf der ganzen Welt. Von Kasachstan bis Canada, von Japan bis nach Chile, von Litauen bis nach Neuseeland. Mir ist leider noch kein konkreter Kakteen-Betrieb bekannt, den man auf diese Weise besuchen kann. Verschiedene Organisationen helfen bei der Vorbereitung und Koordination des Aufenthaltes, bei Bedarf für Sprach- und Vorbereitungskurse und sorgen vor Ort für Betreuung.  Oft gibt es sogar finanzielle Unterstützung.

Wir sind schon gespannt auf unseren Kaktusgärtner-Azubi für 2012 und hoffen auf engagierte Bewerber, die wir vielleicht auch auf Reisen schicken können.


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Londoner Interview: Andrea Brunsendorf im mdr Figaro

Gestern Nachmittag auf mdr Figaro:

Andrea Brunsendorf spricht über ihren Inner Temple Garden (klick > Audio hören),

  • die Entwicklung vom hässlichen Entlein zurück zu seiner einstigen Schönheit
  • die schönen Pflanzen die im Garten wachsen
  • Ausrutscher beim Besuch der Queen
  • und das ein guter Gärtner eine Zeit seiner Ausbildung in London gewesen sein sollte

… nicht erwähnt wurde: im Moment ist im Temple Garden gerade eine Gärtnerstelle frei – siehe auch hier :)


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Weihnachten mit der Deutschen Bahn – eine Hommage

Ich bin unterwegs an die Nordsee – die Bahn rast durch den Schnee – die Fahrt zum Bahnhof war etwas wüst. An jeder Ampel ein wildes Gerutsche.
Dank 25 Minuten Verspätung der Bahn komme ich richtig entspannt in meinen ersten Zug.
Die Regionalbahn ist gut voll, ich bin glücklich, einen Sitzplatz zu haben. Zugleich plagt mich ein schlechtes Gewissen; der Papa der neben mir muß bei seinem Kind stehen.

Die Menschen scheinen heute die Eigenschaft nicht mehr zu pflegen, bei Stress oder Not zusammenzurücken, einander zu unterstützen, oder zumindest Verständnis zu zeigen. Dafür sehe ich entnervte Blicke und verleierte Augen über quengelnde Kinder. “Die müssen doch jetzt nicht in den Ski-Urlaub fahren, die Eltern wissen doch, was auf der Bahn los ist.”
Das ist ein bisschen sympthomatisch für unsere Zeit. Wie schön wäre es, wenn wir gemeinsam in eine Richtung zögen, wenn hier im Zug alle zusammenzurücken, Plätze teilen, oder uns gegeseitig ein Lächeln schenken. Ein entspanntes, freudvolles reisen in Gemeinschaft. Illusion?
Nö, es kostet inzwischen etwas Überwindung, aber es ist toll.
Und es ist doch noch ein weihnachtlicher Gedanke für mich: reisen geht auch im stehen sehr gut. Papa und Kind können sich auch eine Weile hinsetzen.
In diesem Sinne gesegnete Feiertage allen – und alles Gute für 2011.

P. S. Zum Thema Verspätung, entnervt sein und Bahn: seit heute früh bin ich nur freundlichen und entspannten Bahnmitarbeitern begegnet.

Alle meine Züge seit heute morgen hatten Verspätung. Mein ICE, der mich nach Bremen bringen sollte endet heute schon in Hannover. Das Ergebnis der Summe aller Verspätung wird voraussichtlich ein Paradoxum werden. Aufgrund der Verspätung werde ich wahrscheinlich früher ankommen, als ursprünglich geplant.
Ein Hoch auf die vielgescholtene Deutsche Bahn!


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meine Nichte in Mexico

Was ich nicht direkt vor der Nase habe verliere ich doch manchmal aus den Augen.

Magdalene blogt aus MexicoHeute zum Familienfrühstück bekam ich ein dickes Bündel schwach bunter Ausdrucke in die Hand gedrückt. “Guck mal was die Lene macht.” Ach ja, hab mich schon öfter gefragt, wie es meiner längst nicht mehr kleinen Nichte in Mittelamerika so geht. Die Kopfzeile auf dem Ausdruck verriet: es gibt ein Blog. Magdalenes Blog aus Chiapas. Los! lesen!

Wie schön. Es ist ganz spannend, was man im freiwilligen sozialen Jahr auf der anderen Seite der Welt erleben kann.1 Natürlich kommen an der Stelle meine Erinnerungen hoch, als ich dort unterwegs war – nicht in Mexico, sondern etwas weiter südlich in Guatemala. Schön wars.

Zurück! Im Vorfeld hatten wir gemeinsam versucht, probeweise die mexikanische Küche zu erobern – damit der “Geschmacksbruch” zwischen Erfurt und Chiapas nicht so heftig werden möge. Es hat offensichtlich gefruchtet, denn ihre Bohnenbegeisterung ist noch ungebrochen. Nur die typisch deutsche Schwarzbrotsehnsucht hat sie offensichtlich erwischt – das habe ich bislang noch von jedem Deutschen im Ausland gehört – es selbst aber nirgendwo vermisst. Sehr gespannt bin ich schon jetzt auf das Wiedersehen im nächsten Sommer, wenn ich hoffentlich ganz frische Kücheninspiration aus Mexico erleben darf :)

Viel Spaß weiterhin im Lande der Kakteen!


  1. Und an der Stelle bin ich mir ganz sicher, das mancher unter den Kakteenleuten gern auch drüben wäre – so mal für ein Jahr – aber dass ist was ganz anderes []
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Wetten dass – Neue Bilder von der Kakteenwette

gestern bekam ich eine Mail von einem Gärtnerkollegen aus Würzburg. Er schickt mir einige Fotos von der Kakteenwette …

Und den Link zu Youtube gabs gleich mit – hier die Kakteenwette mit Andreas Malzan im Film

und noch eine umfangreichere Version aus Italien…

http://www.youtube.com/watch?v=pI5pCJpO0rE


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Wetten dass – Kakteen beleckt – identifiziert – Wette gewonnen

Unser Kakteenfotograf Andreas Malzan hat seine Kakteen-Wette gewonnen.

Er hat vier von fünf Kakteen vermittels seiner Zunge korrekt mit botanischen Namen bestimmt.

Atemberaubend, autsch, alle Achtung!
Herzlichen Glückwunsch!

Bilder und mehr dann morgen … Ein Bericht, wie es dazu kam und Bilder und Geschichten vom Rande, und wen wir nach der Sendung noch trafen – folgt in den nächsten Tagen.

… die Wiederholung am Sonntag (7.11.) ab 11.00 Uhr im Zweiten, die Wetten gibts in Kürze auf Youtube.


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Wetten dass – Kakteen auf Bühne

Die ersten beiden Wetten sind gewonnen, Frau Klitschko singt mit Mann und Gitarre.

Auf die abgedunkelte Bühne rollen leise Kakteen.

Große und kleine. Einer nach dem anderen.

Bei mir steigen Adrenalinpegel und Spannung.

Gleich geht die Kakteenwette los.


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Wetten dass – angekommen – Backstage

Inzwischen war ich im Backstagebereich um meine Karte zu holen. Bin dort über Lena und Miley Cyrus gestolpert, hätte sie nicht erkannt, wären da nicht die Rudel quiekender Teenies gewesen.

Unterwegs lerne ich: die Karten für den heutigen Abend werden bei Ebay für 300 bis 800 Euro gehandelt – wegen des angekündigten Starauftriebes – ich habe keine Ahnung, wer heute auf die Bühne kommt.

Auf dem dürftig ausgeleuchteten Platz vor der Tui-Arena steht ein Reisebus vor einer Rampe >> die Aussenwette??

Ich fahr jetzt nochmal ins Hotel.


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Wetten dass?? Ich fahre jetzt nach Hannover!

Liebe Leute – ich bin heute bei Wetten dass?? in der Tui-Arena in Hannover.

Ich habe versprochen, über alles was ich dazu weiß Stillschweigen zu bewahren…

Nicht dass ich einen falschen Anschein erwecke: Ich bin hübsch unscheinbar und werde Thomas G. in Hannover sicher nicht die Hand schütteln, aber ich möchte den Abstecher hier wenigstens erwähnt haben und ausreichend Platz zum phantasieren lassen. Wer mag und es genau wissen will kann sich das Spektakel anschauen. Heute im Zweiten.

:)


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Kakteen, Hemp-Shops und Gewächshäuser – Teil zwei

Nach einem Tag Kakteengewächshäuser anschauen darf man etwas Pflastermüde sein. Wie schön, das die niederländischen Großstädte zwar eng sind, aber mit etwas Mut kann man auch dort mit größerem Wagen im Zentrum parken. Erste Station war der alte Delfter Hafen. Hier gab es alles was zu Holland gehört.

Delfter Hafen - Rotterdam

Delfter Hafen - Rotterdam

Windmühlen, unzählige Fahräder, Hubbrücken, Käse, Fisch, Wasser, Schiffe, schnuckelige kleine Häuser. Dazu hatte der Regen rechtzeitig aufgehört, die Sonne schien ganz wunderbar, eine gute Gelegenheit, einfach auf dem Brückenkopf mal die Beine baumeln zu lassen.

Der restliche Ausflug ins Stadtzentrum blieb dann aber auf Rädern statt per pedes. Macht auch Sinn, denn allein die vielen beeindruckenden Dingen, die es zu sehen gibt … So blieb mein Auge an einem wunderlichen gelben Bus hängen. Eigentlich war es nur die Heckpartie, die mich irritierte und mich an etwas russisches erinnerte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Ponton-Fähren in den Sinn kamen. Wenig später trullerte der Bus über die Erasmusbrücke und da machte es klick – ein Amphibienbus – bestimmt planschen die damit in der Maas, oder im Hafen herum. Google hilft auch da: Splashtours heißt der Veranstalter und für knapp 15 Euro kann man in Rotterdam mit dem Bus schwimmen gehen. So siehts aus:

Stichwort Brücke: bevor auch der Kaktusbus über die große Erasmusbrücke rollte gab es noch einen Stop an der beeindruckenden Kulisse alten stillgelegten Eisenbahnhubbrücke die früher die Nord-Süd Verbindung über die Neue Maas sicherstellte.

Der nächste Morgen begann in aller Frühe mit reichlich Kakteen und seltenen Sukkulenten. Diesmal nicht nur kleine Pflanzen, sondern auch einige von bereits ausgewachsenem Kaliber. Besonders hervorzuheben sind hier die alten Baobabs, von denen ich natürlich nicht die Finger lassen konnte. Knorrige, reichlich verzweigte Pflanzen mit feinen jungen Austrieben. Ebenso feine Austriebe zeigen Operculicaria. Mit ihren tiefen Wurzeln werden wir diese möglicherweise erst im Frühjahr anbieten. Auch die schönen Euphorbia bupleurifolia wird es in Kürze wieder geben. Von meiner persönlichen Lieblingspflanze – Dioscorea elephantipes habe ich ausreichend mitgebracht, darunter auch einige Exemplare die schon die typische Schildkrötenform zeigen. Auf eine ganz spezielle monstose Form von Mammillaria painteri wurde ich noch hingewiesen – sind auch ins Auto gehüpft, gemeinsam mit schicken Cyphostemma (Cissus) juttae, dicken Pachypodium bispinosum, kleineren Pachypodium namaquanum und besonders schönen Adenium obesum.

Die letzte Station meines Kurztrips war speziell, im Vergleich zur vorher besuchten, picobello aufgeräumten Gärtnerei, eher als kreatives Chaos zu bezeichnen. In einem ehemaligen Produktionsgewächshaus für Gemüse ist eine Mischung aus Möbelhaus, Gartencenter, Trophäenverkauf, Minidschungel und Warenlager entstanden.

Gut 90 % der Fläche namen Pflanzenvorräte (Palmen, Yucca, Palmfarne und diverse andere Pflanzen) ein. Die meisten Pflanzen haben früher einmal sehr attraktiv ausgesehen, Meister Wilhelm würde es vermutlich so formulieren: “einige waren tatsächlich im Stande des Heils”. Der Herr, der mich durch die Anlage begleitete schaute die Calibanus vorwurfsvoll an, weil sie in der Morast-artigen Erde partout keine Wurzeln machen wollten. Auf meinen Blick zur Flächenberegnungsanlage reagierte er, als hätte er diese und die wassergefüllten Untersetzer unter den Töpfen just zum ersten Mal gesehen. Entweder war man sich über die Frage der Pflegebedürfnisse unsicher, oder hatte sich einfach noch nicht die Mühe gemacht, die Bombax ellipticum und Calibanus hookeri in nicht beregnete Bereiche zu bringen.

Bei der Gelegenheit einige Informationen über Calibanus hookeri.

Dem kleinen Dschungel tat die kontinuierliche Beregnung hingegen sehr gut, alles grünt uns sprießt und wirkt richtig “dschungelig” und tatsächlich hatte ich nach wenigen Schritten den Sichtkontakt zur Gewächshausumwelt verloren.

Trotz der großen Zahl an verfügbaren Pflanzen habe ich diesen Ort nur mit verhältnismässig wenig Jagdbeute verlassen. Einerseits musste ich nach den letzten schönen Pflanzen gründlich suchen und die meisten der zuvor noch telefonisch angepriesenen Arten waren überhaupt nicht vorhanden, oder schlicht und ergreifend bereits tod. Das war zwar ein etwas enttäuschendes Einkaufserlebnis – aber wie immer hat jedes Ding auch sein Gutes – beim Laden hatte ich nicht die sonst für die letzte Station typischen Probleme, die letzten Pflanzen im Bus unterzubrigen.

Nun bin ich gespannt, ob wir mit unserer Kakteenerde und etwas weniger Wasser auch bei den Bombax ellipticum und Calibanus hookeri Wurzeln hervorlocken können.


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Kakteen, Hemp-Shops und Gewächshäuser

Ein kleiner Kakteen-Trip in die Niederlande

- Teil eins -

Amsterdamer Gracht bei Nacht

Amsterdamer Gracht bei Nacht

Hinweis: Dieser Teil des Artikels könnte Informationen enthalten, die bevorzugt für erwachsene Leser geeignet sind :oops:

Ja, ich gebe zu, es war sehr intensiv. Wer bei Nacht durch Amsterdam trabt, kommt früher oder später an einem Fachgeschäft für Kaffee vorüber. In Wien gab es vor vielen Jahrzehnten eine ähnlich klingende Tradition: das Kaffeehaus. Dort konnte man Kaffee trinken. In Amsterdam gibt es im Coffieshop etwas anderes – wenigstens duftet es bei Nacht darin und davor sehr intensiv, aber überhaupt nicht nach Kaffee. Ist lustig in der Nase, mir aber völlig egal. Ich war doch wegen der Kakteen unterwegs – und in Amsterdam sollte es Metropolen-Kultur zum Auftakt geben.

Trotz dem die erste Gärtnerei doch erst für den nächsten Morgen geplant war, fielen mir doch tatsächlich die ersten Kakteen noch im Zentrum von Amsterdam vor die Füße. In DEM Headshop (The Headshop – since 1968).1

Kakteen im Headshop in Amsterdam

Kakteen im Headshop in Amsterdam

Eine hübsche Sammlung von halluzinogenen Kakteen stand da im Schaufenster herum. Ganz offensichtlich sehnsuchtsvoll nach Licht suchend, waren hier Astrophytum myriostigma (Bischofsmütze, Bishops Cap), Myrtillocactus geometricans, Lophophora williamsii (Peyotl), Trichocereus pachanoi (San Pedro-Kaktus), und Trichocereus peruvianus aufgestellt. Das Sicherheitsglas des Schaufensters sorgt zwar dafür, dass Kakteen und Zubehör unbehelligt von dem reichlichen flanierenden Publikum bleiben, aber eben auch vom Sonnenschein des Tages kommt vermutlich nur wenig bei den Pflanzen an und das quittieren diese mit dem typisch zipfeligen Wuchs an der Spitze an dem sich vermutlich früher oder später auch Pilze oder andere Schädlinge einfinden werden um ein wenig daran herumzunagen.

Sehr hübsch ist das Schild “UK and spanish customs say it’s OK to import cactus as live plants” (wörtlich: englische und spanische Zollbehörden sagen: es ist ok Kakteen als lebende Pflanzen importieren). Völlig richtig – wenn man die Einfuhrbestimmungen berücksichtigt gilt das auch für viele andere Länder. Im nächsten Laden fand ich noch einen größeren Trichocereus pachanoi – hier aber viel lustiger: eine große Schüssel Hanf-Lollies.

Eine weitere Begegnung anderer Art hatte ich in einer schmalen Gasse einige hundert Meter weiter. Auf der einen Seite standen lauter Männer, die die gegenüberliegende Seite der Gasse ausgesprochen interessiert anschauten, oder fotografierten. Im so fixierten Haus waren dicht aneinander Türen, Hauseingänge mit Glastüren, jede einzelne mit der Anmutung einer Telefonzelle. In jeder dieser Türen stand eine nur spärlich bekleidete Frau und guckte komisch. Wenig romantisch jedenfalls. Die Verbindung zwischen beiden Seiten der Gasse entstand in erster Linie durch Blicke, kaum durch Blickkontakt. Ich fand mich in der Mitte wieder und das war ein reichlich komisches Gefühl. Gut das die Gasse nicht endlos war.

Das Adventskalender-Haus in Amsterdam

Das Adventskalender-Haus in Amsterdam

Drei Straßen weiter war deutlich zu bemerken: hier in Amsterdam sind gewitzte Architekten zu Hause. Ein großes Haus wie ein Adventskalender, viele Türchen – tatsächlich 24 Stück und jeder Treppenaufgang war mit einer mehr oder minder falsch geschriebenen deutschen Stadt beschriftet.

Der nächste Morgen begann dann endlich mit – Kakteen – und gleich zwar Kakteen bis zum Horizont.

In diesem Fall handelt es sich bei den Kakteen um veredelte Chamaecereus-Hybriden2 mit Blüte. Das Foto ist natürlich mit Bedacht gemacht.

Begegnung unlängst im n. n. Gartencenter vor einem Tisch mit Erdbeer- und Bananenkakteen:

gelbe Chamaecereus Hybride mit Blüte

gelbe Chamaecereus Hybride mit Blüte

Sie zu Ihm. “Oooch gugge ma. Der hat abr ne schöne Blüde droff. Un so dick un gelb! Das is doch schön!”

Ich zu mir. “nu sache ma…” nein ich denke ja hochdeutsch. “nein wie absonderlich, ich vermag gar keine Blüte zu sehen.” Klar: die “Blüte” ist der Kaktus. So oft wie ich danach schon gefragt wurde. Hier zu sehen: die Blüte der Blüte. Auch diese Frage wird im Beitrag über Chamaecereus aufgeklärt werden.

Euphorbia obesa dichotom geteiltIn den Gewächshäusern habe ich nicht nur weitere schicke neue Veredelungen gefunden (z. B. super dunkelrote gebänderte Gymnocalycium mihanovichii), eine Hand voll wunderschöner großer Hoodia gordonii, bläulich weiß bestäubte Dudleya, ganz kleine furchtbar bedornte Stetsonia die schon die ersten Arme haben, Melokakteen mit Cephalium von den Kanarischen Inseln. Die ganze Auswahl fährt morgen schon zur Kakteenbörse und wird Samstag und Sonntag im EGA-Park schon zu sehen und zu kaufen sein.

Diese seltene dichotom geteilte Euphorbia obesa habe ich aber nur fotografiert und nicht mitgenommen.

Der heutige Abend war der anderen naheliegenden Metropole gewidmet – Rotterdam.

… dazu kommt hier der zweite Teil der Reise


  1. Ich weiß, auch zu übersetzen als Fachgeschäft für Köpfe – ist natürlich Quatsch. []
  2. mehr Details über das Namensdurcheinander in einem weiteren Artikel []
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Nächte in London können sehr kurz sein

Avatar London IMAXHappy Am I. So ein Glück.

Die vergangene Woche bin ich jeden Morgen am BFI IMAX London Waterloo vorbeimarschiert, um meinen Zug zu erreichen. Nachdem ich meinen geplanten Wochenendbesuch bei David Hunt absagen musste, war plötzlich jede Menge Zeit frei geworden. Jeden Morgen stach mir das riesige Avatar-Plakat ins Auge (nur Alice in Wonderland war noch größer – Filmstart war gestern). Ich hatte es bislang noch nie bis in ein IMAX geschafft und hatte auch noch keine Zeit gehabt Avatar zu sehen. Nachdem die Kritiken ziemlich wiedersprüchlich waren – mach ich mir doch einfach selbst ein Bild.

Andrea wollte mich ggf. begleiten – also schnell zwei Karten buchen.

Mist! die späte Abendvorstellung um 23.45 Uhr ist schon ausgebucht. Die um 9.15 ist zwar verflixt nah an unserem geplanten Abendessen, aber wenn es denn so sein soll.

Avatar IMAX London booking

So schön leer sah es am Samstag leider nicht aus

Hm. Komisch, alle Plätze sind weiß und sagen nicht buchbar. Ich starte noch einmal und siehe da, jetzt ist auch 9.15 ausgebucht. Grummel – na gut dann eben Avatar in der Kindervorstellung: 3.15 Uhr. Oh – ich glaube es nicht, ich erwische tatsächlich den vorletzten Platz – jetzt ist nur noch einer in der letzten Reihe frei und es ist ja nur noch wenig Zeit. (Andrea wollte nicht in die Nachmittagsvorstellung). Als nächstes poppt ein Fenster auf, erzählt was von 24 Stunden Zeit und Early Morning Screen. Autsch – das ist keine Kindervorstellung, das ist maximal late Partytime – und viertel nach drei in der Morgenstunde eigentlich nicht mehr meine Zeit. Kurze Überlegung – lets go for it!

Ich habe ein Ticket, jetzt muß ich nur noch nicht einschlafen.

Am Abend marschieren wir erstmal nach Covent Garden zu einem neuen Mexikaner den Andrea empfohlen bekam. Mexican Market Food – Wahaca heißt das Restaurant und es soll in der Szene sehr angesagt sein. 66 Chandos Place – ist in dem Viertel, in dem sich die Theater aufreihen, darum ist die Zeit vor und nach den Aufführungen eine schlechte Wahl. Reservierungen werden nicht angenommen, sagt man am Telefon – “aber im Moment ist es noch recht leer”, die Wartezeit könnten wir an der Bar überbrücken.

Wahaca Covent Garden London packed

Im Wahaca ist kaum ein Platz zum stehen

Von aussen sieht es unscheinbar aus, ein paar Kisten mit Limetten und Chillies stehen im Fenster, das Restaurant ist im Keller und erst hier sehen wir die Bescherung und wie angesagt der Laden ist. “Recht leer” bedeutet: die Treppe steht voll mit potentiellen Anwärtern für einen Warteplatz (!) auf einen Platz im Restaurant. Wir bekommen einen Platz auf einer mehrseitigen Warteliste und einen Buzzer, wie ich sie in den USA in einer Entbindungsstation mal gesehen habe. Die Bar ist brechend voll. “You must use your ellbowes – don’t be shy” sagt Andrea und wir versuchen ein Bier zu ergattern. 1 1/2 bis 2 Stunden hat man uns in Aussicht gestellt. Egal – ich will wissen, was dahinter steckt. Wir stecken 3 Bier, 1 Tequila, 1 Sangria, 1 x Chips und 1 x Schweineschwarten-Chips in die ersten 100 Minuten – die ersten 25 Pfund sind schon mal investiert, bevor wir überhaupt saßen. Ich glaube mein Freund Uli würde ziemlich neidisch auf einen solchen Ansturm auf seine Gastronomie sein. Andrea ist hingegen sauer – sie entdeckt immer wieder Gäste, die sie nach uns hat kommen sah – in der Tat unser Buzzer ist defekt. Dafür sind wir ausgezeichnet vorbereitet – wir können die Karte fast auswändig und haben schon unsere Wünsche notiert – es kann also losgehen.

Unsere waitress ist freundlich, tschechisch, wie die meisten ihrere Kolleginnen, aber sie ist ebenso wie die Küche etwas vom Ansturm überfordert. Das Restaurant hat offiziell 104 Plätze, allerdings werden aus allen möglichen Ecken neue Stühle gebracht, so vermute ich mit diesen “Aufbettungen” kommt der Laden auf gut 130 Plätze. Wahaca Kitchen on full speedDie Logistik ist wirklich bis ins letzte Detail optimiert, dennoch aber dem Samstag Abend nicht gewachsen. Ähnlich der spanischen Tapas bestellen wir leckere kleine Häppchen die zwischen 2 und 4,50 Pfund kosten, für Londoner Verhältnisse recht günstig, die Hauptgerichte liegen zwischen 6 und 12 Pfund. Fusion nennt man diese Art von Küche – sie soll dem lokalen Streetfood der mexikanischen Märkte nachempfunden sein, andererseits aber auch kreativ sein und einheimischen Geschmack treffen. So entstehen Gerichte wie Shredded Herring (Heringshack) oder marinated British Beef . Es ist eine Mischung die bei mir auf der Skala zwischen originell und interessant landen würde. Am unterhaltsamsten ist einfach der Laden und die Leute. Zwei Dinge bekommen von mir das Prädikat außergewöhnlich: das sind die ganz simplen Tortillas con Frijoles (Maisfladen mit schwarzem Bohnenmus) und es ist der wunderbare Mojito. Zwischendurch schwanken wir beide zwischen Begeisterung und Enttäuschung. Side-orders gehen manchmal verloren, mein Espresso ist kalt, Andrea möchte Mole bestellen – damit sie sich richtig entscheiden kann bekommt sie ein kleines Schälchen vorher zum kosten – wie gut – denn diese Mole ist nicht so ganz ihr Geschmack. In summa war es ein sehr schönes Abendessen – aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los – ich muß doch mal nach Mexiko – und wenn es nur darum geht, die Küche mal im Original zu erleben.

Als nächstes erlebe ich erstmal meine 3D-Film Premiere. Ich tappe pünktlich um viertel vor 3 Uhr raus in die kalte Dunkelheit – friere wie ein Hund und frage mich, was all die Leute zu der Zeit hier auf der Straße treiben. Zwischen Temple und Embankment ist noch Party auf der Straße, ich mache mir so meine provinziellen Gedanken, die Mädels sind hier mindestens ebenso dicht wie die Jungs die sich gegenseitig mit Eiswürfeln und Bier bewerfen. Auf der Waterloo Bridge ein schöner Blick auf die nächtliche Stadt und eine scheinbar völlig stille Thamse. Auf der Brücke torkeln vor mir zwei Mädels barfuß – die Pumps waren offensichtlich schlimmer als die Kälte an den Füßen.

IMAX London - nicht ganz vollIm Kino sind nur wenige Leute, die noch auf die Tickets warten. Offensichtlich ist die Sache mit der Early Morning Show vielen durch die Lappen gegangen, das Kino ist nicht wirklich so besetzt, wie es ausgebucht war. Bewaffnet mit einer 3D-Brille warte ich auf den Film. Es gibt eine kurze persönliche Einführung (mit den inzwischen üblichen Copyright-Hinweisen und dann gehts los. Die beiden 3D-Trailer für Alice in Wonderland und Tron sind eine gute Einstimmung für mich, das weiße Kaninchen wirft mit einer Tasse, die meinen Kopf nur knapp verfehlt. Ich springe zur Seite und freue mich, dass ich jetzt nicht auf dem Schoß der Japanerin zwei Sitze weiter lande. Wir kichern beide. Beim nächsten mal bin ich vorbereitet.

Der Film zieht mich völlig in seinen Bann – darüber muß ich noch etwas nachdenken. Ich bin jedenfalls begeistert, gebe aber zu, es ist mehr Handlung als Inhalt, letzterer beschäftigt mich allerdings nach 12 Stunden immer noch.

Als ich beschwingt das Kino verlasse ist die Dämmerung schon weit fortgeschritten, es ist halb sieben, als ich zu Hause eintreffe. Zweieinhalb Stunden später ruft mich Michael an.

Auch gut, dann schlafe ich eben heute Abend, morgen früh gehts schon die erste Etappe wieder Richtung Deutschland :)

London im Morgengrauen - kurz nach 6 Uhr


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Langer Tag

Nach einer ganz schön langen Woche gibt es am Wochenende Freizeit. Heute früh entscheiden wir uns für Jewish Brunch – Shakshuka sagt Andreas Rezeptbüchlein, das gibt es bei den Handwerkern immer zum Frühstück – und es sagt auch: da fehlen uns noch einige Zutaten. Das passt, wir machen uns auf den Weg und holen gleich noch die Wochenend FT lecker Mocha und etwas Gebäck um den Hunger beim kochen zu überbrücken.

Unterwegs zur Fleet Street treffen wir Tony und seinen Hund. Wir unterhalten uns über die Schichtungen von Wegeaufbauten und die Verwendung von Geovlies. Ich freue mich über die Offenheit und werfe gleich ein paar meiner Gedanken mit ein … “Die Briten sind doch immer wieder interessiert an Dingen im Garten”, denke ich bei mir, aber vielleicht ist er auch ein Gärtner, obwohl Andrea noch nie von einem Tony erzählt hat. Einmal mehr lernte ich: schließe nie von Äußerlichkeiten – ich lag mit meiner Einschätzung so hübsch daneben, wie ich gleich erfuhr.1

Nach unserem Shakshuka fahren wir nach Chelsea. Dort ist eine große Auktion, auf der auch eine Reihe Gartenmöbel angeboten werden. Wir treffen uns mit einer Freundin von Andrea und schauen uns Sessel, Betten, Tische, Sekretäre, Matratzen, Bilder, Spielschränkchen, Spiegel, Kommoden, Hocker, Sofas und Ottomanen an. Mittendrin finden wir auch eine Handvoll ausgeblichener Gartensessel, die aber mehr ein Schatten ihrer selbst sind. Viel interessanter sind die Dinge, die ich erfahre: warum der Spieltisch offensichtlich für Bridge-Spieler ausgetüftelt wurde, das zwölf Stühle je Stück teurer sind, als zehn, die verschiedenen historischen Epochen in der britischen Kunst, aber auch über die deutsche – so war mir nie so richtig klar, was sich hinter Boheme eigentlich verbirgt. Wir schaffen es, alle Antikhäuser und Auktionen der Strasse abzuklappern, ohne ein einziges Pfund auszugeben. Wobei ich aus dem wundern hier und dort nicht herauskam und regelmäßig “verloren ging”. Es war ganz gut so, denn am Montag hätte ich im Eurostar meine liebe Not gehabt, einen original Tupolev Schleudersitz, einen Oktagontisch mit Rotationserweiterung (ab 8.500 statt 450.000 Pfund), einen 3,50 Meter Kristall-Lüster oder ein Dutzend edwardianische Stühle unterzubringen. Die Angebote waren allemal unglaublich.


  1. Andrea erzählt mir erst danach, die korrekte Anrede wäre “Sir” gewesen, aber es erschien ihr unpassend, mir in der Situation auf die Nase zu binden, dass ich gerade meine erste Begegnung mit einem der wenigen Lords habe, sie habe sich Sorge um meine Fassung gemacht – womit sie sehr richtig lag []
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