Ulrich Haage schrieb Sonntag, 12. April 2009
· unter Alltägliches
Fast fertig – der Frühjahrskatalog – nur noch ein paar Korrekturen und hm … das Editorial warten dann noch auf mich.
Für heute ist jedenfalls vorzeitig Schluß mit der Arbeit, morgen ist Ostersonntag, da beginnt der Tag immer etwas stiller und früher. Darauf freu ich mich schon und gehe eher ins Bett. Unser großes Osterfeuer ist inzwischen auch schon aus.
Hier gibt es die erste Vorschau auf den Frühjahrskatalog 2009 von Kakteen-Haage. Drei Seiten rund um die Gymnocalycium1. Klick
Ulrich Haage schrieb Samstag, 11. April 2009
· unter aufgespiesst
Ich fühl mich heute wie ein kleiner Odysseus.
Ich habe den Namen vom Kaktussaft vergessen und dachte, schaust einfach mal schnell ins Internet. Da klemmt man echt fest. Aber spannend, was man so alles findet.
So soll Kaktussaft schmecken??
O-Ton der ersten Bewertung auf dooyoo für den Tymbark Kaktussaft – den ich selbst auch eher wiederlich finde – von Kaktus ist da kaum was zu schmecken – das ist eher Rufschädigung für den armen Kaktus.
Das schreibt Tymbark auf die Packung:
“Bienvenidos!
Ein Kaktus ist zwar stachelig, aber beim Trinken merken Sie das nicht.
Was Sie jedoch merken werden ist, dass sich Kaktus und Limette gegenseitig zu einem wunderbaren Geschmack anstacheln.
Das kam von der junior-Prüferin:
“Das habe ich jetzt probiert, muss ich das austrinken?”
Der gleiche Klebesaft ohne viel Geschmack (oder war es der Text?) hatte auf Andreas vom an|di|ary1 eine beruhigende Wirkung. Dafür gibt es eigentlich von Seiten der Inhaltsstoffe keine plausible Begründung
Und dann wirds spannend: da sitzt eine Chinesische Firma in Milpa Alta – im Tal der Opuntien – in Mexiko und produziert Kaktussaft.
(sieht aus wie xing auf chinesisch)
In Deutschland gibt es dann die Produkte – zum Beispiel hier reinen Kaktussaft von Schoenenberger:
besonders gefällt mir die Zielgruppe:
… Kaktussaft für Sportler, Stressgeplagte und Rekonvaleszente
findet man übrigens auch unter www.kaktussaft.de
Als nächstes stolpere ich über ein ziemlich schräges Video mit dem Stichwort Kaktussaft:
Als nächstes stolpere ich auf eine wilde Ansammlung von Klischees und Spekulationen in FanFicts zu Saber Rider:
… da Saber Rider sehr kindgerecht gestaltet ist und daher ja kein Alkohol getrunken werden durfte kann Kaktussaft ein verblümter Begriff für Tequila sein. Der wird nämlich aus dem Mescal-Kaktus, auch als Agave bekannt, hergestellt …
Da sollte dann doch getrennt werden zwischen Mezcal – in der Tat ein Agavenbrand, aber kein Kaktus und Meskalin, einem Alkaloid, das aus Lophophora und Trichocereus extrahiert wird.
… Kaktussaft kann aber auch das sein was der Name sagt: Saft aus einem Kaktus. Ein Stück aus einem Kaktus herausschneiden, in ein Tuch einwickeln, ausdrücken und das was heraustropft trinken. John Wayne hat das in der Wüste schon einmal das Leben gerettet
Hm, einfach mal ausprobieren – die Tour mit Wasserhahn einschlagen geht definitiv nicht – der Kaktus ist ein Wasserspeicher, aber kein Fass, es dürfte leichter sein, eine Kartoffel auszudrücken.
… wer aber nicht weiß was er tut, dem kann das im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten. Denn viele Kakteen haben eine leicht bis stark berauschende Wirkung und sind gar leicht bis stark giftig. Beim kleinen stacheligen Freund auf der Fensterbank kann es sich sogar um ein hochgiftiges Wolfsmilchgewächs handeln das nur aussieht wie ein Kaktus.
stimmt völlig.
… ist ohne fundierte botanische Kenntnisse von Experimenten mit Kakteen abzuraten.. Inzwischen ist mir in einem Asia-Supermarkt auch mal ein Aloe Vera Getränk mit Honig (und Fruchtstücken) untergekommen. Also quasi ja Kaktussaft weil Aloe Vera ja eine Kaktuspflanze ist. Und es schmeckt… fürchterlich!
nö, ist Aloe nicht – ich würde auch nicht so einfach in eine Aloe beißen, der Aloe-Joghurt von Emmi war hingegen sehr lecker.
Aber ausgerechnet das muß man nicht so ernst nehmen, schließlich ist es Fiktion und da geht alles.
Zum Schluß noch was zum Thema schön und gesund:
Das ist ein Schönheitsbadesalz aus Aloe vera und Feigenkaktus – saftig
Und noch was für sonnige Zeiten:
Das ist Sonnenmilch aus Kakteen für Surfer und andere Säugetiere und gegen Insekten
Die Jungs haben darauf sogar ein Patent:
United States Patent
Patent Number 5,736,584
Abstract
An insect repelling composition includes a mineral oil based carrier and , as an active ingredient, an insect repelling amount of cactus extract made from the leaves and stems of the Prickly Pear Cactus. A pest repellant formulation can be prepared by combining an oil based carrier with an insect repelling amount of cactus extract and applying the repellent to the skin, hair or fur of a mammal.
… und im Weltreisenfourm lerne ich gleich noch: cactusjuice ist ein Geheimtip – ich meine, ich wäre in San Diego in einem Sportgeschäft schon mal drüber gestolpert
Martin Liedelbauer verkauft den gleichen cactusjuice zwischen Auslaufmodellen und Computer und Peripherie.
Cameron Scholtz mit schicker Opuntia blogged auf cactusjuice.com über Diäten, Workouts, Situps und das abnehmende Leben im allgemeinen. Er hat aber damit aufgehört – mit dem bloggen.
So – ich höre auch auf, meinen Kaktussaft-Namen habe ich nicht gefunden.
Er ist mir wieder eingefallen
ein Hoch auf diesen Blognamen – apfel-user sind einfach von Grund auf kreativer schein mir [↩]
Ulrich Haage schrieb Dienstag, 7. April 2009
· unter gut zu wissen
Wozu sind die Nummern hinter dem Nachnamen bei den Kakteen?
Da kommt man ins Grübeln. MG470.2, GN170-492, STO89-285/2 oder ganz einfach P240. Natürlich sind das Feldnummern.
Aber ich gebe gern zu, bei meiner ersten Begegnung hatte ich als erstes den Gedanken an einen Großbauern, der seine Felder nummerieren muß, um sie alle aufzählen zu können.
Dieser kleine Artikel über Feldnummern erscheint im Kakteen-Haage Katalog 2009 ab Mai
Heute weiß ich natürlich, hinter den Abkürzungen verbergen sich die Standorte, die Kakteenleute besucht und Pflanzen gefunden haben. Alle wichtigen Informationen, wie Bodenbeschaffenheit, Begleitvegetation und natürlich der genaue Standort werden in Feldbücher eingetragen, mit deren Hilfe sich später der Reiseverlauf und das dokumentierte Pflanzenmaterial sehr gut nachvollziehen lässt. Die führenden Buchstaben definieren in den meisten Fällen die Person, von besonders fleissigen Sammlern werden eigene Feldlisten publiziert, in denen sich anhand der Feldnummer der Name und zusätzliche Informationen nachschlagen lassen. Die genauen Standortdaten (z.B. GPS-Koordinaten) sucht man allerdings meist vergebens, zu oft wurden solche Informationen missbraucht, um Standorte gänzlich auszuräubern.
(Für alte Hasen sind Feldnummern natürlich ein ebenso alter Hut, Meister Wilhelm kennt zum Beispiel die meisten Echinocereus-Feldnummern nebst Pflanzenbeschreibung auswendig)
Ein einheitliches System für Feldnummern gibt es leider nicht. Darum gibt es Überschneidungen und mehrfach besetzte Nummern, bei andere Feldnummern sucht man manchmal lange, bis man sie entschlüsselt hat.
Die bekannteste Quelle für Feldnummern dürfte die Feldnummerndatenbank von Ralph Martin sein. Über die Entstehung von Feldnummernsystemen kann man bei der Internoto nachlesen.
—-
Das ist ein kurzes Lebenszeichen aus der Klausur. Ich arbeite seit drei Wochen am Kakteen-Haage Katalog für das Frühjahr 2009. Bis Ostern müssen die Druckdaten fertig sein, ich bin wie man so schön sagt in der heißen Phase. Darum sitze ich in meiner Kemenate und lasse niemanden von draußen rein. (auch die meisten Blogeinträge der letzten Tage waren Aufsammlungen, die ich im Laufe der Zeit zusammengetragen hatte). Dieser Artikel stammt teilweise aus dem neuen Katalog, der Ende April versandfertig sein soll.
Ulrich Haage schrieb Freitag, 3. April 2009
· unter Alltägliches
Auch auf russisch gibt es merkwürdige Filmchen für Kinder – in diesem hier klauen die Ersatzteletubbies tatsächlich Kakteen und wildern ganz schön in ihrer Wüste herum, um die heimatliche Sammlung zu bereichern.
Filmchen anschauen im lecactus Blog von – hm – nicht mal so weit hat mein Russisch gereicht – aber vielleicht kommt einer der geneigten Leser weiter
Ulrich Haage schrieb Mittwoch, 1. April 2009
· unter best of fehlers
Heute früh hats mich geschwindelt.
Mein Vater zeigt mir ein Etikett und sagt – wir können diese Species beim besten Willen nicht im System finden. Ein Praktikant hat im letzten Jahr fein säuberlich auf dem Etikett notiert:
Weberocereus spedijau
Wir kontrollieren noch einmal den Topf der Mutterpflanze und dort findet sich ein abgebrochenes, krakelig beschriebenes Schildchen Weberocereus sp. ED1344 – das sieht sich natürlich sehr ähnlich. Ein Hoch auf die Kreativität.
Die korrekte Bezeichnung lautet Weberocereus glaber ED1344 (Acc. Edi Day)
So schnell kann eine neue Art entstehen, wenn man nicht aufpasst. Wie gut, das so etwas nicht unbemerkt bei uns durchrutscht, sondern immer noch einmal kontrolliert wird.
- Auch das ist kein Aprilscherz – auch wenn ich schon fast den Verdacht hatte -
Ulrich Haage schrieb Mittwoch, 1. April 2009
· unter gut zu wissen
Das ist ja wieder ein schönes Rätselraten.
Ich habe eine Nachfrage nach “Astrophytum viereckii” zu beantworten.
Im Geiste ist mir erst mal ein “gibts garnich” rausgerutscht.
In der Tat, die Fachliteratur schweigt sich darüber aus. Damit meine ich:
Anderson/Eggli: Das große Kakteenlexikon
Anderson: The Cactus Family
Haage/Sadowsky: Kakteensterne
Haage: Kakteen von A bis Z
Hoock: Astrophytum Lem.
Hunt: Cactaceae CITES Cecklist I + II
Hunt: The new Cactus Lexicon
drei mögliche Erklärungen zur Herkunft des Namens:
(Spekulations-Modus on!)
gelumpt - im alten Förster1 aus dem Jahre 1886 finden sich die Astrophytum ab Seite 459 in der Gruppe der Echinocacteae – den Igelkaktusähnlichen und zeitweise werden die bekannten Arten der Gattung Astrophytum von verschiedenen Autoren zu den Echinocactus gestellt. Dennoch auch später ist kein sinnvoller Hinweis auf die Existenz – die Tatsache, das Astrophytum einstmals in einer anderen Gattung steckte ist als Hinweis mehr als dürftig, mal abgesehen, das Viereck erst um 1930 – also verworfen.
Autorenname - auch wenn Viereck nach meinem Wissen kein Astrophytum beschrieben hat, existiert doch einiges an Korrespondenz und diverse Artikel von ihm. So hat er sich unter anderem mit Astrophytum myriostigma intensiver beschäftigt und es werden von ihm Varietäten zitiert, die heute nicht mehr bekannt, oder anerkannt sind. Ein solches (hier fiktives) Zitat “Astrophytum myriostigma var. jaumavense Viereck” könnte irrtümlich zu einem viereckii umfunktioniert worden sein.
Ebenso passen würde diese Beispiel:
Astrophytum capricorne v. crassispinum, VIERECK aus SADOVSKY/SCHÜTZ (1979): Die Gattung Astrophytum – auf Seite 152. In diesem Zeitungsartikel wird ihm eine besondere Kennerschaft in Bezug auf die Astrophyten bescheinigt.
Ähnlich hier: Astrophytum capricorne v. niveum in C. BACKEBERG, 1937; im Kommentar findet sich der Hinweis: “von VIERECK gefundene Exemplare”
viereckig - mitunter wurden Pflanzen nach ihrem Habitus benannt. Die oben genannte Varietät galt als besonders, da sie besonders häufig mit nur vier oder gar drei Rippen in Erscheinung trat. Daher auch das Synonym Astrophytum myriostigma var. tamaulipense f. quadricostatum (vierrippig)
(Spekulations-Modus off!)
Fazit: auch wenn es nett ist, mal so ein wenig herumzuspekulieren, die Existenz eines Astrophtum viereckii erscheint mir bis hierher vor dem Hintergrund der wenigen vorliegenden Informationen kaum wahrscheinlich. Möglicherweise geben unsere alten Katalog oder frühe Jahrgänge der KuaS aus dieser Zeit noch Aufschluß darüber.
Hier noch etwas Halbwissen aus dem Internet…
“Astrophytum capricorne v. viereckii”
Kommentar: abgebildet ist ein OR (Hybride) in einem Kakteengarten auf Lanzarote, auf dem Etikett steht tatsächlich “Astrophytum capricorne v. viereckii” – möglicherweise ist die Autorin des Artikels über diese Pflanze gestolpert.
Quelle: KREMER-VIERECK, O., 2000: Auf der Suche nach dem Kakteensammler Hans. W. Viereck, Seite: 223 – auch wenn heute der 1.4 ist. - ich bin mir nicht so sicher, ob die Thesen jeder so Ernst nehmen muss wie ich
Carl Friedrich Förster – Handbuch der Cacteenkunde in ihrem ganzen Umfange durch Holzschnitte illustriert – 2te, gänzl. umgearbeitete Auflage nach dem gegenwärtigen Stande des Wissens bearbeitete und durch die seit 1846 begr. Gattungen u. neu eingef. Arten vermehrt von Theodor Rümpler [↩]